Universitätsklinik Balgrist

Von der «Anstalt für verkrüppelte Kinder» zur Universitätsklink Balgrist

Forchstrasse 340, 8008 Zürich (Karte)

von C. Süri

Der Erweiterungsbau der Universitätsklinik Balgrist, der aufgrund von Bettknappheit 1966 gebaut wurde (Abb. 1)

Spital Balgrist, o.A., 1970-1979 (Abb. 2)

Die Geschichte des Spitals

Begonnen hat die Geschichte des Balgrists mit einer anonymen Spende von 50000 Franken.

Die heutige Universitätsklinik Balgrist, damals «Anstalt für verkrüppelte Kinder», wurde im Jahr 1912 gegründet. Das Hauptziel war es, nebst der Behandlung der körperlich behinderten Kinder, diese für den Berufseinstieg und das Berufsleben bereit zu machen und diese erfolgreich in die Gesellschaft einzugliedern.

Aufgrund von sozialen Ungleichheiten hat sich Wilhelm Schulthess dazu entschlossen sich für das Wohl der Kinder einzusetzen und eine Anstalt für Kinder zu gründen. Mit der anfänglichen Spende und später auch noch weiteren Spenden konnte Wilhelm Schulthess vor 115 Jahren das Landstück auf dem Balgristhügel erkaufen. Die Lage auf dem Balgristhügel war vor allem für das psychische Wohlbefinde der Kinder vielversprechend, weil man von dort ganz Zürich, den Zürichsee und die Alpen sehen konnte. Auch war der Ort gut an das Verkehrsnetz angeschlossen. Ausserdem war der Balgrist auch mit dem Tram erreichbar.

Während 1912-1945 wurde die Anstalt für einen Grossteil der fast 4500 verkrüppelten Kinder, die in der Schweiz lebten, als ärztliche Behandlungsstätte, Bildungs- und Erziehungsort und Schule verwendet. Die Klinik hatte Ähnlichkeit mit einem Landhaus. Nebst Patientenbetten, Wohnungen, einem Operationssaal, einem Kindergarten und einer Schule und Wirtschaftsräumen, gab es einen grossen Garten, der als Gemüsegarten verwendet wurde. Nebst der Behandlung und Entwicklung der verkrüppelten Kinder war auch die Hilfe bei  Berufseinstieg eine wichtige Komponente der Wiedereingliederung in die Gesellschaft für diese Menschen. Die Kinder lernten beispielsweise, wie es sich anfühlt zu Arbeiten und den damit verbundenen Stress und Fertigkeiten zu bewältigen. Die Jungen mussten in einen Handfertigkeitsunterricht gehen, um dabei zu lernen, wie man die Hände für die Arbeit richtig verwendet, während die Mädchen in Arbeitsschulen für die kommenden Tätigkeiten als Hausfrau geschickt wurden, um diese zu erlernen.

In der Zeit zwischen 1912 und 1945 wurde auch das Operationsfeld erweitert. Es wurden mehr Operationen durchgerührt und teils auch neue erfunden, wie beispielsweise die Operation einer Spondylolisthese.

Erst im Jahr 1945 wurde die Förderklinik für behinderte Kinder zum Orthopädischen Spital mit Fokus auf die Orthopädie umfunktioniert.

Dort erforschte Wilhelm Schulthess die Krankheit Skoliose an Kindern.

1966 wurde aufgrund der Bettenknappheit und der immer wachsenden Gesellschaft ein sogenannter Erweiterungsbau eröffnet. Diesen Bau kennen wir heute als den eigentlichen Spital Balgrist, weil sich dort der Eingang für die Patienten befindet.

Der Baustilvergleich zwischen Erweiterungsbau und Anstalt:

Das Bauernhaus, das als Anstalt diente, unterschied sich visuell stark vom Erweiterungsbau. Während die Anstalt ein eher kleines Haus darstellte, erwiess sich der immer noch bestehende Erweiterungsbau als ein riesiger Komplex. Das Bauernhaus hatte nebst einer Veranda und einem Gemüsegarten viele kleine Fenster mit Fensterläden, um das Innere mit natürlichem Licht zu beleuchten. Das Haupthaus war ausserdem über einen kleinen gedeckten Gang mit der Poliklinik verbunden. Da die Zimmer mit der Zeit überfüllt und die Patientenzahl stieg, entschied man sich einen Erweiterungsbau mit Fokus auf mehr Zimmer und vor allem auf die medizinische Einrichtungen zu bauen.

Von aussen erkennt man beim Erweiterungsbau viele kleine Fenster, zwei Evakuationstreppen und im Eingangsbereich einen grösseren Parkplatz, der für die Ambulanz und später für das Abladen von Patienten gebraucht wurde. Zu der Zeit, in der das Gebäude gebaut wurde, war die Funktionalität nach heutiger Sicht sicher dominierender als das Optische. Wenn man den Spital Balgrist mit den anderen Universitätskliniken vergleicht, unterschieden sich diese visuell schon sehr voneinander. Die Bauweise des Balgrists hat seinen ganz eigenen Charakter, was es eben auch wieder spannend macht, weil es eine lange Geschichte verkörpert und diese architektonisch und geschichtlich wiedergibt.

Spital Balgrist, (Erweiterungsbau), o.A., (Abb. 3)

Der Balgrist heute:

In dem Erweiterungsbau befindet sich heute neben Patientenzimmern, Schulungsräumen, einer Cafeteria und einem Hörsaal ebenfalls das Zentrum für Paraplegie. Mit dem Zentrum für Paraplegie gelingt es dem Spital Balgrist die Patienten mit Querschnittslähmung oder eingeschränkten Rückenmarksfunktionen stationär zu behandeln. Es werden auch Menschen mit verschiedensten Rückenmarksschädigungen im Ambulatorium, welches sich auch dort befindet, behandelt. Hierunter zählen Menschen, die traumatische, degenerative oder tumorbedingte Funktionsstörungen des Rückenmarks haben. 

Bildquellen

Abb. 1 von Cyrill Süri, 2025

Abb. 2 BAZ_127151.tiff, Klinik Balgrist, 1970-1979

Abb. 3 PK_0853.tif, Klinik Balgrist, o.A

Literatur

Dr. Thomas Böni und Prof. Beat Rüttimann: Geschichte der Universitätsklinik Balgrist, balgrist.ch, o.A., https://www.balgrist.ch/fileadmin/user_upload/Ueber-uns/Klinik/Balgrist_Klinik_Geschichte.pdf, Stand 8.11.25

o.A.: Die Geschichte der Universitätsklinik Balgrist, 111/75/30-Jahre-Jubiläen, alumni.balgrist.ch, o.A., https://alumni.balgrist.ch/fileadmin/user_upload/WEBSITE_Alumni/Ueber_uns/201002_Balgrist_Geschichte_A4.pdf , Stand 8.11.25

o.A.: Alle Arten von Rückenschädigung, balgrist.ch, o.A., https://www.balgrist.ch/angebot/zentren/zentrum-fuer-paraplegie/ambulatorium/ Stand 8.11.25

Der Erweiterungsbau der Universitätsklinik Balgrist, der aufgrund von Bettknappheit 1966 gebaut wurde Doch vor etwas mehr als 100 Jahren war der Balgrist ein Ort, wo vor allem Kinder mit körperlicher Behinderung behandelt wurden.