{"id":3679,"date":"2025-05-07T02:19:15","date_gmt":"2025-05-07T00:19:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=3679"},"modified":"2025-05-18T14:37:05","modified_gmt":"2025-05-18T12:37:05","slug":"kurhaus-waidberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/kurhaus-waidberg\/","title":{"rendered":"Das Kurhaus Waidberg"},"content":{"rendered":"\n<p>Waidbadstrasse 151 (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;usp=sharing\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Sandra B\u00fchler<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\">Um die Jahrhundertwende verwirklichen LebensreformerInnen im Waidberg ihr Lebensideal: Luft- und Sonnenkuren in leichter Bekleidung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"422\" data-id=\"3680\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen-1024x422.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3680\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen-1024x422.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen-300x124.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen-768x317.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen-1536x634.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/BAZ_113789-Screen.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">Abb. 1 Kurhaus Waidberg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oberhalb von Wipkingen, herrlich im Walde gelegen, gr\u00fcndete der Pfarrer Theodor Stern aus K\u00f6niz in Bern 1902 das Kurhaus Waidberg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Z\u00fcrichs Bl\u00fctezeit der Kur- und Heilb\u00e4der<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Verschiedene kleine Z\u00fcrcher Kur- und Heilb\u00e4der verdanken ihre Existenz der Reformation. Seit dem Sp\u00e4tmittelalter erfuhr die Stadt Z\u00fcrich einen regelrechten Kurb\u00e4der-Boom. Nicht nur zogen es viele Z\u00fcrcherinnen und Z\u00fcrcher vor, in der nahen Umgebung zur Kur zu gehen, statt zu den in katholischen Gebieten liegenden grossen B\u00e4dern zu reisen, auch f\u00fchlten sich Z\u00fcricherInnen im katholischen Baden nicht mehr sicher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie heilte man im Kurhaus Waidberg?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Fokus des Kurhaus Waidberg war die Lichtluftpraxis \u2013 also eine gesundheitliche Anwendung mit Licht und frischer Luft, besonders im Zusammenhang mit Freiluftgymnastik. Herr Stern baute f\u00fcnf Lufth\u00fctten, dazu je ein Herren- und ein Damen-Sonnenbad mit Sichtschutz, einen Tennisplatz und ein alkoholfreies Restaurant. Obwohl das Kurhaus \u00f6ffentlich war, fanden sich vor allem wohlhabende Z\u00fcrcherInnen in den B\u00e4dern ein. Das Kurhaus diente sowohl station\u00e4ren als auch tagesbesuchenden G\u00e4sten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Anstalt der Allgemeinheit besser zug\u00e4nglich zu machen, versuchte Gr\u00fcnder und Besitzer, Herr Stern, 1906 das Kurhaus zusammen mit einem Konsortium bestehend aus \u00c4rzten, dem Pr\u00e4sidenten des M\u00e4nnerturnvereins, Architekten, Pfarrern, etc. in eine Genossenschaft umzuwandeln.<br>Zur Finanzierung wurden Anteilsscheine zu 100, beziehungsweise 500 Franken angeboten. Diese berechtigten zu einem Luftbadabonnement mit 20 Coupons oder zu einer Saisonkarte, was einem Zinsertrag von 6 bis 10 Prozent entspricht. Wer eine Barauszahlung bevorzugt, erhielt eine Dividende von 8 Prozent.<br>Um den Zugang zur Anlage zu erleichtern, wurden regelm\u00e4ssige Automobilverbindungen zur Stadt durchgef\u00fchrt, bis die vorgesehene Trambahn realisiert war. Dar\u00fcber hinaus wurden eine Verbesserung und Erweiterung der Anlage auf benachbarte Fl\u00e4chen vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"765\" height=\"600\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/Kurhaus-Waidberg-Kurhauschen-3.8.1908-Korrigiert-Quick-Preset_800x627.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3694\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/Kurhaus-Waidberg-Kurhauschen-3.8.1908-Korrigiert-Quick-Preset_800x627.jpg 765w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/Kurhaus-Waidberg-Kurhauschen-3.8.1908-Korrigiert-Quick-Preset_800x627-300x235.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2 Lufth\u00e4uschen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>\u00abGemeinsame Lichtluftb\u00e4der werden schon seit Jahren in der Kuranstalt Waidberg bei Z\u00fcrich genommen. Dort ist es sogar \u00fcblich, dass die Kurg\u00e4ste in der Luftbadtracht stundenweise Spazierg\u00e4nge ausserhalb der Anstalt machen, woran sich die umliegenden Dorfbewohner schon lange nicht mehr kehren, da sie es gew\u00f6hnt sind.\u00bb<\/p><cite><em>Zitat von Richard Ungewitter, einem deutschen Pionier der Freik\u00f6rperkultur. In seinem Werk \u00abNackt\u00bb aus dem Jahr 1908<\/em>.<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Am 1. April 1907 gr\u00fcndeten Anna und Hedwig Stoll aus Stein am Rhein eine Kollektivgesellschaft A. &amp; H. Stoll in H\u00f6ngg und \u00fcbernahmen ab dem 18. September desselben Jahres unter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ihres Vaters den Betrieb des Kurhauses Waidberg. Doch bereits am 31. M\u00e4rz 1909 erlosch die Kollektivgesellschaft aufgrund eines Wegzuges der Gesellschafterinnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Heilungsort zum Genussort<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach dem 1. Weltkrieg begann der Niedergang vieler Kurh\u00e4user. Krankheiten wie Tuberkulose, f\u00fcr die Sanatorien urspr\u00fcnglich da waren, konnten ab den 1920er Jahren zunehmend medizinisch besser behandelt werden.<br>Seit 1921 waren in dem Geb\u00e4ude diverse Speiserestaurants, heute das \u00abTessin Grotto\u00bb. Die Lufth\u00fctten wurden 1922 abgebrochen. Nachdem 1939 der damalige Restaurantinhaber ein 50-Meter-Badebecken mit Unterwasserbeleuchtung f\u00fcr den n\u00e4chtlichen Schwimmbetrieb bauen liess, wurde auch dies 1969 wieder eingestellt und 1980 zugesch\u00fcttet.<br>Das Kurhaus Waidberg und heute das Tessin Grotto stehen f\u00fcr ein tiefes menschliches Bed\u00fcrfnis: Draussen zu sein, Freiheit zu erleben, Gesundheit oder Genuss zu suchen. Das Bed\u00fcrfnis nach einer kleinen Auszeit bleibt, nur die Form hat sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"344\" height=\"258\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/grafik-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3685\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/grafik-1.png 344w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/grafik-1-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3 Speiserestaurant &#8222;Tessin Grotto&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1906 geplant, nie realisiert: Ein Kurhaus auf der Waid, vier Stockwerke hoch, mit Terrasse und Balkonen.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1906 planten der Financier Jul. Escher und die Architekten A. Welti-Herzog und Sohn den Bau eines Kurhauses auf der Waid. Das Landgut stand leer, nachdem Paul und Maria Wunderli 1885 gestorben waren. Das geplante Kurhaus sollte ein Restaurant, ein 50 Meter hoher Aussichtsturm mit Elevator, ein Tennisplatz und Chalets umfassen. Zudem war eine erweiterte Tramlinie angedacht. Mit einer j\u00e4hrlichen Kapazit\u00e4t von 9.500 Kurg\u00e4sten und gesch\u00e4tzten Kosten von \u00fcber einer Million Franken scheiterte das Projekt an den hohen Ausgaben. 1907 kaufte die Stadt Z\u00fcrich das Waidgut und plante stattdessen ein Spital. Heute stehen das Waidspital und das Restaurant \u00abDie Waid\u00bb an der Stelle des geplanten Kurhauses.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3687\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default-768x576.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2025\/04\/on-Damals-0918-IV_1_Projekt_Kurhaus_Waid_1906-b-1600x0-c-default.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4 Projektiertes Kurhaus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Abb. 1: Kurhaus Waidberg, Baugeschichtliches Archiv der Stadt Z\u00fcrich, Datum unbekannt, BAZ_113789.<br>Abb. 2: Lufth\u00e4uschen, Sammlung Richard Limburg, 1908<br>Abb. 3: Restaurant Tessin Grotto, 2025, Sandra B\u00fchler.<br>Abb. 4: Projektiertes Kurhaus, <a href=\"https:\/\/wipkinger-zeitung.ch\/planertraeume\/\">https:\/\/wipkinger-zeitung.ch\/planertraeume\/<\/a>, zuletzt abgerufen am 12.04.2025<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">NZZ, Nummer 96, 6. April 1906 Ausgabe 2<br>NZZ, Nummer 106, 17. April Ausgabe 2<br>Chronik der Stadt Z\u00fcrich, Nummer 14, 7. April 1906 \u2013 Seite 108<br>NZZ: Schlemmen und baden wie der Reformator Heinrich Bullinger: Weshalb Z\u00fcrich vor 500 Jahren einen Kurb\u00e4der-Boom erlebte, 09.03.2023<br>Wipkinger Zeitung: <a href=\"https:\/\/wipkinger-zeitung.ch\/planertraeume\/\">https:\/\/wipkinger-zeitung.ch\/planertraeume\/<\/a>, Martin B\u00fcrlimann, September 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fokus des Kurhaus Waidberg war die Lichtluftpraxis \u2013 also eine gesundheitliche Anwendung mit Licht und frischer Luft, besonders im Zusammenhang mit Freiluftgymnastik. <\/p>\n","protected":false},"author":954,"featured_media":3686,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,25,99,121,36,117],"tags":[160,159],"class_list":{"0":"post-3679","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-20-jahrhundert","8":"category-badeanstalt","9":"category-fuersorge","10":"category-hygiene","11":"category-stadtkreis-10","12":"category-tuberkulose","13":"tag-freikoerperkultur","14":"tag-kurhaus","15":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/954"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3679"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3679\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3972,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3679\/revisions\/3972"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}