{"id":8326,"date":"2022-04-03T22:33:42","date_gmt":"2022-04-03T20:33:42","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/?p=8326"},"modified":"2022-04-04T22:25:41","modified_gmt":"2022-04-04T20:25:41","slug":"michail-schishkin-im-gespraech-mit-konstanzer-slavisten-adelya-shreder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2022\/04\/03\/michail-schishkin-im-gespraech-mit-konstanzer-slavisten-adelya-shreder\/","title":{"rendered":"Michail Schischkin im Gespr\u00e4ch mit Konstanzer Slavisten \u2013 Adelya Shreder"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>MICHAIL SCHISHKIN IM GESPR\u00c4CH MIT KONSTANZER SLAVISTEN &#8211; ADELYA SHREDER<\/strong><\/p>\n<p>Am 16. Februar 2022 fand in der Stadtbibliothek Konstanz das lang erwartete Tre\ufb00en mit dem Schriftsteller Michail Schischkin statt. Seit 1995 wohnt Michail Schischkin in der Schweiz; Russisch und Deutsch sind seine Arbeitssprachen. Die Gelegenheit, einen gro\u00dfen Schriftsteller wie Michail Schischkin begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen, pers\u00f6nlich zu tre\ufb00en und seine Denkweise hautnah zu erleben, ist f\u00fcr Studierende und Lektoren der Konstanzer Slavistik Gold wert. Schischkin ist nicht nur als Autor in der konventionellen Buchform gedruckter Romane (<em>Vsech o<\/em><em>\u017e<\/em><em>idaet odna no<\/em><em>\u010d<\/em>, 1993; <em>Vzjatie Izmaila<\/em>, 2000; <em>Venerin Volos<\/em>, 2005; <em>Pismovnik<\/em>, 2010), zahlreicher Essays und Erz\u00e4hlungen bekannt. Aus seiner Feder stammt auch ein multimediales Digitalbuch <em>Tote Seelen, lebende Nasen. Eine Einf\u00fchrung in die russische Kulturgeschichte<\/em>, das 2019 im Verlag Petit-Lucelle im schweizerischen Kleinl\u00fctzel erschien. Das passte hervorragend zum Thema des Literaturabends <em>Digitale Literatur Russlands<\/em>.<\/p>\n<p>Studierende des gleichnamigen literaturwissenschaftlichen Seminars von Olga Burenina-Petrova stellten im ersten Teil der Veranstaltung moderne russischsprachige Schriftsteller vor, die ihre Werke dem Leser in digitaler Form pr\u00e4sentieren. Es gab Kurzreferate \u00fcber die Spezifik der digitalen Literatur (Anna Medzhydova), einschlie\u00dflich der mehrsprachigen Literatur (Maria Mackert), zu den Werken von Boris Akunin (Aleksandra Bondarenko) und Fanfiction-Autoren (Lydia Schlei); zu den Gedichten und \u00dcbersetzungen von Ekaterina Velmezova (Filip Milenkov) und Ekaterina Simonova (Katarina Hartmann).<\/p>\n<p>In der Pause durften sich die Teilnehmer des Literaturabends die Neuerscheinungen von Michail Schischkin ansehen, wie den Essayband <em>Bukva na snegu<\/em> (Ast, 2019) oder das Buch <em>Frieden oder Krieg<\/em> (Ludwig Verlag, 2019), das aus dem Gedankenaustausch zwischen Michail Schischkin und dem deutschen Auslandskorrespondenten in Moskau Fritz Pleitgen entstanden ist.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde das Wort an Michail Schischkin \u00fcbergeben, der das Publikum zum Dialog einlud. Schischkin sprach \u00fcber die aktive Migration der gut gebildeten russischen Menschen ins Ausland. Es wurde die Frage diskutiert, wie im Ausland lebende Russen ihre russische Kultur bewahren k\u00f6nnen. Ist es m\u00f6glich, Russland zu verstehen, wenn man nicht mehr dort lebt? Reicht daf\u00fcr der Erhalt der Muttersprache aus, oder ist dies blo\u00df eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung? Die entstandene Diskussion lie\u00df mich an Schischkins Essay <em>Spas<\/em><em>\u00eb<\/em><em>nnyi jazyk<\/em> denken. Der Autor bezieht sich auf Elias Canettis biographische Aufzeichnungen. \u201eJetzt schneiden wir ihm die Zunge ab\u201c, diese Einsch\u00fcchterungsworte, die den zweij\u00e4hrigen Canetti zum Schweigen bringen sollten, werden im Essay mit Symbolgewicht aufgeladen. Der Gefahr ausgesetzt, im \u201eKlirren des Schwitzerd\u00fctsch\u201c die eigene Muttersprache zu verlieren, entdeckt der Autor seine Muttersprache neu. Die Sprache verwandelt sich aus einem allt\u00e4glichen Werkzeug in eine unabdingbare Voraussetzung, auf eine bestimmte Art zu empfinden, zu denken, zu beobachten.<\/p>\n<p>Michail Schischkin sprach weiterhin \u00fcber Politik und immer wieder kam einem der Gedanke, inwiefern ein Schriftsteller seine Werke mit der modernen Politik verbinden sollte. Leider lie\u00df dieser Abend einige o\ufb00ene Fragen und traurige Stimmung \u00fcber die dunkle Zukunft, die Michail Schischkin Russland versprach. Keiner konnte daran glauben, dass die d\u00fcsteren Prognosen des Schriftstellers schon in einigen wenigen Tagen zur Wirklichkeit werden und das Schreckensszenario der russischen Invasion in die Ukraine eine Z\u00e4sur in die Gegenwartsgeschichte setzen w\u00fcrde. Es ist wahrlich so, dass \u201eein Dichter in Russland mehr als ein Dichter\u201c ist.<\/p>\n<p>Ho\ufb00entlich findet das n\u00e4chste Tre\ufb00en mit Michail Schischkin bald wieder statt, um die schon angegriffenen Fragen von der Pr\u00e4senz der Literatur in der digitalen Medienlandschaft, von der M\u00f6glichkeit des kulturellen Dialogs und der gegenseitigen Verst\u00e4ndigung innerhalb einer Kultur, von der Rettung der Sprache weiter zu diskutieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/adelya-shreder\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><span style=\"color: #3366ff\">Adelya Shreder<\/span><\/strong><\/a>, University of Konstanz<\/p>\n<p>Edited by Maria Zhukova, University of Konstanz and Anna Krutsch, Educational Institution called \u201eFAB gGmbH f\u00fcr Frauen Arbeit Bildung\u201c, Friedberg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. 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