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Regula Kägi-Diener

«Wir haben uns immer als Frauenhaushalt verstanden.»

Dieser prägnante Satz von Regula Kägi-Diener verweist nicht nur auf ihre familiäre Prägung, sondern bildet zugleich einen roten Faden durch ihr Leben und Wirken. Aufgewachsen im Zürcher Unterland in einer kulturell vielseitig interessierten Familie, zusammen mit einem Bruder und drei Schwestern, entwickelte sie früh ein Bewusstsein für weibliche Perspektiven und gesellschaftliche Rollenverteilungen. Diese Erfahrungen begleiteten sie auf ihrem weiteren Weg und prägten sowohl ihre beruflichen Entscheidungen als auch ihr Interesse an Gleichstellungsfragen.

Ihr Bildungsweg führte sie zunächst an eine technisch ausgerichtete Mittelschule, die entsprechend stark männlichgeprägt war. Eine ähnliche Erfahrung machte sie im anschliessenden Jurastudium an der Universität Zürich. Als noch eine von wenigen Frauen unter zahlreichen männlichen Kommilitonen und ohne weibliches Vorbild in der Professorenschaft bewegte sie sich in einem Umfeld mit traditionellen Strukturen. Dennoch beschreibt sie diese Zeit nicht als belastend, sondern als eine Phase, in der die wenigen Frauen auch Aufmerksamkeit erhielten und sich behaupten konnten. Früh zeigte sich dabei ihr breites Interesse: Neben dem Jus-Studium besuchte sie weiterhin Vorlesungen in Literatur, Sprachwissenschaft und anderen Disziplinen.

Regula Kägi-Dieners beruflicher Werdegang ist vielfältig und eng mit den gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit verknüpft. Die Einführung des Frauenstimmrechts 1971 erlebte sie nicht als singuläres Ereignis, sondern als Teil eines längeren Prozesses, den sie bereits als Schülerin aktiv mitverfolgte und mitdiskutierte. Ihre Karriere führte sie von der universitären Assistenz über Tätigkeiten an Gerichten, hin zu verantwortungsvollen Positionen in kantonalen Verwaltungen, in die anwaltliche Tätigkeit und später wieder zurück in die Wissenschaft.

Besonders prägend war dabei ihr wachsendes Interesse an grundlegenden rechtlichen Fragestellungen und an der Gleichstellung von Frauen. In einer Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs, geprägt von den Nachwirkungen der 68er-Bewegung und der zunehmenden Sichtbarkeit feministischer Diskurse, begann sie, sich intensiver mit Gleichstellungsrecht und Genderfragen auseinanderzusetzen. Dies mündete nicht nur in wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch in Lehrtätigkeiten und weiterführenden Studien im Bereich Gender Studies. Sie engagierte sich intensiv sowohl in gemeinnützigen als auch in juristischen Organisationen, unter anderem bei den Juristinnen Schweiz sowie im Schweizerischen Juristenverein (heute Schweizerische Juristische Gesellschaft), deren Präsidien sie übernahm. Dadurch konnte sie aus einer humanistischen Grundhaltung heraus den fachlichen Austausch fördern und aktiv zur Weiterentwicklung rechtlicher und gleichstellungspolitischer Diskurse beitragen.

Das Interview zeichnet das Porträt einer Juristin, die ihren Weg mit Beharrlichkeit und intellektueller Offenheit gegangen ist. Regula Kägi-Dieners Lebenslauf steht exemplarisch für eine Generation von Frauen, die sich in bestehenden Strukturen behaupteten, diese hinterfragten und schrittweise veränderten. Ihre Geschichte zeigt, wie persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Umbrüche und fachliche Neugier ineinandergreifen und zu einem reflektierten Verständnis von Recht und Gleichstellung führen können.