Die Medizingeschichte Zürichs ist eng verknüpft mit dem Leben und Wirken von Caroline Farner – einer der ersten promovierten Ärztinnen der Schweiz und engagierten Kämpferin für Frauenrechte. Der Ort ihres langjährigen Wirkens, die Villa Ehrenberg an der Rämistrasse 26, war nicht nur ihr Wohnhaus, sondern ein Zentrum für medizinische, soziale und frauenpolitische Initiativen.

Ein früher Weg in die Medizin
Geboren 1842 in Guntershausen (TG) als jüngstes von sieben Kindern, wuchs Caroline Farner in ländlichen Verhältnissen auf. Nach Tätigkeiten als Gouvernante und Lehrerin im Ausland entschloss sie sich spät, ein Medizinstudium zu beginnen, eine damals ungewöhnliche Entscheidung für eine Frau. 1871 nahm sie ihr Studium in Zürich auf, 1877 promovierte sie als zweite Frau der Schweiz. Damit war sie die erste Frau, die in der Schweiz als praktische Allgemeinärztin tätig war.
Praxisarbeit und soziales Engagement
Farner eröffnete ihre Praxis in Zürich, behandelte dort ein breites bürgerliches Publikum und führte regelmäßig kostenlose Sprechstunden für Menschen mit geringem Einkommen durch. Parallel zu ihrer ärztlichen Tätigkeit engagierte sie sich für gesellschaftliche Reformen. Sie gründete eine Stellenvermittlung für Hausangestellte, eröffnete eine unentgeltliche Frauenklinik und initiierte ein Kurhaus für Frauen in Appenzell, das später als Ferienheim der Stadt Zürich diente. Farner war Präsidentin des Schweizerischen Frauenverbands und Herausgeberin der Zeitschrift „Die Philanthropin“.
Der Farner-Pfrunder-Prozess
1892 geriet Farner gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Anna Pfrunder ins Zentrum eines Gerichtsverfahrens. Die beiden Frauen, die seit vielen Jahren zusammenlebten und gemeinsam soziale Projekte führten, wurden aufgrund von Vorwürfen der Unterschlagung verhaftet. Nach acht Wochen Untersuchungshaft wurden sie 1893 vollständig freigesprochen. Der Prozess erregte große öffentliche Aufmerksamkeit und führte zu einer breiten Solidaritätswelle innerhalb der Frauenbewegung. In vielen Darstellungen gilt dieser Fall als Beispiel für die damalige Diskriminierung selbstbestimmter und öffentlich sichtbarer Frauen.

Die Villa Ehrenberg
1892 bezogen Caroline Farner und Anna Pfrunder die Villa Ehrenberg an der Rämistrasse 26 in Zürich. Hier planten sie ihre sozialen Projekte, führten die Arztpraxis weiter und organisierten Vereinsarbeit. Nach Farners Tod im Jahr 1913 und Pfrunders Tod 1925 ging die Villa, gemäß testamentarischer Verfügung, an den Lyceum Club Zürich über, eine Institution, die bis heute Frauen aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft vernetzt.
Neben der Stiftung des Hauses gründeten Farner und Pfrunder die Anna-Carolina-Stiftung, die bis heute Studienstipendien für Frauen vergibt. Im Jahr 1999 wurde im Zürcher Hochschulquartier ein Weg nach Caroline Farner benannt. Ihre Arbeit und ihr Lebensweg sind damit dauerhaft im öffentlichen Raum verankert.
Quellen
Ilustrationen:
1. Celine H.: Villa Ehrenberg 2025, Zürich 2025, Fotografie
2. Villa Ehrenberg Rämistrasse 26, Zürich Datum ungenau, Fotografie, Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich. Online:<https://baz.e-pics.ethz.ch/#main-search-mode=and&detail-asset=d3c5274a-2a1e-47a0-94e2-fbdfaeefcdce>
Literatur:
Historisches Lexikon der Schweiz: Caroline Farner
Wikipedia: Caroline Farner, abgerufen am 13.11.2025
Lyceum Club Zürich: Geschichte der Villa Ehrenberg
Schnurrenberger, Regula: lesbengeschichte.ch, 2020
Gemeinde Berg TG: Biografie Caroline Farner
Keller, Rosemarie (2001): Ich bereue nicht einen meiner Schritte
ChatGPT (OpenAI)