Zürich Reloaded

3D-Rekonstruktionen von Studierenden der Geschichte

Salzhauses und der Hottingerturm

Historischer Hintergrund und Baugeschichte

Vera Tramer und Oliver Ross haben sich für die Rekonstruktion eines Gebäudekomplexes entschieden, der zwischen dem Grossmünster und der Wasserkirche liegt und das Stadtbild Zürichs bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts prägte: das Salzhaus und der Hottingerturm. Im Mittelalter stand zunächst einzig der Turm, welcher den Grafen von Kyburg gehörte. Er erhielt seinen Namen, weil ihn die Herren von Hottingen als Lehen erhielten. Sie nutzten ihn als Adelssitz und Wohnhaus.

1412 gelangte der Turm in den Besitz der Stadt, welche ihn umbaute und fortan als Kaufhaus nutze. Der Platz im Turm war jedoch begrenzt. Schon bald wurde ein weiteres Gebäude benötigt, und das neue Ensemble wurde als «Kaufhaus» bezeichnet. Die Räumlichkeiten wurden im 16. Jahrhundert primär für den Salzhandel genutzt und entwickelten sich zum bedeutendsten Handelsplatz für Salz in der Region. Seit 1543 ist der Name «Salzhaus» bezeugt. Das Kaufhaus wurde schliesslich 1839 ins ehemalige Kornhaus beim Fraumünster verlegt und 1856 wurden Salzhaus und Hottingerturm abgerissen.

 

Rekonstruktion

Das Ziel war es, den Hottingerturm und das Salzhaus im Zustand des 16. Jahrhundert wieder erstehen zu lassen. Vera Tramer und Oliver Ross konzentrierten sich primär auf die Aussenansicht. Als Herausforderung erwies sich insbesondere das abfallende Gelände, weshalb Tramer und Ross in einem ersten Schritt das Terrain zu rekonstruieren versuchten. Die wichtigste Quelle war der Stadtplan von Jos Murer von 1576, der sich als die älteste und verlässlichste Darstellung des Kaufhauses erwies. Gut ersichtlich sind auf dem Murerplan die Vorderseite des Gebäudekomplexes, die Einbettung ins zur Limmat abfallende Gelände sowie die Treppe zum Grossmünster. Der Murerplan diente auch als Referenz zur Positionierung von Fenstern und Türen.

Von der Rückseite des Komplexes existieren zwei Darstellungen: eine von 1700, die andere von 1741. Beide sind allerdings ungenau und waren bei der Rekonstruktion nur von begrenztem Nutzen. Hilfreicher waren die detaillierten Grundrisspläne aller Stockwerke, die Querschnitte und die Zeichnungen der Fassade, die 20 Jahre vor dem Abriss des Kaufhauses von Hans Conrad Stadler anfertigt wurden.

Zur Rekonstruktion nutzen Tramer und Ross die Software Blender.

 

Modell

 

Quellen und Literatur

Barraud Wiener, Christine und Peter Jezler: Die Stadt Zürich I. Stadt vor der Mauer, mittelalterliche Befestigung und Limmatraum, (Kunstdenkmäler des Kantons Zürich 1). Bern: GSK, 1999 (Neue Ausg.).

Jos Murer: Der uralten wytbekannten Statt Zürych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen / ufgerissen und in Grund gelegt durch Josen Murer, 1576. Der Plan ist online in der e-rara Sammlung hinterlegt und im Besitzt der Zentralbibliothek Zürich.

Meier, Jürg: Die Adelstürme von Zürich in: Nachrichten des schweizerischen Burgenvereins 40, 1967, S. 210-216.

Stadler, Hans Conrad: Grundriss, Stadtarchiv Zürich (BAZ J 42b, 1829).

 

Titelbild

Ausschnitt aus dem Murerplan von Jos Murer.Jos Murer: Der uralten wytbekannten Statt Zürych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen / ufgerissen und in Grund gelegt durch Josen Murer, 1576. Der Plan ist online in der e-rara Sammlung hinterlegt und im Besitzt der Zentralbibliothek Zürich.

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