{"id":400,"date":"2018-07-31T12:59:17","date_gmt":"2018-07-31T12:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/?p=400"},"modified":"2018-07-31T12:59:17","modified_gmt":"2018-07-31T12:59:17","slug":"schaulager-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/2018\/07\/31\/schaulager-basel\/","title":{"rendered":"Schaulager, Basel"},"content":{"rendered":"<p>Exkursion vom 19.04.2018<\/p>\n<p>Das \u00abSchaulager\u00bb in Basel wurde 2003 nach Maja Oehris Konzeption von Herzog&amp;DeMeuron gebaut, nicht um ein Museum zu sein, sondern eben ein Lager, das sich aber dem fast inh\u00e4renten Widerspruch zwischen Lagern und Schauen widersetzen soll. Hier wird die Kunstsammlung der 1993 von Maja Hoffmann-Stehlin gegr\u00fcndeten Emanuel Hoffman-Stiftung aufbewahrt und ausgestellt: eine Sammlung ausschliesslich zeitgen\u00f6ssischer Kunst. Der seit 1941 mit der \u00d6ffentlichen Kunstsammlung Basel in einem Vertragsverh\u00e4ltnis (Depositum-Vertr\u00e4ge) stehenden Stiftung dr\u00e4ngte sich mit wachsender Sammlung allm\u00e4hlich ein Platzproblem auf. Auch der Bau des Museums f\u00fcr Gegenwartskunst in Basel l\u00f6ste dieses Problem nicht wirklich. Dieses wurde, nebenbei bemerkt, ehemals als das erste ausschliesslich der Gegenwartskunst gewidmete Museum der Welt ausgerufen. Doch auch hier konnte nur ein Bruchteil der grossen Sammlung aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Anlass der Gr\u00fcndung der Institution (und in mehreren L\u00e4ndern gesch\u00fctzten Marke) \u00abSchaulager\u00bb war eine Retrospektive von Dieter Roth. Das Schaulager \u2013 weder Museum noch Lagerhalle im herk\u00f6mmlichen Sinn \u2013 ist tats\u00e4chlich ein Privathaus. Nur eines, das der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich ist. Die innovative Idee ist, dass Kunstwerke der Forschung zug\u00e4nglich bleiben, auch wenn sie nicht ausgestellt, sondern gelagert werden. Auch gerade f\u00fcr gr\u00f6ssere Formate, raumf\u00fcllende Installationen und prek\u00e4re oder untypische Materialien (deren Alterungsprozess nicht gut erforscht ist) eignet sich diese Schaulagerungsart ganz besonders, da die Werke unter Beobachtung bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es erstaunt eigentlich nicht, dass zeitgen\u00f6ssische Kunst, die oft sich selbst als Medium thematisiert, die Grenzen der Ausstellbarkeit selber pr\u00fcft und Fragen \u00fcber das Kunstobjekt, den Raum und das Museum reflektiert, unkonventionelle Formen der Lagerung und der Handhabung erforderlich macht. Mit dem Motto \u00abconserve, share, exhibit\u00bb will das Schaulager zeitgen\u00f6ssische Kunst der Forschung und Beobachtung aussetzen und ihr so eine Zug\u00e4nglichkeit verschaffen, die nicht von den Launen der Kunstwelt abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>So ist denn auch der Bau selbst schon ein Unikum: die praktischen Realit\u00e4ten des Kunstbetriebs und der Lagerhalle mischen sich hier mit der sakralen Monumentalit\u00e4t des Museums. Das zentrale \u00abAtrium\u00bb ist beleuchtungstechnisch auf optische Effekte hin konzipiert, die ein Gef\u00fchl von nach oben strebender Unendlichkeit evozieren soll (an Dantes L\u00e4uterungsberg erinnernd, wurde bemerkt). Die Janusk\u00f6pfigkeit dieses Museums\/Lagers fordert kritische R\u00fcckfragen heraus: Handelt es sich hier nun tats\u00e4chlich um ein (freundlicherweise) zug\u00e4nglich gemachtes Lager, oder um eine Galerie unter einem besonders strengen Ausstellungsregime? Man denke an die \u00fcberall eingezogenen Mauern, die nicht ohne Weiteres erreichbaren Ebenen mit einer Aura des Verborgenen, des Unerreichbaren etc. Diesen Fragen wurde entgegnet, es herrsche hier keine kunstgeschichtliche Narration vor, sondern die Werke st\u00fcnden \u00abf\u00fcr sich\u00bb. Der Begriff des \u00abOriginals\u00bb wird hier wichtig. Die Werke werden nicht (wie \u00fcblich) in Kisten im Dunkeln verpackt, sondern eben \u00aboffen\u00bb gelagert, der St. Petersburger H\u00e4ngung nicht ganz unverwandt, wenn auch nicht unbedingt kuratorisch, sondern lagerungstechnisch angeordnet. Hier entsteht eine interessante Dynamik: Das Lager hat (bei wachsender Sammlung) das Interesse platzsparend vorzugehen. Allerdings scheint es eine gewisse Zur\u00fcckhaltung zu geben, die R\u00e4ume effizient zuzupflastern. Die \u00abOriginale\u00bb fordern eine gewisse w\u00fcrdevolle Distanz. Die Werke sind nicht blosse Ware in Kisten, sondern sind \u201aauratisch\u2019 aufgewertet. Man ist an eine Kunstph\u00e4nomenologie im Sinne von Gottfried Boehm erinnert.<\/p>\n<p>Im Empfangsraum, der Andy Bl\u00e4ttler zufolge an den intimen Charakter eines Privathauses erinnern soll (wohl bemerkt, <em>nachdem<\/em> man durch das Torhaus, durch den Vorhof, an den gigantischen Projektionsfl\u00e4chen des monolithischen Bauk\u00f6rpers vorbeigekommen ist), sieht man im Prinzip alles auf einmal: Gegen Unten und Oben \u00f6ffnet sich ein riesiger Raum mit verschiedenen Ebenen, in denen sich die Kunstwerke befinden. Die Stockwerke erlauben aber keinen tiefen Einblick, man sieht von hier nur weisse Fl\u00e4chen. Es handelt sich dabei um d\u00fcnne, f\u00fcr die spezifischen Zwecke der jeweiligen Ausstellung eingezogene Holzw\u00e4nde. Es ist im Prinzip eine recht funktionalistische \u00abParkhaus\u00bb-Architektur, die alle kuratorischen oder eben lagertechnischen M\u00f6glichkeiten bietet. Durch eine Glaswand sieht man auch gleich den Ladebereich. Alles kann hier schnell verladen oder eingestellt werden.<\/p>\n<p>Dem administrativen und logistischen Aspekt der Anlieferungen und des Austausches mit anderen Institutionen der Kunstwelt (z.B. dem MoMA) wird architektonisch Rechnung getragen. Hier \u00abspielt die Musik\u00bb was das Geld betrifft bei den Versicherungen von Kunstwerken, den Zertifikaten als Echtheitsausweise (speziell relevant f\u00fcr entmaterialisierte Werke der Konzeptkunst) \u2013 kurz: bei den b\u00fcrokratischen Realit\u00e4ten des Kunstmarktes. Das sogenannte \u00abArthandling\u00bb, also die Anbringung von Kunstwerken, der Transport, die Ausstellungsarbeit in enger Absprache und Zusammenarbeit mit den K\u00fcnstlern, wird hier zu einer zentralen Aufgabe.<\/p>\n<p>Autor: Manuel Andreas D\u00fcrr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion vom 19.04.2018 Das \u00abSchaulager\u00bb in Basel wurde 2003 nach Maja Oehris Konzeption von Herzog&amp;DeMeuron gebaut, nicht um ein Museum zu sein, sondern eben ein Lager, das sich aber dem fast inh\u00e4renten Widerspruch zwischen Lagern und Schauen widersetzen soll. 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