{"id":285,"date":"2017-06-30T08:52:26","date_gmt":"2017-06-30T08:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/?p=285"},"modified":"2017-06-30T08:59:01","modified_gmt":"2017-06-30T08:59:01","slug":"tour-de-suisse-florian-hermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/2017\/06\/30\/tour-de-suisse-florian-hermann\/","title":{"rendered":"Tour de Suisse: Florian Germann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-288\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/003_werwolf_untitled_notstrom_2009-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"412\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/003_werwolf_untitled_notstrom_2009-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/003_werwolf_untitled_notstrom_2009-768x576.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/003_werwolf_untitled_notstrom_2009.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/003_werwolf_untitled_notstrom_2009-210x158.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 412px) 100vw, 412px\" \/><br \/>\nUntitled, 2009 Emergency generator, silver, glas, cable 81.5\u00d782\u00d745 cm<\/p>\n<p>Normalerweise l\u00f6sen Kunstwerke bei ihren Betrachtern Reaktionen aus. Bei Florian Germanns neuem Werkzyklus ist nicht nur dies der Fall, sondern seine Werke reagieren auch auf die Anwesenheit ihrer Betrachter. EMF, das Objekt, das er an den Swiss Art Awards ausstellt, ist f\u00fcr ihn ein \u201epsychologisch-geologisches Objekt\u201c. Sensoren nehmen dabei die anwesenden Personen wahr. Durch ihre Pr\u00e4senz im Raum wird ein Prozess ausgel\u00f6st, der sich ins Werk \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Inhaltliche Ausgangslage seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit sind meist historische Begebenheiten, enigmatische Mythen oder wissenschaftliche Fakten. In diesem Werkzyklus setzt sich Germann mit elektromagnetischen Feldern, EMF genannt, auseinander und verkn\u00fcpft diese mit Paranormalem und Pseudowissenschaftlichem, wie der Orgon-Energie. Getragen gleichermassen von der Lust am Erz\u00e4hlen sowie von forschender Neugierde, erschafft der K\u00fcnstler ausgehend vom Thema einen Narrationsteppich, erstellt Querverweise zu anderen Themenbereichen und verkn\u00fcpft diese Inhalte und Motive miteinander. Er macht unsichtbare Verbindungen sichtbar und stellt einen Denkraum zwischen Fiktion, Natur und Wissenschaft her \u2013 er betrachtet diese Felder nicht isoliert und macht ihre vermeintliche Divergenz obsolet.<\/p>\n<p>EMF ist eine gross angelegte Installation und besteht aus einem kreisf\u00f6rmigen, beckenartigen, mit einem transparenten Gel gef\u00fcllten Objekt, das mit industriellen Apparaturen ausgestattet ist: einen W\u00e4rmesensor und einen Luftdruckkompressor, die die Energien der Umgebung wahrnehmen und in sein Kunstwerk zur\u00fcckleiten. So kommt es, dass das transparente, glitschige Gel innerhalb des Beckens grosse Blasen bildet, wenn sich jemand dem Kunstwerk n\u00e4hert. Durch diesen Prozess versinnbildlicht der K\u00fcnstler etwas, das ihn schon l\u00e4nger besch\u00e4ftigt \u2013 EMF. Transformation von Energie ist ein Leitmotiv in Germanns Schaffen. Auch geistige und emotionale Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen bei Menschen, gem\u00e4ss Germann, \u201eSpannungen\u201c aufbauen.<\/p>\n<p>Sein Schaffen zeichnet sich durch eine auf den ersten Blick irritierende Vielfalt der Herangehensweisen aus, sie ist ausgesprochen prozesshaft, jedoch immer mit dem Ziel, Erkenntnis zu gewinnen und Erfahrung zu produzieren: \u201eDer Ursprung meines Schaffens liegt immer im Nichtwissen. Um Wissen zu erlangen, mache ich Projekte: Ich kl\u00e4re mich auf und kreiere eigene Verbindungen.\u201c Er recherchiert, untersucht unterschiedliche Materialien und stellt sie, wenn n\u00f6tig, auch selbst her. Die gelartige Fl\u00fcssigkeit innerhalb des Beckens produziert er eigenh\u00e4ndig aus einer japanischen Tiefseealge, sogenanntes Nuru-Gel, das sonst in Japan f\u00fcr erotische Massagen verwendet wird. \u201eDie Materialien, die ich verwende interessieren mich; ich habe auch schon Austern gez\u00fcchtet\u201c, offenbart er. Obwohl Germann seine Themen aus einem forschenden Blickwinkel studiert, macht er Kunst, das heisst, er l\u00e4sst Assoziationen zu, verbindet Wissenschaft mit Wunder und Fiktion und erweckt widerspr\u00fcchliche Gef\u00fchle \u2013 Gefallen und Irritation zugleich. Florian Germann ist ein konzeptuell arbeitender K\u00fcnstler, seine Installationen sind karg, reduziert und verf\u00fchren nicht mit Farbe und F\u00fclle, aber sie regen zum Denken an. Trotz seiner konzeptuellen Arbeitsweise erschafft er handwerklich perfekte Objekte und hat einen hohen Anspruch an eine einheitliche, \u201emonolithische\u201c \u00c4sthetik.<\/p>\n<p>Text: Johanna Vieli<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht im Rahmen der Lehrveranstaltung Tour de Suisse. Kunst und ihre Institutionen in der Schweiz, eine Zusammenarbeit zwischen dem Kunsthistorischen Institut der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und dem Studienbereich Kunstgeschichte der Universit\u00e4t Fribourg, mit Unterst\u00fctzung der Boner Stiftung f\u00fcr Kunst und Kultur.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-289\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/002_werwolf_untitled_muenzen_2009-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/002_werwolf_untitled_muenzen_2009-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/002_werwolf_untitled_muenzen_2009-768x576.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/002_werwolf_untitled_muenzen_2009.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/002_werwolf_untitled_muenzen_2009-210x158.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><\/p>\n<p>Untitled, 2009 Silver coins, American walnut tree 73\u00d7103 cm<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-290\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/004_werwolf_untitled_deckel_2009-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/004_werwolf_untitled_deckel_2009-225x300.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/004_werwolf_untitled_deckel_2009.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2017\/06\/004_werwolf_untitled_deckel_2009-210x280.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><\/p>\n<p>Untitled, 2009 Vulkollan, rope, carabiner 96\u00d796 cm<\/p>\n<p>Artikel auf <a href=\"http:\/\/www.swissartawards.ch\/~journal\/context-2016\/tour-de-suisse-florian-germann\/\">Swiss Art Awards Journal\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Untitled, 2009 Emergency generator, silver, glas, cable 81.5\u00d782\u00d745 cm Normalerweise l\u00f6sen Kunstwerke bei ihren Betrachtern Reaktionen aus. 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