{"id":3352,"date":"2024-11-25T17:24:11","date_gmt":"2024-11-25T16:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=3352"},"modified":"2025-02-23T13:48:43","modified_gmt":"2025-02-23T12:48:43","slug":"poliklinik-kinderspital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/poliklinik-kinderspital\/","title":{"rendered":"Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"\n<p>Steinwiesstrasse 75, 8032 Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;usp=sharing\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Elia Neidhardt<\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Begriff Poliklinik<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung &#8222;Poliklinik&#8220; leitet sich von den griechischen W\u00f6rtern &#8222;polis&#8220; (Stadt) und &#8222;kline&#8220; (Bett, Krankenlager) ab. Der Begriff wird f\u00fcr Einrichtungen verwendet, die ambulante medizinische Behandlungen anbieten und somit keine station\u00e4re Aufnahme erfordern. Im Laufe der Zeit wurden Polikliniken zu zentralen Institutionen innerhalb des Gesundheitssystems, die sich durch ihre Zug\u00e4nglichkeit und spezialisierte Versorgung auszeichneten. Die Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich ist ein exemplarisches Beispiel f\u00fcr diesen Wandel, sowohl architektonisch als auch funktional.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich: Entstehung und Funktion<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich wurde zwischen 1936 und 1939 im Zuge der umfassenden Neugestaltung des Klinikareals erbaut. Die Planung und Ausf\u00fchrung erfolgten unter der Leitung des Architekten Otto Rudolf Salvisberg, zu Beginn noch in Zusammenarbeit mit Richard von Muralt. Diese Bauphase war Teil eines ehrgeizigen Projekts, das von der Eleonorenstiftung finanziert wurde, um den steigenden Bedarf an kinder\u00e4rztlicher Versorgung zu decken. Salvisbergs Gestaltung zeichnete sich durch klare Linien, funktionale Strukturen und eine moderne \u00c4sthetik aus, die speziell auf die Bed\u00fcrfnisse von Kindern und ihren Familien abgestimmt war.\u00b9 (S. 22\u201324)<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Kinderambulanz beinhaltete die Poliklinik auch einen H\u00f6rsaal mit Platz f\u00fcr 180 Studierende sowie Schlafpl\u00e4tze f\u00fcr Krankenschwestern. Der Hauptempfangsbereich und die Untersuchungsr\u00e4ume waren geschickt in einem L-f\u00f6rmigen Bauk\u00f6rper angeordnet, der den Zugang zu den einzelnen Geb\u00e4udetrakten erleichterte. Diese Struktur spiegelte den Fokus auf Effizienz und Funktionalit\u00e4t wider. Die Terrassen und gro\u00dfz\u00fcgigen Fensterfronten sorgten f\u00fcr eine helle und einladende Atmosph\u00e4re, was besonders in der Kindermedizin von Bedeutung ist.\u00b2 (S. 81\u201383)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"756\" height=\"402\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-15.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3369\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-15.png 756w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-15-300x160.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"755\" height=\"311\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-12.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3364\" style=\"width:327px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-12.png 755w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-12-300x124.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 755px) 100vw, 755px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Bild 1 und Bild 2<\/strong> : Die schematische Darstellung des Geb\u00e4udes aus der Bauphase (erste Bildreihe aus der Quelle 1, S. 22).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Architektonische Besonderheiten und Wandel<\/h3>\n\n\n\n<p>Salvisbergs Poliklinik war nicht nur funktional, sondern auch architektonisch innovativ. Der Bau wurde in monolithischer Stahlbetonweise errichtet, was es erm\u00f6glichte, die Wandst\u00e4rken zu reduzieren und gleichzeitig gro\u00dfe Fensterfl\u00e4chen einzusetzen, um eine optimale Belichtung zu gew\u00e4hrleisten. Diese Bauweise war zu jener Zeit in der Schweiz revolution\u00e4r. Die Fassade wurde mit wei\u00df lasierender Mineralfarbe versehen, wodurch die klare und moderne \u00c4sthetik unterstrichen wurde.\u00b9 (S. 23\u201324)<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1980er Jahren erfuhr die Poliklinik jedoch erhebliche Ver\u00e4nderungen. Die Fassade wurde verputzt, und nahezu alle Fenster wurden ausgetauscht. Der H\u00f6rsaaltrakt wurde bis auf geringe Reste der Au\u00dfenmauern abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Einige originale Elemente blieben erhalten, darunter der Eingangsbereich mit seinen charakteristischen Blumenfenstern.\u00b9 (S. 24\u201325)<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst nach der Unterschutzstellung des Geb\u00e4udes im Jahr 1995 wurden Teile der urspr\u00fcnglichen Ausstattung entfernt. Dazu z\u00e4hlten Einbaum\u00f6bel sowie die \u00fcber das gesamte Geb\u00e4ude verteilten Kleiderhaken und Ablagen. Diese Ver\u00e4nderungen verdeutlichen den Spannungsbogen zwischen Denkmalpflege und der Anpassung an moderne Anforderungen.\u00b9 (S. 25\u201327)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"751\" height=\"506\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-16.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3370\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-16.png 751w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-16-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 751px) 100vw, 751px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bild 3<\/strong>: Der H\u00f6rsaal und die urspr\u00fcngliche Innenausstattung (Quelle 1, S. 24).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medizinische und gesellschaftliche Bedeutung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Poliklinik spielte nicht nur architektonisch, sondern auch medizinisch eine zentrale Rolle. Sie war ein Ort der Innovation und Ausbildung, an dem Studierende der Medizin erste praktische Erfahrungen sammelten. Zudem war sie f\u00fcr viele Familien der erste Anlaufpunkt bei medizinischen Anliegen. Die r\u00e4umliche Trennung von infekti\u00f6sen und nichtinfekti\u00f6sen Patienten spiegelte die Fortschritte im Umgang mit ansteckenden Krankheiten wider.\u00b2 (S. 112\u2013114)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zeit wandelte sich die Funktion der Poliklinik: Von einem Zentrum der ambulanten Versorgung hin zu einem Geb\u00e4ude, das zunehmend durch neue Anforderungen und technische Entwicklungen gepr\u00e4gt wurde. Dieser Wandel ist exemplarisch f\u00fcr die st\u00e4ndige Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und die damit verbundenen Herausforderungen.\u00b2 (S. 112\u2013114)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"562\" height=\"365\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-23.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3386\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-23.png 562w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-23-300x195.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 562px) 100vw, 562px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"564\" height=\"365\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3388\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-24.png 564w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/11\/image-24-300x194.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bild <\/strong>4: Poliklinik Eingangshalle Westseite an der Steinwiessstrasse 1939 und 2020 (Quelle 1, S. 28).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich ist ein herausragendes Beispiel f\u00fcr die Verbindung von Architektur, Medizin und Gesellschaft. Ihre Geschichte verdeutlicht, wie eng bauliche Gestaltung und medizinische Versorgung miteinander verkn\u00fcpft sind und wie diese Beziehung den Anforderungen der Zeit angepasst wurde. Trotz der Ver\u00e4nderungen bleibt das Geb\u00e4ude ein Zeugnis f\u00fcr den Pioniergeist seiner Erbauer und die Bedeutung des Kinderspitals Z\u00fcrich als medizinische Institution.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Das Kinderspital in Z\u00fcrich-Hottingen von Otto Rudolf Salvisberg mit Richard von Muralt (1930\u20131939)<\/strong>. Seiten: 22\u201328.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wiesmann, Matthias (2018). <em>150 Jahre Kinderspital Z\u00fcrich<\/em><\/strong>. Seiten: 80\u201385, 112-114.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Poliklinik des Kinderspitals Z\u00fcrich ist ein herausragendes Beispiel f\u00fcr die Verbindung von Architektur, Medizin und Gesellschaft. 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