Haus zu den drei Tannen

Hausärztliche Versorgung am Rande der Stadt

Kurfirstenstrasse 22, 8002 Zürich

von Annika Cecilia Russmann

Wo heute Kunstausstellungen stattfinden, befand sich um 1945 herum eine Hausarztpraxis.

Abb 1: Haus zu den drei Tannen, Vorderansicht 2026

Abb. 2: Haus zu den drei Tannen, Hinteransicht, 2014

Die Geschichte des Gebäudes

Das Haus zu den drei Tannen stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist das älteste Gebäude in der Zürcher Enge. Die Grundmauern des Gebäudes stammen sogar noch aus dem 13. Jahrhundert. Über die Jahrhunderte fanden noch einige Umbaue und Anbaue statt. So gibt es ein Turmzimmer, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Bis zur Reformation (ab ca. 1519) befand sich das Gebäude im Besitz des Kloster Steinen am Lauerzersee in Schwyz, danach gehörte es der Stadt Zürich.

Das Gebäude hätte 1944 abgerissen werden sollen, da es im Weg der geplanten Brunaustrasse stand. Schlussendlich wurde aber nur die benachbarte Wirtschaft zum Stock abgerissen, um den Bau der Brunaustrasse zu ermöglichen, da das Haus zu den drei Tannen (alternativ Haus zum Stock) von der Familie Hösli gekauft wurde. Es wurde renoviert und 1945 unter Denkmalschutz gestellt.

Abb. 3: Zeichnung 1730

Abb. 4: Wirtschaft zum Stock, dahinter Haus zu den drei Tannen, 1914

 

Medizinische Relevanz

Nach der Renova(tion des Hauses betrieb Luisa Hösli darin eine Hausarztpraxis. Für die damalige Zeit war das für eine Frau ziemlich bemerkenswert. Auch ist die Lage der Praxis eher abgelegen, was aber wahrscheinlich genau die Versorgungslücke ausserhalb des Stadtzentrums mit dem grossen Spital füllte. Luisa Hösli nutzte das Gebäude zugleich als Wohnhaus und als Praxis, was früher auch noch üblicher wahr.

Über Luisa Höslis Tätigkeiten ist weiterhin bekannt, dass sie wohl einige Sterilisationen an Frauen veranlasste. Solche Sterilisationen erfolgten damals im Sinne der Eugenik oft nicht freiwillig und wurden im Nachhinein als menschenverachtend gewertet. Dies ist ein eindrückliches Beispiel, in welch breiten Kreisen die Eugenik unterstützt und als normal angesehen wurde, nämlich bis hin zu den niedergelassenen Medizinern in ihren alltäglichen Hausarztpraxen.

Ein Beispiel ist der Fall Emma G. ; eine junge, psychisch instabile Patienten, welche auf Veranlassung von Luisa Hösli sterilisiert wurde.

„Auf Veranlassung von Frau Dr. med. Luisa Hösli-Kohberg, Aerztin Zürich, wurde Emma … im Jahre 1933 sterilisiert.“ 

Heute lebt in dem Haus zu den drei Tannen Luisa Höslis Tochter, die Künstlerin Clara Luisa Demar. Es finden darin nun diverse Kunstausstellungen statt.

Abb. 5: Turmzimmer
Bildquellen
  • Abb. 1: Foto, Annika Russmann, 28.04.2026
  • Abb. 2: Wikipedia, Haus zu den drei Tannen, (05.05.2026)
  • Abb. 3: Wikipedia , Haus zu den drei Tannen, (05.05.2026)
  • Abb. 4: Wikipedia , Haus zu den drei Tannen, (05.05.2026)
  • Abb. 5: Open House Zürich, Haus zu den drei Tannen, (05.05.2026)
Literatur