Die Überreste der Römischen Thermen
Thermengasse, 35 (Karte)
von Leonie Joseph
Mitten in der Zürcher Altstadt, in der Thermengasse, liegen die Überreste einer römischen Badeanlage, die mehr war als nur ein Ort der Reinigung. Die Thermen des antiken Turicum (später Zürich) geben nicht nur Einblick in Alltagskultur, sondern auch in das medizinische Verständnis der Römer – eine faszinierende Verbindung von Hygiene, Prävention und früher „Wellnessmedizin“.

Römische Thermen- Hygiene, Medizin und soziale Interaktion
1983 wurden während Umbau arbeiten eines alten Spielwarengeschäfts Überreste von römischen Thermen entdeckt. Es konnten ein Teil der Heizungsanlagen und der Mauern von einem kleinen ersten Bad und einem sehr viel grösseren etwas jüngeren Bads dargestellt werden. Heute kann man diese Mauern, sowie Artefakte der damaligen Badekultur durch Fenster begutachten. Aus heutiger Sicht erscheinen römische Thermen fast wie Vorläufer moderner Gesundheitszentren. Körperpflege war im römischen Denken eng mit Gesundheit verbunden. Regelmässiges Baden sollte Krankheiten vorbeugen, den Körper stärken und das Gleichgewicht der Körpersäfte erhalten – ein Konzept, das auf der antiken vier Säfte Lehre beruhte.
Die Thermen des antiken Turicum (später Zürich) waren mehr als nur ein Ort der Reinigung, sie waren Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens. Man konnte Sport treiben, sich massieren oder mit duftenden Ölen einreiben lassen. Doch der Kern aller Bäder waren die drei Baderäume, die stehts in der Reihenfolge; heiss, lauwarm und kalt gebaut waren. Das Caldarium (F) wurde direkt beheizt und es herrschte eine feuchte Hitze von bis zu 60° Celsius. Da Tepidarium (G) wurde indirekt beheizt und wurde zu Akklimatisierung verwendet und beendet wurde der Badegang stehts im kalten Frigidarium. Gewisse Bäder besassen zudem noch ein Sudatorium , ein trockener Schwitzraum der direkt durch die Holzkohleofen(H) beheizt wurde und deshalb noch heisser als das Caldarium wurde.
Dieses Wechselbad wurde bereits damals mit positiven Effekten auf Durchblutung, Immunsystem und allgemeines Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Dass eine solche Anlage auch im kleinen Turicum existierte, zeigt, wie weit verbreitet diese Gesundheitspraktiken im Römischen Reich waren. Die Thermen in der Thermengasse waren somit nicht nur ein sozialer Treffpunkt, sondern auch ein zentraler Ort für Prävention und körperliches Wohlbefinden.

Vier Säfte Lehre
Das medizinische Denken der Römer war stark geprägt von Hippokrates von Kos und später von Galen. Beide sahen Gesundheit als Gleichgewicht der vier Körpersäfte; Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Das Blut wurden dem Element der Luft zugesprochen und galt als warm und feucht. Der Schleim war wie das Wasser als kalt und feucht, die gelbe Galle wie das Feuer als warm und trocken und die schwarze Galle wie die Erde als kalt und trocken beschrieben. Da Krankheit als ein Ungleichgewicht der Körpersäfte gedeutet wurde, war es das Ziel aller Gesundheitspflege, das Gleichgewicht der Säfte zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies konnte durch Schwitzen, Schröpfen, den Aderlass oder die Gabe von Abführmitteln geschehen.
Thermenbesuche galten somit als Möglichkeit, dieses Gleichgewicht aktiv und auch präventiv zu beeinflussen. Wärme wurde beispielsweise eingesetzt bei Muskel- und Gelenkbeschwerden oder „Erkältungskrankheiten“ (im Sinne von Schleimüberschuss) und allgemeiner Schwäche. Kälte hingegen sollte entzündliche Prozesse dämpfen und den Körper „abhärten“.

Hygiene – ein fortschrittlicher Gedanke
Die römischen Thermen vereinen, was heute oft getrennt gedacht wird: Hygiene, Medizin und soziale Interaktion. Aus moderner Sicht lassen sich viele ihrer Prinzipien – wie Wechselbäder, Wärmetherapie und Bewegung – durchaus wissenschaftlich nachvollziehen. Die Anlage in der Thermengasse ist damit nicht nur ein archäologisches Relikt, sondern auch ein Zeugnis früher Gesundheitskultur – und ein Hinweis darauf, dass viele Ideen moderner Medizin bereits vor fast 2000 Jahren praktiziert wurden.Auch wenn die Römer keine Kenntnis von Bakterien oder Viren hatten, spielte Hygiene eine zentrale Rolle. Öffentliche Bäder boten Zugang zu regelmässiger Körperreinigung – ein nicht zu unterschätzender Faktor in dicht besiedelten Siedlungen wie Turicum. Allerdings war diese Hygiene aus heutiger Sicht ambivalent. Das Wasser wurde oft mehrfach genutzt enge Räume begünstigten die Verbreitung von Krankheiten. Trotzdem war die römische Badekultur im Vergleich zu vielen späteren Epochen hygienisch fortschrittlich.
Die römischen Thermen vereinen, was heute oft getrennt gedacht wird: Hygiene, Medizin und soziale Interaktion. Aus moderner Sicht lassen sich viele ihrer Prinzipien – wie Wechselbäder, Wärmetherapie und Bewegung – durchaus wissenschaftlich nachvollziehen. Die Anlage in der Thermengasse ist damit nicht nur ein archäologisches Relikt, sondern auch ein Zeugnis früher Gesundheitskultur – und ein Hinweis darauf, dass viele Ideen moderner Medizin bereits vor fast 2000 Jahren praktiziert wurden.
Bildquellen
Abb. 1: Zeitreise durch die Thermengasse | Stadt Zürich, 03.05.2026
Abb. 2: Zeitreise durch die Thermengasse | Stadt Zürich, 03.05.2026
Abb 3: https://schaufelberger.wordpress.com/wp-content/uploads/2018/06/bild42.jpg ,08.05.2026
Literatur
https://www.stadt-zuerich.ch/misc/de/mitteilungsarchiv/medienmitteilungen/2009/10/091027b.html, 26.04.2026
https://de.wikipedia.org/wiki/Humoralpathologie, 26.04.2026
https://www.museumaargau.ch/blog/artikel/das-roemische-bad-wellness-oase-und-freizeitzentrum-der-antike, 26.04.2026