Nützt Wikipedia einem Studium der Geschichte?

Gastbeitrag von Prof. Dr. Beat Näf
Leiter des Kolloquiums Mit dem Internet in die Römerzeit. Antike Quellen und moderne Auswertung, Historisches Seminar, Universität Zürich

Marcus Cyron (Berlin) schreibt sei vielen Jahren für Wikipedia. Nicht nur einen Beitrag hat er verfasst, nein: tausende von Artikeln stammen von ihm. Unter anderem hat er in Wikipedia antike Monumente – etwa aus Pergamon – behandelt. Immer wieder gibt er Biographien berühmter und weniger berühmter Altertumswissenschaftler ein. Die weniger bekannten Gelehrten zu entdecken fasziniert ihn dabei ebenso wie die Auseinandersetzung mit Grössen des Faches.

Im laufenden Frühlingssemester haben wir ihn ins Kolloquium Mit dem Internet in die Römerzeit. Antike Quellen und moderne Auswertung an die Universität Zürich eingeladen. Das Kolloquium befasst sich mit der Art und Weise, wie das Altertum mit Hilfe der im Internet behandelten Medien erschlossen wird. Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickeln auch eigene Projekte und wenden die neuen Techniken an: Blogs, Datenbanken, Facebook, Internetsites, Podcastes, Videos – oder eben Wikipedia.

Doch am Historischen Seminar der Universität Zürich hat Wikipedia längst nicht bei allen einen guten Ruf. Hier würden sich Studierende bedienen, um Seminararbeiten mit schlechten Texten aus zweiter und dritter Hand zu füllen, heisst es häufig. So wird denn von allen Studierenden beim Einreichen einer Seminararbeit verlangt zu versichern, sie hätten selbständig gearbeitet.

In einer laufenden Vorlesung, so argumentierten Studierende im Kolloquium, habe Peter Haber gestützt auf Untersuchungen vor den Schwächen von Wikipedia gewarnt. Ich hingegen bezeichne Wikipedia als die beste zur Verfügung stehende allgemeine Enyzklopädie. Sie ist im Wissenschaftsbetrieb in kürzester Zeit unverzichtbar geworden. Man soll sie auch in wissenschaftliche Projekte einbinden, so zum Beispiel ein in Entstehung begriffenes Internetportal für Sakralbauten aus der Zeit von der Spätantike bis ins Frühmittelalter oder das viel weiter gediehene Projekt des Deutschen Archäologischen Instituts Arachne.

Nach dem Kolloquium diskutierten wir im Lichthof der Universität Zürich. Marcus Cyron stand vor einem der zahlreichen Gipsabgüsse, einer Kopie eines Originals (siehe Abbildung), das im Pergamonmuseum in Berlin steht und vor langer Zeit nach Deutschland abtransportiert worden ist. In Wikipedia hat er auch darüber geschrieben.

Marcus Cyron (Foto: Beat Näf)

 

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