{"id":141,"date":"2016-02-19T13:22:07","date_gmt":"2016-02-19T13:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/?p=141"},"modified":"2018-07-31T12:46:08","modified_gmt":"2018-07-31T12:46:08","slug":"sitterwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/2016\/02\/19\/sitterwerk\/","title":{"rendered":"Sitterwerk, St. Gallen"},"content":{"rendered":"<p>Exkursion vom 16.04.2016<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-247\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_02-1-300x200.jpg\" alt=\"Sitterwerk_02\" width=\"506\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_02-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_02-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_02-1-210x140.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_02-1.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><\/p>\n<p>Die zweite Exkursion der\u00a0<em>Tour de Suisse<\/em>\u00a0f\u00fchrte uns nach St. Gallen. Nach einer viertelst\u00fcndigen Busfahrt und zehn Minuten zu Fuss erreichten wir das Industrieareal, auf dem das Sitterwerk angesiedelt ist. Urspr\u00fcnglich, das heisst bis 1988, als Textilf\u00e4rberei genutzt, sind hier mittlerweile 30 verschiedene Unternehmen und 500 Personen t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Das Sitterwerk, eine 2006 gegr\u00fcndete, gemeinn\u00fctzige Stiftung, beinhaltet eine \u00f6ffentliche Bibliothek, ein Materialarchiv sowie das Kesselhaus Josephsohn, das unter anderem als museale Ausstellungshalle genutzt wird. Des Weiteren gibt es ein Atelierhaus, ein Fotolabor, das 2009 im Umfeld der Kunstgiesserei und des Sitterwerks gegr\u00fcndet wurde, sowie G\u00e4stezimmer f\u00fcr Besucher, die beispielsweise mehrt\u00e4gige Recherchen anstellen wollen und daf\u00fcr eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit ben\u00f6tigen. Ebenfalls Teil des Sitterwerks ist die Kunstgiesserei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-243\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/IMG_2481_f7081623f2-300x201.jpg\" alt=\"IMG_2481_f7081623f2\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/IMG_2481_f7081623f2-300x201.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/IMG_2481_f7081623f2-210x140.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/IMG_2481_f7081623f2.jpg 335w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Ein zentraler Bestandteil der Stiftung ist die Kunstbibliothek. Diese beinhaltet 25&#8217;000 B\u00fccher, von denen 11&#8217;000 direkt verf\u00fcgbar sind, der Rest befindet sich in einem\u00a0Magazin. Der Bestand der Bibliothek stammt gr\u00f6sstenteils von Daniel Rohner, einem leidenschaftlichen B\u00fcchersammler, der fr\u00fch verstarb und seine Kollektion dem Sitterwerk vermachte. Hinzugekommen sind auch B\u00fccher aus der Sammlung von Felix Lehner, dem Initianten des Sitterwerks. Ausserdem wird der Bibliotheksbestand laufend durch weitere Werke erg\u00e4nzt. Die Bibliothek ist mit einem faszinierenden (und wohl einzigartigen) Inventarisierungssystem ausgestattet, das mit Radiofrequenz funktioniert: Jedes Buch ist mit einem RFID-Chip versehen. Nachts fahren zwei Scanner die Regale ab und erfassen in mehrst\u00fcndiger &#8222;Arbeit&#8220; die Standorte der verschiedenen B\u00fccher. Am Computer kann danach jede Monografie, jeder Ausstellungskatalog, jeder Kunstband etc. lokalisiert werden, eine feste Ordnung mit Signaturen wie in einer klassischen Bibliothek existiert folglich nicht.<\/p>\n<p>Ein zweite &#8222;Bibliothek&#8220; bietet das Materialarchiv: ein regelrechtes Lexikon der Kunstproduktion. In etlichen Schubladen ist hier eine reiche Vielfalt von Proben und Mustern diverser Materialien f\u00fcr die Kunstproduktion abgelegt, insgesamt sind es 3&#8217;000. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler k\u00f6nnen sich zum Beispiel inspirieren lassen und geeignete Materialien f\u00fcr die Produktion eines Werks finden. \u00dcber\u00a0<a href=\"www.materialarchiv.ch\">www.materialarchiv.ch<\/a>\u00a0ist diese Sammlung auch digital zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-245\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_03-200x300.jpg\" alt=\"Sitterwerk_03\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_03-200x300.jpg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_03-210x315.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_03.jpg 567w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-246\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_04-200x300.jpg\" alt=\"Sitterwerk_04\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_04-200x300.jpg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_04-210x315.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_04.jpg 567w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Teil des Sitterwerks ist das Kesselhaus Josephsohn, das in seiner heutigen Form seit 2002 existiert. Eine Auswahl von Gipsmodellen und Bronzen des lange in Z\u00fcrich ans\u00e4ssigen Plastikers Hans Josephsohn ist hier ausgestellt. Der K\u00fcnstler stammte aus einer j\u00fcdischen Familie und absolvierte unter anderem eine Lehre beim Bildhauer Otto M\u00fcller in Z\u00fcrich. Das Thema seines Schaffens war immer die menschliche Figur, der Ausgangspunkt f\u00fcr eine Skulptur stets eine pers\u00f6nliche Begegnung, wie ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung im Kesselhaus eindr\u00fccklich zu zeigen vermag. Josephsohn arbeitete mit Gips, vor allem, weil er diesen, im Gegensatz zu zum Beispiel Marmor, flexibler ver\u00e4ndern und anpassen konnte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Seine Figuren und Modelle wurden aber auch gegossen.<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich, wieso das Kesselhaus Josephsohn hier im Sittertobel angesiedelt ist. Felix Lehner sah im Alter von 17 Jahren einen Film von J\u00fcrg Hasler \u00fcber Josephsohn (<em>Josephsohn &#8211; Stein des Anstosses<\/em>) und war derart fasziniert vom Schaffen des K\u00fcnstlers, dass er ihn unbedingt kennenlernen wollte. Sp\u00e4ter goss Lehner auch Josephsons Werke und \u00fcber die Jahre entwickelte sich eine Freundschaft. Lehners Wunsch war es, die Skulpturen auch auszustellen. Als die grosse Halle neben der Kunstgiesserei, in der die Dampfkessel der Textilf\u00e4rberei standen, frei wurde, stellte Lehner &#8211; nach anf\u00e4nglicher Skepsis &#8211; Skulpturen hinein und sah, dass diese im hohen Raum eine grosse Kraft entwickelten. Auch Josephsohn war \u00fcberzeugt und sofort bereit, mitzumachen. So entstand im Kesselhaus ein Ausstellungsraum, eine Schaulager und eine Galerie f\u00fcr Josephsohns k\u00fcnstlerisches Schaffen. Finanziert wird das Kesselhaus Josephsohn in erster Linie durch den Verkauf von Abg\u00fcssen. Pro Figur und Modell werden maximal sechs Abg\u00fcsse produziert, zus\u00e4tzlich werden je zwei weitere Kopien (sog.\u00a0<em>Artist&#8217;s Proof<\/em>) f\u00fcr den K\u00fcnstler bzw. die Angeh\u00f6rige des K\u00fcnstlers hergestellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-248\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_01-200x300.jpg\" alt=\"Sitterwerk_01\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_01-200x300.jpg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_01-210x315.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Sitterwerk_01.jpg 567w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>Der eigentliche Ursprung der k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeiten im Sittertal ist die bekannte Kunstgiesserei. Sie ist ebenfalls Teil der Stiftung Sitterwerk, jedoch als eigene Aktiengesellschaft organisiert. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler k\u00f6nnen hier, unterst\u00fctzt und beraten durch ein kompetentes Team, ihre Ideen plastisch verwirklichen. Der Guss eines Objekts erfolgt in der Regel so, dass zun\u00e4chst ein Negativdruck aus Silikon, welches wiederverwertbar ist, hergestellt wird. Durch das Einpinseln oder Ausschwenken mit Wachs entsteht ein Wachspositiv, das f\u00fcr den Guss mit Schamotte umgeben wird. Anschliessend muss das Wachs ausgeschmolzen werden, damit eine Hohlform entsteht, in die das Metall oder die Kupferlegierung eingegossen werden kann.<\/p>\n<p>Die Kunstgiesserei betreibt seit einiger Zeit auch einen Zweitstandort in Shanghai, China. Hier wurde zum Beispiel eine \u00fcbergrosse Chromstahl-Figur von Alex Hanimann, die eine Sch\u00fclerin darstellt, produziert. Zun\u00e4chst wurde daf\u00fcr ein Styropor-Modell entwickelt und danach in aufw\u00e4ndiger Arbeit die Chromstahl-Teile in die richtige Form geklopft. Shanghai wurde unter anderem deshalb gew\u00e4hlt, weil hier die Treibtechnik praktiziert wird.<\/p>\n<p>Zu betonen ist, dass die Kunstgiesserei heute eine Institution mit hohem, internationalem Renommee darstellt. Neben dem klassischen Kunstguss widmet sie sich in letzter Zeit auch vermehrt dem digitalen Modellbau und dem 3D-Druck.<\/p>\n<p>Autor: Simon Gugger<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Sog. additives Bildverfahren: Im Gegensatz zur Bildhauerei muss die eigentliche Skulptur nicht aus einem Steinblock extrahiert werden.<\/p>\n<p>Sitterwerk:<a href=\"http:\/\/www.sitterwerk.ch\/sitterwerk.html\">\u00a0http:\/\/www.sitterwerk.ch\/sitterwerk.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion vom 16.04.2016 Die zweite Exkursion der\u00a0Tour de Suisse\u00a0f\u00fchrte uns nach St. Gallen. Nach einer viertelst\u00fcndigen Busfahrt und zehn Minuten zu Fuss erreichten wir das Industrieareal, auf dem das Sitterwerk angesiedelt ist. Urspr\u00fcnglich, das heisst bis 1988, als Textilf\u00e4rberei genutzt, sind hier mittlerweile 30 verschiedene Unternehmen und 500 Personen t\u00e4tig. 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