Zürich Reloaded

3D-Rekonstruktionen von Studierenden der Geschichte

Lindenhof

Digitale Rekonstruktion der mittelalterlichen Pfalz auf dem Lindenhof aus dem 11. Jahrhundert

 

Baugeschichtlicher Hintergrund

Der Lindenhof ist einer der ältesten Siedlungsplätze Zürichs. In vorchristlicher Zeit bestand hier eine keltische Siedlung, zu römischer Zeit war der Hügel Standort eines Kastells, und im Frühmittelalter wurden hier königliche Pfalzen errichtet: Nachgewiesen ist eine Pfalz aus karolingischer und eine aus ottonischer Zeit. Die Rekonstruktion konzentriert sich auf die zweite Pfalz aus dem 11. Jahrhundert.

Über deren Nutzung weiss man nur wenig. Überliefert ist, dass sich neben anderen salischen Herrschern auch Kaiser Heinrich III. (Herrscher des Heiligen Römischen Reichs von 1039-1056) mehrmals in Zürich aufgehalten hat. Die Vermutung liegt nahe, dass er bei diesen Gelegenheiten Quartier in der Pfalz bezog. Möglicherweise war er sogar für deren Bau verantwortlich.

 

Rekonstruktion

Von der zweiten Pfalz auf dem Lindenhof in Zürich ist nur ein Teil des Grundrisses erhalten und archäologisch untersucht worden. Die Rekonstruktion des Gebäudes auf der Basis dieser Ausgrabungen wurde kürzlich von der Stadtarchäologie Zürich erarbeitet und im Rahmen der Ausstellung und der gleichnamigen Publikation «Zürich 1218» präsentiert.

Die bereits vorhandenen Rekonstruktionen der äusseren Ansicht des Bauwerks durch die Stadtarchäologie inspirierte die Gruppe um Alain Luck, Timon Stahel und Gilles Aubert dazu, den Innenraum der Pfalz zu rekonstruieren. Sie stützten sich dabei auf die Vermutung, dass es sich um ein zweistöckiges Gebäude handelte, dessen Grundriss in drei Teile geteilt war. Die Höhe des Gebäudes konnten sie nur annehmen.

Bei der Ausgestaltung der Innenräume zogen die Studierenden als Vergleich die um 1040/50 errichtete und noch erhaltene Kaiserpfalz in Goslar heran. Diese ist ebenfalls zweigeschossig, mit einem niedrigeren Kellergeschoss und einem höheren Hauptgeschoss, in dem sich der Thronsaal befindet. Von der Pfalz in Goslar unterscheidet sich die Rekonstruktion der Zürcher Pfalz in Bezug auf die Dachkonstruktion: Während sie in der norddeutschen Pfalz auf längs angeordneten Mittelpfeilern ruht, ist der Saal auf dem Lindenhof aufgrund der Annahme durch die Zürcher Archäolog*innen durch zwei Säulenbögen unterteilt, die das Dach stützen. Die Inneneinrichtung der Pfalz hat Alain Luck, der für die Umsetzung zuständig war, vorsichtig mittelalterlichen Modellen angenähert.

 

Die einzelnen Bauelemente wurden von Alain Luck in Blender modelliert und danach in Unity zusammengesetzt. So entstand eine begehbare 3D-Umgebung, die es erlaubt, zur Pfalz zu gehen, das Gebäude zu betreten und es von innen zu erkunden.

 

Literatur und Darstellungen

Hochbauamt Zürich (Hg.): «Stadtgeschichte und Städtebau in Zürich. Schriften zu Archäologie, Denkmalpflege und Stadtplanung, Bd. 12»:

www.stadt- zuerich.ch/hbd/de/index/staedtebau/archaeo_denkmal/publikationen/schriftenreihe/heft_12.html (Stand 15.03.2021).

Motschi, Andreas: Palatium imperale. Neue Befunde zur jüngeren Königspfalz auf dem Lindenhof in Zürich, in: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 16, 2011, S. 65-87.

Vogt, Emil: Der Lindenhof in Zürich. Zwölf Jahrhunderte Stadtgeschichte auf Grund der Ausgrabungen 1937/38, Zürich 1948.

 

Modell

Das Modell ist auf dem Blog von Alain Luck einsehbar:

http://alainluck.ch/lindenhof/ 

 

Titelbild

Schmid, Franz: Lindenhof, 1819 in: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung.

 

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