{"id":15473,"date":"2024-07-20T12:28:06","date_gmt":"2024-07-20T10:28:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/?p=15473"},"modified":"2024-07-20T13:53:57","modified_gmt":"2024-07-20T11:53:57","slug":"typografie-und-slavische-sprachen-emily-magdalena-orlet-im-gespraech-mit-noel-leu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/2024\/07\/20\/typografie-und-slavische-sprachen-emily-magdalena-orlet-im-gespraech-mit-noel-leu\/","title":{"rendered":"Typografie und slavische Sprachen \u2013 Emily Magdalena Orlet im Gespr\u00e4ch mit No\u00ebl Leu"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>TYPOGRAFIE UND SLAVISCHE SPRACHEN\u00a0 \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Als Grafikdesigner und Typograf ist No\u00ebl Leu international erfolgreich. Im Gespr\u00e4ch mit SlavicumPress teilt er seinen Einblick in slavische Sprachen.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>No\u00ebl Leu arbeitet im Team des Grafikdesignb\u00fcros und der digitalen Schriftgiesserei Grilli Type, das er im Jahr 2009 mitbegr\u00fcndet und seitdem aufgebaut hat. Dar\u00fcber hinaus ist er als Kurator und Redner f\u00fcr bedeutende \u00f6ffentliche und private Institutionen und Festivals im Bereich Grafikdesign gefragt. Im Team von Grilli Type hat No\u00ebl Leu eine f\u00fchrende Position inne. Grilli Type kreiert Schriftarten und bietet gem\u00e4ss kundenspezifischer Anfrage an, diese Schriftarten anzupassen, eine Schriftart zu kreieren oder andere Grafikdesignleistungen. Grilli Type positioniert sich explizit in den Traditionen von Schweizer Grafikdesign und Typografie. Namhafte Kunden sind BlaBlaCar, Google, Lucid Motors, Marshalls, On, Pinterest, Riot Games, Samsonite, TikTok, Twitter und WeTransfer.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_15476\" aria-describedby=\"caption-attachment-15476\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15476 size-large\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"724\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-300x212.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-768x543.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-465x329.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-695x492.jpg 695w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu.jpg 1169w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15476\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Noe\u0308l Leu<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hinweis: Die Fragen von SlavicumPress setzen einen \u00dcberblick zu Typografie und Schrift voraus, f\u00fcr eventuellen Gebrauch ist daher nachfolgendes, vereinfachtes Glossar angeboten.<\/em><\/p>\n<p><em>Digitale Schriftgiesserei (digital type foundry): Firma, die digital Schriftarten kreiert oder handelt, je nachdem personalisierte typografische Dienstleistungen<\/em><\/p>\n<p><em>Schriftart (typeface): Set von Buchstaben, Nummern und anderen Zeichen in einem bestimmten Stil<\/em><\/p>\n<p><em>Typografie (type design): Gestaltung oder Auswahl von Buchstabenformen um diese in Worten, S\u00e4tzen und Textbl\u00f6cken zu organisieren und anschliessend digital oder im Print zu verwenden Buchstabenschrift: Schriftzeichen stehen f\u00fcr Buchstaben bzw. Laute und werden in Alphabeten zusammengefasst<\/em><\/p>\n<p><em>Silbenschrift: Schriftzeichen stehen f\u00fcr Silben Wortschrift: Schriftzeichen stehen f\u00fcr Worte<\/em><\/p>\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch wurde am 11. April 2024 gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_15478\" aria-describedby=\"caption-attachment-15478\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15478 size-large\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"724\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-768x543.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-2048x1448.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-465x329.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-1-695x491.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15478\" class=\"wp-caption-text\">Typeface GT Eesti kyrillische Buchstaben (Specimen GT Eesti) \u00a9 Noe\u0308l Leu<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.:<\/strong> In meiner Zust\u00e4ndigkeit Fine Arts der Redaktion SlavicumPress freue ich mich sehr, dich zu diesem Gespr\u00e4ch zu begr\u00fcssen und bedanke mich herzlich, dass du unsere Einladung zum Gespr\u00e4ch angenommen hast.<\/p>\n<p>Zwischen 2013 und 2016 waren deine Plakate in der Ausstellung Weltformat \u00fcber Luzerner Plakatdesign in vielen russischen St\u00e4dten zu sehen: Sankt-Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Perm, Jekaterinburg, Krasnojarsk, Kasan, Wladiwostok. Organisatoren waren das Weltformat Grafikdesign Festival, das j\u00e4hrlich in Luzern stattfindet und 2013 das Thema<\/p>\n<p>Russisches Plakatdesign hatte, und die Schweizer Botschaft in Moskau, deren Gastkanton 2013 Luzern war. Die Ausstellung wurde ebenso von ProHelvetia unterst\u00fctzt. Sie war so erfolgreich, dass sie nach Russland zus\u00e4tzlich in Frankreich, Deutschland, China, \u00c4gypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten gezeigt und 2017 mit dem Buch PosterTown gew\u00fcrdigt wurde.<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Ausstellung wurden Veranstaltungen organisiert, ebenso dein Vortrag \u201cSchrift, als M\u00f6glichkeit einer Reise\u201d 2016 in Wladiwostok. Kannst du etwas zum Titel dieses Vortrags sagen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Ich weiss nicht mehr, was ich bei diesem Vortrag genau gesagt habe, aber ich weiss noch, wie es war. Ich erinnere mich an die Studenten in Wladiwostok. Wenn man reist, \u00e4ndern sich die Schriften. Mit einer anderen Sprache \u00e4ndert sich auch deren Visualisierung. Es sind Kulturschocks, wenn man weder lesen noch sprechen kann. Diese Schriften haben ein exotisches Appeal. Es gibt Designer, die denken, dass sie die Buchstaben, die \u00e4hnlich aussehen, einfach spiegeln k\u00f6nnen, aber das geht nicht. Zum Beispiel, wenn sie zwischen kyrillischen und lateinischen Buchstaben einfach die Balken umstellen. Sie beachten nicht die Ideenwelten, die mit den Schriften verbunden sind. Das Kyrillische wirkt archaischer. Als Schweizer erscheint es einem mystisch oder brutalistisch wegen ihrer blockigen Form. Beim Weiterreisen von Wladiwostok nach Japan, nach Korea \u00e4ndert sich typografisch wieder alles. Die Schriften begleiten das Reisen und beeinflussen die Erfahrungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>Das Design einer Schriftart wird zuerst in der Muttersprache kreiert, beispielsweise bei dir in lateinischen Buchstaben. Anschliessend wird die Schriftart, beispielsweise f\u00fcr kyrillische Buchstaben, gesetzt. Was gibt es zu beachten beim Design von Schriftzeichen, die man nicht in der Muttersprache verwendet?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Ein Buchstabe ist nicht nur funktional, es fliessen in ihn Gedanken ein. Man wird in einem typografischen Raum sozialisiert. Darin gibt es viele Konnotationen, irgendwann kennt man sie. W\u00e4hrend du liest, sind Konventionen dabei, es ist angenehm zu lesen. Es ist dieser stetige \u201cFlux\u201d, geschriebene und gesprochene Sprache ver\u00e4ndern sich. Im Deutschen gibt es die Frakturschrift, die sehr schwer zu lesen ist. Fr\u00fcher wurde sie typografisch verwendet, dies erscheint heute komisch sowohl sprachlich als auch schriftlich. Man sollte nicht das Gef\u00fchl haben, dass man das versteht. Es ist extrem schwierig, solche Sprachen zu machen. Ausserdem wird das Kyrillisch oft mit Russisch gleichgesetzt, aber das Kyrillisch wird in verschiedenen L\u00e4ndern in Europa und Asien verwendet. Die Digitalisierung hat zuerst in Nordamerika stattgefunden. Als kyrillische Schriften digital adaptiert wurden, passierte das h\u00e4ufig schnell und ohne das n\u00f6tige Fachwissen. Die Designentscheidung wurde von Designern gemacht, die keine Vertreter des Kulturraums konsultierten. Man soll nicht versuchen, das zu synchronisieren, sondern Schriftgestalter aus dem kulturellen Bereich einbeziehen. Jemanden, der die Schrift versteht. Zum Beispiel das lateinische N und das kyrillische \u0418. Letzteres ist ein anderes Zeichen, das ist nicht gespiegelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>Wenn ich ein Gedicht in deiner Schriftart wiedergebe, kombiniere ich dann zwei Kunstwerke? Spielt es f\u00fcr dich eine Rolle, was mit deinen Schriftarten gemacht wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Ein Gedicht ist Literatur. Was ist eine Schrift? Welche Vergleiche kann man machen? Ich mache immer die Analogie, dass eine Schriftart wie ein Baustoff und ein Grafiker wie ein Architekt sind. Nat\u00fcrlich sind das Vergleiche, die zu kurz greifen. In der Architektur passt es nicht zu der Anmutung, wenn das Material nicht stimmt, aber ein Kontrast kann auch unerwartet sein. Eine Schriftart kann auch als Musikinstrument gesehen werden, zum Beispiel als Violine, oder als die Klangfarbe eines Waldhorns. Wie w\u00fcrde das klingen, das Gedicht in der Klangfarbe eines Waldhorns? Es ist nicht falsch, aber es ist ein Statement. Wenn es dem Gedicht nicht entspricht, entsteht ein Kontrast. Wenn es dem Gedicht entspricht, dann wird es unsichtbar. Der Ausdruck ist ein k\u00fcnstlerischer. Das ist wertneutral, schweizerisch, das Musikinstrument zur Verf\u00fcgung zu stellen. Der, der den Baustoff zur Verf\u00fcgung stellt, tr\u00e4gt keine Verantwortung f\u00fcr das, was sp\u00e4ter mit ihm gemacht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>In einem Interview 2020 mit der Plattform It\u2019s Nice That hast du die Aussage gemacht: \u201cDetails und Konzepte sind beide von grosser Bedeutung, wenn du eine Schriftart gestaltest.\u201d<\/p>\n<p>In meinen k\u00fcnstlerischen Prozessen sind das Konzept der Anfang und das Detail das Ende. Was verstehst du genau unter \u201cDetail\u201d und \u201cKonzept\u201d? Beeinflussen sie sich w\u00e4hrend der Gestaltung einer Schriftart gegenseitig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Kunst und Gestaltung sind verwandt. Ich habe Grafikdesign studiert, ein Teil davon sind Kurse in bildender Kunst. Du hast bildende Kunst studiert, ein Teil davon sind Kurse in Grafikdesign. Grafik kommt aus der Kunst. Ich orientiere mich am russischen Konstruktivismus und Alexander Rodtschenko. Wichtig ist die Idee oder das Konzept und dann kommt die Umsetzung. Nicht nur Buchstaben malen, nicht rein \u00e4sthetisch, nicht nur intuitiv machen! Ich habe eine Idee und es gibt viele Buchstaben. Jeder Buchstabe muss die Idee mittragen. Typefaces bestehen sozusagen aus Miniskulpturen, sequenziellen Skulpturen. Ein Typeface interagiert. Es gibt S\u00e4tze, einen Text, eine Buchseite, ein Buch, eine Makro- und eine Mikroebene. Das Konzeptionelle, das ist ein roter Faden, der \u00fcber allen Entscheidungen steht, alle Entscheidungen und Stilmittel verifiziert. Die Schriftart ist aber nicht \u00fcberall gleich. Das ist die Schweizer modernistische Art von Grafikdesign.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>Anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der Schriftart GT Eesti 2016 hat Grilli Type in Zusammenarbeit mit dem Designb\u00fcro refurnished+ das Holzlegespielzeug Lelu designt und in einer Kleinserie von 250 St\u00fcck produzieren lassen. GT Eesti ist eine Interpretation der Schriftart Zhurnalnaja Rublenaja von 1947 des sowjetischen Grafikdesigners und Typografen Anatolij Vasiljewitsch Schtschukin.<\/p>\n<p>Wenn ich in der bildenden Kunst mit einem Stein arbeite, kann ihn als Skulptur auf einen Sockel oder als Installation in die Mitte des Ausstellungsraums stellen. Es sind zwei verschiedene Kunstwerke. Die schriftlichen Angaben zum Kunstwerk sind sehr wichtig f\u00fcr den Betrachter. Welche Funktion hat das Holzlegespielzeug Lelu im Kontext der Ver\u00f6ffentlichung von GT Eesti?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Das finde ich ein gutes Beispiel mit dem Stein auf dem Sockel. Es ist theoretisch nicht m\u00f6glich, etwas vom Umfeld zu isolieren. Es ist einfach ein Stein in einem Raum. Oder was w\u00e4re, wenn der Ausstellungsraum ein anderer Raum w\u00e4re? Ein Betrachter versteht es \u00fcberall. Wenn der Stein in einem Museum steht, ist das ein Riesenunterschied. Kunst ist das eine, aber ich bin ein Gestalter von Schriften, sie sind ein Werkzeug. Wie kann man das isolieren, objektiv zeigen? Es wird in einem Buch gedruckt oder auf einer Website verwendet. Es geht nicht darum etwas neutral zu zeigen, sondern darum, dem Betrachter zu erm\u00f6glichen, es objektiv und neutral zu beurteilen. Das ist unm\u00f6glich beim Ausstellen, der White Cube funktioniert nicht. Jede Art ver\u00e4ndert, wie etwas repr\u00e4sentiert wird, zum Beispiel in einem Museum. A priori ist es die Art, wie man das anschaut. Es geht nicht darum, etwas neutral zu zeigen, sondern darum, es m\u00f6glichst zu kontextualisieren. Damit der Betrachter das Design verstehen kann, muss man ihm den Kontext mitgeben. Wenn du eine Ausstellung hast und die irgendwo hinstellst, es ist immer deine Geschichte dabei, der Kontext. Der ganze Kontext gibt Wertigkeit. Das Digitale ist zug\u00e4nglicher.<\/p>\n<p>Eine Schriftart ist eine Software, ein Code. Es sind digitale Minisites, Ausstellungssites. Wie gesagt, Schriftarten sind wie ein Baustoff, aus dem man etwas erschaffen, kommunizieren kann. Die Schrift an sich ist ein Kunstwerk. In der Sprache ist das Gedicht ein Kunstwerk. Typografie nur als Werkzeug zu betrachten ist ebenfalls reduktiv. Es ist ein Ausdrucksmittel und hat eine eigene Pers\u00f6nlichkeit. Die Schrift ist der visuelle Kontext des Gedichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>Wenn ich die Diskussionen in der Typografie mitverfolge, wird h\u00e4ufig die Lesbarkeit angesprochen. Was sagst du zu diesem Thema?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>N.L.: <\/strong>Das ist kompliziert, aber ich versuche es so einfach zu sagen, wie ich kann. In den Forschungen zur Lesbarkeit, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe, wurde der Lesevorgang untersucht. Dabei wird unterschieden zwischen der Sprache, zum Beispiel Englisch, und der F\u00e4higkeit, die spezifischen Buchstaben zu erkennen. Lesbarkeit als Zeichen, die unterschiedlich und \u00e4hnlich sind. Der Buchstabe C sieht aus wie O, aber er hat eine L\u00fccke. C und O sind nur lesbar, wenn sie unterscheidbar sind. Aber du liest nicht einzelne Buchstaben, sondern Bl\u00f6cke, Wortbilder, fliessende Sprache. Es geht um Sprache und Bedeutung. Wenn du ein neues Alphabet lernst, liest du jeden Buchstaben einzeln um das Wort zusammenzusetzen. Wortbilder zusammenzusetzen gibt die Idee von Lesbarkeit. Ausserdem gibt es die Kunden. Wenn es die lesbarste Schrift g\u00e4be, g\u00e4be es nur eine einzige Schrift. Schrift ist ein Werkzeug, eine Technik, ein Designobjekt, ein Ausdruck von Menschlichkeit, von unseren Ambitionen. Lesbarkeit existiert nicht. Lesbarkeit ist ein Ausdruck vom Menschsein. Ansonsten w\u00fcrden wir schon l\u00e4ngst im Bin\u00e4rcode miteinander kommunizieren. Sprache ist ein Chaos, das nur noch gr\u00f6sser wird. Es gibt Redundanzen, Akzente, Klein-und Grossbuchstaben, mehrere Schriftebenen. Im r\u00f6mischen Reich waren Grossbuchstaben wichtig, da sie sich von Hand zeichnen liessen. Die Gross-und Kleinschreibung ist im kyrillischen und griechischen Alphabet enthalten, aber heute redundant.<\/p>\n<p>Die Verwendung von drei beziehungsweise vier verschiedenen Schriftebenen im Japanisch hat ebenfalls lange historische Gr\u00fcnde. Beim kyrillischen Alphabet ist dazu spannend, dass Kleinbuchstaben n\u00e4her an Grossbuchstaben sind. Ausserdem sehen Handschrift und Buchdruck auf der Basis dieses einen Alphabetes aus, als seien es zwei Alphabete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E.O.: <\/strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_15482\" aria-describedby=\"caption-attachment-15482\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15482 size-large\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-1024x717.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"717\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-1024x717.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-300x210.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-768x538.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-1536x1075.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-465x326.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2-695x487.jpg 695w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/files\/2024\/07\/Noel-Leu-2.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15482\" class=\"wp-caption-text\">Typeface GT Eesti Poster \u00a9 Noe\u0308l Leu<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Interview and article by: <span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/emily-%d0%bc-orlet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Emily \u041cagdalena Orlet<\/strong><\/a><\/span>, At Malm\u00f6 Art Academy \/ Lund University<\/p>\n<p>Illustrations by: \u00a9 <span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/slavicumpress\/tag\/noel-leu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>No\u0451l Leu<\/strong><\/a><\/span>, Zurich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Edited by: Juliana Wiemer, University of Konstanz and Olga Burenina-Petrova, University of Zurch &amp; University of Konstanz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Grafikdesigner und Typograf ist No\u00ebl Leu international erfolgreich. 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