TAG DER SLAVISCHEN SPRACHEN AM ISOS
Yana Tyazhkorob: Am 20. Juni 2026 fand der erste Tag der slavischen Sprachen am neu gegründeten Institut für Slavistik und Osteuropastudien (ISOS) der Universität Zürich statt. Interessierte Kinder im Alter von acht bis achtzehn Jahren mit Vorkenntnissen in einer oder mehreren slavischen Sprachen konnten sich in spielerischen Workshops von jeweils 15 Minuten gemeinsam mit ihren Eltern mit Serbisch, Polnisch, Ukrainisch und Russisch auseinandersetzen (der tschechische Workshop musste leider kurzfristig ausfallen, da keine Lehrperson vor Ort war) und erste Eindrücke von der Vielfalt und Ähnlichkeit der slavischen Sprachen sammeln. Ziel dieser Veranstaltung war es, die Neugierde der Kinder auf andere slavische Sprachen zu wecken, interaktiv die Forschung und Arbeit am ISOS aufzuzeigen sowie Kinder und Eltern auf die Möglichkeit eines Studiums aufmerksam zu machen. Zwischen den Workshops konnten sich die Gäste beim Apéro oder an der Bücherausstellung in der slavischen Bibliothek vergnügen, die von unserer Bibliothekarin Anita Michalak liebevoll kuratiert worden war.
Im Rahmen dieser Veranstaltung hatte ich das Privileg, Olga Burenina-Petrova und Anna Möhl in ihren Russisch-Workshops zu assistieren und sie zu begleiten. Die russische Gruppe bestand aus Kindern im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren in Begleitung von Eltern und Lehrkräften und wies somit die grösste Altersspanne auf. Trotzdem blieb das Gruppenklima angenehm und die Kinder kognitiv aktiviert. Als Eröffnungsaufgabe wurde unter anderem ein Arbeitsblatt mit Horoskopen in verschiedenen slavischen Sprachen verteilt, was die Gruppe in spannende Gespräche verwickelte und viele humorvolle Momente ermöglichte. Auffällig war, wie engagiert die Kinder sich an den Aufgaben beteiligten und vor allem, wie schnell sie dank ihrer Vorkenntnisse die Horoskope entschlüsseln konnten. So wurden erste Erkenntnisse darüber, wie sehr sich slavische Sprachen ähneln, sowie erste Erfolgserlebnisse durch das eigene Entziffern dieser Botschaften gesammelt.
Diese Beobachtung hat sich auch in den anderen Gruppen bestätigt: Unabhängig von Alter oder Herkunftssprache blieben die Kinder offen dafür, sich auf neues Wissen einzulassen, und konnten so rasant grosse Fortschritte in einer ihnen bisher völlig unbekannten Sprache vorweisen. Die polnische Gruppe konnte trotz ihrer Unkenntnis des kyrillischen Alphabets am Ende der 15 Minuten bereits erste Wörter auf Russisch lesen und schreiben. Die serbische Gruppe konnte am Schluss ihres eigenen Workshops ihre Lexik erweitern und mit uns ein paar Wörter auf Russisch sprechen. Zu guter Letzt war die tschechische Gruppe trotz der schwülen Hitze und der verständlichen Müdigkeit am Ende der Veranstaltung sehr neugierig und aufmerksam. Sie konnte somit ebenfalls erste Kenntnisse der kyrillischen Schrift wie auch der russischen Lexik sammeln und erweitern. Dabei entstanden spannende Gespräche über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Tschechisch und Russisch, was einen schönen Abschluss für diesen Austausch darstellte. Für ihre Mühe, ihre Neugierde und ihren Fleiss wurden die Kinder am Ende der Veranstaltung mit einem unterschriebenen Zertifikat belohnt, das ihre Teilnahme bestätigt.
Yana Nikolaeva Tyazhkorob, University of Zurich
Andjela Ivetic: Am 20. Juni 2026 öffnete das Institut für Slavistik und Osteuropastudien (ISOS) der Universität Zürich seine Türen für eine besondere Begegnung, eine Begegnung zwischen jungen Lernenden und der faszinierenden Welt der slavischen Sprachen. Im Rahmen meiner Zuständigkeit für die bosnisch-kroatisch-montenegrinisch-serbischen Sprachen (BKMS) durfte ich diesen Sprach-Workshop gemeinsam mit der Lektorin Jelena Gall begleiten und mitgestalten.
Vier Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren, die in Begleitung ihrer Lehrerin Jelena Angelovska aus der Serbischklasse des Ergänzungsunterrichts in heimatlicher Sprache und Kultur ans Institut kamen, tauchten an diesem Nachmittag in eine Sprachlandschaft ein, die ihnen zwar in Teilen vertraut, in ihrer ganzen Breite jedoch noch unentdeckt war. In einem interaktiven Workshop lernten sie, gemeinsam mit den Lektorinnen für Russisch, Ukrainisch und Polnisch, erste Worte und Begriffe jener Sprachen kennen, die sie bis dahin vielleicht nur vom Hörensagen kannten. Dabei wurde ihnen auf eindrucksvolle Weise vor Augen geführt, wie eng die slavischen Sprachen miteinander verwandt sind, nämlich wie ein gemeinsamer Faden, der sich durch unterschiedliche Kulturen und Literaturen zieht, und zugleich, wie reich und eigenständig jede von ihnen in ihrer Ausdruckskraft ist.
Ziel des Workshops war es nicht nur, sprachliches Wissen zu vermitteln, sondern auch Neugier zu wecken, nämlich die Neugier auf das Fremde, das sich beim näheren Hinsehen als überraschend vertraut erweist. Den Kindern sollte ein erster, lebendiger Eindruck davon gegeben werden, womit sich Studierende und Forschende am Slavischen Institut tagtäglich beschäftigen, in der Hoffnung, dass dieser Funke vielleicht einmal den Weg in eine akademische Laufbahn erhellen könnte.
Zum Abschluss erhielten die Kinder als Anerkennung für ihren eifrigen Einsatz und ihre offene, wissbegierige Haltung eine kleine Urkunde, ein bescheidenes, aber bedeutungsvolles Symbol ihres Mutes, sich auf das Unbekannte einzulassen. Die leuchtenden Augen und die sichtliche Freude der Kinder beim Empfang dieser Urkunden werden mir als das schönste Bild dieses Tages in Erinnerung bleiben.
20. juna 2025. godine Institut za slavistiku i istočnoevropske studije Univerziteta u Cirihu otvorio je vrata za jedan poseban susret, susret mladih polaznika ovdašnjih dopunskih škola i fascinantnog svijeta slovenskih jezika. U okviru moje nadležnosti za bosanski, hrvatski, crnogorski i srpski jezik (bhcs), imala sam priliku da zajedno s lektorkom Jelenom Gall pratim i oblikujem ovu jezičku radionicu.
Četvoro djece uzrasta od osam do trinaest godina, koja su u pratnji svoje učiteljice Jelene Angelovski iz dopunske škole za naš jezik i kulturu ”Zmaj” došla na Institut, zaronilo je tog popodneva u jezički pejzaž koji im je djelimično bio poznat, ali u svojoj cjelini još uvijek neotkriven. U interaktivnoj radionici, zajedno s lektorkama za ruski, ukrajinski i poljski jezik, učenici su upoznali prve riječi i pojmove onih jezika za koje su dotad možda znali samo po čuvenju. Pri tome im je na impresivan način pokazano koliko su slovenski jezici međusobno usko povezani, poput zajedničke niti koja se provlači kroz različite kulture i književnosti, a istovremeno i koliko je svaki od njih bogat i samostalan u svojoj izražajnoj snazi.
Cilj radionice nije bio samo prenijeti jezičko znanje, nego i probuditi radoznalost, naime, radoznalost za ono strano, a što se prilikom bližeg pogleda pokazuje iznenađujuće bliskim. Djeci je trebalo pružiti prvi, živi utisak o tome čime se studenti i istraživači na Slavističkom institutu svakodnevno bave, u nadi da bi ta iskra možda jednom mogla da im osvijetli put ka akademskoj karijeri.
Na kraju, djeca su kao priznanje za svoj vredni trud i svoju otvorenu, znatiželjnu prirodu dobila po jednu malu diplomu – skromno ali značajno svjedočanstvo njihove hrabrosti da se upuste u nepoznato. Blistave oči i vidljiva radost djece prilikom prijema ovih diploma ostaće mi u sjećanju kao najljepša slika tog dana.
In Ijekavian Latin Serbian
The article by Anđela Ivetić is available here in Bosnien, Croatian, Montenegrin, Ekavian Cyrillic Serbian, Ekavian Latin Serbian and Ijekavian Cyrillic Serbian.
Andjela Ivetic, University of Zurich
Christine Legangneux: Am 20. Juni 2026 fand an der Universität Zürich die Veranstaltung „Tag der slavischen Sprachen“ statt. Sie wurde für Schülerinnen und Schüler der HSK-Schulen organisiert, die verschiedene slavische Sprachen lernen. Ziel der Veranstaltung war es zu zeigen, dass die Kenntnis einer slavischen Sprache das Erlernen weiterer Sprachen dieser Sprachgruppe durch die Anwendung der Methode der Interkomprehension erheblich erleichtert. Zudem sollten die Schülerinnen und Schüler zum weiteren Studium slavischer Sprachen am Slavischen Seminar der Universität Zürich ermutigt werden.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden Workshops zur ukrainischen Sprache unter der Leitung von M.A. Margaryta Schneider, Dozentin für Ukrainisch an der Universität Zürich, durchgeführt. An den Workshops nahmen Schülerinnen und Schüler der ukrainischen Schule „Mrija“ aus Schaffhausen sowie Schülerinnen und Schüler tschechischer, russischer, polnischer und serbischer HSK-Schulen teil. Die Veranstaltung wurde zu einer wichtigen Plattform für die Förderung der ukrainischen Sprache, Kultur und literarischen Tradition in einem internationalen akademischen Umfeld.
Besonders erfreulich ist, dass die ukrainische Gruppe die größte unter allen Teilnehmenden war. Gemeinsam mit den Kindern beteiligten sich auch ihre Lehrpersonen aktiv an der Veranstaltung, was das große Interesse der ukrainischen Gemeinschaft an der Bewahrung und Weiterentwicklung der Muttersprache zeigte.
Das Programm verband interaktive Sprachaktivitäten, eine Einführung in das ukrainische Alphabet und seine Unterschiede zum lateinischen Alphabet, kreative Workshops, Sprachspiele, Lieder und Teamaufgaben. Die Kinder besuchten außerdem eine Ausstellung mit Büchern in slavischen Sprachen, darunter auch auf Ukrainisch, und nahmen an kurzen interaktiven Präsentationen zu anderen slavischen Sprachen teil, die von Lehrpersonen der Universität Zürich vorbereitet wurden.
Die Veranstaltung zeigte das wachsende Interesse an der ukrainischen Sprache im europäischen Bildungsraum. Solche Initiativen stärken internationale akademische und kulturelle Verbindungen, unterstützen die Entwicklung der ukrainischen Sprache im Ausland und tragen zu ihrer Etablierung als moderne europäische Sprache mit reichem kulturellem Erbe und ausgeprägter Klangschönheit bei. Im Rahmen solcher Begegnungen reflektieren Schülerinnen und Schüler – sowohl Sprecherinnen und Sprecher des Ukrainischen als auch anderer slavischer Sprachen – nicht nur ihre eigene kulturelle Identität, sondern entdecken auch zahlreiche gemeinsame Merkmale des kulturellen Codes der slavischen Völker. Dies fördert ein tieferes Verständnis sprachlicher und kultureller Verwandtschaft. Solche Veranstaltungen vermitteln Kindern den Wert der ukrainischen Sprache, das Bewusstsein für ihre Rolle in der eigenen und gemeinsamen kulturellen Identität und motivieren sie, diese Sprache zu bewahren, zu lernen und weiterzuentwickeln.
20 червня 2026 року в Університеті Цюриха відбувся захід «День слов’янських мов», організований для учнів HSK-шкіл, які вивчають різні слов’янські мови. Метою заходу було продемонструвати, що знання однієї слов’янської мови значно полегшує опанування інших мов цієї групи завдяки застосуванню методу інтеркомпрехенсії, а також заохотити учнів до подальшого вивчення слов’янських мов в Слов’янському інституті університета Цюриха.
У межах заходу були проведені майстер-класи з української мови під керівництвом M.A. Маргарити Шнайдер, доцентки кафедри української мови Університету Цюриха. У майстер-класах взяли участь учні української школи «Мрія» (м. Шаффгаузен, Швейцарія), а також учні чеської, російської, польської та сербської HSK-шкіл. Захід став важливою платформою для популяризації української мови, культури та української літературної спадщини в міжнародному академічному середовищі.
Особливо приємно відзначити, що українська група стала найчисельнішою серед усіх учасників. Разом із дітьми до заходу активно долучилися їхні вчителі, що засвідчило високий рівень зацікавленості української громади у збереженні та розвитку рідної мови.
Програма поєднувала інтерактивні мовні заняття, знайомство з українським алфавітом і його відмінностями від латинської абетки, творчі воркшопи, мовні ігри, пісні та командні завдання. Діти також відвідали виставку книжок слов’янськими мовами, зокрема українською, і взяли участь у коротких інтерактивних презентаціях про інші слов’янські мови, підготовлених викладачами Університету Цюриха.
Захід засвідчив зростання інтересу до української мови в європейському освітньому просторі. Такі ініціативи сприяють зміцненню міжнародних академічних і культурних зв’язків, підтримують розвиток української мови за кордоном та її утвердження як сучасної європейської мови з багатою культурною спадщиною і виразною милозвучністю. У межах подібних зустрічей учні — як носії української та інших слов’янських мов — не лише осмислюють власну культурну ідентичність, але й відкривають для себе численні спільні риси культурного коду слов’янських народів, що сприяє глибшому розумінню мовної та культурної спорідненості. Такі заходи формують у дітей відчуття цінності української мови, усвідомлення її ролі у власній та спільній культурній ідентичності, а також мотивують до її збереження, вивчення та подальшого розвитку.
Christine Legangneux, University of Zurich
Maciej Gugala: Die polnische Gruppe bestand aus vier 17- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schülern der polnischen Marie-Skłodowska-Curie-Schule in Zürich und war damit die älteste Gruppe des Workshops. In der Vorstellungsrunde äusserten zwei Teilnehmende Interesse an einer Rückkehr nach Polen beziehungsweise an einem Studium dort. Die erste Aufgabe wurde von der Polnischlektorin Karolina Fastyn durchgeführt. Die Gruppe hörte zunächst einen polnischen Text und sollte diesen anschliessend in verschiedenen west-und südslavischen Sprachen rekonstruieren, indem sie ausgeschnittene Wörter in die richtige Reihenfolge brachte. Dies gelang den Schülerinnen und Schülern fehlerfrei und verdeutlichte die Ähnlichkeiten zwischen den slavischen Sprachen. Im zweiten Schritt erhielten sie Wörter auf Finnisch. Der Kontrast zu einer Sprache aus einer anderen Sprachfamilie machte die sprachliche Nähe innerhalb des Slavischen noch deutlicher. Anschliessend stellte die Lektorin Jelena Gall die BKMS-Sprachen und ihre Gemeinsamkeiten mit dem Polnischen vor. Anhand von Redewendungen zeigte sie, wie viele ähnliche Ausdrücke und Wörter in beiden Sprachräumen vorkommen. Die polnische Gruppe konnte zahlreiche Beispiele unmittelbar verstehen. An dieser Übung nahm auch die tschechische Gruppe teil, wodurch sowohl Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen west- und südslavischen Sprachen als auch Unterschiede innerhalb der westslavischen Sprachgruppe sichtbar wurden.
Darauf folgte eine Einführung in die russische Sprache durch die Lektorinnen Olga Burenina-Petrova und Anna Möhl. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich ohne grössere Schwierigkeiten auf Russisch vorstellen und einfache Sätze bilden. Eine grössere Herausforderung stellte die kyrillische Schrift dar, wobei einzelne Teilnehmende bereits über Grundkenntnisse verfügten.
Zum Abschluss führte die Lektorin Margaryta Korshun die Gruppe anhand von Farbbezeichnungen in die ukrainische Sprache ein. Ein Memory-Spiel veranschaulichte sowohl die grossen Ähnlichkeiten mit dem Polnischen als auch einige Unterschiede zwischen den beiden Sprachen. Das Alter der Gruppe ermöglichte zudem eine weiterführende Beobachtung. Da die Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Gymnasialabschluss stehen und einige von ihnen bald ein Studium aufnehmen werden, könnte sich ein solcher Workshop in vertiefter Form und über einen längeren Zeitraum auch für Studierende eignen. Die Gruppe arbeitete während des gesamten Workshops engagiert mit und reagierte positiv auf die Beiträge der Lektorinnen. Ihr Interesse an den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der slavischen Sprachen zeigte, dass das Format einen anschaulichen Überblick über den slavischen Sprachraum vermittelt. Davon könnten auch Studierende der Slavistik profitieren.
Maciej Sebastian Gugala, University of Zurich


Photos by: Andjela Ivetic, Christine Legangneux, Yana Nikolaeva Tyazhkorob












