{"id":138,"date":"2016-02-18T13:17:46","date_gmt":"2016-02-18T13:17:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/?p=138"},"modified":"2018-07-31T12:46:26","modified_gmt":"2018-07-31T12:46:26","slug":"stiftsbibliothek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/2016\/02\/18\/stiftsbibliothek\/","title":{"rendered":"Stiftsbibliothek, St. Gallen"},"content":{"rendered":"<p>Exkursion vom 16.04.2016<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tbarocke Ausstattung im Ausstellungssaal der Stiftsbibliothek St. Gallen ist von beeindruckender Sch\u00f6nheit. Der Saal wurde zwischen 1758 und 1767 unter F\u00fcrstab C\u00f6lestin Gugger von Staudach erbaut und ausgestattet. Im reich ornamentierten Barocksaal werden wechselnde Ausstellungen von Handschriften aus der eigenen Sammlung pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Im Barocksaal wird zurzeit eine Ausstellung mit dem Titel: \u201eAbracadabra \u2013 Medizin im Mittelalter\u201c gezeigt. Exponate sind B\u00fccher und Handschriften, die Einblick in die medizinischen Praktiken und Vorstellungen des Mittelalters geben. Das medizinische Wissen bewegte sich zwischen Aberglaube und Naturheilkunde. Die Wirksamkeit medizinischer Verfahren war im Mittelalter allerdings beschr\u00e4nkt. Die Hilflosigkeit der Kranken machte sie daher f\u00fcr magische Therapien und angebliche Wunderheilungen empf\u00e4nglich. Beispielsweise sollte das Wort Abracadabra im 9. Jahrhundert die Malaria, die einst auch n\u00f6rdlich der Alpen eine Bedrohung darstellte, bek\u00e4mpfen. Das Wort Abracadabra stammt urspr\u00fcnglich aus dem Aram\u00e4ischen und bedeutet: \u201eEs vergeht wie das Wort\u201c. Ein Amulett, das um den Hals zu tragen war, sollte die Malariakranken heilen. Folgende elf Zeilen, die sich im Schriftbild ergeben, zierten das Amulett:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abracadabra<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abracadabr<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abracadab<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abracada<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abracad<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abraca<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abrac<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abra<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abr<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ab<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">A<\/p>\n<p>Eine andere Heilungsmethode f\u00fcr Malaria stellte L\u00f6wenfett dar, das in unseren Breitengraden wohl eher schwer aufzutreiben war.<\/p>\n<p>Die Ausstellung scheint etwas aus der Zeit gefallen, n\u00e4mlich auf diejenige des Barocksaals abgestimmt. Die Exponate werden in Vitrinen ausgestellt und ben\u00f6tigen ein l\u00e4ngeres Betrachten, damit das Spektakul\u00e4re der Handschriften erkannt werden kann. Die ausgestellten Schriften sind hinter der Glasscheibe nur schwach beleuchtet und der Saal ist abgedunkelt, um die Zeugnisse vor Licht zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Der vergleichsweise tadellos komplette Bestand in jedem Fachgebiet macht die Bibliothek einzigartig und zu einer der bedeutendsten historischen Bibliotheken. So ist sie eine der wenigen Klosterbibliotheken des Fr\u00fchmittelalters, deren \u00dcberlieferung seit dem 8. Jahrhundert bis heute einigermassen intakt geblieben ist. Zwar ergeben die B\u00fccher in St. Gallen aneinandergereiht insgesamt nur eine L\u00e4nge von drei Kilometern, was im Vergleich zum Vatikan, wo sie 100 Kilometer erreichen, eher wenig ist, doch ist der Gesamtbestand in St. Gallen autochthon, alt und wertvoll. Trotz des l\u00fcckenlosen Bestands der St. Galler Stiftsbibliothek sind nur 60% der B\u00fccher und Handschriften tats\u00e4chlich in St. Galler H\u00e4nden \u2013 in Z\u00fcrich sind beispielsweise immer noch 15% der gestohlenen Sch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Ein Besuch der St. Galler Stiftsbibliothek ist lohnenswert. Die Vitrinen der Sonderausstellung stehen in dem fulminanten, sp\u00e4tbarocken Ausstellungssaal, dessen Anblick abgesehen von der Ausstellung schon sehr atemberaubend ist. Der Saal im Stil des Rokoko ist als Wandpfeilerhalle mit f\u00fcnf Jochen angelegt. Schwingende Holzgalerien unterteilen den Raum in zwei Geschosse. Die Decke ist festlich verziert und mit zahlreichen, kostbaren Stuckaturen und Gew\u00f6lbebildern geschm\u00fcckt. Die Seitenw\u00e4nde wirken mit ihren sich wellenf\u00f6rmig abwechselnden B\u00fccherschr\u00e4nke und Fensternischen reich bewegt. Vier grosse Sterne und rankenartige Schlingen zieren den h\u00f6lzernen Fussboden. Dieser gilt als besonders sch\u00fctzenswert, weshalb er auch nur mit obligatorisch anzuziehenden Filzpantoffeln betreten werden darf. Die Ausstellungsbesucher schlurfen mit ihren Pantoffeln auf dem rutschigen, knarrenden Fussboden von Vitrine zu Vitrine und betrachten den Saal, ohne durch eine Linse zu schauen und Fotos zu knipsen \u2013 denn das Fotografieren ist im Barocksaal untersagt. Der prunkvolle Barocksaal der St. Galler Stiftsbibliothek gilt als einer der sch\u00f6nsten seiner Art. Nicht vergebens wurde der Stiftsbezirk St. Gallen in den Rang eines UNESCO Weltkulturerbe erhoben \u2013 dies liegt aber insbesondere an der \u00fcberlieferten, exquisiten Handschriftensammlung. Der Saal ist allerdings auch virtuell auf der <a href=\"http:\/\/www.stibi.ch\/Portals\/0\/panorama\/sta_sti_04_01_small.swf\">Internetseite<\/a> als Panorama anzusehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-238\" src=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Stiftsbibliothek_02-300x200.jpg\" alt=\"Stiftsbibliothek_02\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Stiftsbibliothek_02-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Stiftsbibliothek_02-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Stiftsbibliothek_02-210x140.jpg 210w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/tourdesuisse\/files\/2016\/02\/Stiftsbibliothek_02.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Die Stiftsbibliothek scheint aber noch nicht ganz im digitalen Zeitalter angekommen. Mit einem moderneren Ausstellungskonzept k\u00f6nnte man den mittelalterlichen Stand der Medizin vielleicht besser vermitteln. Ob die Besucher nun wegen ihres Interesses an der Sonderausstellung in die Stiftsbibliothek kommen oder die Besichtigung des opulenten Barocksaals den Hauptteil der Besucherzahl generiert, bleibt aber offen. Anzuf\u00fcgen ist hingegen, dass die St. Galler Stiftsbibliothek nicht haupts\u00e4chlich ein Museum, sondern eine Fachbibliothek ist und ihre Rolle als bedeutende historische Bibliothek pflichtbewusst aus\u00fcbt \u2013 dies auch digital, denn die mittelalterlichen Schriften sind heute auch in einer virtuellen Bibliothek zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Autorin: Johanna Vieli<\/p>\n<p>Stiftsbibliothek:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.stibi.ch\">http:\/\/www.stibi.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion vom 16.04.2016 Die sp\u00e4tbarocke Ausstattung im Ausstellungssaal der Stiftsbibliothek St. Gallen ist von beeindruckender Sch\u00f6nheit. Der Saal wurde zwischen 1758 und 1767 unter F\u00fcrstab C\u00f6lestin Gugger von Staudach erbaut und ausgestattet. Im reich ornamentierten Barocksaal werden wechselnde Ausstellungen von Handschriften aus der eigenen Sammlung pr\u00e4sentiert. 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