Gloriastrasse 19, 8006 Zürich (Karte)
von Katarina McMahon
Mit der «Alten Anatomie» entstand erstmals ein repräsentatives staatliches Institut. Der Bau steht für den Übergang zu einer institutionell organisierten medizinischen Lehre und Forschung, nicht zuletzt, weil er ausserhalb der damaligen Stadtmauern errichtet wurde und damit auch die politische Öffnung der Stadt widerspiegelt.

Ein Denkmal des Fortschritts
Lange Zeit basierte die anatomische Ausbildung in Zürich auf der privaten Initiative einzelner Ärzte. Mit der «Alten Anatomie» entstand erstmals ein repräsentatives staatliches Institut. Der Bau steht für den Übergang zu einer institutionell organisierten medizinischen Lehre und Forschung, nicht zuletzt, weil er ausserhalb der damaligen Stadtmauern errichtet wurde und damit auch die politische Öffnung der Stadt widerspiegelt.
Neben der Anatomie waren auch Fächer wie Pathophysiologie, Histologie und Zoologie in dem Bau untergebracht.

Kontroverse Aspekte des Baus
Der Hörsaal wurde mit einer derart mangelhaften Akustik erbaut, dass bereits in der zweiten Reihe kaum noch etwas zu verstehen war. Infolgedessen mussten der geplante Hörsaal und der Präpariersaal kurzerhand ihre Funktionen tauschen.
Das Institut wurde aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zum ehemaligen Kantonsspital kritisch betrachtet. Der Transport der Leichen und der Arbeitsweg der Ärzte und Studenten waren zwar erleichtert, allerdings wurde wenig Rücksicht darauf genommen, dass die Patient:innen täglich vor Augen hatten, wohin ihr Weg möglicherweise führen könnte – zur Alten Anatomie und dem daneben liegenden Spitalfriedhof.
Geschichte und Gegenwart
Heute dient das denkmalgeschützte Gebäude als modernes Schulungszentrum des Universitätsspitals.
Bei Ausgrabungen für den neuen Spitalcampus wurden Teile des alten Spitalfriedhofs entdeckt. Die Funde erinnern daran, dass der Standort nicht nur für medizinischen Fortschritt steht, sondern auch eine komplexe Geschichte von Forschung, Tod und gesellschaftlichem Wandel trägt.
Bildquellen
Abb. 1: Baugeschichtliches Archiv, Stadt Zürich „Alte Anatomie“, Fotograf:in: 2010: Hussel Thomas (05.05.2026)
Abb. 2: 2023: Juliet Haller (12.05.2026)
Literatur
Anatomie in Zürich, Töndury Gian: Anatomie in Zürich. In: Gesnerus 3/4 (1980) S. 271-287.
Inventar der Denkmalpflege des Kantons Zürich „Alte Anatomie“ (05.05.2026