{"id":2634,"date":"2019-11-19T10:25:53","date_gmt":"2019-11-19T09:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/?p=2634"},"modified":"2022-08-01T21:36:05","modified_gmt":"2022-08-01T19:36:05","slug":"im-sumpf-der-erinnerungskultur-reisebericht-zu-den-solowki-inseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2019\/11\/19\/im-sumpf-der-erinnerungskultur-reisebericht-zu-den-solowki-inseln\/","title":{"rendered":"Im Sumpf der Erinnerungskultur \u2013 Olessja Bessmeltseva, Sandra Sager"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>IM SUMPF DER ERINNERUNGSKULTUR<\/strong> <strong>\u2013 REISEBERICHT ZU DEN SOLOWKI-INSELN<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stimmungen und Begegnungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn man bisher wenig von Solowki geh\u00f6rt hat, kommt man mit bestimmten Erwartungen auf die Insel: Einsiedler-Romantik, Beschaulichkeit und einsame Klosterbewohner kommen als Erstes in den Sinn. An Beschaulichkeit fehlt es in der Tat nicht und das Kloster dominiert nach wie vor die Insellandschaft. Einsam aber muss man sich als Tourist_in durchaus nicht f\u00fchlen. Die Insel ist gut auf Tourismus gem\u00fcnzt. Die Einheimischen vermieten ihre Wohnungen als Feriendomizile. Die Unsere lag in direkter Nachbarschaft zu der fr\u00fcheren Frauenbaracke aus der Zeit des Solowjetski-Lagers; nun ebenfalls umgebaut und dem Zivilleben angepasst. Kaffe und W-Lan findet man ohne grosse M\u00fche, es gibt sogar Banjas und M\u00f6glichkeiten zum Ausgehen. Bereits am ersten Tag fand sich ein l\u00e4ndlich gestyltes Hotel mit einem breiten Erholungsangebot \u2013 wir haben ein Dartspiel in Anspruch genommen und dazu einen Tee genossen. Esslokale gibt es einige auf der vermeintlich abgelegenen Insel; vor allem zu \u00fcberraschend g\u00fcnstigen Preisen. Preiswert war es auch in der Klostermensa mit ihren riesigen B\u00e4nken und Tischen \u2013 alles auch f\u00fcr Atheist_innen nutzbar, nur mit einem kleinen Vermerk, die Klosterruhe zu respektieren. Die hiesige Klosterk\u00fcche war auch an anderen Stellen der Insel pr\u00e4sent. Ihre Backprodukte erfreuen sich dabei besonders grosser Beliebtheit (Pirozhki mit Kascha waren unsere Energiespender Nummer eins).<\/p>\n<p>In dieser ganzen Beschaulichkeit kommt jedoch irgendwann die Frage zu den saisonalen Schwankungen auf: Wie wird auf dieser Insel w\u00e4hrend der Einstellung des Schiffsverkehrs (aufgrund des zugefrorenen Meeres) und der damit einhergehenden Tourismuspause \u00fcberwintert? Unsere Neugier liess uns mit der lokalen Bev\u00f6lkerung ins Gespr\u00e4ch kommen. Aus dem Gespr\u00e4ch mit der Souvenirverk\u00e4uferin Irina erfuhren wir \u00fcber die \u201eoszillierende\u201c Migration \u2013 ein Drittel der \u201eInselinsassen\u201c sind saisonale Pendler_innen (ca. 300 von insgesamt 900 Bewohner_innen), mit der Einstellung des Schiffverkehrs steigen die Preise um das Dreifache an, weshalb die verbleibenden Inselbewohner_innen in dieser Zeit bevorzugt von den selbst angelegten Vorr\u00e4ten leben. Eine Spalte zum Preisausgleich der Luftlieferungen von Lebensmitteln gibt es im Budget des Staatshaushalts nicht. Generell wird hier auf der Insel der Staat eher kritisch gesehen: Viele Einheimische nehmen an der Protestaktion \u201eWeg mit dem Moskauer M\u00fcll an der Nordseek\u00fcste\u201c teil. Ein Protest, der sich auf die in der Oblast Archangelsk von lokalen J\u00e4gern entdeckte M\u00fcllhalde bezieht, die ab Sommer 2018 hinter dem R\u00fccken der lokalen Bev\u00f6lkerung aufgebaut wurde. Von den Moskauer Beh\u00f6rden wird dieses Projekt unter dem Namen \u201eShies\u201c als Umwelttechnologiepark angepriesen. Ein Affront f\u00fcr die betroffene Bev\u00f6lkerung. Rote Ankleber zieren nun zur Untermauerung des eigenen Protests zahlreiche Autos auf Schutzblech und Windschutzscheiben.<\/p>\n<p>Es gibt auch anderweitige gesellschaftliche Spannungen auf der Insel, die bis zu einem \u201eschleichenden\u201c Widerstand ansteigen. W\u00e4hrend des Rundgangs im historischen Museum der Lagergeschichte fiel die ungleiche Gewichtung der Themen auf, die mitunter auf die Geschichten der inhaftierten Klosterangeh\u00f6rigen und anderen Gefangenen gelegt wurden. Des Weiteren sprangen an mehreren Orten auf der Insel Spuren von Vandalismus ins Auge. Es fanden sich \u00fcbermalte und anderweitig unlesbar gemachte Tafeln an Kreuzen und besch\u00e4digte oder \u201everschwundene\u201c Erinnerungssteine an Lagerinsassen_innen. Die Begegnung mit einem dem Kloster nah stehenden Mann veranschaulichte die Tiefe latenten Konflikts: Unser Gespr\u00e4chpartner wies uns unvermittelt darauf hin, dass wir doch bitte nicht allem glauben sollten, was uns die Mitglieder von Memorial \u00fcber das Leiden der Inhaftierten erz\u00e4hlen, sondern bedenken m\u00fcssten, dass es vielen von ihnen sehr gut ging. Als Unterstreichung seines Arguments f\u00fchrte er an, dass manche Inhaftierte sogar Pelz trugen, wovon einzelne Fotografien tats\u00e4chlich zeugen. Diese Fotos sind jedoch im Kontext der zu Propaganda-Zwecken aufgenommenen Fotografien zu verorten und eben genau die Schaffung dieser idealisierten Vorstellung zum Zweck hatte. In die gleiche Kategorie f\u00e4llt auch der in Russland ber\u00fchmte Propaganda-Film \u201eSolowki 1927-28\u201c (im Internet unter folgendem Link zu finden: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O0UJGJwGX1E), sowie auch mehrere Beitr\u00e4ge, die von Prominenten dieser Epoche \u2013 wie etwa Gorkij \u2013 angefertigt wurden. Gorkij beschrieb unter anderem in einem Bericht, dass sich die Gefangenen frei bewegen durften (wie die politische Gefangenen zum Anfang der Lagergeschichte dies durften, wenn auch freilich nur auf einem begrenzten und \u00fcberwachten Raum).<\/p>\n<p>Unser Befremden dieser Begegnung wurde noch durch eine weitere Begebenheit verst\u00e4rkt. Direkt vor dem Kloster befindet sich ein historisches Hotel im Umbau, dessen Bauger\u00fcste \u2013 wohl von den Tr\u00e4gern des k\u00fcnftigen Komplexes \u2013 mit Flaggen geschm\u00fcckt sind. Neben der russischen Trikolore und der Marineflagge stach die Fahne von der so genannten \u201eJunarmia\u201c (Jugendarmee) ins Auge \u2013 ein Adlerprofil auf rotem Grund. An den offenkundigen Assoziationen mit einer vergleichbaren Jungendorganisation der 1930-40er Jahre st\u00f6ren sich die Klosterangeh\u00f6rigen allen Anscheins nach aber nicht im Geringsten; anders als das als \u201ezu viel\u201c empfundene Nachforschen der Gefangenengeschichte vonseiten Memorials.<\/p>\n<p><strong>Konflikte<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gemengelage hat uns auf die Konfliktlinie zwischen Kloster und Museum neugierig gemacht. Die ersten Nachforschungen lassen einige vorsichtig, allgemein formulierte Ansichten ansammeln. Aussagen wie: \u201eNun ja, diese Kirchlichen \u2013 sie wollen ihre Heiligen verehren und alle Get\u00f6teten pauschal zu Heiligen erkl\u00e4ren. Das Weiterforschen ist nicht ihre Sache, das passt doch zu ihrer Ideologie\u201c waren die ersten R\u00fcckmeldungen.<\/p>\n<p>Um ein Vielfaches differenzierter schilderte die Lage einer der Reiseteilnehmenden, der sich mit FSB-Strukturen auch eine Zeit lang beruflich auskannte. Der Tenor waren die Kontinuit\u00e4ten der Machtstrukturen und ihrer Propaganda. Es reicht zu bedenken, wer hier eigentlich auf der Spitze der Machtpyramide steht \u2013 wer hierzulande der Staatschef (Spoiler: ehemaliger KGB-Funktion\u00e4r) und wer der Patriarch (Spoiler: ein Vorsitzender des ehemaligen orthodoxen Untergrunds, der sich mit der sowjetischen Regierung verb\u00fcndete) sei. Aus dieser Korrelation ergibt sich der scharfe Diskurs, welcher die Erinnerungskultur an die vom Regime ausgegangenen Verbrechen in der Sowjetunion ausklammert.<\/p>\n<p>Diesem Tenor entspricht auch die Polemik, die sich kurz nach unserer R\u00fcckkehr aufs Festland entfesselte. Auf Sandarmoch \u2013 dem Ort, wo 1937 ein Massenmord an Gefangenen ver\u00fcbt wurde, die unter anderem auch aus dem Solowetskij Lager stammten &#8211; werden gerade Ausgrabungen vom Kulturministerium in Karelien mit dem Einsatz von Mitgliedern der \u201eGesellschaft f\u00fcr Kriegsgeschichte Russlands\u201c gestartet. \u201eMemorial\u201c lege aus Sicht des Kulturministeriums mit vandalistisch anmutender Vorgehensweise an Erinnerungsorten Hand an: Die Ausgrabungen seien unprofessionell gef\u00fchrt, mit Resten von Ermordeten w\u00fcrde unzimperlich umgegangen \u2013 wohl mit dem Zweck, sich die Geschichte zurecht zu legen, so der Vorwurf. Denn das Narrativ, das die Verb\u00fcndeten der Gesellschaft f\u00fcr Kriegsgeschichte vertreten, lautet n\u00e4mlich, dass hier keinen Massenmord an Lagerinsasser_innen durch sowjetische Soldaten durchgef\u00fchrt wurde, sondern eine Massenerschiessung von sowjetischen Kriegsgefangenen durch das finnische Milit\u00e4r durchgef\u00fchrt worden sei (Informationen zum Ablauf der Sandarmoch-Ereignisse finden sich unter anderem unter folgendem Link: https:\/\/meduza.io\/feature\/2019\/08\/16\/my-znaem-kto-sovershil-eti-prestupleniya-ot-stalina-do-strelka-kotoryy-stoyal-v-otseplenii).<\/p>\n<p>Auf Solowki wird vor allem \u2013 nahezu systematisch \u2013 die Geschichte der politischen Gefangenen \u201evergessen\u201c. Und es wundert nicht weiter, dass die damaligen Gefangenen ohne, beziehungsweise mit keiner einheitlichen Bekenntnisprovenienz in der Erinnerung auch in ihrem Nachleben von getreuen Staatsorganisationen und \u201eumsichtigen\u201c Kirchenv\u00e4tern \u201ebenachteiligt\u201c werden.<\/p>\n<p><strong>Geschichte und die Gegenwart der Erinnerungskultur an politische Gefangenen auf Solowki<\/strong><\/p>\n<p>Bevor auf die Erinnerungskultur eingegangen wird, bedarf es einer R\u00fcckblendung. Ab dem Jahr 1923 (genau am 6.\/7. Juni) wurden auf der Solowki-Insel unter anderen auch politische Gefangenen stationiert. Darunter befanden sich Angeh\u00f6rige der Menschewiki, Sozialrevolution\u00e4re (SR) und Anarchisten. Sie alle hielt man von den anderen Delinquenten separiert und sie wurden sich ihres Sonderstatus wohl bewusst, den sie innehatten. F\u00fcr die politischen Gefangenen waren Freiheiten wie Selbstorganisierung und Selbstverwaltung, und auch das Recht auf Bewegungsfreiheit (innerhalb des begrenzten Rahmens des Sonderlagers) vorgesehen und sie hatten ausser den pflichtm\u00e4ssigen acht Stunden pro Tag keine weitere Arbeitspflicht. Die Lage \u00e4nderte sich jedoch rasant. Schon im Dezember 1923 wurde den Gefangenen die Bewegungsfreiheit entzogen. Darauf wurde mit einem spontanen Widerstand der politischen Gefangenen reagiert \u2013 sie weigerten sich, zu vorgeschriebener Stunde den \u00fcblichen Spaziergang \u00fcber das Territorium des Lagers abzubrechen, worauf hin es zu einer Schiesserei kam und die sechs betroffenen Gefangenen mussten den Protest mit ihrem Leben bezahlen. Eine weitere Protestaktion seitens der Gefangenen war der zweiw\u00f6chigen Hungerstreik im Jahre 1924, womit die Inhaftierten auf die Schliessung des politischen Gefangenenlagers auf Solowki und der Verteilung der Lagerinsassen \u00fcbers Festland bestanden, was letztendlich im Sommer 1925 tats\u00e4chlich erfolgte. Diese insgesamt zwei Jahre der Lagergeschichte, bei der die politischen Gefangenen eine wichtige Rolle spielten, werden nun \u2013 trotz des sehr engagierten Bem\u00fchens des Memorial-Teams \u2013 dem Vergessen preisgegeben \u2013 so jedenfalls der allgemeine Eindruck von uns auf der Solowki-Reise.<\/p>\n<p>Eine erste Irritation bez\u00fcglich dem Umgang mit der Vergangenheit rief in uns der Besuch der so genannten Erinnerungsallee inmitten des besiedelten Teils der Solowki-Insel hervor. Um den Solowjetski-Stein<sup><span style=\"color: #3366ff\"><a style=\"color: #3366ff\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">1<\/a><\/span><\/sup> herum auf einem kleinen Platz, ums\u00e4umt von wenigen B\u00e4umen, ist ein Kreis von Malsteinen mit Erinnerungstafeln angeordnet. Diese ehren das Andenken an diverse Gruppen von Gefangenen, die auf Solowki umgekommen sind. Es gibt jeweils einen Stein f\u00fcr jede Nationalit\u00e4t bzw. Religion. Darunter befindet sich auch ein Mahnmal, welches sich etwas aus diesem Konzept herausl\u00f6st und pauschal an alle politischen Gefangenen erinnert. Provokant l\u00e4sst es nationale bzw. Glaubenszugeh\u00f6rigkeit der politischen Gefangenen ausser Acht und sticht mit der Schrift \u201eAndenken an Sozialisten und Anarchisten&#8230;\u201c ins Auge des Betrachters. Beim diesj\u00e4hrigen Besuch war aber dieses \u201eIns-Auge-Stechen\u201c mit einem stummen Aufschrei verbunden, denn der Stein wurde von einem weitl\u00e4ufigen Riss \u201egeziert\u201c \u2013 ein \u201ewetterbedingter\u201c Schaden sei ihm widerfahren, so die gel\u00e4ufige Erkl\u00e4rung auf der Insel. Dass der Stein etliche Jahre davor schadenfrei \u00fcberwinterte und dass die Ausformung des Risses einen Vandalismus-Akt eher nahe legt, als ein spontanes Bersten, gab Anlass genug, um dieser mehr oder minder \u201eoffiziellen\u201c Version mit Skepsis zu begegnen. Diese Skepsis wurde auch vonseiten der Memorial-Aktivist_innen geteilt, die am Vorabend des \u201eTrauermeetings\u201c in der Erinnerungsallee ein Sanierungsversuch unter inselbedingter Materialknappheit ausf\u00fchrten. W\u00e4hrend der Andacht im Rahmen des \u201eTrauermeetings\u201c ergriff Jewgenija Kulakova das Wort und machte das anwesende Publikum auf den Stein und seine Vor- und Gegenwartsgeschichte aufmerksam, was bewirkte, dass das sehr desolat wirkende Mahnmal mit dem Riss zum neuen \u201ePutz\u201c auch neue Beachtung fand und mit Blumen geschm\u00fcckt wurde.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Vernachl\u00e4ssigungen haben Erinnerungsspuren an politische Gefangene auch schon an anderen Orten auf Solowki erfahren m\u00fcssen, erz\u00e4hlten die Reiseleiterinnen am Nachmittag, w\u00e4hrend sich die Gruppe zum politischen Gef\u00e4ngnis auf Sawatjewo begab, das sich 2 Kilometer entfernt vom Sekirka-Berg in den R\u00e4umen einer Kloster-Einsiedelei befand. Seitdem die Geb\u00e4ude wieder der Klosterverwaltung \u00fcbergeben wurden, geht eine vermehrte Sanierung der Klosterimmobilien vonstatten. Es werden unter anderem s\u00e4mtliche W\u00e4nde neu gestrichen; damit einhergehend werden auch die Zeitdokumente vernichtet, wie zum Beispiel die in den Verputz eingeritzten Notizen von Gefangenen. Das einmal errichtete Mahndenkmal aus Stein vor Ort ist schon nach wenigen Tagen wieder spurlos verschwunden. Die Reiseleiterinnen erw\u00e4hnten auch eine herzzerreissende Geschichte, wo Gefangene aus zwei Sonderabteilungen des Lagers abwechselnd ein und denselben Brunnen h\u00e4tten aufsuchen m\u00fcssen und einmal hat jemand von ihnen am Brunnenstein eine \u201eMessage\u201c hinterlassen, worauf dann der Andere ein \u201eFeedback\u201c geschrieben habe. So sei ein \u201eChatten\u201c zustande gekommen, das die Historiker_innen von Memorial gerne protokollieren wollten. Doch als die Forschungsgruppe ein Jahr sp\u00e4ter wieder denselben Ort aufsuchte, fand sie ein nagelneuer Brunnen vor und von dem alten liessen sich nicht einmal mehr die Reste aufheben.<\/p>\n<p>Diese Summe an Bedenklichem auf der kleinen Insel mit ihrer grossen Geschichte und unklarer Gegenwart weckt nicht nur Emp\u00f6rung, sondern tr\u00e4gt m\u00f6glicherweise auch dazu bei, dass die lokale Bev\u00f6lkerung auf der Insel, mit denen wir uns in verschiedenen Kontexten austauschen konnten, noch \u00f6fters mit einem politischeren Bewusstsein \u00fcberraschen, als mancherorts auf dem Festland (siehe \u201eStimmungen und Begegnungen\u201c). Die Entscheidung, welches Narrativ zu unterst\u00fctzen sei, mag divers ausfallen, die Atmosph\u00e4re in diesem entlegenen Ort wirkt jedoch \u2013 wohl gerade deswegen \u2013 wie elektrisiert. Eine interessante und \u00fcberraschende Feststellung f\u00fcr eine Insel, die sich im allgemeinen Bewusstsein als \u201eWallfahrtsziel\u201c eingeb\u00fcrgert hat und gerne mit Attributen wie \u201ebeschaulich\u201c, \u201eentschleunigt\u201c, \u201eeinsiedlerisch\u201c und \u201eheilig\u201c versehen wird.<\/p>\n<p>Verfasserinnen und Mitreisende:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/olessja-bessmeltseva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><span style=\"color: #3366ff\">Olessja Bessmeltseva<\/span><\/strong><\/a>, St. Petersburg\u00a0 University and <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/sandra-sager\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><span style=\"color: #3366ff\">Sandra Sager<\/span><\/strong><\/a>, University of Zurich<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span style=\"color: #3366ff\">1<\/span><\/a> solche gibt es auch in Moskau und Sankt Petersburg \u2013 sie sind ein korpulenter Ausdruck des Nicht-Vergessen-Wollens des stalinistischen Terrors und wurden schon nicht einmal zu einem Zankapfel zwischen Aktivist*innen und Politikmachenden, wo die letzteren die Feierlichkeiten am GULAG-Stein gerne mal unter diesem oder jenem Vorwand verbieten wollten, sieh dazu z.B. <span style=\"color: #3366ff\"><a style=\"color: #3366ff\" href=\"https:\/\/www.bbc.com\/russian\/news-45923287\">https:\/\/www.bbc.com\/russian\/news-45923287<\/a> <\/span>und <span style=\"color: #3366ff\"><a style=\"color: #3366ff\" href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/4132707\">https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/4132707<\/a><\/span><\/p>\n\n\t\t\t<div id=\"2634-1\" class=\"gallery gallery-2634 gallery-col-3 gallery-columns-3 gallery-size-full\" itemscope itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageGallery\">\n\t\t\t\t\t<figure class='gallery-item col-3' itemprop='associatedMedia' itemscope itemtype='https:\/\/schema.org\/ImageObject'>\n\t\t\t\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'><a href='https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2019\/11\/19\/im-sumpf-der-erinnerungskultur-reisebericht-zu-den-solowki-inseln\/olessja-bessmeltseva-2-465x349\/' itemprop=\"contentURL\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"465\" height=\"349\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-2-465x349-1.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-2-465x349-1.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-2-465x349-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" aria-describedby=\"figcaption-2634-4269\" itemprop=\"thumbnail\" \/><\/a><\/div>\n\t\t\t\t\t\t<figcaption id=\"figcaption-2634-4269\" class=\"gallery-caption\" itemprop=\"caption\">\u00a9 Olessja Bessmeltseva<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t\t\t<figure class='gallery-item col-3' itemprop='associatedMedia' itemscope itemtype='https:\/\/schema.org\/ImageObject'>\n\t\t\t\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'><a href='https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2019\/11\/19\/im-sumpf-der-erinnerungskultur-reisebericht-zu-den-solowki-inseln\/olessja-bessmeltseva-465x349\/' itemprop=\"contentURL\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"465\" height=\"349\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-465x349-1.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-465x349-1.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Olessja-Bessmeltseva-465x349-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" aria-describedby=\"figcaption-2634-4270\" itemprop=\"thumbnail\" \/><\/a><\/div>\n\t\t\t\t\t\t<figcaption id=\"figcaption-2634-4270\" class=\"gallery-caption\" itemprop=\"caption\">\u00a9 Olessja Bessmeltseva<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t\t\t<figure class='gallery-item col-3' itemprop='associatedMedia' itemscope itemtype='https:\/\/schema.org\/ImageObject'>\n\t\t\t\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'><a href='https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2019\/11\/19\/im-sumpf-der-erinnerungskultur-reisebericht-zu-den-solowki-inseln\/titelbildvariante2-sandra-sager-465x349\/' itemprop=\"contentURL\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"465\" height=\"349\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Titelbildvariante2-Sandra-Sager-465x349-1.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Titelbildvariante2-Sandra-Sager-465x349-1.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2019\/11\/Titelbildvariante2-Sandra-Sager-465x349-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" aria-describedby=\"figcaption-2634-4271\" 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