{"id":112,"date":"2019-11-26T15:42:13","date_gmt":"2019-11-26T15:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/?p=112"},"modified":"2020-04-05T09:26:20","modified_gmt":"2020-04-05T09:26:20","slug":"elephants-without-trunks-part-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/2019\/11\/26\/elephants-without-trunks-part-2\/","title":{"rendered":"Elephants without Trunks (part 2)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/2019\/11\/25\/elephants-without-trunks-part-1\/\">(part 1)<\/a><\/p>\n<p><strong>Einen Elefanten f\u00fcr ein Schwein ausgeben<\/strong><\/p>\n<p>Ein Auto der Marke &#8222;Pekinger&#8220; brachte mich zum Institut f\u00fcr Viehzucht des staatlichen Landwirtschaftsbetriebs. Die Glast\u00fcren des B\u00fcrogeb\u00e4udes \u00f6ffneten sich und Li Wenjian trat heraus. Er breitete die Arme aus und sagte: &#8222;Willkommen, willkommen, Genosse, mein alter Schulkamerad!&#8220;<\/p>\n<p>Li Wenjian liess mir gar keine Zeit etwas zu erwidern und umarmte mich innig. Er war ganz der Alte geblieben: herzlich und offen. Ich kriegte fast keine Luft mehr und wusste nicht genau, ob es daran lag, dass ich mich so sehr freute oder an seiner engen Umarmung. Als ich mich endlich befreien konnte, sagte ich:<\/p>\n<p>&#8222;Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass\u2026&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Haha, es gibt viele Sachen, die du Dir wohl nie ertr\u00e4umt h\u00e4ttest wie zum Beispiel, dass die Luft in der W\u00fcste Gobi am Morgen so frisch ist oder dass die endlosen Sandd\u00fcnen mit gr\u00fcnen Flecken Hoffnung besprenkelt sind. Aber was Du noch nicht weisst, ist, dass ich Dir heute ein Wunder zeigen werde, welches alles andere in den Schatten stellt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Was ist dieses Wunder?&#8220; Ich erinnerte mich an seine Einladung.<\/p>\n<p>&#8222;Ist es denn kein Wunder, dass wir uns nach so langer Zeit wiedersehen? Haha! Ich bin erst seit einem Monat hier und ausgerechnet jetzt kommst du vorbei!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Also zu deiner Arbeit hier\u2026&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Du bist Journalist, soviel ist klar. Deine Arbeit besteht darin Nachrichten zu schreiben. Und ich? Das ist doch auch klar. Ich betreibe Viehzucht. Meine Arbeit besteht aus der Rinderzucht, der Schweinezucht und der Schafzucht. Wir haben uns doch so lange nicht gesehen und eigentlich sollten wir uns \u00fcber Pers\u00f6nliches austauschen, aber wir m\u00fcssen die allgemeinen Interessen immer \u00fcber die Pers\u00f6nlichen stellen. Lass mich dir also von meiner Arbeit erz\u00e4hlen. Komm, du bist doch gekommen, um \u00fcber unsere neuste Errungenschaft zu berichten, oder?&#8220;<\/p>\n<p>Li Wenjian f\u00fchrte mich \u00fcber eine Weide zu einem grossen Stall. Der Stall glich eher einem Hangar und hatte ein riesiges Tor, das \u00fcber vier Meter breit und f\u00fcnf Meter hoch war. Li Wenjian dr\u00fcckte auf einen Knopf und was eine Stahlplatte zu sein schien, rollte sich unverz\u00fcglich so weich und geschmeidig wie Seide zusammen.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist wirklich etwas Besonderes!&#8220; rief ich aus.<\/p>\n<p>&#8222;Sprichst du vom Tor?&#8220; fragte Li Wenjian. &#8222;Das ist doch nichts Aufregendes! Das Tor besteht aus <em>Kunststoff Nr.908<\/em>. Dieses Material kann so d\u00fcnn wie Papier gepresst werden und ist so weich, dass man es aufrollen kann. Ausserdem wiegt es so gut wie nichts, aber ist trotzdem so robust, dass es nicht einmal von B\u00fcffelh\u00f6rnern durchstossen werden k\u00f6nnten. Es wird f\u00fcr die St\u00e4lle zur Viehzucht verwendet und ist daf\u00fcr das optimale Material. Das Dach, die W\u00e4nde, das Tor, alles ist aus <em>Kunstoff Nr.908<\/em> gemacht. Wir haben uns aber vor allem f\u00fcr dieses Material entschieden, weil wir dadurch weniger Stahl f\u00fcr den Dachstuhl brauchen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Also ist das die neue Errungenschaft, von der du gesprochen hast?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nein, nein.&#8220; lachte Li Wenjian. &#8222;Hast du schon vergessen, dass mein Spezialgebiet die Viehzucht ist? Ich bin kein Architekt. Nat\u00fcrlich kann man nicht immer alles gleich beachten, aber das z\u00e4hlt nicht als Errungenschaft. Unsere neue Errungenschaft befindet sich im Innern des Stalls! Tritt ein!&#8220;<\/p>\n<p>Als ich durch das Tor hereintrat stand ich pl\u00f6tzlich vor einer riesigen rosafarbenen Fleischwand. Und direkt vor meiner Nase wedelte ein Schwanz hin und her, der mir ordentlich Luft zuf\u00e4cherte. &#8222;Schau! Dies ist unsere Errungenschaft. Sie sind erst gestern angekommen!&#8220;, sagte Li. &#8222;Und meine Aufgabe hier in der W\u00fcste Gobi ist es nun, diese neue Rasse im grossen Stil zu z\u00fcchten!&#8220; &#8222;Haha!&#8220; brach es aus mir heraus. &#8222;Das sind doch keine Nachrichten. Ich habe gleich gewusst, dass das nur Elefanten mit abgeschnittenen R\u00fcsseln sind!&#8220; &#8222;Elefanten mit abgeschnittenen R\u00fcsseln?&#8220; fragte Li verwundert. &#8222;Wer hat dir denn diese sonderbare Idee in den Kopf gesetzt? Hast du etwa nicht gesehen was auf den Holzschildern steht?&#8220;<\/p>\n<p>Erst jetzt erblickte ich das Holzschild, auf dem in grossen Buchstaben stand:<\/p>\n<p><em>Weisses Schwein \u2013 Wunder Nummer 72<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Haha, Elefanten mit abgeschnittenen R\u00fcsseln m\u00fcssen als Schweine hinhalten und das soll eure neue Errungenschaft sein?&#8220; lachte ich. &#8222;Im Altertum gab es Zhao Gao, der den Ausspruch &#8222;einen Hirsch f\u00fcr ein Pferd ausgeben&#8220; pr\u00e4gte und heute f\u00fchrst du mit dem Ausspruch &#8222;einen Elefanten f\u00fcr ein Schwein ausgeben&#8220; diese Tradition fort!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das ist kein besonders einfallsreicher Witz. Und ich muss dir sagen&#8220;, fuhr Li mit einer pl\u00f6tzlichen Ernsthaftigkeit fort, &#8222;dass du mir f\u00fcr einen Journalisten etwas voreilig Schl\u00fcsse ziehst. Schau doch nochmals genau hin, mein vorschneller Genosse Journalist!&#8220;<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend er sprach, drehte sich einer der Elefanten zu mir. Obwohl ich seinen Kopf gestern schon gesehen hatte, betrachtete ich ihn noch einmal eingehend. Er hatte zwei grosse, schwarze Nasenl\u00f6cher, zwei Knopfaugen und grosse, umherflatternde Ohren, die so gross wie Palmenwedel-F\u00e4cher waren. Nach Li Wenjians Worten erschienen sie mir nun doch mehr als Schweine denn als Elefanten. Die Stirn eines Elefanten w\u00e4re breiter, die Augen w\u00e4ren weiter auseinander und zu guter Letzt h\u00e4tte sein Nasenr\u00fccken nicht so viele Runzeln. Der gr\u00f6sste Unterschied war aber, dass dieses Wesen keinen R\u00fcssel hatte und auch keine Stossz\u00e4hne. Als eines der Tiere pl\u00f6tzlich ein lautes Grunzen von sich gab, verflogen meine letzten Zweifel. Das war eindeutig das Grunzen eines Schweines, wenn auch um ein Vielfaches lauter und ohne es zu merken, war ich ein paar Schritte zur\u00fcckgetreten.<\/p>\n<p>Li Wenjian lachte: &#8222;F\u00fcrchtest du dich? Entspann dich. Es ist ein Schwein und hat nicht ein so aufbrausendes Temperament wie ein Elefant. Wenn du mir nicht glaubst, schau dir seine F\u00fcsse an.&#8220; Ich senkte mein Blick und tats\u00e4chlich, das waren eindeutig Schweinef\u00fcsse, nur schien ihre Gr\u00f6sse im Vergleich zum K\u00f6rper viel zu klein. Aber es waren wirklich nie und nimmer die trommelf\u00f6rmigen Beine eines Elefanten.In Anbetracht dessen, konnte ich nicht weiter daran zweifeln:&#8220;Ich gestehe es ein. Dies sind Schweine! Es ist wirklich ein Wunder! Wie bringt man Schweine dazu so gross zu werden wie Elefanten?&#8220; &#8222;Da m\u00fcsste ich lange ausholen. Geh wir zuerst zur\u00fcck ins Institut, dort setzen wir uns hin und reden in aller Ruhe&#8220;, sagte Li Wenjian.<\/p>\n<p><strong>Wunder kommen nicht ohne die Wissenschaft aus<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich denke eurer <em>Wunder Nr.72<\/em> muss fast eine Kreuzung von Elefanten und Schweinen sein&#8220;, sagte ich, als ich mich auf das Sofa setzte und einen Schluck schwarzen Tee mit Honig trank.<\/p>\n<p>&#8222;Mit Kreuzung liegst du schon mal richtig. Wenn man eine neue Rasse z\u00fcchten will, muss man mit Kreuzungen arbeiten.&#8220; sagte Li Wenjian. &#8222;Aber es w\u00e4re heutzutage noch ziemlich schwierig Elefanten mit Schweinen zu kreuzen. Deshalb haben wir f\u00fcr die Zucht das allerfeinste, einheimische, weisshaarige Sichuan-Schwein und das weisse Steppenschwein aus der Ukraine verwendet. Zudem haben wir uns noch zahlreicher anderer Methoden bedient, um den K\u00f6rperbau zu beeinflussen. Kannst du dich noch an den Anatomie- und Physiologieunterricht in der Mittelschule erinnern?&#8220; &#8222;Nat\u00fcrlich kann ich mich noch erinnern.&#8220; Ich war schon immer stolz auf mein Erinnerungsverm\u00f6gen gewesen. &#8222;Dann wird du dich bestimmt daran erinnern, dass unter dem Hirn eine Hormondr\u00fcse\u2026&#8220;&#8220;Die Hypophyse&#8220;, warf ich ein. &#8222;Richtig, die Hypophyse. Und die Funktion diese Hormondr\u00fcse ist es\u2026?&#8220; Er schien mich auf die Probe stellen zu wollen. &#8222;Der vordere Teil setzt ein wachstumsstimulierendes Hormon frei. Einige Menschen haben eine besonders ausgebildete Hypophyse und produzieren zu viele Wachstumshormone, wodurch sie immer weiterwachsen. Ich habe schon Fotos von Menschen gesehen, die ungef\u00e4hr doppelt so gross wie gew\u00f6hnliche Menschen sind.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Genau, wir gehen so vor, dass wir die Hypophyse der Ferkel stimulieren und dadurch ihre aussergew\u00f6hnliche Entwicklung induzieren. Zu Beginn haben wir den Schweinen verschiedenste Chemikalien verabreicht, aber damit hatten wir keinen Erfolg. Sp\u00e4ter fanden wir eine physikalische Methode, bei welcher die Hypophyse durch Strahlen einer bestimmten Wellenl\u00e4nge stimuliert wird. Dies erwies sich tats\u00e4chlich als \u00e4usserst effektiv und die Schweine wurden von Generation zu Generation gr\u00f6sser. Autopsien der Schweine der <em>Wunder Nummer 72<\/em>-Generation haben gezeigt, dass ihre Hypophysen so gross wie Pfirsichkerne sind und dass sie mit dreieinhalb Gramm siebenmal mehr wiegen als bei gew\u00f6hnlichen Schweinen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;So ist das also!&#8220; ich nickte. &#8222;Aber wenn ich mich richtig entsinne, dann wachsen Menschen mit einer besonders entwickelten Hypophyse zwar immer weiter, verf\u00fcgen aber auch \u00fcber eine geringe Intelligenz.&#8220; &#8222;Dar\u00fcber musst du dir keine Sorgen machen!&#8220; sagte Li Wenjian l\u00e4chelnd. &#8222;Wir essen diese Schweine, deshalb ist es uns wichtiger, dass sie gross und fett werden. Es ist nicht unser Ziel, dass sie intelligenter als Menschen werden und daf\u00fcr kein Fleisch am Knochen haben. Wir haben aber ein anderes Problem. Die Stimulation der Hypophyse erh\u00f6ht n\u00e4mlich auch die Aussch\u00fcttung der Wachstumshormone. Und unsere Schweine sind nun schon f\u00fcnfmal so gross wie gew\u00f6hnliche Schweine. Diese wiegen in der Regel etwa einhundert Kilogramm. Die <em>Wunder Nummer 72<\/em>-Schweine hingegen wiegen zw\u00f6lfeinhalb Tonnen. Das sind 12500 Kilogramm. Solange sie jung sind, k\u00f6nnen sie noch herumlaufen, aber sie wachsen schnell und legen vierzig bis f\u00fcnfzig Kilo pro Tag zu. Je gr\u00f6sser sie werden, desto weniger k\u00f6nnen sie sich bewegen. Sie werden dann zu einem grossen Klumpen Fleisch, liegen wie gel\u00e4hmt am Boden und k\u00f6nnen nicht einmal mehr aufstehen. Bei jeder kleinsten Bewegung brechen sie sich die Knochen. Den Kopf umdrehen oder heben und schon ist ein R\u00fcckenwirbel oder Halsknochen gebrochen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Und was ist der Grund daf\u00fcr?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Haha! Das ist ein einfaches mathematisches Problem.&#8220;<\/p>\n<p>Er tunkte seinen Zeigefinger in die Teetasse und schrieb zwei Formeln auf den Marmortisch:<\/p>\n<p>5 x 5 x 5 =125<\/p>\n<p>5 x 5 = 25<\/p>\n<p>Er zeigte auf die Rechnung und sagte:<\/p>\n<p>&#8222;Schau! Die Schweine sind zwar nur f\u00fcnfmal so lang, breit und hoch, ihr Gewicht aber ist hundertf\u00fcnfundzwanzigmal so viel wie vorher. Wie steht es aber um die Dicke der Knochen? Die errechnet sich aus der L\u00e4nge und Breite und ist also nur um ein F\u00fcnfundzwanzigfaches angewachsen. Wie soll nun aber dieser Knochen das Hundertf\u00fcnfundzwanzigfache des Gewichts eines gew\u00f6hnlichen Schweines aushalten? Das Gewicht wird somit zur t\u00f6dlichen Bedrohung f\u00fcr die Schweine. Damit hatten wir nicht gerechnet.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ihr musstet also die Knochendicke nochmals verf\u00fcnffachen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das war urspr\u00fcnglich auch mein Ansatz. Aber wie schon das Sprichwort sagt: <em>Schweinen gibt man zu fressen, um ihr Fleisch zu essen<\/em>. Was bringen da dicke Knochen? Ich dachte mir also, dass ich die Knochen st\u00e4rker belastbar machen sollte. Um das zu erreichen, haben wir verschiedene Methoden angewendet. Wir haben dem Schweinefutter einen Wirkstoff beigef\u00fcgt, der leicht resorbierbaren Phosphor und Calcium enth\u00e4lt. Wir nennen es den \u2018Knochenst\u00e4rker\u2019. Zus\u00e4tzlich setzen wir die Schweine ultraviolettem Licht aus, da dies die Knochen besonders robust macht. Noch wichtiger aber ist, dass wir mit elektromagnetischer Strahlung das Wachstum bestimmter K\u00f6rperteile unterdr\u00fccken k\u00f6nnen. Zum Beispiel die Beine, wir verhindern, dass sie zu lang werden, denn je l\u00e4nger die Beine sind, desto einfacher brechen sie. Stattdessen versuchen wir sie so breit wie m\u00f6glich z\u00fcchten, damit sie mehr Gewicht tragen k\u00f6nnen. Wir verschaffen ihnen auch Bewegung und bringen ihnen das Laufen und Springen bei. In nur vier Jahren haben wir so das Schwein der Rasse <em>Wunder Nummer 72<\/em> erfolgreich gez\u00fcchtet. Du hast es ja selbst gesehen. Sie stehen so stabil wie die Elefanten f\u00fcr die du sie gehalten hast. Und gestern sind sie etwa f\u00fcnf Kilometer vom Bahnhof bis zum Betrieb gelaufen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das habe ich wahrhaftig mit meinen eigenen Augen gesehen, es ist wirklich ein Wunder, eine aussergew\u00f6hnliche Innovation!&#8220; lobte ich ohne Unterlass.<\/p>\n<p>&#8222;Trotzdem, Wunder kommen nicht ohne die Wissenschaft aus&#8220;, sagte Li Wenjian ernst.<\/p>\n<p>&#8222;Genau, die Wissenschaft hat dieses Wunder vollbracht! Euer <em>Wunder Nummer 72<\/em> erinnert mich ein bisschen an Zhu Bajie aus \u2018Die Reise in den Westen\u2019<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und wie er mit einem einzigen, zauberhaften Sch\u00fctteln seines K\u00f6rpers sich in ein \u00fcber einhundert Zhang grosses Schwein verwandelte, um eine neue Bergstrasse zu schaffen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das ist aber nicht echt&#8220;, unterbrach mich Li Wenjian. &#8222;Erstens denken Schweine nicht und k\u00f6nnen nicht nach Lust und Laune ihre Gr\u00f6sse ver\u00e4ndern. Zweitens, selbst wenn sie das wollten, w\u00e4ren alle ihre Anstrengungen vergebens. Hast du etwa vergessen, dass k\u00f6rperliche Ver\u00e4nderungen von Tieren auf Umwelteinfl\u00fcsse und nicht auf subjektives Verlangen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nat\u00fcrlich habe ich das nicht vergessen&#8220;, stellte ich sogleich klar. &#8222;Du hast mich gar nicht ausreden lassen: Als Zhu Bajie sich in ein grosses Schwein verwandelte, mussten ihm achthundert M\u00e4nner und vierhundert Nutztiere aus Tuoluo unentwegt Essen bringen. Ich wollte damit sagen, dass euer <em>Wunder Nr. 72 <\/em>bestimmt auch viel Futter braucht.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Futtermenge ist wirklich nicht klein. Aber wenn man es mit der Fleischmenge vergleicht, dann sparen wir unter dem Strich an Futtermenge. Der gr\u00f6sste Teil der Nahrung wird bei warmbl\u00fctigen Tieren zur Beibehaltung der K\u00f6rpertemperatur verwendet. Je kleiner das Tier desto schneller wird die W\u00e4rme wieder abgeben und desto mehr Futter ben\u00f6tigen sie. Schau dir beispielsweise M\u00e4use an. F\u00fcnftausend M\u00e4use sie zwar nur so schwer wie eine Person, brauchen aber das siebzehnfache an Nahrung. Du siehst wie abscheulich M\u00e4use sind! Aber warum m\u00fcssen sie so viel fressen? Eben weil sie so klein sind und so schnell W\u00e4rme verlieren. Im Gegensatz dazu ist, ist die Nahrungsmenge bei grossen Tieren im Verh\u00e4ltnis kleiner, da die W\u00e4rme langsamer abgegeben wird. Deshalb ben\u00f6tigt unser <em>Wunder Nr. 72<\/em>, obwohl es mehr als hundertmal so schwer ist wie ein gew\u00f6hnliches Schwein, nur f\u00fcnfzigmal mehr Futter, um sich satt zu fressen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Ein herzhaftes Mittagessen<\/strong><\/p>\n<p>Li Wenjian lud mich zum Essen auf dem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb ein, denn er wollte unbedingt, dass ich das <em>Wunder Nr. 72<\/em> kostete. Wir gingen in die Kantine und setzten uns an einen kleinen Tisch an der Wand. Auf dem Tisch stand ein Topf mit Chrysanthemen, deren blassgr\u00fcne Bl\u00fcten einen silbernen Glanz abgaben. Daneben stand eine grosser Fr\u00fcchteteller mit \u00c4pfeln so gross wie eine kleine Wassermelone und milchfarbigen Trauben; das Seltsamste aber waren aber die Mandarinen. Die sahen aus als w\u00e4ren sie in Zellophan eingewickelt worden und das gelb-orangene Fruchtfleisch war von aussen erkennbar.<\/p>\n<p>Li Wenjian dr\u00fcckte einen Knopf an der Tischkante und sofort ging ein kleines Fenster in der Wand auf. Ein Tablett kam heraus und dann ging das Fenster wieder zu. Auf dem Tablett erblickte ich etliche grosse und kleine Sch\u00fcsseln, die alle bis an den Rand gef\u00fcllt waren. Es gab gebratene Schweinekoteletts, Fleischkl\u00f6sschen, im Topf gekochte Schweinew\u00fcrfel, geschmorte Schweinef\u00fcsse, gebratene Leber, geschnetzelte Niere, ger\u00e4uchertes Schweinehirn und Schweineschwanzsuppe. F\u00fcr alle Gerichte war Schwein der Rasse <em>Wunder Nr.72 <\/em>verwendet worden.<\/p>\n<p>&#8222;Gerade heute Morgen haben wir eines unserer <em>Wunder Nr.72<\/em> geschlachtet.&#8220; sagte Li Wenjian. &#8222;Einerseits wollten wir dir die Gelegenheit bieten mal nicht nur mit den Augen und Ohren, sondern auch mit der Nase, der Zunge und den Z\u00e4hnen Recherche zu betreiben. Anderseits wollen wir aber auch das Vertrauen der Mitarbeiter des Landwirtschaftsbetriebs gewinnen. Gestern als die Wunderschweine ankamen, meinten einige, dass das Fleisch von so grossen Schweinen sicher viel zu z\u00e4h sei. Also gut, macht euch ein Bild und probiert doch mal!&#8220;<\/p>\n<p>Ich biss in ein St\u00fcck Schweinekotelett und es war wirklich noch zarter als H\u00e4hnchenfleisch und dazu noch so knusprig! Noch nie hatte ich so gutes Schweinefleisch gekostet. Gierig nahm ich einen zweiten Biss.<\/p>\n<p>&#8222;Unser <em>Wunder Nr.72<\/em> schmeckt bestimmt nicht wie eine alte Sau&#8220;, sagte Li Wenjian als w\u00fcrde er sich mit jemandem streiten. &#8222;Man darf nicht vergessen, dass es \u2013 obwohl es so gross wird \u2013 noch ein sehr junges Tier ist, kaum zehn Monate alt. Da sind alle Teile noch \u00e4usserst zart, nahrhaft und leicht verdaulich. Und der Geschmack ist auch nicht schlecht, nicht wahr, mein lieber Genosse Journalist?&#8220;<\/p>\n<p>Mein Mund war aber zu voll, um zu sprechen und so nickte ich ihm eifrig zu.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201cDie Reise nach Westen\u201d \u897f\u6e38\u8bb0 ist ein Roman aus der Ming Zeit von Wu Cheng\u2019en \u5434\u627f\u6069. Obwohl sozialistische Kulturschaffende feudale Kultur sehr kritisch rezipierten, galt \u201cDie Reise nach Westen\u201d \u00fcber lange Zeit als akzeptable Lekt\u00fcre, gerade auch weil sich dessen Hauptprotagonist, der Affenk\u00f6nig Sun Wukong, als volkst\u00fcmlicher Held interpretieren liess.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(part 1) Einen Elefanten f\u00fcr ein Schwein ausgeben Ein Auto der Marke &#8222;Pekinger&#8220; brachte mich zum Institut f\u00fcr Viehzucht des &hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/2019\/11\/26\/elephants-without-trunks-part-2\/\">Mehr<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":494,"featured_media":48,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,1,3],"tags":[],"class_list":["post-112","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-chi-shuchang","category-science-fiction","category-sozialismus",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/users\/494"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":155,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112\/revisions\/155"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/media\/48"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/sinofutures\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}