Ist das ein Ding?

Werkbundarchiv – Museum der Dinge

Verkoppelungen – Verlinkungen – Verschränkungen: Éric Rohmers ‚Perceval ou le Conte du Graal‘

Collage, Montage und Bricolage, Verschränkung, Verlinkung und Verschachtelung, Überlappung, Überlagerung und Überblendung. Der vierte Workshop des ZHM zum Thema ›Raum – Medialität – Zeit‹ (5. Oktober 2018) stand im Zeichen medialer Praktiken der Amalgamierung und Hybridisierung von Heterogenem. Dabei wurden Zusammenführungsleistungen in den Blick genommen, die vom geordneten Nebeneinander von medial Gleichformatiertem, bis zum multimedialen Über- und Gegeneinander reichten. Ein Beispiel, in dem die beiden Pole dieses Spektrums aufeinandertreffen, ist Éric Rohmers erste Auseinandersetzung mit dem arturischen Stoff Perceval ou le Conte du Graal (FR 1964). Mit dem erklärten Ziel, Schulkindern Chrétiens de Troye Fragment gebliebene Verserzählung näherzubringen, zirkulierte der für den

Zwingli, der Zürcher. Beobachtungen zum Film

In Zeiten der Reformationsfeierlichkeiten, in denen es Luther als Playmobil-Figur zu kaufen gibt, wird nun auch Zwingli populär. Der neue Film erzählt das Leben des Zürcher Reformators flüssig, mit differenziert agierenden Schauspielern und viel Lokalkolorit. Die Schauplätze dafür wurden offenbar kenntnisreich und mit grosser Akribie rekonstruiert. Ausgangspunkt für das filmische Gesamtbild Zürichs etwa ist ganz offensichtlich Jos Murers Darstellung der Stadt von 1576; Chronikbilder des 16. Jahrhunderts haben als Vorlage für die Gestaltung der Innenräume gedient. Auch das Personal des Films kommt bekannt vor und orientiert sich im Aussehen an der Bildtradition der Reformationszeit: Wenn Zwingli mit seiner besonderen schwarzen

Faust(us) zwischen Wittenberg, Krakau, Ingolstadt – und München

München Faust und München – dies war gerade im Zeichen des ‚Faust-Festivals‘, das in diesem Blog von Mike Bill ausführlich besprochen wurde, eine einschlägige Kombination: „Ein Drama, eine Stadt, hunderte Events“.

Der Gegenschuss aus dem dritten Jahrtausend der Christenheit

Mit der Aussicht auf den Y2K-induzierten Kollaps der Zivilisation, einem Rekordfeuerwerk in nahezu jeder Metropole dieser Welt und einem Konzert von Jean-Michel Jarre zwischen den Pyramiden von Gizeh bot das Ende des 20. Jahrhunderts exzellente Aussicht auf einen hochkarätigen Fernsehabend. Wer die letzte Jahrtausendwende vor dem heimischen Kathodenstrahlröhrenbildschirm verbracht hat weiß allerdings, dass die imposanten Inszenierungen, die dieses bedeutende Ereignis begleiteten, auf keinen Fall für den Bildschirm konzipiert wurden. Als große Ausnahme ist in diesem Zusammenhang die TV-Übertragung anlässlich des Auftakts des Jubeljahres 2000 vom 24. Dezember 1999 aus dem Vatikan zu bezeichnen. Zweifelsohne die wirkmächtigste Inszenierung einer Zeitenwende des

Medien abschaffen!

„Medium“ – diesen Begriff in der historisch-geisteswissenschaftlichen Textproduktion verwenden zu müssen, aktivierte eine Weile lang (wohl in der ersten Hälfte der 2000er Jahre) meine Nackenhaare: zu modisch, zu ubiquitär, zu anbiedernd an (nicht mehr ganz) aktuelle Paradigmen und gesellschaftliche Debatten. Dazu der Anspruch, die enorme Breite medienwissenschaftlicher Wissensproduktion adäquat mitzudenken. Mit Bedacht habe ich ihn in meiner kunsthistorischen Promotionsschrift zu vermeiden gesucht oder sonst zumindest durch Kompositabildung spezifiziert („Trägermedium“). Dann trat irgendwann eine Phase der Entspannung ein, Medientheorie ist zwar nicht überholt, aber nicht mehr trendy und der allgemeine Gebrauch zeugt davon, dass nicht alles eingepreist werden muss (und kann!),

Faust wird von der Hexe geküsst

Inkubus Faust

Goethes Faust. Der Tragödie Erster Teil – ohne Sprache, in bewegten Bildern getanzt. Ihn neu zu erfinden und sich gleichzeitig in die Geschichte der medialen Bearbeitungen einzuschreiben, gelingt „Faust – Das Ballett“, das als Choreographie und Inszenierung von Edward Clug mit Musik von Milko Lazar in der letzten Spielzeit am Zürcher Opernhaus uraufgeführt wurde.

Das Spektakel einer Tragödie

Die Ausstellung „Du bist Faust. Goethes Drama in der Kunst“ in der Kunsthalle München hält der Gegenwart den Spiegel vor. Dass es dabei eher um eine schillernde Zurschaustellung simpler Identifikationsvorgänge statt der Möglichkeit zur individuellen Auseinandersetzung geht, wird unter den Teppich der reichhaltigen Rezeptionsgeschichte von Goethes Werk gekehrt. Visuelle Spiegelung Zwischen Odeonsplatz und Marienplatz befindet sich die Kunsthalle München an einem Knotenpunkt der Stadt. Die Ausstellungen, die hier dreimal jährlich durchgeführt werden, finden ihr Zuhause seit 2001 in einem Teil der „5 Höfe“, einer Kreation des Architektenduos Herzog & de Meuron. Der Ausstellungsort versinnbildlicht entsprechend die Verbindung einer prägnanten lokalen Platzierung

„Henkerey, Folterey, Spasz dabei“. Schmerz als Geschichtsmedium

In der gutgemeinten Warnung «Pass doch auf, wo Du hinfolterst!» lässt der deutsche Komiker Otto Waalkes 1984 seine ebenso knappe wie hellsichtige Darstellung des «finsteren Mittelalters» kulminieren. Aufpassen, wo er hinfoltert, muss auch der in Lederkluft gewandete Scharfrichter-Darsteller auf dem Mittelaltermarkt im Zürcher Oberland. Gerade hat sich eine junge Marktbesucherin im strahlenden Sonnenschein auf seine Streckbank gelegt. Fachkundig fesselt der Folterknecht ihr die Hände hinter dem Rücken, bittet sie noch, die Sonnenbrille kurz abzunehmen und verbindet schliesslich das Seil mit der hölzernen Winde am Kopf der Streckbank. Langsam zieht er ihre Arme am Seil nach oben, bis sie fast gerade

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Das Medium kann nicht gefunden werden

Problem Als ich vor einiger Zeit in einer Vorlesung einen Videoclip zeigen wollte, kam die Meldung: Das Medium konnte nicht gefunden werden. Das Gelächter kann man sich vorstellen. Nicht nur, weil Dozentenungeschick immer erheitert. Sondern auch, weil es genau darum in der Vorlesung gehen sollte: um Medien und ihre historischen Erscheinungsformen. Ich hatte erläutern wollen: Im Mittelalter ist mit dem medium nicht so selbstverständlich, wie uns dies scheint, ein kommunikatives Mittel, eine neutrale Schnittstelle gemeint, auf gewisse Weise gab es das Medium im uns vertrauten Sinne noch nicht. Es gab zwar das Wort, die Schrift, das Bild, materielle Objekte, mit allerlei