{"id":4480,"date":"2026-05-13T15:57:13","date_gmt":"2026-05-13T13:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=4480"},"modified":"2026-05-26T08:01:17","modified_gmt":"2026-05-26T06:01:17","slug":"die-roemischen-thermen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/die-roemischen-thermen\/","title":{"rendered":"Die R\u00f6mischen Thermen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die \u00dcberreste der R\u00f6mischen Thermen<br><\/p>\n\n\n\n<p>Thermengasse, 35 (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;usp=sharing\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Leonie Joseph<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\">Mitten in der Z\u00fcrcher Altstadt, in der Thermengasse, liegen die \u00dcberreste einer r\u00f6mischen Badeanlage, die mehr war als nur ein Ort der Reinigung. Die Thermen des antiken Turicum (sp\u00e4ter Z\u00fcrich) geben nicht nur Einblick in Alltagskultur, sondern auch in das medizinische Verst\u00e4ndnis der R\u00f6mer \u2013 eine faszinierende Verbindung von Hygiene, Pr\u00e4vention und fr\u00fcher \u201eWellnessmedizin\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"503\" height=\"376\" data-id=\"4616\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-14.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4616\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-14.png 503w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-14-300x224.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\"> Abb.1: Thermengasse<\/a><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">R\u00f6mische Thermen- Hygiene, Medizin und soziale Interaktion<\/h4>\n\n\n\n<p>1983 wurden w\u00e4hrend Umbau arbeiten eines alten Spielwarengesch\u00e4fts \u00dcberreste von r\u00f6mischen Thermen entdeckt. Es konnten ein Teil der Heizungsanlagen und der Mauern von einem kleinen ersten Bad und einem sehr viel gr\u00f6sseren etwas j\u00fcngeren Bads dargestellt werden. Heute kann man diese Mauern, sowie Artefakte der damaligen Badekultur durch Fenster begutachten. \u00a0Aus heutiger Sicht erscheinen r\u00f6mische Thermen fast wie Vorl\u00e4ufer moderner Gesundheitszentren. K\u00f6rperpflege war im r\u00f6mischen Denken eng mit Gesundheit verbunden. Regelm\u00e4ssiges Baden sollte Krankheiten vorbeugen, den K\u00f6rper st\u00e4rken und das Gleichgewicht der K\u00f6rpers\u00e4fte erhalten \u2013 ein Konzept, das auf der antiken vier S\u00e4fte Lehre beruhte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Thermen des antiken Turicum (sp\u00e4ter Z\u00fcrich) waren mehr als nur ein Ort der Reinigung, sie waren Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens. Man konnte Sport treiben, sich massieren oder mit duftenden \u00d6len einreiben lassen. Doch der Kern aller B\u00e4der waren die drei Bader\u00e4ume, die stehts in der Reihenfolge; heiss, lauwarm und kalt gebaut waren. Das Caldarium (F) wurde direkt beheizt und es herrschte eine feuchte Hitze von bis zu 60\u00b0 Celsius. Da Tepidarium (G) wurde indirekt beheizt und wurde zu Akklimatisierung verwendet und beendet wurde der Badegang stehts im kalten Frigidarium. Gewisse B\u00e4der besassen zudem noch ein Sudatorium , ein trockener Schwitzraum der direkt durch die Holzkohleofen(H) beheizt wurde und deshalb noch heisser als das Caldarium wurde.<br>Dieses Wechselbad wurde bereits damals mit positiven Effekten auf Durchblutung, Immunsystem und allgemeines Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Dass eine solche Anlage auch im kleinen Turicum existierte, zeigt, wie weit verbreitet diese Gesundheitspraktiken im R\u00f6mischen Reich waren. Die Thermen in der Thermengasse waren somit nicht nur ein sozialer Treffpunkt, sondern auch ein zentraler Ort f\u00fcr Pr\u00e4vention und k\u00f6rperliches Wohlbefinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"528\" height=\"173\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-16.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4619\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-16.png 528w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-16-300x98.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\">Abb.2: Schema R\u00f6misches Badehaus<\/a><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vier S\u00e4fte Lehre<\/h4>\n\n\n\n<p>Das medizinische Denken der R\u00f6mer war stark gepr\u00e4gt von Hippokrates von Kos und sp\u00e4ter von Galen. Beide sahen Gesundheit als Gleichgewicht der vier K\u00f6rpers\u00e4fte; Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Das Blut wurden dem Element der Luft zugesprochen und galt als warm und feucht. Der Schleim war wie das Wasser als kalt und feucht, die gelbe Galle wie das Feuer als warm und trocken und die schwarze Galle wie die Erde als kalt und trocken beschrieben. Da Krankheit als ein Ungleichgewicht der K\u00f6rpers\u00e4fte gedeutet wurde, war es das Ziel aller Gesundheitspflege, das Gleichgewicht der S\u00e4fte zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies konnte durch Schwitzen, Schr\u00f6pfen, den Aderlass oder die Gabe von Abf\u00fchrmitteln geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Thermenbesuche galten somit als M\u00f6glichkeit, dieses Gleichgewicht aktiv  und auch pr\u00e4ventiv zu beeinflussen. W\u00e4rme wurde beispielsweise eingesetzt bei Muskel- und Gelenkbeschwerden oder \u201eErk\u00e4ltungskrankheiten\u201c (im Sinne von Schleim\u00fcberschuss) und\u00a0 allgemeiner Schw\u00e4che. K\u00e4lte hingegen sollte entz\u00fcndliche Prozesse d\u00e4mpfen und den K\u00f6rper \u201eabh\u00e4rten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"477\" height=\"477\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-17.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4620\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-17.png 477w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-17-300x300.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-17-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\">Abb.3: Mauer\u00fcberreste des r\u00f6mischen Bades <\/a><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hygiene &#8211; ein fortschrittlicher Gedanke<\/h4>\n\n\n\n<p>Die r\u00f6mischen Thermen vereinen, was heute oft getrennt gedacht wird: Hygiene, Medizin und soziale Interaktion. Aus moderner Sicht lassen sich viele ihrer Prinzipien \u2013 wie Wechselb\u00e4der, W\u00e4rmetherapie und Bewegung \u2013 durchaus wissenschaftlich nachvollziehen. Die Anlage in der Thermengasse ist damit nicht nur ein arch\u00e4ologisches Relikt, sondern auch ein Zeugnis fr\u00fcher Gesundheitskultur \u2013 und ein Hinweis darauf, dass viele Ideen moderner Medizin bereits vor fast 2000 Jahren praktiziert wurden.Auch wenn die R\u00f6mer keine Kenntnis von Bakterien oder Viren hatten, spielte Hygiene eine zentrale Rolle. \u00d6ffentliche B\u00e4der boten Zugang zu regelm\u00e4ssiger K\u00f6rperreinigung \u2013 ein nicht zu untersch\u00e4tzender Faktor in dicht besiedelten Siedlungen wie Turicum. Allerdings war diese Hygiene aus heutiger Sicht ambivalent. Das Wasser wurde oft mehrfach genutzt enge R\u00e4ume beg\u00fcnstigten die Verbreitung von Krankheiten. Trotzdem war die r\u00f6mische Badekultur im Vergleich zu vielen sp\u00e4teren Epochen hygienisch fortschrittlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die r\u00f6mischen Thermen vereinen, was heute oft getrennt gedacht wird: Hygiene, Medizin und soziale Interaktion. Aus moderner Sicht lassen sich viele ihrer Prinzipien \u2013 wie Wechselb\u00e4der, W\u00e4rmetherapie und Bewegung \u2013 durchaus wissenschaftlich nachvollziehen. Die Anlage in der Thermengasse ist damit nicht nur ein arch\u00e4ologisches Relikt, sondern auch ein Zeugnis fr\u00fcher Gesundheitskultur \u2013 und ein Hinweis darauf, dass viele Ideen moderner Medizin bereits vor fast 2000 Jahren praktiziert wurden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Abb. 1: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hyperlink\"><a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/misc\/de\/mitteilungsarchiv\/medienmitteilungen\/2009\/10\/091027b.html\">Zeitreise durch die Thermengasse | Stadt Z\u00fcrich<\/a>, 03.05.2026<\/a><br>Abb. 2: <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/misc\/de\/mitteilungsarchiv\/medienmitteilungen\/2009\/10\/091027b.html\">Zeitreise durch die Thermengasse | Stadt Z\u00fcrich<\/a>, 03.05.2026<br>Abb 3: <a href=\"https:\/\/schaufelberger.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bild42.jpg ,08.05.2026\u00a0\">https:\/\/schaufelberger.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bild42.jpg ,08.05.2026\u00a0<\/a><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h5>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/misc\/de\/mitteilungsarchiv\/medienmitteilungen\/2009\/10\/091027b.html\">https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/misc\/de\/mitteilungsarchiv\/medienmitteilungen\/2009\/10\/091027b.html<\/a>, 26.04.2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/entdecken\/neuigkeiten-und-blogs\/einzeleintrag\/schwitzbaden-schroepfen-und-kurieren-badekultur-und-saeftelehre-in-spaetmittelalter-und-frueher-neuzeit,26.04.2026\">https:\/\/freilandmuseum.de\/entdecken\/neuigkeiten-und-blogs\/einzeleintrag\/schwitzbaden-schroepfen-und-kurieren-badekultur-und-saeftelehre-in-spaetmittelalter-und-frueher-neuzeit,26.04.2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humoralpathologie\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humoralpathologie<\/a>, 26.04.2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.museumaargau.ch\/blog\/artikel\/das-roemische-bad-wellness-oase-und-freizeitzentrum-der-antike\">https:\/\/www.museumaargau.ch\/blog\/artikel\/das-roemische-bad-wellness-oase-und-freizeitzentrum-der-antike<\/a>, 26.04.2026<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter &#8222;Textauszug&#8220; findet sich die kurze, Interesse Weckende Beschreibung, die erscheint, wenn man in der Gesamt\u00fcbersicht mit dem Cursor \u00fcber des Beitragsbild f\u00e4hrt<\/p>\n","protected":false},"author":788,"featured_media":458,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[74,25,121,28],"tags":[],"class_list":{"0":"post-4480","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-antike","8":"category-badeanstalt","9":"category-hygiene","10":"category-stadtkreis-1","11":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/788"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4480"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4621,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4480\/revisions\/4621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/458"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}