{"id":3471,"date":"2024-11-26T22:38:33","date_gmt":"2024-11-26T21:38:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=3471"},"modified":"2025-02-23T13:27:38","modified_gmt":"2025-02-23T12:27:38","slug":"die-julius-klaus-stiftung-fuer-anthropologie-und-rassenhygienik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/die-julius-klaus-stiftung-fuer-anthropologie-und-rassenhygienik\/","title":{"rendered":"Die Julius-Klaus-Stiftung f\u00fcr Anthropologie und Rassenhygienie"},"content":{"rendered":"\n<p>K\u00fcnstlergasse 15, 8001 Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;usp=sharing\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Natalie Millard<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><em>Im Zentrum Z\u00fcrichs, wo sich der heutige Sitz des Rektorats der Universit\u00e4t Z\u00fcrich befindet, war einst der ehemalige Sitz der Julius-Klaus-Stiftung f\u00fcr Vererbeforschung, Sozialanthropologie und Rassenhygiene, welches ein dunkles Kapitel der Schweizer Wissenschafts- und Forschungsgeschichte darstellt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"833\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-1024x833.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3514\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-1024x833.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-300x244.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-768x625.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-1536x1249.jpeg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/Stockargut-Innen-Raemibuehl-2048x1666.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb 1: Kurslaboratorium des Anthropologischen Instituts der Universit\u00e4t im Stockargut um 1936<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Die Stiftung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stiftung wurde im Jahr 1921 von Julius Klaus (1849-1920) in Z\u00fcrich gegr\u00fcndet und war von grosser Bedeutung in der eugenischen Forschung der Schweiz. Klaus stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie im Z\u00fcrcher Oberland und vermachte sein gesamtes Verm\u00f6gen, im Wert von 1,3 Millionen Schweizer Franken, der Stiftung mit dem Ziel, die \u201cRassenhygiene\u201d zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stiftung f\u00f6rderte in grossen Massen die eugenisch orientierte Vererbungs- und Rassenforschung an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, die darauf abzielten, \u201cerbgesunde\u201d Familien zu f\u00f6rdern und \u201cgenetische Fehler\u201d auszumerzen, um somit eine Verbesserung des Erbguts der Bev\u00f6lkerung zu erschaffen und betrieb \u00fcber das Jahr 1945 hinaus selbst eugenische Forschung. Die Stiftung trug dazu bei, dass Z\u00fcrich auch nach dem Ersten und auch w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieg ein bedeutendes Zentrum der internationalen Eugenik blieb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"729\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-1024x729.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3472\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-1024x729.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-300x213.jpeg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-768x546.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-1536x1093.jpeg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_0466-2-2048x1457.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Stockargut mit Universit\u00e4rem Geb\u00e4ude im Hintergund, 1980<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Stockargut und dessen Pavillon gegen\u00fcberliegend wurden 1740 erbaut und ab 1936, als das Rektorat der Universit\u00e4t Z\u00fcrich die R\u00e4umlichkeiten bezog, auch als Sitz f\u00fcr das Anthropologische Institut verwendet. Die Julius-Klaus Stiftung zog zeitgleich auch ihren Sitz in dessen R\u00e4umlichkeiten und verblieb dort bis 1951. Das Stockargut wurde \u00fcber die Jahre zu einem Zentrum der Eugenik-Forschung. Im Pavillon wurden auch einige Zeit lang gewisse Knochenskelette des Instituts gelagert.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wird das Stockargut weiterhin als Sitz f\u00fcr das Rektorat benutzt, allerdings zog das Anthropologische Institut 1979 in den Neubau am Campus Irchel, wo es zu einem Hauptakteur in der wissenschaftlichen Umsetzung eugenischer Ideen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Experimente und Lehrveranstaltungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Julius-Klaus-Stiftung finanzierte eine Reihe von Forschungsarbeiten, die sich mit der Vererbungslehre, Sozialanthropologie und Eugenik befassten. Besonders umstritten waren die Experimente zur Kategorisierung von Menschen anhand von rassebiologischen Merkmalen. Forscher f\u00fchrten Sch\u00e4delmessungen, Blutanalysen und anthropologische Studien durch, um \u201cerblich minderwertige\u201d Gruppen zu identifizieren. Diese Studien dienten sp\u00e4ter als Grundlage f\u00fcr die Sterilisationsgesetze, die weltweit umgesetzt wurden.<br><br>Neben den Experimenten organisierte die Stiftung auch Vorlesungen zur Rassenhygiene an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, die in den 1920er- und 1930er-Jahren Teil des regul\u00e4ren Lehrplans waren. Themen wie die F\u00f6rderung \u201cerbgesunder Familien\u201d und die \u201cAusmerzung genetischer Defekte\u201d wurden dort gelehrt und fanden breite Akzeptanz in akademischen Kreisen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-scaled.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3468\" style=\"width:683px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-scaled.jpeg 1920w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-225x300.jpeg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/IMG_3839-1536x2048.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Stockargut mit Universit\u00e4rem Geb\u00e4ude im Hintergund, Heute<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wandel und heutige Nutzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den 1970er-Jahren distanzierte sich die Stiftung von ihren urspr\u00fcnglichen Zielen. Der Begriff \u201cRassenhygiene\u201d wurde aus den Statuten entfernt, und die Forschung konzentrierte sich fortan auf moderne Genetik und Anthropologie. Dies spiegelte die gesellschaftliche Abkehr von eugenischen Ideologien wider, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend in Verruf geraten waren.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1980er-Jahre gab es eine umfassende Renovation, wobei die \u00e4ussere Fassade sowie auch das innere des Geb\u00e4udes restauriert wurden. Dank diesen bem\u00fchungen ist die historische Atmosph\u00e4re erhalten geblieben auf eine Art, dass moderne Nutzungen integriert werden k\u00f6nnen. Das Stokargut wird heutzutage weiterhin vom Rektorat der Universit\u00e4t Z\u00fcrich als Sitz verwendet, und das gegen\u00fcberliegende Pavillon f\u00fcr Veranstaltungen und Konzerte zum Nutzen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Abb. 1: raemibuehl.mng.ch<br>Abb. 2: (UAZ) E.5.2.22: Stockargut um 1980. Bild: Kantonales Hochbauamt Z\u00fcrich<br>Abb. 3: Eigenaufnahme<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Literaturquellen<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Haas Henriette (2020). Is there a skeleton in the closet of the Julius Klaus foundation? Famielienforschung Schweiz: Jhrbuch 47:221-264.<br>Pascal Germann: &#8222;Julius Klaus-Stiftung&#8220;, in:&nbsp;Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.06.2024.0. <br><a href=\"https:\/\/raemibuehl.mng.ch\/web\/node\/84.html\">https:\/\/raemibuehl.mng.ch\/web\/node\/84.html<\/a> : Otto Schlaginhaufen (1879-1973), Sozialanthropologe<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum Z\u00fcrichs, wo sich der heutige Sitz des Rektorats der Universit\u00e4t Z\u00fcrich befindet, war einst der ehemalige Sitz der Julius-Klaus-Stiftung f\u00fcr Vererbeforschung, Sozialanthropologie und Rassenhygiene, welches ein dunkles Kapitel der Schweizer Wissenschafts- und Forschungsgeschichte darstellt.<\/p>\n","protected":false},"author":937,"featured_media":3472,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,9,46,1,10,28,22,5],"tags":[142],"class_list":{"0":"post-3471","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-20-jahrhundert","8":"category-institution","9":"category-lehranstalt","10":"category-ort","11":"category-person","12":"category-stadtkreis-1","13":"category-verein","14":"category-zeit","15":"tag-julius-klaus","16":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/937"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3471"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3654,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3471\/revisions\/3654"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}