{"id":243,"date":"2021-09-06T15:21:45","date_gmt":"2021-09-06T15:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/?p=243"},"modified":"2022-02-20T21:44:53","modified_gmt":"2022-02-20T21:44:53","slug":"kollektivierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/06\/kollektivierung\/","title":{"rendered":"Die Kollektivierung &#8211; Stalins Kampf gegen die Bauern"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p><em>Neben der Industrialisierung z\u00e4hlt die Kollektivierung der Landwirtschaft zu den Kernthemen des Stalinismus. Die Kollektivierung hatte zum Ziel, sozialistische Organisationsformen auch auf dem Land durchzusetzen und die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Diese Kollektivierung war aber keineswegs ein geregelter, von Beginn weg durchdachter Prozess. Weder die Parteif\u00fchrung noch die regionalen Parteiorgane auf dem Land hatten eine klare Vorstellung, wie die Umwandlung der famili\u00e4ren, privaten Bauernwirtschaften in gemeinschaftlich organisierte Kommunen vonstatten gehen sollte. Die Kollektivierung der Landwirtschaft war deshalb ein Prozess, der vielerlei Probleme mit sich brachte. Die Konsequenzen f\u00fcr die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung werden in diesem Beitrag beleuchtet.<\/em><\/p>\n<h3>Der Beginn der Kollektivierung<\/h3>\n<p>Stalin verstand es, die Parteif\u00fchrung f\u00fcr seine Visionen zu gewinnen. So nutzte er die versorgungstechnischen Engp\u00e4sse, um den Vorwurf der Getreidehortung, insbesondere durch die <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Polemische Bezeichung f\u00fcr wohlhabende und landbesitzende Bauern, die Lohnarbeiter besch\u00e4ftigten. Die Bolschewiki z\u00e4hlten Kulaken zur unterdr\u00fcckenden Klasse, die es zu vernichten galt.\"><span style=\"color: #ff0000\">Kulaken<\/span><\/span>, zu verbreiten und so eine Mehrheit von seiner Kollektivierungspolitik zu \u00fcberzeugen. Diese Politik wurde erstmals w\u00e4hrend der Zeit des <strong><span style=\"color: #ff0000\"><a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/08\/27\/kriegskommunismuss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriegskommunismus<\/a><\/span><\/strong> erprobt, fand aber keine nachhaltig Umsetuzng und wurde mit der Einf\u00fchrung der liberaleren <strong><span style=\"color: #ff0000\"><a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/02\/neue-oekonomische-politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuen \u00d6konomischen Politik (NEP)<\/a><\/span><\/strong> vorl\u00e4ufig beendet. 1928 ordnete Stalin nun \u00abausserordentliche Massnahmen\u00bb an, um Getreide und Inventar der Bauern zu beschlagnahmen und so definitiv von der NEP abzukehren und gleichzeitig die ben\u00f6tigten Mittel f\u00fcr die <strong><span style=\"color: #ff0000\"><a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/06\/industrialisierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">forcierte Industrialisierung<\/a><\/span><\/strong> zu erlangen.<sup><a href=\"#footnote_1_243\" id=\"identifier_1_243\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.63.\">1<\/a><\/sup> Damit einher gingen erste Massnahmen zur Kollektivierung der Bauernwirtschaft. Die Entprivatisierung und Beschlagnahmung des b\u00e4uerlichen Inventars hatten zum Ziel, die Bauern \u00abfreiwillig\u00bb in die <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Kollektivwirtschaften ohne Privatbesitz, die genossenschaftlich betrieben wurden.\"><span style=\"color: #ff0000\">Kolchosen<\/span><\/span> beziehungsweise in die <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Staatlich betriebene  Grossbetriebe, die in Staatsbesitz waren.\"><span style=\"color: #ff0000\">Sowchosen<\/span><\/span> zu treiben. 1929 wurde endg\u00fcltig der Entschluss zur vollst\u00e4ndigen Kollektivierung gefasst. Die Massnahmen versch\u00e4rften sich nun drastisch. Neben der Zwangskollektivierung wurden auch Deportationen und Morde angeordnet, um den Widerstand der Bauern zu brechen. Die repressiven Massnahmen schr\u00e4nkten zudem <strong><span style=\"color: #ff0000\"><a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/06\/mobilitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Mobilit\u00e4t der Landbev\u00f6lkerung<\/a><\/span><\/strong> so drastisch ein, dass von einer neuen Leibeigenschaft gesprochen werden kann.((Vgl. Baberowski, Wandel und Terror, S.109.))<br \/>\nDas allgemeine Vorgehen zeichnete sich nicht durch eine klare Strategie aus. Vielmehr kann man von einem revolution\u00e4ren Selbstlauf sprechen. Stalin griff zwar in gewisse Entscheidungen ein, \u00fcberliess das Vorgehen aber haupts\u00e4chlich den lokalen Parteiorganen. So ist auch das drastische Ausmass der Deportationen und der nun \u00fcberaus schnellen Kollektivierung und Entprivatisierung der Bauern zu erkl\u00e4ren, denn die einzelnen Funktion\u00e4re befanden sich geradezu in einem Wettlauf entsprechender Massnahmen. Dieses Problem wurde durch die hohen, realit\u00e4tsfernen Forderungen von oben noch verst\u00e4rkt, da diese kaum durch regelkonformes Handeln erf\u00fcllt werden konnten. \u00dcbergriffe und Willk\u00fcr von lokalen Parteifunktion\u00e4ren waren deshalb keine Seltenheit.<sup><a href=\"#footnote_2_243\" id=\"identifier_2_243\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Hildermeier, Die Sowjetunion 1917-1991, S.34.\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>1928<\/td>\n<td>1929<\/td>\n<td>1929<\/td>\n<td>1930<\/td>\n<td>1930<\/td>\n<td>1930<\/td>\n<td>1931<\/td>\n<td>1932<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anteil der Haushalte in Kolchosen((Tabelle in: Hildermeier, Die Sowjetunion 1917-1991, S.389.))<\/td>\n<td>1,7%<\/td>\n<td>3,9%<\/td>\n<td>7,5%<\/td>\n<td>18,1%<\/td>\n<td>57,2%<\/td>\n<td>21,8%<\/td>\n<td>35,3%<\/td>\n<td>56,1%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlicherweise stiess diese Politik auf heftige Gegenwehr der Bauern, die wiederum repressiv bek\u00e4mpft wurde. Der Widerstand erwies sich jedoch als unerm\u00fcdlich: 1930 sah sich Stalin gezwungen, gewisse Kompromisse einzugehen. Im Rahmen des \u00abArtel\u00bb gestand er den Bauern weiterhin eigene Wohnh\u00e4user und Land zu, das sie f\u00fcr ihre eigenen Zwecke bestellen konnten.<\/p>\n<p><em>[vc_row][vc_column][vc_toggle title=&#8220;<\/em>Quelle: Stalin \u00fcber die Kollektivierung 1930<em>&#8220; custom_font_container=&#8220;tag:h3|text_align:left&#8220; custom_use_theme_fonts=&#8220;yes&#8220; use_custom_heading=&#8220;true&#8220;] Das wichtigste Kettenglied der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, ihre gegenw\u00e4rtig vorherrschende Form, die man jetzt anpacken mu\u00df, ist das landwirtschaftliche Artel. Im landwirtschaftlichen Artel sind die wichtigsten Produktionsmittel, haupts\u00e4chlich die der Getreidewirtschaft, vergesellschaftet: Arbeit, Bodennutzung, Maschinen und sonstiges Inventar, Arbeitsvieh, Wirtschaftsgeb\u00e4ude. Nicht vergesellschaftet sind im Artel: das Hofland (kleinere Gem\u00fcse- und Obstg\u00e4rten), Wohnh\u00e4user, ein gewisser Teil des Milchviehs, Kleinvieh, Gefl\u00fcgel usw. Das Artel ist das wichtigste Kettenglied der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, weil es die zweckentsprechendste Form zur L\u00f6sung des Getreideproblems ist. [\u2026] Den Kollektivbauern reizen durch Vergesellschaftung der Wohnh\u00e4user, des gesamten Milchviehs, des gesamten Kleinviehs, des Gefl\u00fcgels, w\u00e4hrend das Getreideproblem noch nicht gel\u00f6st, die Artelform der Kollektivwirtschaften noch nicht verankert ist \u2013 ist es nicht klar, da\u00df eine solche \u201cPolitik\u201d nur unseren geschworenen Feinden gelegen kommen und vorteilhaft sein kann? <\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; <\/em>Stalin, Josef: Vor Erfolgen von Schwindel befallen. Zu den Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, 2. M\u00e4rz 1930.[\/vc_toggle][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]\n<p>F\u00fcr die Bauern bedeutete dies zwar einen kleinen Erfolg nach turbulenten, b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden. Der Unterschied zur Leibeigenschaft, von der man sich 1861 losl\u00f6ste, war aber nicht mehr evident. Dar\u00fcber hinaus lag die praktische Umsetzung auch dieser neuen Pl\u00e4ne in den H\u00e4nden der lokalen Parteiorgane. Der Prozess der Umsetzung war demnach gepr\u00e4gt von Willk\u00fcr, Uneinheitlichkeit und Opportunismus. Eine Garantie f\u00fcr die Umsetzung der Versprechen, die von der Parteif\u00fchrung durch das Musterstatut von 1935 geleistet wurden, gab es nicht.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='czr-gallery row flex-row czr-gallery-style gallery galleryid-243 gallery-columns-2 gallery-size-large'><figure class='gallery-item col col-auto'>\r\n                        <div class='gallery-icon portrait czr-gallery-icon'>\r\n                              <a data-lb-type=\"grouped-gallery\" title=\"In unserer Kolchose gibt es keinen Platz f\u00fcr Popen und Kulaken, um 1930; redavantgarde.com.\" href=https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604.jpg class=\"bg-link\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"694\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-694x1024.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" sizes=\"auto, (min-width: 1200px) 540px, (min-width: 992px) 450px, (min-width: 768px) 330px, (min-width: 576px) 240px, calc( 50vw - 30px )\" aria-describedby=\"gallery-1-333\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-694x1024.jpg 694w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-237x350.jpg 237w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-768x1134.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-1040x1536.jpg 1040w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604-1387x2048.jpg 1387w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/1604.jpg 1440w\" \/>\r\n                        <\/div>\r\n                              <figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-333'>\r\n                              In unserer Kolchose gibt es keinen Platz f\u00fcr Popen und Kulaken, um 1930; redavantgarde.com.\r\n                              <\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item col col-auto'>\r\n                        <div class='gallery-icon portrait czr-gallery-icon'>\r\n                              <a data-lb-type=\"grouped-gallery\" title=\"Beseitigen wir die Kulaken als Klasse, 1930; urokiistorii.ru.\" href=https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/plakat_unichtojim_kulaka_1930.jpg class=\"bg-link\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"557\" height=\"811\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/plakat_unichtojim_kulaka_1930.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" sizes=\"auto, (min-width: 1200px) 540px, (min-width: 992px) 450px, (min-width: 768px) 330px, (min-width: 576px) 240px, calc( 50vw - 30px )\" aria-describedby=\"gallery-1-332\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/plakat_unichtojim_kulaka_1930.jpg 557w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/plakat_unichtojim_kulaka_1930-240x350.jpg 240w\" \/>\r\n                        <\/div>\r\n                              <figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-332'>\r\n                              Beseitigen wir die Kulaken als Klasse, 1930; urokiistorii.ru.\r\n                              <\/figcaption><\/figure>\r\n                  <\/div>\n\n<h3>Die Schrecken des Sozialismus auf dem Land<\/h3>\n<p>Mit der Zwangskollektivierung ging die so genannte Kulakenverfolgung einher. Beinahe jeder konnte als \u00abKulake\u00bb diffamiert werden, und das bedeutete dann eine grosse Gefahr f\u00fcr Besitz und Leben. Die repressiven Massnahmen gegen die Kulaken dienten einerseits dazu, den Widerstandes auf dem Dorf zu brechen; Widerspenstige wurden deportiert oder erschossen. Andererseits ben\u00f6tigten die Kolchosen Inventar und Land, das auf diesem Weg zu gewinnen war. \u00abKulaken\u00bb wurden zudem als Arbeitskr\u00e4fte im Gulag eingesetzt. Die Zentrale definierte sogar Quoten, wie viele Personen \u00ababzuliefern\u00bb seien. Als Reaktion versuchten die Bauern teilweise selbst, ihr Inventar und Vieh loszuwerden, um dem Tod oder der Deportation zu entgehen. Aufst\u00e4nde und heftige Gegenwehr waren zwar auch ein Mittel, doch ging diese Methode mit einer grossen Gefahr einher. Die Liquidierung der \u00abKulaken\u00bb betraf ca. 2,1 Millionen Menschen, die deportiert, erschossen oder, im gl\u00fccklichsten Fall, einfach enteignet wurden<sup><a href=\"#footnote_3_243\" id=\"identifier_3_243\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Hildermeier, Die Sowjetunion 1917-1991, S.35; Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.76.\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<p>\u00dcbergeordnetes Ziel der Kollektivierung war es, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und dabei gleichzeitig den Sozialismus auf dem Land zu verwurzeln. Der Erfolg der Kollektivierungskampagne kann in dieser Hinsicht als m\u00e4ssig betrachtet werden. Der Ertrag der Kolchosen war wesentlich tiefer als in der Theorie angenommen, denn die versprochenen Traktoren blieben oft aus und das Vieh f\u00fcr die Bestellung des Landes war kaum mehr vorhanden. Ebenfalls widmete sich der Bauer viel lieber und motivierter der Bestellung seines eigenen Landes, das er im Rahmen des Artels zugeschrieben bekam. Die Etablierung des Sozialismus durch eine vollst\u00e4ndige Kollektivierung der Landwirtschaft wurde folglich ebenfalls nicht erreicht. Bis 1936 waren zwar beinahe alle b\u00e4uerlichen Kleinbetriebe ausgemerzt, doch hatten Kolchosenmitglieder weiterhin eigenes Land und Besitz.<sup><a href=\"#footnote_4_243\" id=\"identifier_4_243\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.73.\">4<\/a><\/sup> Die Kollektivierung der Landwirtschaft muss aber auch in einer Beziehung zur Industrialisierung betrachtet werden, denn schliesslich diente sie einerseits der Ern\u00e4hrungssicherheit der Industriearbeiter, andererseits der Beschaffung dringend ben\u00f6tigter Devisen durch Getreideexporte. Hier ist wohl der einzig wirklich erfolgreiche Punkt der Kollektivierung auszumachen. Doch dieser Erfolg forderte grosse Tribute. Neben den Deportationen und direkten Todesopfern kam es in den 30er-Jahren in einigen Gebieten der Sowjetunion zu <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Besonders betroffen waren Kasachstan sowie die Ostukraine.\"><span style=\"color: #ff0000\">schweren Hungersn\u00f6ten<\/span><\/span>.<\/p>\n<div id='gallery-2' class='czr-gallery row flex-row czr-gallery-style gallery galleryid-243 gallery-columns-2 gallery-size-large'><figure class='gallery-item col col-auto'>\r\n                        <div class='gallery-icon landscape czr-gallery-icon'>\r\n                              <a data-lb-type=\"grouped-gallery\" title=\"Opfer in Charkiv (1933); holodomor photo directory.\" href=https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745.png class=\"bg-link\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"878\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745-1024x878.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" sizes=\"auto, (min-width: 1200px) 540px, (min-width: 992px) 450px, (min-width: 768px) 330px, (min-width: 576px) 240px, calc( 50vw - 30px )\" aria-describedby=\"gallery-2-603\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745-1024x878.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745-350x300.png 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745-768x658.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-Agonie-e1641295615745.png 1316w\" \/>\r\n                        <\/div>\r\n                              <figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-603'>\r\n                              Opfer in Charkiv (1933); holodomor photo directory.\r\n                              <\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item col col-auto'>\r\n                        <div class='gallery-icon landscape czr-gallery-icon'>\r\n                              <a data-lb-type=\"grouped-gallery\" title=\"Hungertote in Charkiv (1933); holodomor photo directory.\" href=https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930.png class=\"bg-link\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"876\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930-1024x876.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" sizes=\"auto, (min-width: 1200px) 540px, (min-width: 992px) 450px, (min-width: 768px) 330px, (min-width: 576px) 240px, calc( 50vw - 30px )\" aria-describedby=\"gallery-2-604\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930-1024x876.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930-350x300.png 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930-768x657.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/holodomor-photo-directory-e1641295686930.png 1304w\" \/>\r\n                        <\/div>\r\n                              <figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-604'>\r\n                              Hungertote in Charkiv (1933); holodomor photo directory.\r\n                              <\/figcaption><\/figure>\r\n                  <\/div>\n\n<p>Diese Hungersn\u00f6te resultierten aus der weiterhin schwachen Getreideproduktion der Kollektivwirtschaften. Dazu kamen hohe Quoten, die eine Folge von \u00fcberrissenen Versprechungen gegen\u00fcber Stalin gemacht wurden. Diese setzte zudem die Requierierungen gezielt ein, um vermeintlich aufst\u00e4ndische Regionen zu bestrafen. Getreide wurde also weiterhin beschlagnahmt und der Hungertod auf dem Land hingenommen. Die Zahlen zu den Opfern der Kollektivierung schwanken sehr stark. Wenn man verschiedene Sch\u00e4tzungen der Forscher betrachtet, l\u00e4sst sich die Zahl zwischen 7 und 14 Millionen Opfern benennen. Die Forscher weichen in ihren Sch\u00e4tzungen aber stark voneinander ab, auch weil betreffende Archivmaterialien lange gesperrt blieben.((Vgl. Merl, Kollektivierung, S.126.))<br \/>\nDie k\u00fcnstlich herbeigef\u00fchrte Hungersnot, l\u00f6ste nach dem Zusammenbruch der UdSSR eine kontroverse Genozid-Debatte aus, die auch <strong><span style=\"color: #ff0000\"><a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/07\/erinnerungskultur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">geschichtspolitisch instrumentalisiert<\/a><\/span><\/strong> wird. In der Ukraine wird diese Periode als <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Zusammensetzung der ukrainischen W\u00f6rter &lt;em&gt;holod&lt;\/em&gt; (Hunger) und &lt;em&gt;moryty&lt;\/em&gt; (T\u00f6tung). Der Begriff fand bereits 1933 im Ausland Verwendung.\"><span style=\"color: #ff0000\">Holodomor<\/span><\/span> bezeichnet. Die ethnische Vernichtungsabsicht fand vor allem unter ukrainischen und amerikanischen Historikern Zustimmung, w\u00e4hrend andere Forscher Stalins Intentionen in einen gesamtsowjetischen Zusammenhang stellen und die Genozid-Konzeption kritisch betrachten.((Vgl. Kindler, Hungersnot, 2018.))<\/p>\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n<p>Die Kollektivierung der Landwirtschaft ging mit der forcierten Industrialisierung Hand in Hand. Den Bolschewiki lag nicht nur daran, kapitalistische Organisationsformen der Landwirtschaft und die Kulaken als Klassenfeinde auszumerzen, sondern auch die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und damit neue Formen der industriellen Produktion zu erm\u00f6glichen. St\u00e4dte und Industrie mussten mit Agrarprodukten versorgt werden; gleichzeitig galt es, durch Getreideexport Kapital zu akkumulieren. Inwiefern die Organisationsform der kollektiven Landwirtschaft die zielorientierteste und \u00f6konomisch beste L\u00f6sung war, ist eine Frage, die in der damaligen Debatte wie auch heute umstritten ist. Es ist zu erw\u00e4hnen, dass die NEP nur eine langsame Entwicklung der Wirtschaft mit sich brachte und die Kapitalfrage auf dem Land nicht l\u00f6ste, was auch die Entwicklung der Industrie negativ beeinflusste. F\u00fcr eine schnelle \u00f6konomische Entwicklung und die Sicherstellung der agrarischen Versorgung schien vor diesem Hintergrund die Kollektivierung der Landwirtschaft zweckm\u00e4ssig. Ihre Umsetzung erfolgte aber teilweise unkontrolliert, und die Parteifunktion\u00e4re und lokalen Eliten versuchten sich, beg\u00fcnstigt durch Stalins Vorgaben, bei ihren Pl\u00e4nen stets zu \u00fcbertreffen, was zu utopischen und v\u00f6llig realit\u00e4tsfernen Programmen f\u00fchrte \u2013 und letztendlich vielen Menschen Leid und Tod brachte.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_message message_box_style=&#8220;solid-icon&#8220; message_box_color=&#8220;grey&#8220; icon_type=&#8220;openiconic&#8220; icon_openiconic=&#8220;vc-oi vc-oi-book&#8220;]<strong>Literaturtipp:<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000\">Applebaum, Anne: Roter Hunger. <span class=\"oSubTitle\">Stalins Krieg gegen die Ukraine<\/span>, M\u00fcnchen 2019.[\/vc_message][\/vc_column][\/vc_row][vc_column][\/vc_column]<\/span><\/p>\n<h3>von Rouven Felix<\/h3>\n<p>\u00dcberabeitung: Florian Wiedemann<br \/>\nTitelbild: russianphoto.ru<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literaturangaben:<\/strong><\/p>\n<p>Baberowski, J\u00f6rg: Wandel und Terror. Die Sowjetunion unter Stalin 1928-1941, in: Jahrb\u00fccher f\u00fcr Geschichte Osteuropas 43\/1, M\u00fcnchen 1995, S.97-129.<\/p>\n<p>Hildermeier, Manfred: Die Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Oldenburg 2016.<\/p>\n<p>Kindler, Robert: Hungersnot in der Sowjetunion 1932\/33, in: Dekoder, 22.11.2018. &lt; <a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/hungersnot-holodomor-sowjetunion-kollektivierung#sub8\">https:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/hungersnot-holodomor-sowjetunion-kollektivierung#sub8<\/a>&gt; [Stand: 24.12.2021].<\/p>\n<p>Merl, Stephan: Kollektivierung und Bauernvernichtung. In: Die Umwertung der sowjetischen Geschichte. Geschichte und Gesellschaft 14, G\u00f6ttingen 1991, S.103-132.<\/p>\n<p>Merl, Stephan: Stalins Irrweg der Kollektivierung. Destruktive Kr\u00e4fte und L\u00e4hmung der Initiative, in: Osteuropa 8-10, S.55-80.<\/p>\n<p>Stalin, Josef: Vor Erfolgen von Schwindel befallen. Zu den Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, 2. M\u00e4rz 1930, in: 100(0) Schl\u00fcsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte &lt;https:\/\/www.1000dokumente.de\/index.html?c=dokument_ru&amp;dokument=0007_erf&amp;object=translation&amp;l=de&gt; [Stand: 10.09.2021].<\/p>\n<hr \/>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_243\" class=\"footnote\">Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.63.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_243\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_243\" class=\"footnote\">Vgl. Hildermeier, Die Sowjetunion 1917-1991, S.34.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_243\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_243\" class=\"footnote\">Vgl. Hildermeier, Die Sowjetunion 1917-1991, S.35; Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.76.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_243\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_243\" class=\"footnote\">Vgl. Merl, Stalins Irrweg, S.73.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_243\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben der Industrialisierung z\u00e4hlt die Kollektivierung der Landwirtschaft zu den Kernthemen des Stalinismus. Die Kollektivierung hatte zum Ziel, sozialistische Organisationsformen auch auf dem Land durchzusetzen und die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Diese Kollektivierung war aber keineswegs ein geregelter, von Beginn weg durchdachter Prozess.<\/p>\n","protected":false},"author":484,"featured_media":600,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26,27,25],"tags":[],"class_list":{"0":"post-243","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesellschaft","8":"category-politik","9":"category-stalinismus","10":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/users\/484"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=243"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1068,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243\/revisions\/1068"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/media\/600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}