{"id":4045,"date":"2025-11-18T14:41:47","date_gmt":"2025-11-18T13:41:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=4045"},"modified":"2025-12-10T00:47:57","modified_gmt":"2025-12-09T23:47:57","slug":"notbrunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/notbrunnen\/","title":{"rendered":"Die Notwasserbrunnen"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Beispiel: Kirche Balgrist, Lenggstrasse\/Russenweg (<a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/ZifKsefYoNKVMr6T8\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">A. G\u00f6tz<\/h5>\n\n\n\n<p>Z\u00fcrich ist mit \u00fcber 1\u2019200 Brunnen und der weltweit h\u00f6chsten Brunnendichte als Brunnenstadt bekannt. Diese Vielzahl an Brunnen steht sinnbildlich f\u00fcr die lange Tradition der Wasserversorgung in der Stadt, die bis heute eine zentrale Rolle f\u00fcr Gesundheit, Hygiene und \u00f6ffentliche Sicherheit spielt. Von den rund 1\u2019200 Brunnen werden etwa 400 aus dem Quellwassernetz gespeist, und \u00fcber 80 davon sind als Notwasserbrunnen ausgewiesen. Sie sind \u00fcber alle Quartiere und Kreise verteilt und bilden ein sichtbares Netz im Stadtraum. Ihre Funktion besteht darin, im Krisenfall Trinkwasser aus einem unabh\u00e4ngigen Quellwassersystem zug\u00e4nglich zu machen.<br> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"4131\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4131\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-225x300.jpeg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/IMG_6471-2-Kopie-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2022\/08\/22FS-Sexuualberatung-Geb\u00e4ude-alt-752x1024.jpg\">Abb.1: Notwasserbrunnen bei der Kirche Balgrist, Lenggstrasse\/Russenweg<br><br><\/a><\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Wasserversorgung<\/h5>\n\n\n\n<p>Die heutige Trinkwasserversorgung Z\u00fcrichs basiert auf einem Drei-S\u00e4ulen-System. Rund 70 Prozent des Wassers stammen aus aufbereitetem Seewasser, 15 Prozent aus Grundwasser und weitere 15 Prozent aus Quellwasser. Insgesamt versorgt die Wasserversorgung Z\u00fcrich mehr als eine Million Menschen. Die Qualit\u00e4t des Trinkwassers wird laufend chemisch und mikrobiologisch \u00fcberpr\u00fcft und z\u00e4hlt zu den bestkontrollierten Lebensmitteln der Schweiz. Eine besondere Stellung nimmt das Quellwassersystem ein. Es wird von rund 280 Quellen aus dem Sihl- und Lorzetal sowie aus dem Stadtgebiet gespeist, ist \u00fcber 150 Kilometer lang und f\u00fchrt dank nat\u00fcrlichem Gef\u00e4lle ohne Pumpen in die Stadt. Dieses System bleibt somit auch bei einem Stromausfall funktionst\u00fcchtig und stellt eine unabh\u00e4ngige Ressource dar. Parallel dazu verf\u00fcgt die Wasserversorgung \u00fcber Notstromaggregate, mit denen die regul\u00e4re Versorgung im Ernstfall f\u00fcr eine begrenzte Zeit weitergef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notwasserbrunnen greifen auf dieses eigenst\u00e4ndige Quellwassernetz zur\u00fcck. Sie wurden in den 1990er Jahren vom Z\u00fcrcher Designer Alfred Aebersold gestaltet und sind bewusst einheitlich gehalten. Das bronzene Geh\u00e4use verf\u00fcgt \u00fcber einen Trinkwassersprudel, eine kleine Ablagefl\u00e4che und einen tieferen Hundetrog. Im Alltag erscheinen sie als gew\u00f6hnliche Trinkbrunnen, doch im Inneren verbirgt sich ein hydranten\u00e4hnlicher Aufbau. Bei einem Versorgungsausfall k\u00f6nnen die Brunnen seitlich ge\u00f6ffnet und mit einer Verteilerbatterie versehen werden, sodass sie zu Zapfstellen f\u00fcr Quellwasser werden. Die Brunnen dienen dabei nicht nur der Abgabe von Wasser, sondern markieren im Stadtbild jene Punkte, an denen im Ernstfall Trinkwasser verf\u00fcgbar bleibt. Sie zeigen somit \u00f6ffentlich sichtbar an, welche Brunnen an das unabh\u00e4ngige Quellwassersystem angeschlossen sind und im Notfall zug\u00e4nglich bleiben.<br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">\u00d6ffentliche Wahrnehmung und Bedeutung<\/h5>\n\n\n\n<p>Im Alltag werden die Notwasserbrunnen von vielen Z\u00fcrcherinnen und Z\u00fcrchern kaum bewusst wahrgenommen. Sie stehen unauff\u00e4llig im Stadtbild, erf\u00fcllen aber eine wichtige Funktion im Rahmen der st\u00e4dtischen Vorsorge. Ihre Pr\u00e4senz verweist darauf, dass Wasserversorgung nicht nur ein technisches System, sondern ein zentraler Bestandteil der \u00f6ffentlichen Gesundheit ist. Die M\u00f6glichkeit, im Ernstfall auch ausserhalb der regul\u00e4ren Versorgung auf eine sichere Wasserquelle zugreifen zu k\u00f6nnen, schafft eine Form von Resilienz, die sich nicht im t\u00e4glichen Konsum zeigt, aber im Hintergrund wesentlich bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notwasserbrunnen sind nicht als vollst\u00e4ndige Ersatzl\u00f6sung konzipiert. Sie gew\u00e4hrleisten eine Grundversorgung, die den allt\u00e4glichen Wasserbedarf bei weitem nicht deckt, sondern auf ein gesundheitlich notwendiges Minimum ausgerichtet ist. Die regul\u00e4re Wasserversorgung k\u00f6nnte im Krisenfall f\u00fcr eine begrenzte Zeit mit Notstrom weiterbetrieben werden, w\u00e4hrend die Notwasserbrunnen diese Massnahmen erg\u00e4nzen. In diesem Zusammenspiel zeigt sich ein bestimmtes Verst\u00e4ndnis von Vorsorge, das historische Quellfassungen und moderne Technik verbindet, ohne den Anspruch zu erheben, eine abschliessende L\u00f6sung f\u00fcr alle denkbaren Szenarien darzustellen.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"460\" height=\"160\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/notwasserbrunnen01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4061\" style=\"width:757px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/notwasserbrunnen01.jpg 460w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/11\/notwasserbrunnen01-300x104.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Inbetriebnahme eines Notwasserbrunnens mit acht Anschl\u00fcssen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Notwasserbrunnen stehen damit an der Schnittstelle zwischen st\u00e4dtischer Infrastruktur, \u00f6ffentlicher Gesundheit und Krisenvorsorge. Sie zeigen, wie eine Stadt auf bestehende Ressourcen zur\u00fcckgreifen kann, um im Ausnahmefall ein Mindestmass an Trinkwasserversorgung sicherzustellen, und machen sichtbar, wo diese Ressource im Ernstfall zur Verf\u00fcgung steht. Ihre Bedeutung liegt damit nicht nur in der technischen Funktion, sondern auch in der Orientierung, die sie im \u00f6ffentlichen Raum schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">         <br><br><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bildquellen<br>Abb. 1: Eigene Aufnahme. <em>Notwasserbrunnen bei der Kirche Balgrist, Lenggstrasse\/Russenweg, Z\u00fcrich.<\/em> 2025.<br>Abb. 2: Wehrbachtobel. <em>Notwasserbrunnen.<\/em> URL: http:\/\/www.wehrenbachtobel.ch\/wasserbau\/notwasserbrunnen.htm (Zugriff: 18.11.2025).<br><br>Literatur<br>Blanc, Jean-Daniel.<strong> <\/strong><em>Die Stadt und das Wasser. 150 Jahre moderne Wasserversorgung in Z\u00fcrich.<\/em> Z\u00fcrich, Orell F\u00fcssli Verlag, 2018.&nbsp;<br>Engi, Riccarda. Interview. Wasserversorgung Z\u00fcrich, Information und Kommunikation, 2025.<br>Stadt Z\u00fcrich<strong>.<\/strong> <em>Trinkwasser und Brunnen.<\/em> URL: https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/de\/umwelt-und-energie\/wasser\/trinkwasser\/brunnen.html (Zugriff: 18.11.2025).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Notwasserbrunnen in Z\u00fcrich zeigen, wie technische Planung und gesundheitliche Vorsorge zusammenwirken, um die Bev\u00f6lkerung auch in Krisenzeiten zuverl\u00e4ssig mit sauberem Trinkwasser aus dem unabh\u00e4ngigen Quellwassersystem der Stadt zu versorgen.<\/p>\n","protected":false},"author":971,"featured_media":4061,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,57,121,78,34,171],"tags":[],"class_list":{"0":"post-4045","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-20-jahrhundert","8":"category-21-jahrhundert","9":"category-hygiene","10":"category-notfaelle","11":"category-stadtkreis-8","12":"category-wasserversorgung","13":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/971"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4045"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4349,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions\/4349"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}