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Ursula Keller

Ursula Keller wurde 1959 in Zürich geboren und wuchs in einer traditionellen Arbeiterfamilie auf in einer Zeit, in der Frauen in der Schweiz noch kein Stimmrecht besassen. Diese frühen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen prägten ihr Bewusstsein für Gleichberechtigung ebenso wie ihr familiäres Umfeld. Während ihre Mutter das klassische Rollenbild der Hausfrau verkörperte, entwickelte Ursula Keller schon früh den Wunsch, einen anderen Weg einzuschlagen. Ihre Kindheit war von Neugier, Unabhängigkeit und einem ausgeprägten Interesse für naturwissenschaftliche Zusammenhänge geprägt. Trotz anfänglicher schulischer Schwierigkeiten, unter anderem aufgrund einer Legasthenie, wurde ihr mathematisches Talent früh erkannt und gefördert.

Nach dem Wechsel an die Kantonsschule entschied sie sich für ein Physikstudium an der ETH Zürich – ein damals für Frauen noch ungewöhnlicher Weg. Dort gehörte sie bald zu den wenigen Frauen in ihrem Fachbereich. Nach ihrem Diplom führte ihr Weg in die USA, wo sie an der Stanford University promovierte. Die Zeit in den Vereinigten Staaten erwies sich als prägend: Sie erlebte ein akademisches Umfeld, das ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkte und neue Perspektiven eröffnete. Anschliessend arbeitete sie bei Bell Labs, einem der weltweit führenden Forschungszentren im Bereich Photonik, wo sie ihre wissenschaftliche Karriere weiter ausbaute.

1992 wurde Ursula Keller als erste Physikprofessorin an die ETH Zürich berufen. Ihre Rückkehr in die Schweiz markierte nicht nur einen persönlichen Meilenstein, sondern auch einen wichtigen Schritt für die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft. Trotz herausragender Leistungen in Forschung und Lehre sah sie sich im akademischen Alltag mit strukturellen Widerständen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten konfrontiert. Diese Erfahrungen führten dazu, dass sie sich zunehmend auch für institutionelle Veränderungen und die Förderung von Frauen in der Wissenschaft engagierte.

Als international anerkannte Wissenschaftlerin im Bereich der Lasertechnologie hat Ursula Keller zahlreiche Auszeichnungen erhalten und über hundert Doktorierende betreut. Neben ihrer wissenschaftlichen Exzellenz zeichnet sie sich durch ihr Engagement für Gleichstellung, Transparenz und Good Governance in akademischen Institutionen aus. Ihr Lebensweg zeigt eindrücklich, wie individuelle Durchsetzungskraft und kritische Reflexion institutioneller Strukturen zusammenwirken können, um nachhaltige Veränderungen anzustossen.