{"id":3266,"date":"2022-02-24T10:00:00","date_gmt":"2022-02-24T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/?p=3266"},"modified":"2022-02-24T12:19:32","modified_gmt":"2022-02-24T12:19:32","slug":"frauen-konsumieren-in-zellophan-oder-lieber-ohne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/frauen-konsumieren-in-zellophan-oder-lieber-ohne\/","title":{"rendered":"Frauen konsumieren: In Zellophan \u2013\u00a0oder lieber ohne?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>Als Zellophan 1908 als erste transparente Verpackungsfolie auf den Markt kommt, ver\u00e4ndert dies den Frischwarenhandel f\u00fcr immer: Pl\u00f6tzlich k\u00f6nnen Waren wie Fleisch, K\u00e4se, Gem\u00fcse, S\u00fcssigkeiten, Zigaretten oder Frauen verpackt frisch gehalten und zugleich auf ihre Qualit\u00e4t hin \u00fcberpr\u00fcft werden \u2026 Moment, Frauen als in Zellophan verpackte Ware?! \u201eWieso eigentlich nicht?\u201c muss sich 1952 die Kopenhagener Revue-Show <em>Piger i cellofan <\/em>(<em>M\u00e4dchen in Zellophan<\/em>)<strong><strong><strong> <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><strong><strong>gesagt haben, woraufhin die d\u00e4nische Autorin Tove Ditlevsen in ihrer Kolumne prompt \u201aPiger uden cellofan\u2018 (\u201aM\u00e4dchen ohne Zellophan\u2018) titelte und damit eine eigentliche Abhandlung dar\u00fcber vorlegte, wie \u201aWeiblichkeit\u2018 (gendertheoretisch verstanden als Konstrukt soziokultureller Praktiken und subjektiver Zuschreibungen) im D\u00e4nemark der 1950er-Jahre \u00fcber Konsumdispositive (re)produziert wurde.<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie es genau dazu kam, dass die damals bereits etablierte und bis heute gefeierte Tove Ditlevsen (eben schaffte es ihre 2019 neu verlegte&nbsp;<em>Kopenhagen Trilogie&nbsp;<\/em>auf die Liste der&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/11\/30\/books\/review\/best-books-2021.html\" target=\"_blank\"><em>10 Best Books of 2021&nbsp;<\/em>der&nbsp;<em>New York Times<\/em><\/a>) \u00fcber die&nbsp;<em>cellophan-piger<\/em>&nbsp;(Zellophan-M\u00e4dchen)<sup><a href=\"#footnote_1_3266\" id=\"identifier_1_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Alle &Uuml;bersetzungen in diesem Beitrag sind von mir, Eliane Jaberg.\">1<\/a><\/sup> schrieb, daran mag sich der Journalist Erik N\u00f8rgaard, der in seiner Autobiografie&nbsp;<em>Gyldne Tider&nbsp;<\/em>(1998;&nbsp;<em>Goldene Zeiten<\/em>) von Revue-Show und Kolumne berichtet, nicht mehr recht erinnern. Wohl lag es daran, dass die Absatzzahlen der Tageszeitung&nbsp;<em>Informationen<\/em>, f\u00fcr welche N\u00f8rgaard als Redakteur und Ditlevsen als Kolumnistin arbeitete, mit jedem weiteren Artikel \u00fcber die \u201aZellophan-M\u00e4dchen\u2018 in die H\u00f6he schnellten.<sup><a href=\"#footnote_2_3266\" id=\"identifier_2_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"N&oslash;rgaard, Erik. Gyldne tider. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 70.\">2<\/a><\/sup>&nbsp;Dies wenig \u00fcberraschend, zumal die jungen Frauen im dereinstigen Kopenhagener Revue-Theater&nbsp;<em>Parisienne&nbsp;<\/em>allabendlich nackt in nichts als Zellophan geh\u00fcllt auftraten, was offenbar hinreichend daf\u00fcr war, die damalige Gesellschaft aufzuscheuchen. Denn diese lebte \u2013 wie N\u00f8rgaard betont \u2013 noch immer \u201amit grossem Nachholbedarf in Bezug auf Tabus, moralische Verurteilungen und Strafverfolgungen, sofern sich jemand zu viel erotischen Realismus erlaubte\u2018.<sup><a href=\"#footnote_3_3266\" id=\"identifier_3_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 64: &bdquo;I 50&rsquo;erne levede vi endnu med store eftersl&aelig;b af tabuer, moralsk ford&oslash;mmelse og straffelovsforf&oslash;lgelser, hvis nogen dristede sig til for megen erotisk realisme.&ldquo; (In den 50ern lebten wir noch immer mit grossem Nachholbedarf in Bezug auf Tabus, moralische Verurteilungen und Strafverfolgungen, sofern sich jemand zu viel erotischen Realismus erlaubte).\">3<\/a><\/sup>&nbsp;Doch als Ditlevsens Kolumne am 14. Februar 1953 erscheint, enerviert sich die Autorin darin nicht im Geringsten \u00fcber die nackten M\u00e4dchen, von denen einige doch gar minderj\u00e4hrig waren. Stattdessen kritisiert sie lediglich die \u00dcberredungsk\u00fcnste von Werbeindustrie und Frauenpresse \u2013 ein damals bereits wenig bahnbrechendes Thema, so N\u00f8rgaard, das der&nbsp;<em>Informationen-<\/em>Leserschaft eigentlich wohlbekannt gewesen sei.<sup><a href=\"#footnote_4_3266\" id=\"identifier_4_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 79.\">4<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ -->\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/filmcentralen.dk\/embed\/28374\/9024\" width=\"75%\" height=\"500\" scrolling=\"yes\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe>\n\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-image\"><sub>Weiblicher K\u00f6rper vorgef\u00fchrt: Junge Frauen bewerben sich 1951 um ein Engagement in einer Sommer-Revue (Quelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/filmcentralen.dk\/museum\/danmark-paa-film\/film\/politikens-filmjournal-087\" target=\"_blank\"><em>filmcentralen.dk<\/em><\/a><em>, <\/em>Stand: 27.01.2022).<\/sub><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"zellophanfrei-und-doch-kommodisiert\"><strong>Zellophanfrei und doch kommodisiert<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Der Autorin ging es mit der Kolumne, die uns heute als Teil der Essay-Sammlung <em>Flugten fra opvasken <\/em>(1959; <em>Flucht vorm Abwasch<\/em>) vorliegt, offensichtlich nicht darum, einen journalistischen Primeur zu landen. Vielmehr scheint, dass Ditlevsen die polemische Debatte um die <em>piger i cellofan<\/em> durch eine durchaus provokative Viktimisierung der <em>piger uden cellofan<\/em> herausfordern wollte. Die \u201abemitleidenswerten verheirateten Frauen\u2018 jedenfalls identifizierte sie als Opfer von Werbung und Frauenpresse, welche Anforderungen an jene stellen w\u00fcrden, denen kein Mensch gerecht werden k\u00f6nne. Niemand k\u00f6nne gleichzeitig T\u00f6pfe schrubben, Windeln waschen, perfektes Essen kochen, liebende Mutter und attraktive, konkurrenzf\u00e4hige Ehefrau sein und sich dar\u00fcber hinaus \u00fcber s\u00e4mtliche neuesten Cr\u00e8mes, Masken und Gummihandschuhe informieren.<sup><a href=\"#footnote_5_3266\" id=\"identifier_5_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ditlevsen, Tove. &bdquo;Piger uden Cellofan. Fra titlen p&aring; en Lommer-revy.&ldquo; Flugten fra opvasken, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 19f.\">5<\/a><\/sup> Niemand, ausser jenes Individuum vielleicht, das der Konsumkulturforscher Stuart Ewen als <em>commodity self<\/em> bezeichnet. Stuart referiert mit diesem Begriff auf eine Pers\u00f6nlichkeitskonzeption, welche die Werbeindustrie in den 1920er-Jahren vom sozialpsychologischen Konzept des <em>social self<\/em> \u00fcbernommen h\u00e4tte, doch w\u00e4hrend das Selbstbild des <em>social self<\/em> definiert werde \u201ein terms set by the approval or disapproval of others\u201c<sup><a href=\"#footnote_6_3266\" id=\"identifier_6_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ewen, Stuart.&nbsp;Captains of Consciousness: Advertising and the Social Roots of the Consumer Culture.&nbsp;25th&nbsp;anniversary edition. BasicBooks, 2001 (1976), S. 179.\">6<\/a><\/sup> , beurteile das <em>commodity self<\/em> jeden K\u00f6rperzentimeter hinsichtlich seiner Optimierbarkeit durch etwaige k\u00e4ufliche Produkte.<sup><a href=\"#footnote_7_3266\" id=\"identifier_7_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 47.\">7<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201aproduktoptimierte\u2018 Hausfrau als tr\u00fcgerisches Idealbild d\u00e4nischer Weiblichkeit in den 1950er-Jahren also? Das mag angesichts des heutigen d\u00e4nischen Selbstverst\u00e4ndnisses punkto Fragen geschlechtlicher Gleichstellung \u00fcberraschen. Allerdings zeigt sich auch D\u00e4nemark in den 1950er-Jahren regressiver als <em>a priori <\/em>vielleicht erwartet, wobei die <em>kernefamilie<\/em> (Kernfamilie) der familienpolitische Schl\u00fcsselbegriff und die <em>hjemmeg\u00e5ende husmor<\/em> (nicht arbeitende Hausfrau) das weibliche Ideal der Zeit war. Frauen traten in den 1950er-Jahren zahlreich aus dem Arbeitsmarkt aus, um sich um Haushalt, Mann und Kind zu k\u00fcmmern.<sup><a href=\"#footnote_8_3266\" id=\"identifier_8_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. hierzu u. a. S&oslash;rensen, Anna. &bdquo;Efterkrigstiden, 1945&ndash;1973. Kulturelle og sociale opbrud.&ldquo; danmarkshistorien.dk Aarhus Universitet, 2020,&nbsp;https:\/\/danmarkshistorien.dk\/perioder\/efterkrigstiden-1945-1973\/kulturelle-og-sociale-opbrud\/. Stand: 05.01.2022.\">8<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-1024x693.jpeg\" alt=\"Nilfisk Reklame\" class=\"wp-image-3382\" width=\"768\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-1024x693.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-300x203.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-768x520.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-1536x1040.jpeg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/SadHousewife-2048x1386.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption><sup>Grund zu l\u00e4cheln hat die d\u00e4nische Hausfrau nur mit einem Staubsauger von <em>Nilfisk<\/em> (Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:Nilfisk_vacuum_cleaners?uselang=de#\/media\/File:SadHousewife.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nilfisk\/Wikimedia Commons<\/a>, lizenziert unter CC-BY-SA 3.0). <\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Daraus schlug nicht zuletzt die zu jener Zeit aufkommende Industrie der Haushaltstechnisierung Profit, welche die Hausfrauen als prim\u00e4re Kundinnen erkannte und moderne Haushaltsger\u00e4te in einer Art des fr\u00fchen <em>femwashing<\/em><sup><a href=\"#footnote_9_3266\" id=\"identifier_9_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Der Begriff&nbsp;femwashing&nbsp;(ebenso:&nbsp;femvertising;&nbsp;purplewashing) leitet sich vom Engl.&nbsp;whitewashing&nbsp;ab und wird heute oft beigezogen, wenn Firmen feministische Forderungen &uuml;ber Marketing kapitalisieren. Dabei wird etwa suggeriert, dass sich geschlechtliche Gleichstellung &uuml;ber den Konsum dieses oder jenes Produkts erreichen l&auml;sst, bzw. dass dieses oder jenes Produkt f&uuml;r feministische Botschaften steht. Analog spricht man von&nbsp;greenwashing&nbsp;oder&nbsp;pinkwashing, wenn sich eine Firma in der Werbung umweltbewusster beziehungsweise LGBTQIA*-freundlicher darstellt, als sie es wom&ouml;glich ist (vgl. Urban Dictionary, Urban Dictionary, 2017,&nbsp;https:\/\/www.urbandictionary.com\/define.php?term=femwashing. Stand: 08.02.2022).\">9<\/a><\/sup> werberisch verkaufte als lang ersehnten Befreiungsschlag von der erm\u00fcdenden Hausarbeit.<sup><a href=\"#footnote_10_3266\" id=\"identifier_10_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Zu diesem Schluss kam allerdings nicht nur die Werbeindustrie. Die schwedische Soziologin Alva Myrdal etwa untersuchte zusammen mit der &Ouml;sterreicherin Viola Klein in den 1950er-Jahren die Doppelrolle der Frau in Familie und Beruf, wobei sie die Haushaltstechnisierung als Chance erkannten, Berufsalltag und Hausarbeit unter einen Hut zu bekommen. Vgl.: Klein, Viola und Alva Myrdal:&nbsp;Kvinnans tv&aring; roller.&nbsp;Originalets titel: Women&rsquo;s two roles. &Ouml;vers&auml;ttning av James R&ouml;ssel. Barn&auml;ngens Tryckerier AB, 1957.\">10<\/a><\/sup> Dem Staubsauger sei Dank <em>quasi <\/em>hatte die Hausfrau endlich Zeit, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu k\u00fcmmern. Und das war, um es in den Worten des Ratgebers <em>Vi unge p\u00e5 fyrre <\/em>(1957; <em>Wir jungen Leute in den Vierzigern<\/em>) der d\u00e4nischen Journalistin und \u201aSch\u00f6nheitsexpertin\u2018 Olga Golb\u00e6k auszudr\u00fccken, die Pflege der eigenen Sch\u00f6nheit \u2013 des einzigen Garanten der Ehefrau, ihren Ehemann an sich zu binden. Denn etwas vom gef\u00e4hrlichsten und tragischsten sei es, so Golb\u00e6k, wenn ein Mann sich weiterentwickle, w\u00e4hrend seine Frau nur an Haushalt und Kinder denke und daher \u2013 zurecht (!) \u2013 verlassen werde f\u00fcr eine J\u00fcngere, H\u00fcbschere, Intelligentere.<sup><a href=\"#footnote_11_3266\" id=\"identifier_11_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Golb&aelig;k schreibt dazu: &bdquo;Hans position nu kr&aelig;ver, mener han &ndash; og oftest med rette &ndash; at han skal have en kone, der ikke bare kan holde hjem og b&oslash;rn i orden rene, men som samtidig er en str&aring;lende v&aelig;rtinde, en velplejet og intelligent kvinde, der beundrer og tager sig af ham, og ikke bare en, som lever i skyggen af b&oslash;rn og reng&oslash;ring.&ldquo; (Seine Position erfordert es nun, so glaubt er &ndash; und meist zurecht &ndash; dass er eine Frau haben m&uuml;sse, die sich nicht nur um Haus und Kinder zu k&uuml;mmern wisse, sondern die zugleich eine strahelnde Gastgeberin sei, eine gepflegte und intelligente Frau, die ihn bewundert und sich um ihn k&uuml;mmert und nicht nur eine, die im Schatten der Kinder und des Putzens lebt.) Vgl. Golb&aelig;k, Olga.&nbsp;Vi unge p&aring; fyrre. Vejledning i at bevare eller eventuelt genvinde sin ungdommelighed.&nbsp;Martins Forlag, 1957; zitiert nach: M&oslash;rch, S&oslash;ren.&nbsp;Den ny Danmarkshistorie 1880&ndash;1960. Nordisk Forlag A.S., 1982, S. 315.\">11<\/a><\/sup> Tats\u00e4chlich hing in jener Zeit nichts Geringeres als die Existenz der erwerbslosen Hausfrau davon ab, ob sie die Liebe ihres Mannes zu erhalten vermochte, denn Letzterer war es, welcher der Hausfrau als alleiniger Versorger ein Auskommen sicherte.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings: \u201e[E]n mands k\u00e6rlighed er ikke nogen selvf\u00f8lge, den skal erobres hver dag!\u201c<sup><a href=\"#footnote_12_3266\" id=\"identifier_12_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ditlevsen, Tove. &bdquo;Piger uden Cellofan. Fra titlen p&aring; en Lommer-revy.&ldquo;&nbsp;Flugten fra opvasken, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 21.\">12<\/a><\/sup> (Die Liebe eines Mannes ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sie muss jeden Tag erobert werden!). Und der in der Frauenpresse beschriebene Ehemann jener Zeit verortete \u2013 \u201ei vane med kun at betragte sin kone som en stedsevarende syns- og sanselyst\u201c<sup><a href=\"#footnote_13_3266\" id=\"identifier_13_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 21. Ich danke Caroline Ballebye S&oslash;rensen f&uuml;r die beratende Unterst&uuml;tzung hinsichtlich dieser &Uuml;bersetzung.\">13<\/a><\/sup> (in der Gewohnheit, seine Frau lediglich als Augenweide wahrzunehmen und sie mit Wolllust zu betrachten) \u2013 seine Angetraute nicht etwa als Mensch in einer sozialen Beziehung zu ihm. Viel eher erachtete er sie als Ware in einer Sph\u00e4re, in welcher die Regeln des Konsums herrschten und er als Konsument stets das in allen Belangen attraktivste Produkt ausw\u00e4hlte.<sup><a href=\"#footnote_14_3266\" id=\"identifier_14_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 21.\">14<\/a><\/sup> Wenn Ditlevsen die verheirateten Hausfrauen als <em>piger uden cellofan <\/em>im Titel ihrer Kolumne also zun\u00e4chst dem Zellophan entledigt und sie damit gegen\u00fcber den <em>piger i cellofan <\/em>symbolisch entkommodisiert, dann offensichtlich nur deswegen, um in der Folge der Kolumne ihre eigentliche \u2013 zellophanfreie zwar, allerdings nicht weniger perfide \u2013 Kommodisierung aufzuzeigen, welche von Frauenpresse und Werbung propagiert wurde und sich zwangsl\u00e4ufig mit der Position der erwerbslosen Gattin in der Versorgerehe verband.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<!-- iframe plugin v.6.0 wordpress.org\/plugins\/iframe\/ -->\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/filmcentralen.dk\/embed\/15568\/9024\" width=\"75%\" height=\"500\" scrolling=\"yes\" class=\"iframe-class\" frameborder=\"0\"><\/iframe>\n\n\n\n\n<p><sup>Die \u201aneue Frau\u2018 definiert sich 1957 in einer Kampagne der Frauenzeitschrift <em>Femina <\/em>und des Warenhauses <em>Magasin du Nord <\/em>\u00fcber ihre Art zu konsumieren \u2013&nbsp;etwa durch den Kauf des richtigen Korsetts (Quelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/filmcentralen.dk\/museum\/danmark-paa-film\/film\/bliv-en-ny-kvinde\" target=\"_blank\"><em>filmcentralen.dk<\/em><\/a><em>, <\/em>Stand: 27.01.2022).<\/sup><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"selbstermachtigt-trotz-zellophan\">Selbsterm\u00e4chtigt trotz Zellophan?<\/h4>\n\n\n\n<p>Und wo bleiben bei Ditlevsen die <em>cellofan-piger <\/em>und deren betonter Warencharakter? Ditlevsen erw\u00e4hnt jene, die eigentlich Ausgangspunkt der Kolumne h\u00e4tten sein sollen, lediglich am Ende in einer scheinbaren Randnotiz:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Nutidens kvinder [husm\u00f8der] kan nu engang ikke klare sig ved at v\u00e6re glamourgirls. Det m\u00e5 vi overlade til dem, hvis erhverv det er, og p\u00e5 det felt betragte \u201apigerne i cellofan\u2018 med samme respekt, vi f\u00f8ler for alle kvinder og m\u00e6nd, der alt efter evner og anl\u00e6g m\u00e5 tjene f\u00f8den til sig selv og deres familie.<sup><a href=\"#footnote_15_3266\" id=\"identifier_15_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ebd., S. 25.\">15<\/a><\/sup><\/p><p>(Die heutigen Frauen [Hausfrauen] schaffen es nun mal nicht, Glamourgirls zu sein. Das m\u00fcssen wir jenen \u00fcberlassen, deren Beruf es ist, und auf diesem Feld den \u201aM\u00e4dchen in Zellophan\u2018 mit demselben Respekt begegnen, den wir f\u00fcr alle Frauen und M\u00e4nner versp\u00fcren, die je nach F\u00e4higkeit und Neigung den Lebensunterhalt f\u00fcr sich und f\u00fcr ihre Familien verdienen m\u00fcssen.)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit dieser pointierten Schlussfolgerung entlarvte Ditlevsen damals wohl nicht nur die Doppelmoral N\u00f8rgaards, der die Kolumne in seiner Autobiografie abschliessend selbstkritisch kommentierte mit \u201eTove delte alts\u00e5 ikke min hykleriske forargelse\u201c<sup><a href=\"#footnote_16_3266\" id=\"identifier_16_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"N&oslash;rgaard, Erik.&nbsp;Gyldne tider. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 79.\">16<\/a><\/sup> (Tove teilte meine heuchlerische Emp\u00f6rung demnach nicht). Heute scheint sie \u00fcberdies implizit auch unsere konsumkulturtheoretische Warte aufzufordern, abermals \u00fcber die <em>prima vista <\/em>so eindeutig geglaubte Position der <em>cellofan-piger<\/em> nachzudenken. Zweifellos spielte die Revue mit der waren\u00e4hnlichen Rolle der Frau im Rahmen solcher Shows, wobei die <em>cellofan-piger <\/em>ihre eigentliche Kommodisierung gar performativ vorf\u00fchrten, indem sie sich in Zellophan wickeln und sich so auf eine Ebene mit k\u00e4uflichen Produkten setzen liessen. Dabei ist nicht von der Hand zu weisen, dass die ausgestellte Nacktheit die jungen Frauen in die N\u00e4he von Sexarbeiterinnen brachte; Antonia Wagner, die sich in <em>Feminismus und Konsum <\/em>(2020) mitunter mit weiblichen Archetypen in Konsumgesellschaften besch\u00e4ftigt, stellt f\u00fcr den Typ der Sexarbeiterin fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn eine Frau sich [\u2026] ihres K\u00f6rpers bedient, um zu \u00fcberleben und Geld zu verdienen, steht sie im Verdacht, Opfer von Lebensumst\u00e4nden zu sein, gegen die sie sich nicht wehren kann. [\u2026] Zwar verf\u00fcgt sie \u00fcber den ihr gegebenen K\u00f6rper und macht ihn zum Werkzeug ihrer Dienstleistungen, doch wird dieser Perspektive entgegengehalten\u201a dass [die Frau] dies nicht aus \u201afreier Wahl\u2018, sondern aus \u00f6konomischem oder sozialem Zwang tut. Aus dieser Perspektive wird sie zu einem passiven Opfer.<sup><a href=\"#footnote_17_3266\" id=\"identifier_17_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Wagner, Antonia.&nbsp;Feminismus und Konsum. arthistoricum.net, 2020, S. 44.\">17<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Halten wir uns vor Augen, dass Ditlevsens Kolumne beginnt mit \u201e[d]en stakkels gifte kvinde [\u2026] har brug for al vor medf\u00f8lelse\u201c<sup><a href=\"#footnote_18_3266\" id=\"identifier_18_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ditlevsen, Tove. &bdquo;Piger uden Cellofan. Fra titlen p&aring; en Lommer-revy.&ldquo;&nbsp;Flugten fra opvasken, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 19.\">18<\/a><\/sup> (die arme verheiratete Frau [\u2026] ben\u00f6tigt all unser Mitgef\u00fchl), dann scheint nun nicht l\u00e4nger zuf\u00e4llig, dass Ditlevsen die Situation <em>quasi <\/em>verkehrt und nicht die <em>piger<\/em> <em>i<\/em>, sondern jene <em>uden<\/em> <em>cellofan<\/em> als Opfer ihrer Umst\u00e4nde identifiziert. Dass Ditlevsen \u00fcberdies viel daran lag, so N\u00f8rgaard, sicherzustellen, dass es sich bei den Zellophan-M\u00e4dchen gerade nicht um ,erb\u00e4rmliche arme Dinger\u2018 handelte,<sup><a href=\"#footnote_19_3266\" id=\"identifier_19_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"N&oslash;rgaard, Erik.&nbsp;Gyldne tider. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 76.\">19<\/a><\/sup> scheint zudem darauf hinzuweisen, dass sie die jungen M\u00e4dchen und Frauen eben nicht f\u00fcr bemitleidenswerte Opfer hielt, sondern viel eher als Individuen akzeptierte, die ihren Lebensunterhalt den eigenen \u201aF\u00e4higkeit und Veranlagung\u2018 gem\u00e4ss bestritten. Denn im Gegensatz zu den <em>piger uden cellofan<\/em>, die durch gesellschaftliche Umst\u00e4nde gezwungen waren, sich zu kommodisieren, taten es die <em>piger i cellofan<\/em>, so scheint Ditlevsen zu implizieren, aus freien St\u00fccken: Sie monetarisierten ihr erotisches Kapital bewusst, was sie nicht unterdr\u00fcckte, sondern ihre Selbsterm\u00e4chtigung erst erm\u00f6glichte. Dabei, so zeigt nun eben der abermalige Blick, kommt dem Zellophan gar eine doppelte Funktion zu. Denn wie bisher angenommen, verpackte es nicht nur vermeintlich verk\u00e4ufliche Ware, sondern es stellte mit dem nackten weiblichen K\u00f6rper auch einen Inbegriff des Tabus aus. Das Zellophan wird so zur H\u00fclle, die weibliche Nacktheit erst erm\u00f6glicht und sie in einer Zeit des geschlechterpolitischen R\u00fcckschritts in ihrer ganzen Sichtbarkeit \u201abefreit\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/12573562-01magglkbh010316jpg-1024x576.jpeg\" alt=\"Revy i Zigeunerhalle i 1953\" class=\"wp-image-3364\" width=\"768\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/12573562-01magglkbh010316jpg-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/12573562-01magglkbh010316jpg-300x169.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/12573562-01magglkbh010316jpg-768x432.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/files\/2022\/01\/12573562-01magglkbh010316jpg.jpeg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption><sup>Sch\u00f6nheitswettbewerb im Revue-Theater <em>Zigeunerhalle, <\/em>dem sp\u00e4teren <em>Parisienne <\/em>(Quelle: Kay Nielsen und Herluf Stockholm\/<em>K\u00f8benhavnerliv F\u00f8r og Nu <\/em>1953; unter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.berlingske.dk\/kultur\/noegenteatret-blev-en-korsetfabrik\" target=\"_blank\"><em>berlingske.dk<\/em><\/a>, Stand: 27.01.2022).<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>All dem k\u00f6nnte (oder m\u00fcsste wohl) entgegengehalten werden, dass die eventuell prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse der Frauen nicht um der vermeintlichen Selbsterm\u00e4chtigung Willen idealisiert werden sollten. Doch es ging und geht mir hier selbstredend nicht darum, den <em>cellofan-piger<\/em> sowas wie ein unbedingtes feministisches Potential zu attestieren. Vielmehr wollte ich aufzuzeigen, dass Ditlevsen mit \u201aPiger uden cellofan\u2018 bereits 1953 einen bis heute fast vergessenen Text vorlegte, der seiner Zeit mitunter weit voraus erkannte,<sup><a href=\"#footnote_20_3266\" id=\"identifier_20_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ditlevsen nimmt in ihrem Essay nicht nur diverse Aspekte von Betty Friedans feministischem Standardwerk&nbsp;The Feminine Mystique&nbsp;(1963) und damit wesentliche Argumente der Zweiten Frauenbewegung vorweg, sondern st&ouml;sst ein Nachdenken &uuml;ber den nackten weiblichen K&ouml;rper an, das mitunter voraus weist auf die aktuelle Dritte Frauenbewegung. Dies aufzuzeigen w&auml;re allerdings einen Essay f&uuml;r sich. F&uuml;r ein erstes Nachdenken dar&uuml;ber empfehle ich die Lekt&uuml;re von Ditlevsens Essay sowie einen Beitrag der Soziologin Lydia Martens, in welchem&nbsp;The Feminine Mystique&nbsp;verglichen wird mit&nbsp;Women&rsquo;s Two Roles&nbsp;(1956) von Alva Myrdal und Viola Klein (vgl. Martens, Lydia. &bdquo;Feminism and the Critique of Consumer Culture.&ldquo;&nbsp;Domesticity and Popular Culture&nbsp;hrsg. von Stacey Gillis und Joanne Hollows, Routledge, 2009, S. 33&ndash;47). Hinsichtlich j&uuml;ngerer Forderungen u. a. im Zuge der Dritten Frauenbewegung finden sich interessante &Uuml;berlegungen in Xenia Nguyens Beitrag auf diesem Blog.\">20<\/a><\/sup> dass Konsum \u2013 wie Wagner schreibt \u2013 f\u00fcr Frauen immer beides sein kann, ein Akt der Einschr\u00e4nkung und einer der Emanzipation, und dass sich weibliche Identit\u00e4ten in Konsumgesellschaften in diesem Spannungsfeld entwickeln.<sup><a href=\"#footnote_21_3266\" id=\"identifier_21_3266\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Wagner, Antonia.&nbsp;Feminismus und Konsum.&nbsp;arthistoricum.net, 2020, S. 42.\">21<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Titelbild des Beitrags entstammt einer Kampagne um Lohngleichheit des d\u00e4nischen Arbeiterinnenverbandes aus dem Jahr 1973 (Quelle: <a href=\"https:\/\/danmarkshistorien.dk\/vis\/materiale\/kvindekamp-og-koensroller-1960-1985-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">danmarkshistorie.dk<\/a>; Stand: 27.01.2020).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-default\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"bibliographie\">Bibliographie<\/h4>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_3266\" class=\"footnote\">Alle \u00dcbersetzungen in diesem Beitrag sind von mir, Eliane Jaberg.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_3266\" class=\"footnote\">N\u00f8rgaard, Erik. <em>Gyldne tider<\/em>. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 70.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 64: \u201eI 50\u2019erne levede vi endnu med store eftersl\u00e6b af tabuer, moralsk ford\u00f8mmelse og straffelovsforf\u00f8lgelser, hvis nogen dristede sig til for megen erotisk realisme.\u201c (In den 50ern lebten wir noch immer mit grossem Nachholbedarf in Bezug auf Tabus, moralische Verurteilungen und Strafverfolgungen, sofern sich jemand zu viel erotischen Realismus erlaubte).<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 79.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_5_3266\" class=\"footnote\">Ditlevsen, Tove. \u201ePiger uden Cellofan. Fra titlen p\u00e5 en Lommer-revy.\u201c <em>Flugten fra opvasken<\/em>, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 19f.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_5_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_6_3266\" class=\"footnote\">Ewen, Stuart.\u00a0<em>Captains of Consciousness: Advertising and the Social Roots of the Consumer Culture.<\/em>\u00a025<sup>th<\/sup>\u00a0anniversary edition. BasicBooks, 2001 (1976), S. 179.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_6_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_7_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 47.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_7_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_8_3266\" class=\"footnote\">Vgl. hierzu u. a. S\u00f8rensen, Anna. \u201eEfterkrigstiden, 1945\u20131973. Kulturelle og sociale opbrud.\u201c danmarkshistorien.dk Aarhus Universitet, 2020,<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/danmarkshistorien.dk\/perioder\/efterkrigstiden-1945-1973\/kulturelle-og-sociale-opbrud\/\" target=\"_blank\">&nbsp;https:\/\/danmarkshistorien.dk\/perioder\/efterkrigstiden-1945-1973\/kulturelle-og-sociale-opbrud\/<\/a>. Stand: 05.01.2022.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_8_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_9_3266\" class=\"footnote\">Der Begriff&nbsp;<em>femwashing&nbsp;<\/em>(ebenso:&nbsp;<em>femvertising<\/em>;&nbsp;<em>purplewashing<\/em>) leitet sich vom Engl.&nbsp;<em>whitewashing&nbsp;<\/em>ab und wird heute oft beigezogen, wenn Firmen feministische Forderungen \u00fcber Marketing kapitalisieren. Dabei wird etwa suggeriert, dass sich geschlechtliche Gleichstellung \u00fcber den Konsum dieses oder jenes Produkts erreichen l\u00e4sst, bzw. dass dieses oder jenes Produkt f\u00fcr feministische Botschaften steht. Analog spricht man von&nbsp;<em>greenwashing&nbsp;<\/em>oder&nbsp;<em>pinkwashing<\/em>, wenn sich eine Firma in der Werbung umweltbewusster beziehungsweise LGBTQIA*-freundlicher darstellt, als sie es wom\u00f6glich ist (vgl. Urban Dictionary, Urban Dictionary, 2017,&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.urbandictionary.com\/define.php?term=femwashing\" target=\"_blank\">https:\/\/www.urbandictionary.com\/define.php?term=femwashing<\/a>. Stand: 08.02.2022).<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_9_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_10_3266\" class=\"footnote\">Zu diesem Schluss kam allerdings nicht nur die Werbeindustrie. Die schwedische Soziologin Alva Myrdal etwa untersuchte zusammen mit der \u00d6sterreicherin Viola Klein in den 1950er-Jahren die Doppelrolle der Frau in Familie und Beruf, wobei sie die Haushaltstechnisierung als Chance erkannten, Berufsalltag und Hausarbeit unter einen Hut zu bekommen. Vgl.: Klein, Viola und Alva Myrdal:&nbsp;<em>Kvinnans tv\u00e5 roller.&nbsp;<\/em>Originalets titel: Women\u2019s two roles. \u00d6vers\u00e4ttning av James R\u00f6ssel. Barn\u00e4ngens Tryckerier AB, 1957.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_10_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_11_3266\" class=\"footnote\">Golb\u00e6k schreibt dazu: \u201eHans position nu kr\u00e6ver, mener han \u2013 og oftest med rette \u2013 at han skal have en kone, der ikke bare kan holde hjem og b\u00f8rn i orden rene, men som samtidig er en str\u00e5lende v\u00e6rtinde, en velplejet og intelligent kvinde, der beundrer og tager sig af ham, og ikke bare en, som lever i skyggen af b\u00f8rn og reng\u00f8ring.\u201c (Seine Position erfordert es nun, so glaubt er \u2013 und meist zurecht \u2013 dass er eine Frau haben m\u00fcsse, die sich nicht nur um Haus und Kinder zu k\u00fcmmern wisse, sondern die zugleich eine strahelnde Gastgeberin sei, eine gepflegte und intelligente Frau, die ihn bewundert und sich um ihn k\u00fcmmert und nicht nur eine, die im Schatten der Kinder und des Putzens lebt.) Vgl. Golb\u00e6k, Olga.&nbsp;<em>Vi unge p\u00e5 fyrre. Vejledning i at bevare eller eventuelt genvinde sin ungdommelighed.<\/em>&nbsp;Martins Forlag, 1957; zitiert nach: M\u00f8rch, S\u00f8ren.&nbsp;<em>Den ny Danmarkshistorie 1880\u20131960<\/em>. Nordisk Forlag A.S., 1982, S. 315.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_11_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_12_3266\" class=\"footnote\">Ditlevsen, Tove. \u201ePiger uden Cellofan. Fra titlen p\u00e5 en Lommer-revy.\u201c&nbsp;<em>Flugten fra opvasken<\/em>, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 21.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_12_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_13_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 21. Ich danke Caroline Ballebye S\u00f8rensen f\u00fcr die beratende Unterst\u00fctzung hinsichtlich dieser \u00dcbersetzung.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_13_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_14_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 21.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_14_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_15_3266\" class=\"footnote\">Ebd., S. 25.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_15_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_16_3266\" class=\"footnote\">N\u00f8rgaard, Erik.&nbsp;<em>Gyldne tider<\/em>. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 79.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_16_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_17_3266\" class=\"footnote\">Wagner, Antonia.\u00a0<em>Feminismus und Konsum<\/em>. arthistoricum.net, 2020, S. 44.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_17_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_18_3266\" class=\"footnote\">Ditlevsen, Tove. \u201ePiger uden Cellofan. Fra titlen p\u00e5 en Lommer-revy.\u201c&nbsp;<em>Flugten fra opvasken<\/em>, von Tove Ditlevsen, Skandinavisk Litografisk Forl., 1975 (1959), S. 19.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_18_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_19_3266\" class=\"footnote\">N\u00f8rgaard, Erik.&nbsp;<em>Gyldne tider<\/em>. EPUB 3.0, Lindhardt og Ringhof, 2017 (1998), S. 76.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_19_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_20_3266\" class=\"footnote\">Ditlevsen nimmt in ihrem Essay nicht nur diverse Aspekte von Betty Friedans feministischem Standardwerk&nbsp;<em>The Feminine Mystique&nbsp;<\/em>(1963) und damit wesentliche Argumente der Zweiten Frauenbewegung vorweg, sondern st\u00f6sst ein Nachdenken \u00fcber den nackten weiblichen K\u00f6rper an, das mitunter voraus weist auf die aktuelle Dritte Frauenbewegung. Dies aufzuzeigen w\u00e4re allerdings einen Essay f\u00fcr sich. F\u00fcr ein erstes Nachdenken dar\u00fcber empfehle ich die Lekt\u00fcre von Ditlevsens Essay sowie einen Beitrag der Soziologin Lydia Martens, in welchem&nbsp;<em>The Feminine Mystique&nbsp;<\/em>verglichen wird mit&nbsp;<em>Women\u2019s Two Roles&nbsp;<\/em>(1956) von Alva Myrdal und Viola Klein (vgl. Martens, Lydia. \u201eFeminism and the Critique of Consumer Culture.\u201c&nbsp;<em>Domesticity and Popular Culture<\/em>&nbsp;hrsg. von Stacey Gillis und Joanne Hollows, Routledge, 2009, S. 33\u201347). Hinsichtlich j\u00fcngerer Forderungen u. a. im Zuge der Dritten Frauenbewegung finden sich interessante \u00dcberlegungen in <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/pornokonsum-im-internet\/\" target=\"_blank\">Xenia Nguyens Beitrag<\/a> auf diesem Blog.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_20_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_21_3266\" class=\"footnote\">Wagner, Antonia.&nbsp;<em>Feminismus und Konsum.&nbsp;<\/em>arthistoricum.net, 2020, S. 42.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_21_3266\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konsumieren, so wurde und wird sowohl empirisch gest\u00fctzt als auch metaphysisch verbr\u00e4mt behauptet, sei untrennbar verkn\u00fcpft mit Vorstellungen von Weiblichkeit. Dieser Beitrag geht dieser These nach anhand des Essays \u201aPiger uden cellofan\u2018 (1953; \u201aM\u00e4dchen ohne Zellophan\u2018) der d\u00e4nischen Autorin Tove Ditlevsen.<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/frauen-konsumieren-in-zellophan-oder-lieber-ohne\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":718,"featured_media":3268,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,88,90],"tags":[152,151,148,154,149,156,195],"class_list":{"0":"post-3266","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-blogposts","8":"category-literature","9":"category-society","10":"tag-daenemark","11":"tag-feminismus","12":"tag-gleichstellung","13":"tag-hausfrau","14":"tag-showgirl","15":"tag-tove-ditlevsen","16":"tag-zellophan"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/718"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3266"}],"version-history":[{"count":213,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3266\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4116,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3266\/revisions\/4116"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/skandinavischekonsumkulturen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}