{"id":3721,"date":"2020-05-05T15:10:32","date_gmt":"2020-05-05T13:10:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/?p=3721"},"modified":"2022-07-30T22:49:00","modified_gmt":"2022-07-30T20:49:00","slug":"laetitia-meisel-zur-10-sinfonie-in-e-moll-op-93-von-dmitri-shostakovich-in-der-suedwestdeutschen-philharmonie-konstanz-besuch-der-proben-am-16-januar-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2020\/05\/05\/laetitia-meisel-zur-10-sinfonie-in-e-moll-op-93-von-dmitri-shostakovich-in-der-suedwestdeutschen-philharmonie-konstanz-besuch-der-proben-am-16-januar-2020\/","title":{"rendered":"Zur 10. Sinfonie in e-Moll op. 93 von Dmitrij Schostakowitsch \u2013 Laetitia Meisel"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center\">Zur 10. Sinfonie in e-Moll op. 93 von Dmitrij Schostakowitsch in der S\u00fcdwestdeutschen Philharmonie Konstanz: Besuch der Proben am 16. Januar 2020<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu Beginn der Probe spielt das Sinfonieorchester die Serenade f\u00fcr Tenor, Horn und Streicher op. 31 von Edward Benjamin Britten. Die Solisten hierbei sind Carsten Duffin als Hornist und Robin Tritschler als Tenor. Den Fokus bei der Probe dieses 1943 geschriebenen St\u00fcckes legt der Dirigent vor allem auf die Soloteile und deren \u00dcberg\u00e4nge zu den \u201eTutti-Teilen\u201c mit dem Orchester. Diese \u00dcberg\u00e4nge werden mehrfach wiederholt und pr\u00e4zisiert.<\/p>\n<p>Der besagten Serenade eines der gr\u00f6\u00dften englischen Musiker des 20. Jahrhunderts folgt die 10. Sinfonie in e-Moll op. 93 von Dmitrij Schostakowitsch die im Oktober 1953, knapp ein halbes Jahr nach Stalins Tod, vollendet wurde. Man k\u00f6nnte annehmen, dass dieses historische Ereignis dem Komponisten einen bestimmten Freiraum gibt, seine eigene Identit\u00e4t in dieser Musik zu finden. Dazu die Intendantin der S\u00fcdwestdeutschen Philharmonie Insa Pijanka:&#187; Seine Identit\u00e4t zeigt sich in dieser Sinfonie deutlicher und vehementer als zuvor. Dies war aufgrund des Todesjahres von Stalin f\u00fcr kurze Zeit m\u00f6glich. Es ging auch nie darum, sich von der Norm zu unterscheiden, sondern darum, sich als Individuum frei zu \u00e4u\u00dfern. Diese Komposition ist sehr gewagt, da Schostakowitsch nicht dem verstorbenen Stalin huldigt, sondern seine Individualit\u00e4t dem entgegensetzt&#187;. Der Dirigent Marcus Bosch l\u00e4sst die drei S\u00e4tze hintereinander spielen. Es ist ein fast g\u00e4nzlicher Durchgang der gesamten Sinfonie zu h\u00f6ren. Der erste Satz, Moderato, ist sehr d\u00fcster und beginnt mit den Celli und entwickelt sich weiter zu einem Intro der Streicher. Danach beginnen die Klarinetten in einer solistischen Form und die Streicher \u00fcbernehmen dann dieses Motiv. Den akustischen H\u00f6hepunkt erreichen die Oboen in ihrem sich zuspitzenden Thema. Es wird sehr schrill und die H\u00f6rner, Piccolo und Streicher kommen dazu. Der erste Satz endet mit einem Piccolo-Solo.<\/p>\n<p>Der zweite Satz, ein Allegro, ist dynamisch und die Rhythmik erinnert an Schritte. Der dritte Satz, ein Allegretto, ist sehr fr\u00f6hlich und geht in einen pl\u00f6tzlichen Walzer \u00fcber. Man hat oft den Eindruck, diese Sinfonie zeigt die in T\u00f6ne gefasste Angst des Komponisten. Die Spanne der T\u00f6ne umfasst die tiefsten Tiefen und die h\u00f6chsten H\u00f6hen. Mit den Tempi wird an die Grenzen gegangen und es wird ein gro\u00dfer Zynismus widergespiegelt. Die Marschrhythmen, Trommelschl\u00e4ge und Dissonanzen spiegeln Brutalit\u00e4t wider und stellen in gewisser Hinsicht ein musikalisches Portr\u00e4t Stalins dar.<\/p>\n<p>Allerdings sagt Schostakowitsch selbst, dass die Sinfonie allen Menschen gewidmet sei, die den Frieden lieben. Wie und an welcher Stelle zeigt sich dieser Frieden? Insa Pijanka versucht diese Frage zu beantworten: &#171;Dieser Satz sei nicht als eine Art Inhaltsangabe zu verstehen, sondern als eine f\u00fcr Schostakowitsch \u00fcbliche Formulierung, die er h\u00e4ufig verwendet hat. Die Sinfonie selber habe wenig mit Frieden zu tun. Die neue Sinfonie von ihm war damals ein Ereignis f\u00fcr die B\u00fcrger in der Sowjetunion. Unter anderem waren auch Sinfonien ein Gegenstand des Hungers nach einem Wort der Wahrheit. Die Zuh\u00f6rer der Sinfonie empfanden sie als aufw\u00fchlend und sie hat ihnen zu denken gegeben&#187;.<\/p>\n<p>Musikalisch inszenierte Motive der Hoffnung und der Schrecken, der Freude und der Entt\u00e4uschungen, des Todes und des Lebens kommen in der Sinfonie zur Erscheinung. Diese Motive versucht der Dirigent auszudifferenzieren, indem er markante Stellen herausnimmt und diese genau probt und von den einzelnen Registern spielen l\u00e4sst. So gelingt es ihm, die gew\u00fcnschte Stimmung zu erzeugen.<\/p>\n<p>In meinem Gespr\u00e4ch mit einem Violinisten aus der ersten Geige wird erw\u00e4hnt, dass die 10. Sinfonie auch f\u00fcr die Musiker eine gro\u00dfe Herausforderung darstellt. Auf der einen Seite ist es nat\u00fcrlich die abstrakte Musikalit\u00e4t, auf der anderen Seite auch die Kondition: Sie sei k\u00f6rperlich sehr schwer zu spielen und nach einem Durchgang der Sinfonie sei man als Musiker sehr ersch\u00f6pft. Die Sinfonie fordert ein gutes Durchhalteverm\u00f6gen, sowohl im Sinne der geistigen Konzentration, als auch der rein physischen Verfasstheit. Dennoch sei die 10. Sinfonie f\u00fcr die Musiker eine gro\u00dfe Freude und es mache Spa\u00df, sie zu spielen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Die Autorin bedankt sich bei Insa Pijanka, sowie bei den Musikern der S\u00fcdwestdeutschen Philharmonie f\u00fcr die Beantwortung ihrer Fragen.\"><sup>1<\/sup><\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Autorin bedankt sich bei Insa Pijanka, sowie bei den Musikern der S\u00fcdwestdeutschen Philharmonie f\u00fcr die Beantwortung ihrer Fragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/laetitia-meisel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><span style=\"color: #3366ff\">Laetitia Meisel<\/span><\/strong><\/a>, University of Konstanz<\/p>\n<p>Edited by: Maria Zhukova, University of Konstanz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn der Probe spielt das Sinfonieorchester die Serenade f\u00fcr Tenor, Horn und Streicher op. 31 von Edward Benjamin Britten<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2020\/05\/05\/laetitia-meisel-zur-10-sinfonie-in-e-moll-op-93-von-dmitri-shostakovich-in-der-suedwestdeutschen-philharmonie-konstanz-besuch-der-proben-am-16-januar-2020\/\">Read More &rarr;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":474,"featured_media":4608,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":null,"_FSMCFIC_featured_image_hide":null,"footnotes":""},"categories":[81],"tags":[115,424],"class_list":["entry","author-","has-excerpt","post-3721","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-review","tag-german","tag-laetitia-meisel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3721","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/474"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3721"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3721\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10626,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3721\/revisions\/10626"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4608"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3721"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}