Der Rundbunker Landenberg in Zürich-Wipkingen

Von Luka Simic

Abb. 1; Eingangsbereich zum Zivilschutz-Museum im Rundbunker Landenberg (Wipkingen-Zürich).

An der Habsburgstrasse 14 verbirgt sich im Zürcher Stadtquartier Wipkingen ein stiller Zeuge der Schweizer Schweizer Schutzbaugeschichte: der Rundbunker Landenberg. Wer heute durch die idyllische Grünanlage des Landenbergparks schlendert, ahnt kaum, dass sich direkt unter den Füssen der Spaziergänger eine dreistöckige, unterirdische Festung erstreckt. Erbaut im schicksalhaften Jahr 1941, steht dieses Bauwerk sinnbildlich für die Neuausrichtung des zivilen und militärischen Bevölkerungsschutzes der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und spiegelt die ständige Bedrohungslage des 20. Jahrhunderts wider.

Vom passiven Luftschutz zur Sanitätshilfsstelle

Die rechtlichen Weichen für dieses aussergewöhnliche Bauwerk wurden bereits am 29. September 1934 gestellt, als die Bundesversammlung mit einem dringlichen Bundesbeschluss die gesetzliche Grundlage für den systematischen Aufbau des zivilen Luftschutzes schuf. Die Gemeinden wurden damit verpflichtet, flächendeckend Schutzräume bereitzustellen. Als sich die geopolitische Lage Ende der 1930er-Jahre drastisch zuspitzte und mit dem Befehl vom 27. September 1939 die „Limmatstellung“ zur Hauptkampflinie mitten durch die Stadt Zürich deklariert wurde, mutierte das städtische Gebiet in nur wenigen Monaten zu einer Festung.

Der Rundbunker Landenberg wurde in dieser Zeit (Fertigstellung 1941) als geschützte Sanitätshilfsstelle für die Zivilbevölkerung sowie als Truppenunterkunft für den Luftschutz konzipiert. Mit einem imposanten Durchmesser von 25 Metern, einer 1,90 Meter dicken obersten Betondecke und einer zusätzlichen Erdüberdeckung von 1000 Kubikmetern bot die Anlage maximalen Schutz vor den gängigen Spreng- und Splitterbomben jener Epoche. Die drei unterirdischen Stockwerke umfassen eine Gesamtfläche von rund 800 Quadratmetern (Ausstellungsfläche heute ca. 1500 Quadratmeter inklusive Nebenbauten) und waren technisch autark regulierbar – einschliesslich einer fortschrittlichen Filteranlage, die selbst chemischen Kampfstoffen standhalten konnte.

Abb. 2; Historischer Operationssaal im Zivilschutz-Museum Rundbunker Landenberg, eingerichtet als Sanitätshilfsstelle des Zweiten Weltkriegs.

Modernisierung im Kalten Krieg: Der Kommandoposten

Die architektonische und funktionale Evolution des Bunkers endete jedoch nicht mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches. Im Jahr 1964, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, erfuhr die Anlage eine tiefgreifende Transformation. Das unterste der drei Geschosse wurde zu einem geschützten Kommandoposten umgebaut, um die Führungsfähigkeit der zivilen Behörden im Falle eines nuklearen Konflikts zwischen den globalen Supermächten zu garantieren. Zwischen den beiden oberen Geschossen sorgte ein robuster Bettenlift dafür, dass verletzte Personen im Krisenfall schnell und sicher innerhalb der Sanitätsstation verlegt werden konnten. Ab 1972 wandelte sich die primäre Nutzung schliesslich zu einem strategischen Materiallager für das Amt für Zivilschutz.

Das Zivilschutz-Museum: Ein authentischer Erlebnis- und Lernort

Heute dient der Rundbunker Landenberg nicht mehr militärischen oder sanitären Zwecken, sondern beherbergt seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 das offizielle Zivilschutz-Museum der Stadt Zürich, welches von Schutz & Rettung Zürich betreut wird. Das Bauwerk hat seine historischen Originalinstallationen weitgehend bewahrt und fungiert als eine architektonische Rarität.

In den authentischen Räumen – vom Operationssaal aus dem Zweiten Weltkrieg über die Schlafsäle bis hin zur Kommandozentrale des Kalten Krieges – wird die Geschichte des passiven Luftschutzes (auch bekannt als „Blauer Luftschutz“) lebendig gehalten. Ergänzt wird die historische Momentaufnahme durch eine umfangreiche Sammlung zeithistorischer Exponate wie Original-Gasmasken, Verdunkelungslampen und Lebensmittelrationierungsmarken. Der Bunker verdeutlicht eindrücklich, wie sich die Strategie von der reinen Kriegsvorsorge zum modernen Bevölkerungsschutz und Katastrophenmanagement des 21. Jahrhunderts gewandelt hat.

Abb. 3; Mit Feldküche und historischen Menüs: Die Zivilschutz-Aktion «Zum Orange Gnägi» veranschaulicht die medizinische und zivile Notversorgung im historischen Kontext.

Illustrationen

Abb. 1: https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilschutz-Museum

Abb. 2: https://zuercher-museen.ch/museen/zivilschutz-museum

Abb. 3: https://zuercher-museen.ch/museen/zivilschutz-museum

Literatur

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=zbk-001%3A1936%3A3%3A%3A254

https://www.limmatstellung.ch/docs/Bunkerwanderfuehrer_(02.06.2014).pdf

https://www.stadt-zuerich.ch/de/stadtleben/sicherheit/zivilschutz/zivilschutzmuseum.html

https://www.imraum.ch/konzepte-und-beratungen/zivilschutzmuseum-rundbunker-landenberg