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Elisabeth Joris

Elisabeth Joris wurde 1946 im Wallis geboren und wuchs in einem bildungsbürgerlichen, politisch sensiblen Umfeld auf. Obwohl die Familie über wenig finanzielle Mittel verfügte, prägten Bücher, Diskussionen und eine ausgeprägte kritische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Autoritäten ihr Aufwachsen. Besonders ihre Mutter, die sich gegen die Vorgaben der katholischen Kirche stellte und sich für Frauenrechte engagierte, beeinflusste früh ihr Bewusstsein für gesellschaftliche Ungleichheiten.

Die Bildungswege für Mädchen im Wallis waren in den 1950er- und 1960er-Jahren stark eingeschränkt. Während Jungen Zugang zu Gymnasien und akademischen Laufbahnen hatten, blieb Mädchen oft nur der Weg über Handelsschulen oder das Lehrerinnenseminar offen. Auch Elisabeth Joris begann zunächst eine Ausbildung zur Sekretärin und arbeitete in verschiedenen Büros. Doch die Tätigkeit erfüllte sie nicht. Mit der Handelsmaturität eröffnete sie sich schliesslich die Möglichkeit zu studieren, wenn auch nur dank einer ausserordentlichen Bewilligung für die Ausbildung zur Sekundarlehrerin, der Grundlage für die spätere Immatrikulation als ordentliche Studentin.

Denn nach ersten Erfahrungen im Lehrberuf entschied sie sich für das Studium der Geschichte. Der Lehrerinnenberuf blieb jedoch über Jahrzehnte hinweg ihre zentrale berufliche Tätigkeit und bildete bis zu ihrer Pensionierung die finanzielle Grundlage für ihren Anteil am Unterhalt der Familie. Ende der 1960er-Jahren befand sich die Geschichtswissenschaft im Wandel: Neben der traditionellen politischen Geschichte gewannen sozial- und wirtschaftshistorische Ansätze an Bedeutung. Diese neuen Perspektiven prägten auch Elisabeth Joris’ wissenschaftlichen Zugang. Gleichzeitig fiel ihr Studium in eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche. Die Protestbewegungen rund um 1968 sowie die entstehende Frauenbewegung beeinflussten ihr politisches Denken nachhaltig. In Zürich kam sie erstmals mit feministischen Aktivistinnen in Kontakt und begann sich selbst politisch zu engagieren.

In den folgenden Jahren verband Elisabeth Joris ihre historische Forschung zunehmend mit gesellschaftspolitischen Fragen, insbesondere mit der Geschichte von Frauen, Geschlechterverhältnissen und sozialen Bewegungen. Ihr Engagement steht damit exemplarisch für eine Generation von Historikerinnen, die wissenschaftliche Arbeit und politische Reflexion eng miteinander verbanden.

Das Interview mit Elisabeth Joris gibt Einblick in ihren persönlichen Bildungsweg, in die Hindernisse, mit denen Frauen ihrer Generation konfrontiert waren, und in die gesellschaftlichen Aufbrüche, die ihr Denken und ihr Engagement geprägt haben.