Anita Fetz wurde 1957 in Basel geboren und wuchs als älteste von drei Schwestern in einem Gewerbehaushalt auf. Ihre Eltern führten ein Radio- und Fernsehgeschäft und Wohnen und Arbeiten waren räumlich wie mental eng miteinander verbunden. Diese Herkunft prägte sie nachhaltig: Der selbstverständliche Umgang mit wirtschaftlicher Verantwortung, unternehmerisches Denken und die Erfahrung, dass Frauen selbstverständlich erwerbstätig sind, bildeten das Fundament ihres späteren politischen Handelns.
Das Frauenstimmrecht 1971 erlebte sie als 14-Jährige. Erst an jenem Abstimmungssonntag wurde ihr bewusst, dass ihre Mutter und ihre Grossmütter bis dahin kein politisches Mitspracherecht gehabt hatten. Die Empörung über diese Ungleichheit und der Satz ihres Vaters: «Reg dich nicht auf, mach etwas daraus» wurden zu einem Leitmotiv ihres weiteren Weges. Als Erste in ihrer Familie studierte sie Geschichte und Volkswirtschaft an der Universität Basel. Der Eintritt in die akademische Welt bedeutete zunächst einen Kulturschock, zugleich wurde die Universität zu einem Ort der Politisierung. Sie engagierte sich in der Studierendenpolitik und in der neuen Frauenbewegung, insbesondere in der OFRA. Dort organisierte sie Kampagnen, Demonstrationen und politische Aktionen und lernte, wie wichtig Vernetzung, strategisches Vorgehen und Durchsetzungsfähigkeit sind.
Bereits mit 27 Jahren rückte sie 1985 in den Nationalrat nach als Jüngste und als eine von nur wenigen Frauen im Bundesparlament. In einer stark männlich geprägten politischen Kultur setzte sie sich früh für frauenpolitische Anliegen ein, darunter ein Antidiskriminierungsgesetz, Mutterschaftsversicherung, Gleichstellungsmassnahmen in Wissenschaft und Beruf sowie Reformen im Familienrecht. Viele dieser Vorstösse blieben zunächst erfolglos, legten jedoch Grundlagen für spätere gesetzliche Entwicklungen. Ende 1989 trat sie zurück. Nach Auflösung der POCH wechselte sie zur SP.
Parallel zur politischen Tätigkeit baute Anita Fetz eine eigene Unternehmensberatungsfirma auf, die sich auf Frauenförderung und Organisationsentwicklung spezialisierte. In den 2000er-Jahren kehrte sie in die Bundespolitik zurück und vertrat Basel-Stadt von 2003 bis 2019 im Ständerat als erste Frau ihres Kantons in dieser Funktion. Dort prägte sie insbesondere finanz- und wirtschaftspolitische Dossiers und verband diese konsequent mit Gleichstellungsfragen, etwa bei der Lohngleichheit oder der sozialen Absicherung von Bäuerinnen.
Anita Fetz blickt auf fünf Jahrzehnte frauenpolitischer Entwicklungen zurück. Sie spricht über Strategien des politischen Handelns, über informelle Allianzen und taktisches Vorgehen, über Widerstände und gesellschaftliche Veränderungen. Ihre Erfahrungen zeigen, wie langwierig Gleichstellungspolitik ist und wie entscheidend Beharrlichkeit, ökonomische Unabhängigkeit und politisches Handwerk für nachhaltigen Wandel sind.