{"id":211,"date":"2021-09-06T15:00:44","date_gmt":"2021-09-06T15:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/?p=211"},"modified":"2022-01-31T16:17:53","modified_gmt":"2022-01-31T16:17:53","slug":"buergerkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/06\/buergerkrieg\/","title":{"rendered":"Der Russische B\u00fcrgerkrieg &#8211; Eine \u00dcbersicht"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p><em>Die Jahre nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland waren gepr\u00e4gt von kriegerischen Auseinandersetzungen mit gravierenden Auswirkungen auf die Bev\u00f6lkerung. Nebst den innerstaatlichen Fronten war die junge Sowjetmacht auch auf internationaler Ebene in gewaltsame Konflikte verwickelt. Obwohl der Erste Weltkrieg offiziell zu Ende war, ging dieser im Osten Europas in die n\u00e4chste Runde. Mit dem Zerfall des russischen Imperiums traten neue Konfliktherde offen zu Tage. Unter diesen nahm der Russische B\u00fcrgerkrieg, befeuert durch eine Vielzahl an partikularen Interessen und stetig wandelnden Konfliktparteien, eine prominente Rolle ein.<\/em><br \/>\n<em>In diesem Beitrag wird versucht, die Ursache sowie den Verlauf und die Parteien n\u00e4her zu beleuchten.<\/em><br \/>\n<em>Der Verlauf des B\u00fcrgerkrieges wird in der Literatur oft in drei Phasen unterteilt. Die Trennung zwischen den Abschnitten ist keineswegs scharf und die Konfliktparteien k\u00f6nnen nicht isoliert einer einzelnen Phase zugeordnet werden, sind aber kennzeichnend f\u00fcr die jeweilige Phase.<code><\/code><\/em><\/p>\n<h3><strong>Weg in den B\u00fcrgerkrieg<\/strong><\/h3>\n<p>Nach der Februarrevolution und auch weiterhin nach dem Umsturz der Bolschewiki im Oktober 1917 entstanden im ganzen Land gew\u00e4hlte pluralistische Sowjetr\u00e4te, die sich aus Vertretern von Arbeitern, Bauern und Soldaten zusammensetzten. Auch auf staatlicher Ebene entstanden demokratisch gew\u00e4hlte Organe, darunter das <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Regierung\"><span style=\"color: #ff0000\">Allrussische Zentrale Exekutivkomitee<\/span><\/span> und die Verfassungsgebende Versammlung. Die Bolschewiki sahen sich jedoch \u00fcberall in der Unterzahl. W\u00e4hrend ihre W\u00e4hlerbasis lediglich auf der radikalen Arbeiterschaft und den Soldaten beruhte, genossen die <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Menschewiki, Sozialrevolution\u00e4re, u.a.\"><span style=\"color: #ff0000\">Sozialisten<\/span><\/span> eine grosse Popularit\u00e4t unter den moderaten Arbeitern und Bauern. Da die Fraktion der Sozialrevolution\u00e4re mit rund 40% der Sitze die Verfassungsgebende Versammlung dominierte, beschlossen die Bolschewiki im Januar 1918 kurzerhand deren Aufl\u00f6sung und gingen damit einen Schritt in Richtung B\u00fcrgerkrieg.<sup><a href=\"#footnote_1_211\" id=\"identifier_1_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Brovkin, Vladimir N.: Behind the Front Lines of the Civil War. Political Parties and Social Movements in Russia, 1918-1922, New Jersey 1994, S. 11-13.\">1<\/a><\/sup><br \/>\nWeiteren Unmut erregte das Vorgehen der Bolschewiki bei den Friedensverhandlungen mit den Mittelm\u00e4chten. Obwohl ein Separatfrieden angestrebt wurde, zogen sie die Verhandlungen absichtlich in die L\u00e4nge, da grosse Hoffnungen auf die baldige Revolution in Deutschland gesetzt wurden. Eine Aufnahme der Kriegshandlungen stand aber f\u00fcr Lenin &#8211; und entgegen den Ansichten anderer Fraktionen im Sowjetparlament &#8211; ausser Frage, da er ansonsten die Revolution in Gefahr sah. Um Druck auf die sowjetische Regierung auszu\u00fcben r\u00fcckten die deutschen Truppen ihrerseits immer weiter vor. Erst am 3. M\u00e4rz wurde in Brest-Litowsk ein Separatfriedensvertrag mit sehr <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Polen, Finnland, Estland und Litauen wurden deutsches Protektorat und die Ukraine musste entmilitarisiert werden; 34% der Bev\u00f6lkerung und ein Grossteil der Industrie gingen dadurch verloren.\"><span style=\"color: #ff0000\">harschen Bedingungen<\/span><\/span> von Trotzki unterzeichnet. Die Revolution war gerettet, aber es kam zu einem Aufschrei in der Bev\u00f6lkerung. Unter Protest zogen sich die oppositionellen Fraktionen aus der Regierung zur\u00fcck.<sup><a href=\"#footnote_2_211\" id=\"identifier_2_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Figes, Orlande: Hundert Jahre Revolution. Russland und das 20. Jahrhundert, M&uuml;nchen 2015, S. 128-131.\">2<\/a><\/sup><br \/>\nIn der Folge litten die Sozialisten unter Repressionen und wurden immer weiter aus den Sowjets gedr\u00e4ngt und schlussendlich per Dekret im Juni 1918 aus der Regierung ausgeschlossen.<sup><a href=\"#footnote_3_211\" id=\"identifier_3_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Brovkin, Civil War, S. 15-17.\">3<\/a><\/sup><br \/>\nDie Bolschewiki hatten nebst konservativen Monarchisten, Gutsbesitzern und Sozialisten weitere Feinde in der Bev\u00f6lkerung. Streikende Arbeiter und aufst\u00e4ndische Bauern, die sich gegen die gewaltvollen Requisitionsmassnahmen wehrten, wurden immer mehr Ziel von Repression und eingeschr\u00e4nkten Freiheiten. Langsam zeichnete sich immer mehr die Diktatur der <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Im M\u00e4rz 1918 benannten sich die Bolschewiki in Kommunistische Partei Russlands um\"><strong><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/09\/02\/kommunistische-partei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #ff0000\">Kommunistischen Partei<\/span><\/a><\/strong><\/span> ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_224\" aria-describedby=\"caption-attachment-224\" style=\"width: 773px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-224\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"773\" height=\"547\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-350x248.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/BK-Karte-2-2048x1448.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-224\" class=\"wp-caption-text\">Verlauf und Fronten des B\u00fcrgerkrieges. Information zur politischen Bildung: www.bpb.de\/izpb\/197649\/karten ; aufgerufen am 4. Oktober 2020.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Phase 1<\/strong><\/h3>\n<p>&#8211; Gegner: Gegenregierung der Sozialrevolution\u00e4re, Tschechische Legion, Alliierte (GB, F, USA)<br \/>\n&#8211; Zeitspanne: Fr\u00fchjahr 1918 bis November 1918<\/p>\n<p>Bereits im Fr\u00fchjahr herrschte unter Teilen der Oppositionsparteien Klarheit, dass die Bolschewiki mit Gewalt vertrieben werden mussten. F\u00fcr diese Aufgabe war eine Koalition unabdingbar. Den <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Abspaltung von den zun\u00e4chst noch gem\u00e4ssigteren Sozialrevolution\u00e4ren\"><span style=\"color: #ff0000\">Rechten Sozialrevolution\u00e4ren<\/span><\/span>, die bereits vor den Repressionen nach S\u00fcdrussland geflohen sind und dort auf die Unterst\u00fctzung der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung z\u00e4hlen konnten, er\u00f6ffnete sich eine unverhoffte M\u00f6glichkeit zum B\u00fcndnis mit der Tschechischen Legion. Die Tschechische Legion rekrutierte sich aus tschechischen und slowakischen Kriegsgefangenen und Desserteure, die im Weltkrieg f\u00fcr das Habsburgerreich gek\u00e4mpft hatten. Unter diesen Soldaten waren nationalistische Ansichten von einem unabh\u00e4ngigen tschechoslowakischen Staat weit verbreitet. Bereits vor der Revolution wurden sie zu einem alliierten Heer aufgebaut, um nun in den russischen Reihen zu k\u00e4mpfen. Der Separatfrieden zwischen Russland und den Mittelm\u00e4chten durchkreuzte diese Pl\u00e4ne. Die hochger\u00fcstete Tschechische Legion sass nun in Russland fest und fasste den Entschluss, sich auf die Seite der verbliebenen Alliierten zu schlagen. Der beste Weg, sich mit den Alliierten zu verb\u00fcnden, betsand darin, das gesamte Russische Reich zu durchqueren, um dann mit amerikanischer Hilfe von Wladiwostok ausgeschifft zu werden. Die sowjetische Regierung unterst\u00fctzten dieses Vorhaben und gew\u00e4hrten ihnen die Durchreise. Jedoch kam es schnell zu Auseinandersetzungen mit den lokalen Sowjets, die die Waffen der Legion konfiszieren wollten. Daraufhin forderte Tortzki die Entwaffnung der Tschechischen Legion, woraufhin die Scharm\u00fctzel kurzerhand zu einem Konflikt entbrannte. In dessen Zuge gelang es der kriegserfahrenen Tschechischen Legion innert k\u00fcrzester Zeit, die wichtigsten St\u00e4dte entlang der transsibirischen Eisenbahn einzunehmen.((Vgl. Brovkin, Civil War, S.18 oder Figes, Revolution, S. 128.))<\/p>\n[vc_row][vc_column][vc_toggle title=&#8220;Die Rote Armee&#8220;]\nDie Bolschewiki konnten sich nach der Revolution nur auf die freiwilligen Rotgardisten st\u00fctzen, die wenig Kampferfahrung hatten und schlecht organisiert waren. Ihre Vorgesetzten w\u00e4hlten sie &#8211; \u00e4hnlich wie die Sowjets &#8211; demokratisch.<br \/>\nDer Kriegskommissar Trotzki formte 1918 aus den Roten Garden schlussendlich ein Wehrpflichtsheer. So entstand die Rote Armee mit strenger Hierarchie und zentraler Organisation. An die Spitze berief Trotzki, unter grosser Kritik aus der Partei, ehemalige zarische Offiziere, die als Spezialisten galten und seine Reformen umzusetzen vermochten. Es gelang es ihm, innert k\u00fcrzester Zeit eine schlagkr\u00e4ftige Armee auf die Beine zu stellen und den Kampf gegen die Konterrevolution\u00e4re aufzunehmen.((Vgl. Figes, Revolution, S. 134f.))<\/p>\n<figure id=\"attachment_233\" aria-describedby=\"caption-attachment-233\" style=\"width: 631px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-233 \" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-1024x699.jpg\" alt=\"\" width=\"631\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-350x239.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-768x524.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-1536x1048.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Aufschluesselung-RA-2048x1397.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 631px) 100vw, 631px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-233\" class=\"wp-caption-text\">Die Grafik zeigt das Wachstum der Roten Armee und das Verh\u00e4ltnis zu den Weissen Armeen. Die Bauern stellten mit 77% die gr\u00f6sste Gruppe in der Roten Armee. Center for the Study of Civil War History, Omsk, 2018.<\/figcaption><\/figure>\n[\/vc_toggle][\/vc_column][\/vc_row]\n<p>In Samara bildeten die geflohenen SR unter dem Namen <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Komitee der Mitglieder der Konstituierenden Versammlung\"><span style=\"color: #ff0000\"><em>Komutsch<\/em><\/span><\/span> eine zivile Gegenregierung und versprachen den tschechischen S\u00f6ldnern alliierte Hilfe und den Wiedereintritt Russlands in den Weltkrieg.((Vgl. Hildermeier, Manfred: Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates, M\u00fcnchen 1998, S. 138 oder Figes, Revolution, S. 132f.))<br \/>\nIn den Sommermonaten konnte sich diese Koalition in einem Gebiet etablieren, das von der Wolga bis an den Pazifischen Ozean reichte. Die Kontrolle wurde aufgeteilt unter dem <em>Komutsch<\/em> und der Sibirischen Regierung in Omsk, welche von Konservativen gestellt wurde. Angesichts der schnellen Erfolge intensivierten schliesslich die britischen und amerikanischen Alliierten ihre Hilfeleistungen und entsendeten Truppen nach Archangelsk bzw. Wladiwostok.<sup><a href=\"#footnote_4_211\" id=\"identifier_4_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Brovkin, Civil War, S. 18f.\">4<\/a><\/sup><br \/>\nMit der Eroberung Kazans im August kamen die Tschechische Legion und die SR nicht nur in den Besitz der Goldreserven des Reiches, sondern standen kurz vor Moskau. Unter Trotzkis Kommando gelang es der Roten Armee schlussendlich den Vormarsch zu stoppen. Ausschlaggebend war auch der r\u00fccksichtslose Einsatz von Terror der <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Die &lt;em&gt;Tscheka&lt;\/em&gt; wurde nach der Oktoberrevolution als Allrussische Ausserordentliche Kommission f\u00fcr den Kampf gegen Konterrevolution\u00e4re und Sabotage ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Dzer&lt;span class=&quot;aCOpRe&quot;&gt;&lt;em&gt;\u017e&lt;\/em&gt;&lt;\/span&gt;inskij sollten alle gegen die Sowjetmacht gerichteten Handlungen verfolgen und bestrafen. Durch ihre weitreichenden Kompetenzen, bis hin zum Exekutionsrecht diente sie als Hauptinstrument des Roten Terrors. Losgel\u00f6st vom Gesetzt, entfaltete die Gewalt der &lt;em&gt;Tscheka&lt;\/em&gt; eine schreckliche Eigendynamik, wobei Willk\u00fcr, Exzess und Massenmord zu ihrem Charakteristikum &lt;em&gt;wurden.\"><span style=\"color: #ff0000\">Tscheka<\/span><\/span><\/em> gegen alle Bev\u00f6lkerungsteile, die konterrevolution\u00e4rer T\u00e4tigkeiten wie Agitation, Zur\u00fcckhaltung von Getreide oder der Desertation verd\u00e4chtigt wurden. Kazan konnte r\u00fcckerobert werden und mit Samara fiel im Oktober der Sitz der <em>Komutsch<\/em> an die Bolschewiki.((Vgl. Brovkin, Civil War, S. 20f.))<\/p>\n<p>Der Zusammenbruch der SR-Front liegt darin begr\u00fcndet, dass es zwischen den Gegenregierungen in Samara und Omsk an einer gemeinsamen Linie fehlte und grosse politische Uneinigkeit vorherrschte. Ebenfalls konnten die Arbeiter in den St\u00e4dten nicht gewonnen werden, da die durchaus popul\u00e4ren Massnahmen der Bolschewiki nicht anerkannt wurden. Der wichtigste Faktor war aber die Kriegsm\u00fcdigkeit der Tschechischen Legion, welche sich auf ihre eigene nationale Sache konzentrieren wollte anstatt in innerrussische Konflikte verwickelt zu werden. Fortan bewachte sie als mehr oder weniger neutrale Partei die Bahnstrecke in den Osten, ohne vor Gr\u00e4ueltaten an der Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuschrecken.((Vgl. Hildermeier, Sowjetunion, S. 138f.))<\/p>\n[vc_row][vc_column][vc_toggle title=&#8220;Die Ermordung der Zarenfamilie((Vgl. Figes, Revolution, S. 95f.))&#8220;]\nNach der Abdankung des Zaren Nikolaj II. im M\u00e4rz 1917 wurde die gesamte Zarenfamilie unter Hausarrest gestellt. Kurze Zeit sp\u00e4ter evakuierte man sie ins sibirische Tobolsk und sp\u00e4ter nach Ekaterinburg. In den Wirren des B\u00fcrgerkrieges wurde die gesamte Familie mitsamt ihren Bediensteten in der Nacht auf den 17. Juli 1918 von einem Exekutionskommando hingerichtet. Vordergr\u00fcndig f\u00fcrchteten die Bolschewiki die Befreiung der Familie durch die heranr\u00fcckenden Gegner und der Hochstilisierung des Zaren zur Gallionsfigur der Konterrevolution.<\/p>\n<figure id=\"attachment_232\" aria-describedby=\"caption-attachment-232\" style=\"width: 718px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-232\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/files\/2021\/09\/romanows-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"718\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows-350x233.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/romanows.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-232\" class=\"wp-caption-text\">In Gedenken der Zarenfamilie wurde in Ekaterinburg am Ort ihrer Ermordung eine Kathedrale (Blutskirche) sowie ein Denkmal errichtet. F. Wiedemann, 2018.<\/figcaption><\/figure>\n[\/vc_toggle][\/vc_column][\/vc_row]\n<h3><strong>Phase 2<\/strong><\/h3>\n<p>&#8211; Gegner: Bolschewiki (Rote), Weisse Bewegungen, Kosaken, Alliierte<br \/>\n&#8211; Zeitspanne: Ende 1918 bis Sommer 1919<\/p>\n<p>In der zweiten Phase des B\u00fcrgerkrieges sahen sich die Roten mehreren Fronten der Weissen Garden gegen\u00fcbergestellt. Die Weissen rekrutierten sich vorwiegend aus zarischen Offizieren und konservativem Adel und Gutsbesitzern, die durch die Macht\u00fcbernahme der Bolschewiki alles verloren.<\/p>\n<p>Im November 1918 wurde die sibirische Gegenregierung bei einem Putsch abgesetzt und Admiral Koltschak in Omsk zum <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"de facto errichtete er eine Milit\u00e4rdiktatur, welche sich auf Repression und Verfolgung st\u00fctzte\"><span style=\"color: #ff0000\">obersten Herrscher<\/span><\/span> ausgerufen. Mit einer Streitmacht von knapp 100&#8217;000 Soldaten gelang es ihm den Ural einzunehmen. Die Alliierten sicherten ihm breite Unterst\u00fctzung zu &#8211; die ehemals strategischen Interessen waren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges politischen gewichen. Sein weiterer Vormarsch an die Wolga im Fr\u00fchjahr wurde durch aufkeimende Bauernaufst\u00e4nde im Hinterland der Roten beg\u00fcnstigt.((Vgl. Figes, Revolution, S. 143f.)) Erst im Mai konnte eine grosse Gegenoffensive Koltschaks Truppen stoppen und zur\u00fcckschlagen. Die Rote Armee nahm in einer regelrechten Verfolgungsjagd eine weisse Bastion nach der anderen ein. In einem kr\u00e4ftezehrenden Eismarsch zogen die Weissen Truppen und mit ihnen Teile der Bev\u00f6lkerung immer weiter durch Sibirien gegen Osten. Im Februar 1920 wurde Koltschak in Irkutsk von der Tschechischen Legion &#8211; entgegen ihrem Versprechen, ihn zu sch\u00fctzen &#8211; an die dortigen Bolschewiki ausgeliefert und hingerichtet.((Vgl. Figes, Revolution, S. 143f. oder Brovkin, Civil War, S. 92f.))<\/p>\n<figure id=\"attachment_221\" aria-describedby=\"caption-attachment-221\" style=\"width: 678px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-221\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-350x233.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Koltschak-statue-irkutsk-2004-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-221\" class=\"wp-caption-text\">Statue von Koltschak in Irkutstk. Der Sockel stellt die B\u00fcrgerkriegsparteien in Form eines Weissen Offiziers und eines Rotarmisten dar. Diese Statue wurde 2004 gestiftet und ist die einzig verbliebene in Russland; F. Wiedemann, 2018.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine weitere konterrevolution\u00e4re Front formierte sich seit der Oktoberrevolution im S\u00fcden Russlands. In den Steppen ans\u00e4ssige Don-Kosaken leisteten schon fr\u00fch Widerstand gegen die Requirierungen und geplante Aufhebung ihrer Autonomie (Entkosakisierung). Unter dem <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"gew\u00e4hlter Anf\u00fchrer der Kosaken\"><span style=\"color: #ff0000\">Ataman<\/span><\/span> Krasnov errichteten die Kosaken 1918 einen unabh\u00e4ngigen Staat im Don-Gebiet. Zus\u00e4tzlich besetzte eine Freiwilligenarmee unter dem zarischen General Denikin weitere Gebiete, wodurch es zu einem ungleichen B\u00fcndnis zwischen den Heeren kam.((Vgl. Kappeler, Andreas: Die Kosaken. Geschichte und Legenden, M\u00fcnchen 2013, S. 73f.)) Unter Denikins Oberbefehl zogen sie im Juli 1919 gegen Moskau und konnten grosse Gebiete einnehmen. Doch der \u00fcberdehnte Nachschubweg erwies sich sehr anf\u00e4llig f\u00fcr Angriffe von <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"v.a. von ukrainischen Anarchisten (Schwarze) unter der F\u00fchrung von Nestor Machno, der zeitweise mit den Sowjets verb\u00fcndet war\"><span style=\"color: #ff0000\">Partisanen<\/span><\/span>. Der Vormarsch auf Moskau liess unerwarteter Weise die Bauern sich hinter den Roten versammeln, die ihre Errungenschaften aus der Revolution gef\u00e4hrdet sahen.((Vgl. Figes, Revolution, S. 144f.)) Die Gegenoffensive vermochte es, die Weissen weit in den S\u00fcden zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Denikin zog sich auf die Krim zur\u00fcck und musste im April 1920 nach einer Revolte den Oberbefehl an Baron Wrangel \u00fcbergeben. Es kam zu einer gross angelegten Evakuation durch die Alliierten, bis die Krim im November 1920 vollst\u00e4ndig an die Rote Armee fiel.((Vgl. Figes, Revolution, S. 145f.))<\/p>\n<figure id=\"attachment_514\" aria-describedby=\"caption-attachment-514\" style=\"width: 672px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Stalin-in-Zaricyn-dem-spaeteren-Stalingrad-Verteidigung-waehrend-BK-1918-russianphoto.ru_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-514\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/files\/2021\/09\/Stalin-in-Zaricyn-dem-spaeteren-Stalingrad-Verteidigung-waehrend-BK-1918-russianphoto.ru_.jpg\" alt=\"\" width=\"672\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Stalin-in-Zaricyn-dem-spaeteren-Stalingrad-Verteidigung-waehrend-BK-1918-russianphoto.ru_.jpg 762w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Stalin-in-Zaricyn-dem-spaeteren-Stalingrad-Verteidigung-waehrend-BK-1918-russianphoto.ru_-350x253.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-514\" class=\"wp-caption-text\">Stalin war w\u00e4hrend dem Russischen B\u00fcrgerkrieg in Zaricyn (sp\u00e4ter Stalingrad) stationiert und sollte die S\u00fcdfront verteidigen (1918); russiainphoto.ru.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Oktober 1919 zog von Nordwesten General Judenitsch mit baltischen Freiwillig gegen <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"St. Petersburg; der Name wurde zu Beginn des 1.WK russifiziert und sp\u00e4ter zu Ehren Lenins in Leningrad umgenannt\"><span style=\"color: #ff0000\">Petrograd<\/span><\/span> und erreichte die Stadt, wurde aber in letzter Minute zur\u00fcckgeworfen.((Vgl. Hildermeier, Sowjetunion, S. 141.))<br \/>\nNach Koltschaks Tod, errichtete im Osten sein Nachfolger der Ataman Sem\u00ebnov ein Schreckensregime &#8211; die <em>Atamanschtschina<\/em>, welches von japanischen Interventionstruppen gest\u00fctzt wurde. Obwohl dieser immer weiter gegen Osten gedr\u00e4ngt wurde, konnte er sich bis 1921 in der Region um Vladivostok halten. Der B\u00fcrgerkrieg hielt in dieser Region noch weiter an und erst mit dem Abzug der japanischen Kr\u00e4fte im Jahr 1922 ging er klanglos zu Ende.<sup><a href=\"#footnote_5_211\" id=\"identifier_5_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Katzer, Die Weisse Bewegung in Russland, S. 214-215.\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Obwohl die Weissen im Fr\u00fchjahr und Sommer 1919 grosse Erfolge gegen die zahlenm\u00e4ssig weit \u00fcberlegene Rote Armee errangen, gelang ihnen der Durchbruch nach Moskau und somit der Sieg \u00fcber die Bolschewiki nicht. Diesem Umstand liegen mehrere Faktoren zugrunde; zwischen den F\u00fchrungen der einzelnen Weissen Bewegungen herrschte grosse Konkurrenz. Somit gab es wenig Koordination und eine Zusammenf\u00fchrung des S\u00fcd- mit dem Ost-Heer misslang. Der einzige Konsens zwischen ihren Programmen lag darin, die Revolution r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und zu den monarchischen Zust\u00e4nden von 1914 zur\u00fcckzukehren. Damit konnten sie beim gr\u00f6ssten Teil der Bev\u00f6lkerung, welcher aus der Revolution durchaus Vorteile erlangte, keine Sympathien gewinnen. Auch brachten sie mit dieser Ansicht nationalistische Bewegungen vor allem in der Ukraine gegen sich auf. Zus\u00e4tzlich hatten die Weissen strategisch nachteilige Voraussetzungen. W\u00e4hrend die Roten Zentralrussland mit der Industrie und den wichtigen Verkehrspunkten halten konnten, hielten die Weissen lediglich die rohstoffreiche Peripherie und waren r\u00e4umlich \u00fcber weite Strecken voneinander getrennt.((Vgl. Hildermeier, Sowjetunion, S. 141.))<\/p>\n<figure id=\"attachment_1017\" aria-describedby=\"caption-attachment-1017\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Verlauf-Buergerkrieg-GIF.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1017 size-full\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Verlauf-Buergerkrieg-GIF.gif\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"514\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1017\" class=\"wp-caption-text\">Animierter Frontverlauf von November 1917 bis Mai 1920; Bilder: chronocon.org\/ru\/map\/Russian_Civil_War Animation; GIF: gif-erstellen.com.<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Phase 3<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#8211; Gegner: Gr\u00fcne Bewegung, Arbeiter in den St\u00e4dten, Matrosen von Kronstadt<br \/>\n&#8211; Zeitspanne: Anfang 1920 bis Fr\u00fchjahr 1921<\/p>\n<p>Gegen Ende des Jahres 1919 war ein &#8222;Roter Sieg&#8220; \u00fcber die Weissen absehbar und die zerstreuten Weissen waren kaum noch in der Lage Widerstand zu leisten.<br \/>\nDie Politiken des<span style=\"color: #ff0000\"> <a style=\"color: #ff0000\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/2021\/08\/27\/kriegskommunismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Kriegskommunismus<\/strong><\/a><\/span> und des Roten Terrors, welche sehr grossen Unmut in der Bev\u00f6lkerung verursachten, entbehrten mit dem Sieg \u00fcber die Konterrevolution jeglicher Legitimation. Dennoch wurden der wirtschaftliche Kurs und die Zwangsrequisitionen beibehalten, um nun direkt den \u00dcbergang zum Sozialismus zu bewerkstelligen. Damit brachten die Bolschewiki das Fass vollends zum \u00dcberlaufen und der B\u00fcrgerkrieg ging in die n\u00e4chste Phase, die von Bauernaufst\u00e4nden (Gr\u00fcne Bewegung) gekennzeichnet war.<\/p>\n<p>Die Bauern leisteten bereits seit Beginn des Jahres 1918 Widerstand. Zun\u00e4chst war dieser Widerstand gegen die Requisitionen und Zwangsrekrutierungen eher passiver Natur. Getreide und Vieh wurden versteckt, um nicht eingezogen zu werden. Den Einberufungen blieben sie aufgrund der kommenden Erntezeit vorwiegend fern. In der zun\u00e4chst schlecht ausger\u00fcsteten und viel zu schnell wachsenden Roten Armee herrschte ebenso Versorgungsmangel wie \u00fcberall im Land. Die Moral der Soldaten zerfiel und es kam zu Rebellionen und Massendesertationen, wobei sie Kleidung und Waffen &#8211; sofern sie \u00fcberhaupt damit ausger\u00fcstet waren &#8211; mitnahmen.((Vgl. Figes, Sowjetunion, S. 142f. oder Brovkin, Civil War, S. 317.)) Um den Zerfall der Roten Armee aufzuhalten, traten drakonische Desertationsmassnahmen in Kraft, die von der <em>Tscheka<\/em> ausgef\u00fchrt wurden. So wurden Deserteure erschossen, deren Familien als Geiseln genommen oder das ganze Dorf einer Kollektivbestrafung ausgesetzt.((Vgl. Brovkin, Civil War, S. 152 und 318.)) Die Bauern verhielten sich keineswegs ruhig gegen die gewaltt\u00e4tigen Requisitionskommandos und griffen zu den Waffen oder vollf\u00fchrten Sabotageakte. Diese Taktik des Partisanenkrieges wurde als letztes Mittel bei unmittelbarer Gefahr angewendet, wobei sie nicht nur gegen die Roten sondern auch gegen die Weissen Verwendung fand. Es kam zu einigen gr\u00f6sseren Erhebungen gegen die Bolschewiki, in dessen Zuge der Weisse Vormarsch 1919 einen Vorteil erlangte, doch blieben die Aufst\u00e4nde weitgehend lokal organisiert und unsystematisch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_225\" aria-describedby=\"caption-attachment-225\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-225\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital1\/files\/2021\/09\/Deserter-748x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"739\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter-748x1024.jpg 748w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter-256x350.jpg 256w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter-768x1052.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter-1122x1536.jpg 1122w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/files\/2021\/09\/Deserter.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-225\" class=\"wp-caption-text\">Albtraum des Deserteurs.<br \/>Propagandaplakat von 1919 gegen Desertation. Deserteure wurden oft als Konterrevolution\u00e4re und Kollaborateure der Weissen dargestellT,<br \/>redavantgarde.com.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Weissen selbst hatten wenig Sympathisanten unter den Bauern, welche ihre Landgewinne in Gefahr sahen bei einem Sieg der Weissen. So verhielten sich die Bauern teilweise auch ruhig und duldeten die Zwangsrequisitionen &#8211; zumindest bis die unmittelbare Weisse Gefahr gebannt war.<sup><a href=\"#footnote_6_211\" id=\"identifier_6_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Merl, Sowjetmacht und Bauern, S. 31.\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p>1920 flammte die Rebellion konsistenter und systematischer auf und resultierte in aktiven Bauernkriegen im gesamten Land. In der Provinz Tambov beispielsweise schlossen sich 30&#8217;000 Bauern unter dem ehemaligen Helden der Roten Armee Antonov zu einer gr\u00f6sseren Streitmacht zusammen.<sup><a href=\"#footnote_7_211\" id=\"identifier_7_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Brovkin, Civil War, S. 317 oder Lorenz, Sozialgeschichte der Sowjetunion, S. 119f.\">7<\/a><\/sup> Ihr Ziel war die Wiederherstellung der b\u00e4uerlichen Selbstverwaltung und des freien Marktes. Die Gr\u00fcnen verschlossen sich nicht grunds\u00e4tzlich den Neuerungen der Revolution. In ihren Augen waren die Bolschewiki lediglich Verr\u00e4ter an der Oktoberrevolution, die es zu bek\u00e4mpfen galt.<sup><a href=\"#footnote_8_211\" id=\"identifier_8_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Figes, Revolution, S. 147.\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<p>W\u00e4hrend auf dem Lande Aufst\u00e4nde herrschten, kam es in den St\u00e4dten vermehrt zu Streiks und Aufruhr. Die Ern\u00e4hrungssituation, versch\u00e4rft durch die Bauernkriege und Missernten, trieb die Arbeiter im Winter auf die Strassen. Der Hunger vermischte sich mit politischen Forderung nach &#8222;R\u00fcckkehr zu den Prinzipien des Oktobers&#8220; und &#8222;Sowjets ohne Kommunisten&#8220;. Tats\u00e4chlich verloren die Arbeiter mit der Zerschlagung der Gewerkschaften und F\u00fchrungskomitees in den Fabriken ihre wichtigsten Errungenschaften. Die Ernennung von Spezialisten als Manager, sowie die Zentralisierung der Industrien waren eine Konsequenz des Kriegskommunismus und bedeuteten gleichzeitig die Unterminierung der Macht der Arbeiter. Diese forderten nun lautstark die Wiedereinsetzung der Konstituierenden Versammlung und freien Handel.<br \/>\nIm Februar 1921 erfasst die Revolte die Matrosen von <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Festungsinsel vor Petrograd, St\u00fctzpunkt der Baltischen Flotte\"><span style=\"color: #ff0000\">Kronstadt<\/span><\/span> &#8211; die Helden der Oktoberrevolution, welche die Forderungen aufnahmen und meuterten. Die Bolschewiki &#8211; einmal mehr in ihrer Macht gef\u00e4hrdet &#8211; griffen mit brutalstem Terror und Massenverhaftungen durch. Trotzki liess Kronstadt im M\u00e4rz unter Artilleriebeschuss nehmen und anschliessend st\u00fcrmen. 2&#8217;500 Matrosen wurden ohne Verhandlung hingerichtet. Viele weitere wurden in das Konzentrationslager auf <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"auch Solowezki-Inseln; Inselgruppe im Weissen Meer, auf der das erste sowjetische Lager entstand\"><span style=\"color: #ff0000\">Solowki<\/span><\/span> deportiert.<sup><a href=\"#footnote_9_211\" id=\"identifier_9_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Figes, Revolution, S. 149f.\">9<\/a><\/sup><br \/>\nDie Arbeiteropposition wurde gezielt ausgeschaltet, um die Streiks zu brechen. Auch auf dem Land wurde der Terror versch\u00e4rft und es gelang den Widerstand zu zerschlagen. Zus\u00e4tzlich kam es mit Einf\u00fchrung der Neuen \u00d6konomischen Politik zu gewissen \u00f6konomischen Zugest\u00e4ndnissen, um den Unruhen teilweise die Grundlage zu entziehen.<sup><a href=\"#footnote_10_211\" id=\"identifier_10_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Figes, Revolution, S. 150.\">10<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die Bauern stellten tats\u00e4chlich eine grosse Herausforderung der Sowjetmacht dar. Zeitweise hatten die Bolschewiki gar keine Macht mehr in den Provinzen, da die Aufst\u00e4nde von ehemaligen Rotarmisten gef\u00fchrt wurden. Jedoch konnte auf Dauer der Widerstand nicht aufrechterhalten werden. Dies lag zu einem daran, dass sie lokal organisiert waren und es w\u00e4hrend den grossen Aufst\u00e4nden an Koordination zwischen den aufst\u00e4ndischen Heeren mangelte. Zum anderen gingen die Roten immer skrupelloser vor, brannten ganze D\u00f6rfer nieder und schreckten vor kollektiver Bestrafung &#8211; zumeist erschiessen, nicht zur\u00fcck. So konnte im Fr\u00fchjahr 1921 die Gr\u00fcne Bewegung weitgehend gebrochen werden.<sup><a href=\"#footnote_11_211\" id=\"identifier_11_211\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Figes, Revolution, S. 151.\">11<\/a><\/sup><\/p>\n<h3><strong>Folgen des B\u00fcrgerkrieges<\/strong><\/h3>\n<p>Die Frontlinien ver\u00e4nderten sich fast t\u00e4glich. Und so fanden sich die Menschen st\u00e4ndig unter neuen Besatzern wieder. Jedoch bestanden weder staatliche Institutionen noch andere Machtstrukturen, sodass auf dem Land eher anarchische Verh\u00e4ltnisse vorherrschten. Zus\u00e4tzlich zu den Entbehrungen und Zerst\u00f6rungen terrorisierten nebst den Rotarmisten, Weissen Garden, die Requierierungskommandos unter der Leitung der <em>Tscheka<\/em>, die Tschechische Legion, umherziehende Banden oder Kosaken die Bev\u00f6lkerung. Willk\u00fcr, Exzesse und Pogrome forderten w\u00e4hrend des Russischen B\u00fcrgerkriegs neun bis zehn Millionen Tote. Nur ein Bruchteil ist aber den kriegerischen Zusammenst\u00f6ssen zuzurechnen. Dar\u00fcber hinaus kam es zu einem Exodus von zwei Millionen Menschen, die \u00fcberwiegend der Intelligenz oder dem Adel angeh\u00f6rten.((Vgl. Hildermeier, Sowjetunion, S. 155.))<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>von Florian Wiedemann<\/h3>\n<p>Titelbild: Propagandaplakat &#8222;An die Ukrainischen Genossen&#8220; 1920; redavantgarde.com<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literaturangaben:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_211\" class=\"footnote\">Vgl. Brovkin, Vladimir N.: Behind the Front Lines of the Civil War. Political Parties and Social Movements in Russia, 1918-1922, New Jersey 1994, S. 11-13.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_211\" class=\"footnote\">Vgl. Figes, Orlande: Hundert Jahre Revolution. Russland und das 20. Jahrhundert, M\u00fcnchen 2015, S. 128-131.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_211\" class=\"footnote\">Vgl. Brovkin, Civil War, S. 15-17.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_211\" class=\"footnote\">Vgl. Brovkin, Civil War, S. 18f.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_5_211\" class=\"footnote\">Vgl. Katzer, Die Weisse Bewegung in Russland, S. 214-215.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_5_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_6_211\" class=\"footnote\">Vgl. Merl, Sowjetmacht und Bauern, S. 31.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_6_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_7_211\" class=\"footnote\">Vgl. Brovkin, Civil War, S. 317 oder Lorenz, Sozialgeschichte der Sowjetunion, S. 119f.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_7_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_8_211\" class=\"footnote\">Vgl. Figes, Revolution, S. 147.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_8_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_9_211\" class=\"footnote\">Vgl. Figes, Revolution, S. 149f.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_9_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_10_211\" class=\"footnote\">Vgl. Figes, Revolution, S. 150.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_10_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_11_211\" class=\"footnote\">Vgl. Figes, Revolution, S. 151.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_11_211\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jahre nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland waren gepr\u00e4gt von kriegerischen Auseinandersetzungen mit gravierenden Auswirkungen auf die Bev\u00f6lkerung. Nebst den innerstaatlichen Fronten war die junge Sowjetmacht auch auf internationaler Ebene in gewaltsame Konflikte verwickelt. Obwohl der Erste Weltkrieg offiziell zu Ende war, ging dieser im Osten Europas in die n\u00e4chste Runde.<\/p>\n","protected":false},"author":484,"featured_media":223,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26,27,25],"tags":[],"class_list":{"0":"post-211","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesellschaft","8":"category-politik","9":"category-stalinismus","10":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/users\/484"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=211"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":421,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211\/revisions\/421"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/media\/223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/stalindigital\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}