{"id":195,"date":"2020-01-22T16:51:31","date_gmt":"2020-01-22T14:51:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/zuerich-reloaded\/?p=195"},"modified":"2021-05-18T10:29:59","modified_gmt":"2021-05-18T08:29:59","slug":"grossmuenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/zuerich-reloaded\/grossmuenster\/","title":{"rendered":"Grossm\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p>Das Grossm\u00fcnster wurde in Blender rekonstruiert und von Deborah Sereni, <strong>Luca Sandri<\/strong> und Sandra Sager erstellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Historischer Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Das Grossm\u00fcnster ist aus Z\u00fcrich nicht wegzudenken und pr\u00e4gt das Stadtbild seit fast 900 Jahren. Der heute noch bestehende Bau wurde in den Jahren von 1100 bis 1230 errichtet, vermutlich auf einer wenig kleineren Vorg\u00e4ngerkirche. Der Legende nach sollen die Heiligen Felix und Regula an dieser Stelle begraben worden sein. Ob es tats\u00e4chlich Karl der Grosse war, der um 800 hier eine Klerikergemeinde gr\u00fcndete, konnte bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden. \u00a0Im 13. Jahrhundert pr\u00e4gte sich um Karl den Grossen ein Kult aus, 1233 wurden Reliquien des karolingischen Kaisers ins Grossm\u00fcnster \u00fcberf\u00fchrt. Die Statue des angeblichen Gr\u00fcndervaters ziert den sogenannte Karlsturm seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Ein Anlass f\u00fcr den Neubau um 1100 war vermutlich die Losl\u00f6sung des Klerikerstifts aus der Abh\u00e4ngigkeit des Fraum\u00fcnsters, mit dem das Kanonikerstift die folgenden Jahrhunderte konkurrieren sollte. Der Bau wurde zunehmend zur Kirche der Z\u00fcrcher Oberschicht und hatte einen Status, der mit jenem des Konstanzer M\u00fcnsters vergleichbar war. 1322 schl\u00e4gt sich die Bedeutung im Namen nieder, die Kirche wird seither \u00abGrossm\u00fcnster\u00bb genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Architektonische Ver\u00e4nderungen<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde die Westempore von 1319-1321 vergr\u00f6ssert. Ende des 14. Jahrhunderts entstanden Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Ausbau der T\u00fcrme, die allerdings vorerst nicht umgesetzt wurden. Im 15. Jahrhundert wurden das Dach, die Glocke und der Dachreiter erneuert und die Westfenster neu verglast. In den Jahren von 1487-91 wurden die beiden T\u00fcrme an der Westfassade dann doch ausgebaut. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind in der Forschung umstritten: W\u00e4hrend einige auf die Schlacht von Murten (1476) verweisen und im Ausbau einen Drang zur Repr\u00e4sentation sahen, glauben andere, der Grund liege in der Konkurrenz zur neu entstandenen Wasserkirche (1479-1488).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Reformation das Kircheninnere stark pr\u00e4gte, ver\u00e4nderte sich das \u00c4ussere der Kirche kaum. Lediglich die T\u00fcrme erhielten ein signifikant neues Aussehen. Der ehemals romanische Glockenturm wurde nach einem Blitzschlag Mitte des 18. Jahrhunderts restauriert und dem gotischen Baustil der anderen T\u00fcrme angepasst. Die grossen T\u00fcrme der Westfassade erhielten 1786 die markanten achteckigen Aufs\u00e4tze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rekonstruktion<\/strong><\/p>\n<p>Sandra Sagner und Deborah Sereini beschlossen aufgrund der guten Quellenlage, das Grossm\u00fcnster im Zustand Mitte des 16. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Sie nutzten einerseits schriftliche Zeitzeugnisse, andererseits Karten und Bilder des technischen Arbeitsdienstes von 1937. Bei der Rekonstruktion legten sie ein besonderes Augenmerkt auf die T\u00fcrme und der Westfassade. Von der Nordfassade haben sich leider kaum Abbildungen erhalten, deren Rekonstruktion basiert daher auf \u00abeducated guesses\u00bb. Die Karlsstatue fehlt, da die Zeit und die Erfahrung f\u00fcr eine derart filigrane Rekonstruktion nicht ausreichten. Da der Zustand der Mauern im 16. Jahrhundert nicht bekannt ist, verzichtete das Team auf eine Textur f\u00fcr das Modell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M<strong>odell<\/strong><\/p>\n\n<!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ -->\n<iframe loading=\"lazy\" allowfullscreen=\"true\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/projects\/3dworks\/zurich-reloaded\/webplayer\/build\/webplayer.html?load=https:\/\/dlf.uzh.ch\/projects\/3dworks\/zurich-reloaded\/weitere%20Projekte\/AP_Grossmuenster.json\" width=\"800\" height=\"500\" scrolling=\"yes\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Fries, Leonhard: <a href=\"http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/fries1701\">Enchiridium chronologicum Tigurino-Helvetium<\/a>, Z\u00fcrich 1701.<\/p>\n<p>M\u00fcnster, Sebastian: <a href=\"http:\/\/www.digitalis.unikoeln.de\/Muenster\/muenster_index.html\">Cosmographei<\/a>, Basel 1550.<\/p>\n<p>Wick, Johann Jakob: Sammlung von Nachrichten zur Zeitgeschichte aus den Jahren 1560-87 (mit \u00e4lteren St\u00fccken),<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.7891\/e-manuscripta-16410\"> Ms F 21, Band 10<\/a>, Zentralbibliothek Z\u00fcrich, Z\u00fcrich 1576.<\/p>\n<p>Murer, Jos: Der uralten wytbekannten Statt Z\u00fcrych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen. Z\u00fcrich: bey Hauptmann Hofmeister, Buchbinder, an der Rosengass, 1766. Zentralbibliothek Z\u00fcrich, <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.3931\/e-rara-28033\">5 Lb 02: 11<\/a>.<\/p>\n<p>Stadtarchiv Z\u00fcrich, J 126 + a-m, Grossm\u00fcnster. (Grundrisse, Schnitte, Ansichten). Cliche\u00e9-Unterlagen zu den Kunstdenkm\u00e4lern, Technischer Arbeitsdienst, 1937.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Abegg, Regine\/ Barraud Wiener, Christine\/ Grunder Karl: Die\u00a0 Kunstdenkm\u00e4ler des Kantons Z\u00fcrich. Die Stadt Z\u00fcrich III.I. Altstadt Rechts der Limmat. Sakralbauten, Bern 2007 (Die Kunstdenkm\u00e4ler der Schweiz 3.1). Bern 2007.<\/p>\n<p>Bhattacharya, Tapan:<a href=\"http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D12176.php\"> Murer, Jos<\/a> [Jodokus, Jost], in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2009.<\/p>\n<p>Gutscher, Daniel: Das Grossm\u00fcnster in Z\u00fcrich. Eine baugeschichtliche Monographie. Beitr\u00e4ge zur Kunstgeschichte der Schweiz 5, Bern 1983.<\/p>\n<p>Motschi, Andreas: <a href=\"http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D171.php\">Stadt der K\u00f6nige und Herz\u00f6ge<\/a> (8.-12. Jahrhundert), in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2015.<\/p>\n<p>Schultheiss, Max: D<a href=\"http:\/\/[http:\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D171.php\">ie Stadt wird selbstst\u00e4ndig<\/a>, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2015.<\/p>\n<p>Von Grebel, Hans Rudolf: Grossm\u00fcnster Z\u00fcrich, in: Gesellschaft f\u00fcr Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1966.<\/p>\n<p>Besten Dank an D\u00f6lf Wild f\u00fcr die Einsicht in einen noch unver\u00f6ffentlichten Aufsatz zur Baugeschichte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Titelbild<\/strong><\/p>\n<p>Ausschnitt aus dem <a href=\"https:\/\/www.e-rara.ch\/zuz\/doi\/10.3931\/e-rara-28030\">Murerplan von Jos Murer<\/a>. Jos Murer: Der uralten wytbekannten Statt Z\u00fcrych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen \/ ufgerissen und in Grund gelegt durch Josen Murer, 1576. Der Plan ist online in der <a href=\"https:\/\/www.e-rara.ch\/\">e-rara Sammlung<\/a> hinterlegt und im Besitzt der Zentralbibliothek Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Grossm\u00fcnster wurde in Blender rekonstruiert und von Deborah Sereni, Luca Sandri und Sandra Sager erstellt. &nbsp; Historischer Hintergrund Das Grossm\u00fcnster ist aus Z\u00fcrich nicht wegzudenken und pr\u00e4gt das Stadtbild seit fast 900 Jahren. Der heute noch bestehende Bau wurde in den Jahren von 1100 bis 1230 errichtet, vermutlich auf einer wenig kleineren Vorg\u00e4ngerkirche. 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