Die anatomische Studiensammlung Irchel

Winterthurerstrasse 190
Bau Y42
8057 Zürich (Karte)

von Stella Homburg

«Der Körper ist ein dreidimensionales Objekt, also brauchen die Studierenden dreidimensionale Präparate, um ihn so zu begreifen, dass sie sich blindlings darin zurechtfinden.» 1

– Prof. Peter Groscurth

Die Ursprünge der Sammlung

Die heutige Anatomische Sammlung der Universität Zürich am Irchel ist nicht einfach 1983 neu entstanden. Ihre Wurzeln reichen vielmehr in die Vorgängerinstitution der Universität, das medizinisch-chirurgische Institut, zurück. Zwischenzeitlich wurden die ersten Präparate im Jahre 1822 ins Hinterhaus der Augustinerkirche untergebracht. Auch nach der Gründung der Universität Zürich – damals „Universitas Turicensis“ – 1833 behielt die anatomische Sammlung ihren Standort. Jedoch war dieser nicht direkt den Räumlichkeiten der medizinischen Fakultät angegliedert und somit für Lernzwecke eher umständlich.

Abb. 1: Altes Kantonsspital 1847

Der Umzug der Sammlung in en Gebäude nahe des Kantonsspitals im Schönhaus-Gut ermöglichte eine vermehrte Integration der Modelle in die Lehre der Anatomie. Jedoch war dies ebenfalls keine endgültige Lösung.
Zwischendurch wurde sie auch im Südflügel der ETH untergebracht, als die Universität im Jahre 1864 temporär dort einzog.

Im 20. Jahrhundert verlagerte sich die Anatomie schrittweise stärker in den Bereich des Hochschulquartiers. Ein klar belegbarer späterer Standort ist die Gloriastrasse 19, wo sich die Sammlung bis Anfang der 1980er Jahre befand. 2

Übersicht der Standorte
1822Hinterhaus bei der Augustinerkirche
1842Kantonsspital im Schönhaus-Gut
1864Südflügel des Polytechnikums/der späteren ETH
bis 1983Gloriastrasse 19
HeuteCampus Irchel

Die Anatomische Studiensammlung des Irchel

Mit dem Campus Irchel gewann die medizinische Fakultät ab Ende der 1970er Jahre einen modernen Standort, der vor allem die Grundlagenforschung stärkte. Mit neuen und viel mehr räumlichen Möglichkeiten für Lehre, Institute und Sammlungen konnte die Forschung in verschiedenen Gebieten vorangetrieben werden.
Dies ermöglichte Interprofessioelle Zusammenarbeit und somit die Verknüpfung zwischen Grundlagenforschung, Ingenieurwissenschaften und Klinik weiter zu festigen.

Abb. 3: Luftaufnahme des Cmapus Irchel

Da beim Umzug der medizinischen Fakultät in den Irchel-Campus die anatomische Studiensammlung zu Beginn schon mitberücksichtigt wurde, konnte sie gezielt aufgebaut und erweitert werden. Die Präparate wurden zudem aus „dunklen Schränken“ in Glasvitrinen mit mehr Beschriftungen und ergänzenden Schnittbildern verschoben, wodurch ihr didaktischer Nutzen zusätzlich optimiert werden konnte.3

Abb. 1: Zu Lehrzwecken eingefärbtes Modell einer menschlichen Lunge mit Bronchialbaum.


Zusätzliche Modernisierungen, wie die Integration von Kunststoffmodellen, ermöglichten zudem ein tieferes Verständnis von Systemen wie Gefässvesorgung, Innervationen und räumlichen Beziehungen.
Studierenden wurde somit zusätzlich die Möglichkeit geboten, Modelle in die Hand nehmen zu können und sich sie so von allen Seiten zu studieren. Dies war ohne Kunststoffmodelle fast nicht möglich, da die „echten“ Präparate viel schneller Schäden aufwiesen. 4

Bedeutend für diesen Schritt der modernen Lehr- und Lernmethodik war Prof. Peter Groscurth, ehemaliger Professor der Anatomie und Direktor der anatomischen Studiensammlung der Universität Zürich.
Er setzte sich nicht nur dafür ein, Modelle in ihrer dreidimensionalen Form aus verschiedensten Winkeln, Schnitten und Grössenverhältnissen darzustellen, sondern modernisierte die Anatomie zusätzlich durch Integration virtueller Lernplattformen. Bis heute wird die nach ihm benannte Webseite als bedeutendes Mittel genutzt, sich histologische, anatomische und systemische Lerninhalte anzueignen.

Abb. 4: Prof. Peter Groscurth

Die anatomische Studiensammlung beinhaltet zum heutigen Zeitpunkt 450 Präparate und Kunststoffmodelle. Gleichzeitig bleibt ihre Funktion dieselbe, wie sie die Hinterräume der Augustinerkirche im Jahre 1822 hatten: Sie ist ein Ort, an dem Anatomie durch den unmittelbaren Umgang mit realen Objekten gelernt – und im dreidimensionalen Raum verstanden werden soll. Die Lehre der Anatomie nach wie vor eine der Grundlagen der medizinischen Ausbildung. Die anatomische Studiensammlung bildet somit eine essentielle Ressource zur Ausbildung zukünftiger Ärzte und Ärztinnen.

Quellenangaben:

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Altes Kantonsspital, Aufnahme von 1847.
Quelle: Universität Zürich, Geschichte und Zukunft. Online: https://www.med.uzh.ch/dam/jcr:dc0bee84-4c5b-4008-a546-09291c3eeace/Altes%20Kantonsspital.jpeg (Zugriff: 28.4.2026).

Abb. 2: Lunge mit bronchialbaum, Studiensammlung der Universität Zürich.
Quelle: Universität Zürich. Anatomische Studiensammlung. Online: https://www.uzh.ch/dam/jcr:00000000-356f-37c6-ffff-ffff9471b304/anatomical-collection_top.jpg (Zugriff: 29.04.2026).

Abb. 3: Luftaufnahme des Campus Irchel.
Quelle: Universität Zürich, Geschichte und Zukunft. Online: https://www.med.uzh.ch/dam/jcr:46a05d1e-cdfa-45c4-89d8-ca1d38c46e04/Irchel_Luftaufnahme_2010_03.jpg (Zugriff: 28.4.2026).

Abb. 4: Prof. Peter Groscurth.
Quelle: Universität Zürich, Emeriti und Emeritae. Online:https://www.med.uzh.ch/contacts/med/00_Team_Archive/Emeriti-MeF/pgroscurth/photo/portrait02.jpg.jpg (Zugriff: 27.4.2026)

Literaturverzeichnis
  1. Renner, Sascha: Lehrmittel aus Fleisch und Blut, in: UZH-Journal 5/2005, S.9. Online: https://www.journal.uzh.ch/dam/jcr%3A00000000-086d-f41b-0000-000036b56f75/unijournal-2005-5.pdf, Zugriff: 21.04.2026.   ↩︎
  2. Medizinische Fakultät der Universität Zürich: Geschichte und Zukunft, Online: https://www.med.uzh.ch/de/fakultaet/Geschichte/Kulturgeschichte/Sammlungen.html , Zugriff: 21.04.2026.  ↩︎
  3. Medizinische Fakultät der Universität Zürich: Sammlungen, Online: https://www.med.uzh.ch/de/fakultaet/Geschichte/Kulturgeschichte/Sammlungen.html, Zugriff: 21.04.2026.  ↩︎
  4.  Groscurth, Peter: Präsentation des menschlichen Körpers in mehreren Dimensionen, in: Jahresbericht 2005, S. 64. Online: https://www.uzh.ch/dam/jcr%3Affffffff-9996-c641-ffff-ffffba44786e/jb_2005.pdf, Zugriff: 21.04.2026. ↩︎