{"id":328,"date":"2018-06-14T20:34:01","date_gmt":"2018-06-14T18:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/urbanekunst\/?p=328"},"modified":"2018-08-16T18:12:01","modified_gmt":"2018-08-16T16:12:01","slug":"venedigs-biennale-bereicherung-oder-zerstoerung-einer-stadt-durch-die-kunst-entwicklung-und-geschichte-der-biennale-im-kontext-der-historie-und-des-massentourismus-venedigs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/2018\/06\/14\/venedigs-biennale-bereicherung-oder-zerstoerung-einer-stadt-durch-die-kunst-entwicklung-und-geschichte-der-biennale-im-kontext-der-historie-und-des-massentourismus-venedigs\/","title":{"rendered":"Venedigs Biennale"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<h5>Bereicherung oder Zerst\u00f6rung einer Stadt durch die Kunst? \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Entwicklung und Geschichte der Biennale im Kontext der Historie und des Massentourismus Venedigs<\/h5>\n<p>[\/vc_column_text][vc_text_separator title=&#8220;Von Sophie Rosch&#8220; title_align=&#8220;separator_align_left&#8220; color=&#8220;orange&#8220;][vc_column_text]<\/p>\n<h5>Historischer \u00dcberblick der Venedig Biennale<\/h5>\n<p>Um das heutige Modell der <a href=\"http:\/\/www.labiennale.org\/en\">Venedig Biennale<\/a> zu verstehen, ist es wichtig ihre Entwicklung auf historischen Ereignissen basierend zu beleuchten.<\/p>\n<p>Die Biennale Venedigs gilt als die \u201eMutter\u201c aller Biennalen.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Hierbei handelt es sich um eine im Turnus von zwei Jahren stattfindende internationale Kunstausstellung f\u00fcr moderne und zeitgen\u00f6ssische Kunst, die etwa ein halbes Jahr in Venedig gastiert. In den letzten Jahren nimmt die Bekanntheit der Venedig Biennale, die sich bereits in ihren Anf\u00e4ngen grosser Beliebtheit und ausgezeichneten Prestiges erfreuen konnte, stetig zu. Die Besucherzahlen stiegen 2017 bei der 57. Biennale auf circa 615.000 Personen und auch die Ausstellungen umfassen immer gr\u00f6ssere Bereiche der Stadt.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die erste Venedig Biennale fand 1895 statt \u2013 unter dem Einfluss und Eindruck von Aufkl\u00e4rung und Industrialisierung. Zu dieser Zeit werden die ersten Nationalstaaten gegr\u00fcndet, weshalb der Fokus der Ausstellungen nicht nur auf den Kunstwerken an sich liegt, sondern diese auch ein politisches Interesse zur \u201evorurteilsfreien Entwicklung des Geistes\u201c und \u201ebr\u00fcderlichen Vereinigung aller V\u00f6lker\u201c verfolgen.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> In diesem Sinne wurde die Biennale zum einen genutzt, um die neue gemeinsame kulturelle Identit\u00e4t im Inneren zu st\u00e4rken und friedlich zu repr\u00e4sentieren, aber auch um nach Aussen politische Beziehungen widerzuspiegeln.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> Die neuen technischen M\u00f6glichkeiten bez\u00fcglich Fortbewegung steigerten die allgemeine Reiselust in der Anfangsphase der Biennale, was als einer der Grundsteine\u00a0 von deren Beliebtheit betrachtet werden kann.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a>\u00a0 In den ersten Jahren der Biennale beschr\u00e4nkte sich der Ausstellungsort insbesondere auf den Giardini di Castello. Um die Biennale herum wurden bereits in den Anf\u00e4ngen weitere Aktivit\u00e4ten und Attraktionen organisiert, die die Besucher auch ausserhalb der Ausstellung zus\u00e4tzlich unterhalten sollten.<\/p>\n<p>1907 baute Belgien als erste Nation einen Nationalpavillon, dem in den n\u00e4chsten Jahren noch viele weitere folgen sollten. Bei den besagten Pavillons, die sich alle im Giardini di Castello befinden, handelt es sich um permanente Bauten, die auch in der \u2018biennalefreien\u2019 Zeit in Venedig bestehen bleiben, w\u00e4hrend andere Pavillons in anderen Teilen der Stadt nur tempor\u00e4r erbaut werden.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die Biennale wurde nur w\u00e4hrend der beiden Weltkriege unterbrochen.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Durch die Weltkriege und vor allem vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Nationalsozialismus entwickelte sich vor allem in Europa eine neue kritisch eingestellte Mentalit\u00e4t gegen\u00fcber jedem Nationalbewusstsein.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg die Globalisierung weiter, also die Vernetzung des gr\u00f6ssten Teils der Gesellschaft. Diese wirkte sich nicht nur auf die Biennale aus, sondern f\u00f6rderte eine generell weltoffenere und pluralistischere Weltansicht. In der Kunst versuchte man, die nationalstaatlichen Grenzen verschwimmen zu lassen und sich mit universalen Problemen auseinanderzusetzen. Dies gelang und gelingt auch dadurch, dass K\u00fcnstler unterschiedlicher Nationen innerhalb unterschiedlicher Nationalpavillons ausstellen d\u00fcrfen. Somit r\u00fcckte man Kritik und Diskussionen bez\u00fcglich gesellschaftlicher, politischer und \u00f6konomischer Gegebenheiten durch Kunst in verschiedenen L\u00e4ndern in den Vordergrund.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Bei der letzten und auch meistbesuchten Biennale 2017 <a href=\"http:\/\/www.labiennale.org\/en\/art\/2017\/57th-international-art-exhibition\"><em>Viva Arte Viva<\/em><\/a>, kuratiert von Paolo Baratta, nahmen \u00fcber 120 K\u00fcnstler verschiedenster Nationen teil und die Biennale ist seit Jahren nicht mehr einzig auf den Giardini beschr\u00e4nkt, sondern fand in der ganzen Stadt statt. Zus\u00e4tzlich gab es in der Zeit der Biennale 23 begleitende Veranstaltungen, was nochmals die sich ausweitende Dimension der Biennale verdeutlicht.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> Auch die Teilnahme unterschiedlicher Nationen aus aller Welt und die Darstellung nationaler Thematiken innerhalb eines internationalen Kontextes zeigen, dass sich die Biennale im Rahmen der Globalisierung mitentwickelt hat.<\/p>\n<h5>Architektonische Gegebenheiten Venedigs und das Problem des Massentourismus<\/h5>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-328 gallery-columns-2 gallery-size-full'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2000\" height=\"3008\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/DSC_5277.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-330\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/DSC_5277.jpg 2000w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/DSC_5277-199x300.jpg 199w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/DSC_5277-768x1155.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/DSC_5277-681x1024.jpg 681w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-330'>\n\t\t\t\tAbb.2\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2958\" height=\"1966\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2533.jpeg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-331\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2533.jpeg 2958w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2533-300x199.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2533-768x510.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2533-1024x681.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2958px) 100vw, 2958px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-331'>\n\t\t\t\tAbb.3\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Venedig. In etwa 30 Millionen Touristen pro Jahr, das hei\u00dft, 545 Touristen auf einen Einwohner, besuchen diese Stadt.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Jeder kennt Venedig aus diversen Romanen und Filmen, f\u00fcr die Venedig als Schauplatz fungierte. Mindestens genauso bekannt ist die Stadt aufgrund ihrer besonderen Architektur und f\u00fcr ihre Kunst, wie zum Beispiel Kunstausstellungen wie die Venedig Biennale.<\/p>\n<p>Die Besonderheit der Architektur Venedigs liegt nicht nur in der Bauart der H\u00e4user beziehungsweise<a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Palazzo\"><em> Palazzos<\/em><\/a>, sondern auch im Gesamtaufbau der Stadt. Venedig ist in einem einzigartigen nat\u00fcrlichen Umfeld errichtet und befindet sich genau zwischen Sumpfgebieten und Meer. Innerhalb einer Lagune wird die Stadt von Holzpf\u00e4hlen getragen, die unter Wasser im Boden befestigt sind.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Auf Grund dieser Besonderheit versinkt die Stadt mehr und mehr im Wasser und wird zunehmend von \u00dcberschwemmungen zerst\u00f6rt, von denen viele nicht auf nat\u00fcrliche Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, sondern von Menschen verschuldet sind.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> <a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>So sind die Einfahrten f\u00fcr \u00d6ltanker und Kreuzfahrtschiffe in die Lagune in den letzten Jahren weiter ausgebaggert worden, sodass vermehrt Meerwasser in die Lagune eindringen kann und der Meeresspiegel in der Lagune steigt. Ein weiterer Grund, der den Wasseranstieg f\u00f6rdert, ist die globale Klimaerw\u00e4rmung, weshalb sich die Zahl der \u00dcberschwemmungen seither h\u00e4uft.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres Problem stellen auch die einzelnen in der Lagune anlegenden Kreuzfahrtschiffe dar. Der Untergrund auf dem die Holzpf\u00e4hle befestigt sind, besteht vor allem aus Lehm und Schlamm. Durch das Einfahren der riesigen Schiffe und die Bewegungen von deren grossen Schiffsschrauben wird eine Art Kolbeneffekt freigesetzt, durch den der Untergrund aufgew\u00fchlt und mit dem durch das Schiff verdr\u00e4ngte Wasser aus der Lagune hinaus ins offene Meer gesp\u00fclt wird.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> Die Ver\u00e4nderungen des Wasserspiegels und der dadurch entstehende Wellengang wirken sich allerdings nicht nur auf die direkte Umgebung der Lagune aus, sondern auch auf umliegende Kan\u00e4le. Hier werden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, verursacht durch die Str\u00f6mungen und den wechselnden Wasserspiegel, Fundamente von H\u00e4usern abgetragen. Diese H\u00e4user sacken dabei zum Teil ab, wodurch auch die Fassaden zerst\u00f6rt werden. Dadurch dass man sich auch innerhalb der Stadt nur zu Fuss oder \u00fcber den Wasserweg in Booten und Gondeln fortbewegen kann, setzt sich das Wasser in den Kan\u00e4len ebenfalls in Bewegung, wodurch die Zerst\u00f6rung der Hausfundamente nochmals verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_332\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-332\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2534-1024x680.jpeg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2534-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2534-300x199.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/files\/2018\/06\/fullsizeoutput_2534-768x510.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">Abb.4<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein weiteres Problem des Massentourismus besteht in der Umgestaltung der \u00f6konomischen Gestalt und die Immobilienlage Venedigs. Die Infrastruktur f\u00fcr Einwohner verschlechtert sich zunehmend. So werden zum Beispiel Superm\u00e4rkte und M\u00e4rkte durch auf touristische Belange ausgelegte Restaurants und Boutiquen ersetzt, sodass Erstere zu wenige Einnahmen generieren.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich wird der Vorwurf der Gentrifizierung auf Grund eines rasanten Anstiegs der Mietpreise f\u00fcr Einwohner laut. Viele Einheimische k\u00f6nnen sich keine Wohnungen und H\u00e4user mehr leisten, weil viele Besitzer von Eigentumswohnungen diese \u00fcberteuert vermieten, beispielsweise \u00fcber das Unternehmen AirBnB n\u00e4chte- und wochenweise. Hierbei wird den Eigent\u00fcmern erm\u00f6glicht, die Wohnungen teilweise f\u00fcr mehrere hundert Euro pro Nacht zu vermieten, anstelle eines festen niedrigeren monatlichen Betrages, f\u00fcr langfristige Mieter. Dieser Profit ist durch feste Monatsmieten nicht zu erzielen. Abgesehen davon, dass die Mietpreise der direkt betroffenen Wohnungen steigen, gilt dies auch f\u00fcr die umliegenden Wohnungen, die eventuell noch langfristig vermietet werden, weil die Anwesenheit von Touristen anderes, neues Publikum anzieht und die gesamte Wohnlandschaft dadurch Ver\u00e4nderung und Aufwertung erf\u00e4hrt, was im Wechselspiel mit dem Abbau der Infrastruktur f\u00fcr die Einheimischen steht.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n<h5>Doch in welchem Kontext steht hierzu die Biennale?<\/h5>\n<p>Der Zeitraum der Biennale ist von vielen Kurzzeit-Besuchern gepr\u00e4gt, was bedeutet, dass bez\u00fcglich der oben genannten, kurzfristigen Vermietungen eine zus\u00e4tzlich erh\u00f6hte Nachfrage besteht. Viele Menschen m\u00f6chten f\u00fcr die Zeit ihres Aufenthalts innerhalb der Stadt wohnen, sowohl die Besucher der Biennale als auch deren Mitgestalter wie K\u00fcnstler, Aussteller und Organisatoren. Die Pavillons der Kunstausstellung sind zu dieser Zeit in ganz Venedigs verteilt und auch unabh\u00e4ngig der Nationalpavillons werden ganze Ausstellungen in <em>Palazzos<\/em> und einzelne Werke organisiert und pr\u00e4sentiert. Durch die grossfl\u00e4chige Ausbreitung der Ausstellungen und Werke in der Stadt, werden auch Orte vermehrt besucht, die von Touristen normalerweise weniger Aufmerksamkeit erhalten. Die genannten Werke beinhalten h\u00e4ufig nicht nur einfache Bilder auf einer Leinwand, sondern k\u00f6nnen ganze Skulpturen umfassen, die in das Stadtbild integriert werden. Ein bekanntes Beispiel ist Lorenzo Quinns Skulptur <a href=\"http:\/\/www.supportatvenice.com\/about\"><em>Support <\/em><\/a>, die unabh\u00e4ngig der Biennale 2017 von ihm ausgestellt wird. Hierbei handelt es sich um zwei H\u00e4nde, die aus dem Wasser eines Kanals hinaus an einer Hauswand anlehnen und diese symbolisch st\u00fctzen. In seinem Werk macht er auf die Gefahren des Klimawandels und dem Anstieg des Meeresspiegels durch den Massentourismus f\u00fcr die sinkende Stadt Venedig aufmerksam.<\/p>\n<p>Hierbei k\u00f6nnte man eine gewisse Ironie feststellen. W\u00e4hrend sich Ausstellungen und Werke der Biennale mit globalen und universalen Thematiken wie zum Beispiel dem zunehmenden Kapitalismus auseinandersetzen, wird im Vergleich wenig Fokus auf die lokale Problematik Venedigs gelegt. Wenn man die Situation sehr kritisch betrachtet, k\u00f6nnte man die Venedig Biennale sogar als F\u00f6rderer des Massentourismus sehen. Viele St\u00e4dte halten Biennalen gezielt, um auf internationaler Ebene mehr Aufmerksamkeit und Ansehen zu erzielen und so auch die Attraktivit\u00e4t der Stadt f\u00fcr Besucher zu steigern. Diese Strategie dieser Vermarktung einer Stadt f\u00e4llt auch unter den Begriff \u2018<a href=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/urbanekunst\/2018\/06\/12\/biennalen-biennalisierung-biennalen-des-widerstands-eine-annaeherung\/\">City Marketing<\/a>\u2019.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Allerdings ist jede Zunahme der Besucherzahlen Venedigs eine Gefahr f\u00fcr die Stadt und ihre Baustruktur, sowie auch f\u00fcr Bewohner der Stadt, denen wegen der schlechteren Angebote wie beispielsweise im Wirtschafts- und Immobiliensektor, wenige Grundlagen f\u00fcr ein Alltagsleben ausserhalb des Tourismus bleiben.<\/p>\n<p>Das Prestige, das solche Ausstellungsformate einer Stadt einbringen, f\u00f6rdert die Attraktivit\u00e4t Venedigs f\u00fcr weitere Touristen. Allerdings ist Venedig auch unabh\u00e4ngig davon bekannt f\u00fcr den problematischen Massentourismus, der betrieben wird.<\/p>\n<p>Die Biennale kann sicherlich als verst\u00e4rkender Effekt auf die urbane und soziale Umgestaltung beziehungsweise Zerst\u00f6rung einiger Stadtteile betrachtet werden. Aus diesem Grund w\u00e4re eine m\u00f6gliche Strategie, den Massentourismus innerhalb der Biennale kritisch zu hinterfragen und beispielsweise eingenommene Gelder durch Verk\u00e4ufe von Werken f\u00fcr Ma\u00dfnahmen gegen das Versinken der Stadt durch den globalen Klimawandel und Tourismus &#8211; in diesem Fall gef\u00f6rdert von Kunst &#8211; zu verwenden und somit der Zerst\u00f6rung der Stadt entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Sara Catenacci 2010: <\/strong>Sara Catenacci, Beyond the Giardini of the Biennale: Some considerations on a supposed model, in: <em>Starting from Venice<\/em>, hrsg. von Clarissa Ricci, Milano 2010, S. 78.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>La Biennale di Venezia 2017:<\/strong> La Biennale di Venezia, History, <a href=\"http:\/\/www.labiennale.org\/en\/history\/recent-years\">http:\/\/www.labiennale.org\/en\/history\/recent-years<\/a>. (aufgerufen am 13. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> <strong>Selvatico in Vogel 2010:<\/strong> Selvatico inSabine B. Vogel, <em>Biennalen &#8211; Kunst im Weltformat<\/em>, Wien 2002, S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Vogel 2010:<\/strong> Sabine B. Vogel, <em>Biennalen \u2013 Kunst im Weltformat, <\/em>Wien 2002, S. 8 \u2013 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a>\u00a0Vgl. ebd. S. 12 \u2013 15.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Chilvers\/Glaves-Smith 2015:<\/strong> Ian Chilvers und John Glaves-Smith, Biennale, <em>A Dictionary of Modern and Contemporary Art<\/em> (2015), <a href=\"http:\/\/www.oxfordreference.com\/view\/10.1093\/acref\/9780191792229.001.0001\/acref-9780191792229-e-301\">http:\/\/www.oxfordreference.com\/view\/10.1093\/acref\/9780191792229.001.0001\/acref-9780191792229-e-301<\/a>. (aufgerufen am 14. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>La Biennale di Venezia 2017:<\/strong> La Biennale di Venezia, History, http:\/\/www.labiennale.org\/en\/history\/beginnings-until-second-world-war. (aufgerufen am 13. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Vogel 2010:<\/strong> Sabine B. Vogel, <em>Biennalen \u2013 Kunst im Weltformat, <\/em>Wien 2002, S. 21 \u201322.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>La Biennale di Venezia 2017:<\/strong> La Biennale di Venezia, History, <a href=\"http:\/\/www.labiennale.org\/en\/history\/recent-years\">http:\/\/www.labiennale.org\/en\/history\/recent-years<\/a>. (aufgerufen am 13. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Weber &amp; Zahn 2017:<\/strong> Weber Anna-Lena, Zahn Philipp, Deutsche Welle, Zu Viele Touristen in Venedig,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/zu-viele-touristen-in-venedig\/l-41484723\">http:\/\/www.dw.com\/de\/zu-viele-touriste n-in-venedig\/l-41484723<\/a>. (aufgerufen am 30. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Plant 2002:<\/strong> Margaret Plant, <em>Venice, Fragile City 1797-1997,<\/em> New Haven und London 2002, S. 429.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a>\u00a0Vgl. ebd. S. 426.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Polaczek 2003: <\/strong>Dietmar Polaczek, Kommandoaktion Moses: Wie Venedig F\u00fcr Immer Vor Hochwasser Sicher Gemacht Werden Soll, in:\u00a0<em>Du:: Die Zeitschrift Der Kultur, <\/em>63 (733), S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Kerner 2017:<\/strong> Regina Kerner, Frankfurter Rundschau, Der Kampf gegen das Wasser,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fr.de\/panorama\/venedig-der-kampf-gegen-das-wasser-a-1409183\">http:\/\/www.fr.de\/panorama\/venedig-der-kampf-gegen-das-wasser-a-1409183<\/a>. (aufgerufen am 31. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Weber &amp; Zahn 2017:<\/strong> Weber Anna-Lena, Zahn Philipp, Deutsche Welle, Zu Viele Touristen in Venedig,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/zu-viele-touristen-in-venedig\/l-41484723\">http:\/\/www.dw.com\/de\/zu-viele-touriste n-in-venedig\/l-41484723<\/a>. (aufgerufen am 30. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Polaczek, 2003: <\/strong>Dietmar Polaczek, Kommandoaktion Moses: Wie Venedig F\u00fcr Immer Vor Hochwasser Sicher Gemacht Werden Soll, in:\u00a0<em>Du: Die Zeitschrift Der Kultur, <\/em>63 (733), S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Kasiske 2017:<\/strong> Andrea Kasiske, Deutsche Welle, Venedig wehrt sich gegen AirBnB,\u00a0<a href=\"http:\/\/p.dw.com\/p\/2kmvt\">http:\/\/p.dw.com\/p\/2kmvt<\/a>. (aufgerufen am 30. Mai 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a>\u00a0Vgl.\u00a0<strong>Sheikh 2009: <\/strong>Simon Sheikh, Marks of Distinction, Vectors of Possibility: Questions for the Biennial, in: <em>The Biennal Reader: An Anthology on Large-Scale Perennial Exhibitions of Contemporary Art<\/em>, hrsg. von Filipovic u.a., Ostfildern 2010, S. 150 \u2013 163.[\/vc_column_text][vc_text_separator title=&#8220;Abbildungsverzeichnis&#8220; color=&#8220;orange&#8220;][vc_column_text]Abb. 1 (Beitragsbild): Kreuzfahrtschiff im Hafen Venedigs, 2007, Foto: Peter Weideli (privat).<\/p>\n<p>Abb. 2\u00a0: Kanal mit Boot, Venedig, 2007, Foto: Peter Weideli (privat).<\/p>\n<p>Abb. 3\u00a0: Boote fahrend im Kanal, Venedig, 2007, Foto:\u00a0Peter Weideli (privat).<\/p>\n<p>Abb. 4\u00a0: Haus mit br\u00f6ckelnder Fassade, Venedig, 2007, Foto:\u00a0Peter Weideli (privat).[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text] Bereicherung oder Zerst\u00f6rung einer Stadt durch die Kunst? \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Entwicklung und Geschichte der Biennale im Kontext der Historie und des Massentourismus Venedigs [\/vc_column_text][vc_text_separator title=&#8220;Von Sophie Rosch&#8220; title_align=&#8220;separator_align_left&#8220; color=&#8220;orange&#8220;][vc_column_text] Historischer \u00dcberblick der Venedig Biennale Um das heutige Modell der Venedig Biennale zu verstehen, ist es wichtig ihre Entwicklung auf&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":385,"featured_media":329,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[32,38,37,62,16,51,34],"class_list":["post-328","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-city-marketing","tag-gentrifizierung","tag-globalisierung","tag-simon-sheikh","tag-tourismus","tag-urban-development","tag-venedig-biennale"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/users\/385"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=328"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":407,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions\/407"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/media\/329"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/urbanekunst\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}