{"id":4416,"date":"2026-05-13T17:19:30","date_gmt":"2026-05-13T15:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=4416"},"modified":"2026-05-25T15:57:23","modified_gmt":"2026-05-25T13:57:23","slug":"der-grosse-hoersaal-ost-des-usz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/der-grosse-hoersaal-ost-des-usz\/","title":{"rendered":"Der grosse H\u00f6rsaal OST des USZ"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich, Gloriastrasse 29, 8091 Z\u00fcrich<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Selina D\u00f6ssegger<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der grosse H\u00f6rsaal OST des USZ steht sinnbildlich f\u00fcr die Entwicklung des Spitals als Lehr- und Forschungsinstitution. Das Universit\u00e4tsspital wurde von einem Ort, an dem prim\u00e4r Patienten behandelt wurden, zu einem Ort, an dem man auch Wert auf die Aus- und Weiterbildung von Studierenden legte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"679\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/Hoersaal-OST-1-1024x679.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4424\" style=\"aspect-ratio:1.5092114959469418;width:790px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/Hoersaal-OST-1-1024x679.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/Hoersaal-OST-1-300x199.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/Hoersaal-OST-1-768x509.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/Hoersaal-OST-1.png 1233w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 1: Der grosse H\u00f6rsaal OST<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Der H\u00f6rsaal OST &#8211; von zentraler Bedeutung f\u00fcr die Lehre am USZ <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der H\u00f6rsaal OST geh\u00f6rt zu den neueren Lehrinfrastrukturen auf dem Campus des Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich. Er wurde im Rahmen der Modernisierungen und Erweiterungen im 20. und 21. Jahrhundert erbaut. So erforderte die Zunahme der Anzahl der Medizinstudierenden und das stetige Wachstum des USZ gr\u00f6ssere R\u00e4umlichkeiten, welche in den Jahren 1940-1951 realisiert wurden. Dabei wurde unter anderem der H\u00f6rsaaltrakt erbaut, in welchem sich der grosse H\u00f6rsaal OST befindet. Dieser wird bis zum heutigen Zeitpunkt immer noch f\u00fcr den urspr\u00fcnglich vorgesehenen Zweck verwendet: Vorlesungen der Humanmedizin, klinische Fallbesprechungen, Symposien und Fachkongresse. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der H\u00f6rsaal OST kann als Paradebeispiel f\u00fcr die Weiterentwicklung der Medizin und die wachsende Bedeutung der Lehre am Universit\u00e4tsspital angesehen werden. Dies zeigt auch die Geschichte des schwedischen Herzchirurgen \u00c5ke Senning, der von 1961 bis 1985 am Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich als Direktor und Lehrstuhlinhaber der Chirurgischen Uniklinik A t\u00e4tig war. Senning war einer der bedeutendsten Herzchirurgen des 20. Jahrhunderts und baute in seiner Zeit am USZ die Herzchirurgie in Z\u00fcrich zu einem international f\u00fchrenden Zentrum aus. Damit wurde Z\u00fcrich zu einem Magneten f\u00fcr Medizinstudierende und \u00c4rzte aus aller Welt. Die Vorlesungen von \u00c5ke Senning, welche im H\u00f6rsaal OST stattfanden, boten einen Einblick in die medizinische Entwicklung zu einer Zeit voller gewaltiger technischer Innovationen im Bereich der Herzchirurgie. Seine Arbeit wurde jedoch auch kritisch diskutiert und nicht von allen f\u00fcr gut befunden &#8211; so gab es andere, insbesondere \u00e4ltere Professoren, welche die Studierenden vor &#8222;diesem jungen gef\u00e4hrlichen Mann aus Schweden, der in das Herz schneidet&#8230;&#8220; gewarnt haben sollen. Bei vielen verschwand diese anf\u00e4ngliche Skepsis mit den Jahren und wich h\u00f6chstem Respekt f\u00fcr das K\u00f6nnen und die Innovationen \u00c5ke Sennings.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Die erste Herztransplantation in der Schweiz<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den bedeutenden Leistungen seiner T\u00e4tigkeit am Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich z\u00e4hlt die Durchf\u00fchreng der ersten Herztransplantation in der Schweiz im Jahre 1969. Der Empf\u00e4nger des Spenderherzens \u00fcberstand die Transplantation zun\u00e4chst gut und schien sich von der Operation zu erholen, nach einigen Wochen erlitt er jedoch eine Pilzinfektion und starb schliesslich an einem Lungeninfekt. Es dauerte nicht lange bis auf die erste Herztransplantation viele weitere folgten. Da man zu dieser Zeit jedoch noch nicht viel bez\u00fcglich Abstossungsreaktionen erforscht hatte, starben die Patienten innert weniger Wochen, was schliesslich dazu f\u00fchrte, dass die Transplantationen vorerst wieder eingestellt wurden. Erst mit der Entwicklung von Sandimmun in den 70er-Jahren konnte man die Transplantationschirurgie wieder aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"270\" height=\"413\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4582\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-10.png 270w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2026\/05\/image-10-196x300.png 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: \u00c5ke Senning in Z\u00fcrich<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Moralische Kontroversen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obschon die erste Herztransplantation am USZ von vielen als wichtiger Fortschritt in der Herzchirurgie angesehen wurde und \u00c5ke Senning von vielen als Held gefeiert wurde, muss man diese Errungenschaft auch von einer anderen, kritischeren Seite betrachten. Die Durchf\u00fchrung der Transplantation l\u00f6ste erhebliche moralische Kontroversen aus. So haben die Angeh\u00f6rigen des Spenders erst am Abend nach der Transplantation durch die Medien von der Entnahme des Herzens ihres Sohnes erfahren, sie waren keineswegs \u00fcber die Spende informiert. Diese Diskussion sagt viel aus \u00fcber die damalige Haltung der \u00c4rzte: es herrschte ein autorit\u00e4res Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis, in dem die medizinisch-technologische Logik klar im Vordergrund stand. Auch der H\u00f6rsaal OST spielte bei der ersten Herztransplantation eine zentrale Rolle: So fand direkt nach der durchgef\u00fchrten Transplantation eine Pressekonferenz in ebendiesem H\u00f6rsaal statt, in der die \u00c4rzte \u00fcber die erfolgte Operation berichteten. Diese Pressekonferenz wurde vom damaligen Gesundheitsdirektor B\u00fcrgi angeordnet. So hat also die Pressekonferenz, in welcher die breite Bev\u00f6lkerung \u00fcber die neuste Errungenschaft in der Medizin zu dieser Zeit informiert wurde, in einem H\u00f6rsaal stattgefunden, welcher normalerweise f\u00fcr die Aus- und Weiterbildung von Studierenden verwendet wird. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, welcher Stellenwert diesem H\u00f6rsaal zugeschrieben wurde: In der Medizin ging es nicht mehr nur um die Behandlung von Patienten, die Ausbildung von Studierenden, die Erforschung neuer Bereiche und das Vermitteln von Wissen nehmen einen wichtigen Platz ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Literatur:<br><a href=\"https:\/\/www.med.uzh.ch\/de\/fakultaet\/Geschichte\/Pers%C3%B6nlichkeiten\/%C3%85ke-Senning.html\">\u00c5ke Senning (1915-2000) | Medizinische Fakult\u00e4t | UZH<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1664-204X\/14\/4\/109\">Ake Senning\u2014Pionier der Schweizer Herzchirurgie in Z\u00fcrich: Zu seinem 10. Todestag und zum 50-Jahr-Jubil\u00e4um der Herzchirurgie am <\/a><a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1664-204X\/14\/4\/109\">Universit\u00e4tsSpital<\/a><a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1664-204X\/14\/4\/109\"> Z\u00fcrich<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/wissen\/gesundheit\/50-jahre-herztransplantation-wem-gehoert-mein-herz\">50 Jahre Herztransplantation &#8211; Wem geh\u00f6rt mein Herz? &#8211; Wissen &#8211; SRF<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildquellen:<br><a href=\"https:\/\/www.usz.ch\/app\/uploads\/2022\/06\/Raeumlichkeiten_Veranstaltungen.pdf\">Abbildung 1: KA_R\u00e4umlichkeiten_Veranstaltungen_DL_ProFiler313<\/a> (Seite 9)<a href=\"https:\/\/www.med.uzh.ch\/de\/fakultaet\/Geschichte\/Pers%C3%B6nlichkeiten\/%C3%85ke-Senning.html\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.med.uzh.ch\/de\/fakultaet\/Geschichte\/Pers%C3%B6nlichkeiten\/%C3%85ke-Senning.html\">Abbildung 2: \u00c5ke Senning (1915-2000) | Medizinische Fakult\u00e4t | UZH<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der H\u00f6rsaal OST steht sinnbildlich f\u00fcr die Entwicklung des Spitals als Lehr- und Forschungsinstitution, wo nicht nur Patienten behandelt, sondern auch Studenten ausgebildet werden. <\/p>\n","protected":false},"author":983,"featured_media":4421,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4416","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-ort","czr-hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/983"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4416"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4590,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4416\/revisions\/4590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}