{"id":2808,"date":"2024-05-01T21:35:14","date_gmt":"2024-05-01T19:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=2808"},"modified":"2024-12-07T09:33:45","modified_gmt":"2024-12-07T08:33:45","slug":"kriseninterventionszentrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/kriseninterventionszentrum\/","title":{"rendered":"KIZ Kriseninterventionszentrum"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hilfe f\u00fcr Menschen in aussergew\u00f6hnlichen Lebenssituationen<\/h3>\n\n\n\n<p>Milit\u00e4rstrasse 8, 8004 Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;ll=47.400643803573686%2C8.547791160767217&amp;z=17\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;ll=47.400643803573686%2C8.547791160767217&amp;z=17\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Anouk Weibel<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-cyan-bluish-gray-background-color has-text-color has-background\" style=\"font-style:italic;font-weight:200\">Ein Angebot, das die L\u00fccke zwischen der ambulanten Unterst\u00fctzung durch Notfallpsychiater und einer station\u00e4ren Aufnahme in der Psychiatrie schlie\u00dft &#8211; das Kriseninterventionszentrum (KIZ); zum Zeitpunkt der Einf\u00fchrung eine in der Schweiz v\u00f6llig neue Idee. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Idee <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Das Kriseninterventionszentrum (KIZ) bietet Unterst\u00fctzung f\u00fcr Menschen in besonderen Lebenslagen, ab dem Alter von 18 Jahren. Jeder station\u00e4re Aufenthalt erfolgt freiwillig und kann bis zu maximal sieben Tage dauern. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Aufenthalt im KIZ k\u00f6nnen sehr vielf\u00e4ltig sein, doch oft k\u00f6nnen bereits wenige Tage zu einer sp\u00fcrbaren Entlastung f\u00fchren. Die Krisenintervention erfolgt interdisziplin\u00e4r und beinhaltet viele Gespr\u00e4che, die zur Kl\u00e4rung von Fragestellungen und auch der Stabilisierung dienen. Die R\u00e4umlichkeiten sind bewusst offen gestaltet und sollen den Charakter einer grossen, famili\u00e4ren Wohnung vermitteln. Aufgrund der offenen Behandlungsart ist ein Aufenthalt f\u00fcr Patientinnen und Patienten mit Drogenabh\u00e4ngigkeit, Gewaltbereitschaft und starker Pflegebed\u00fcrftigkeit weniger geeigneten. Eine Anmeldung erfolgt telefonisch und kann auch ohne \u00e4rztliche \u00dcberweisung erfolgen. \u00a0<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1813\" height=\"2417\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2823\" style=\"width:654px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited.jpeg 1813w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited-225x300.jpeg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_7430-edited-1536x2048.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1813px) 100vw, 1813px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Das Kriseninterventionszentrum heute, das ganze Haus geh\u00f6rt zur Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich. Das KIZ befindet sich in einem der oberen Stockwerken.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die <\/strong>Vorgeschichte<\/h5>\n\n\n\n<p>Die Wurzeln des Kriseninterventionszentrums reichen bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck. Damals waren die Notfall\u00e4rzte des \u00c4rzteverbands nicht nur mit medizinischen Notf\u00e4llen konfrontiert, sondern wurden auch mit dem psychiatrischen Notfalldienst beauftragt, der als &#8222;Internierungsdienst f\u00fcr Geisteskranke&#8220; bekannt war. Ihre Aufgabe bestand darin sicherzustellen, dass psychisch kranke oder auff\u00e4llige Personen, die von der Polizei aufgegriffen wurden, in Kliniken einzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts begann sich das Verst\u00e4ndnis von psychiatrischen Krankheitsbildern zu wandeln. Die Trennlinie zwischen mentaler Gesundheit und Krankheit verwischte zunehmend. Diese sozialpsychiatrische Bewegung r\u00fcckte auch die Rolle der geschlossenen Kliniken in den Fokus. Einige betrachteten sie als \u00fcbertrieben und ungerechtfertigt. Es formierte sich die Forderung nach ambulanten Auffangstationen, da sich zeigte, dass ambulante Behandlungsans\u00e4tze in kritischen Situationen h\u00e4ufig nicht ausreichend waren und geschlossene Kliniken mit ihren Methoden als zu drastisch empfunden wurden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"708\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785-708x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2821\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785-708x1024.jpeg 708w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785-207x300.jpeg 207w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785-768x1112.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785-1061x1536.jpeg 1061w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/IMG_0785.jpeg 1111w\" sizes=\"auto, (max-width: 708px) 100vw, 708px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Milit\u00e4rstrasse 8, Fotografie ungef\u00e4hr Mitte des 20. Jahrhunderts<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Umsetzung<\/h5>\n\n\n\n<p>Erste inhaltliche und finanzielle Konzepte f\u00fcr ein Kriseninterventionszentrum wurden Ende der 1970er Jahren entwickelt, doch stiess das Vorhaben anf\u00e4nglich auf Skepsis, vor allem seitens der Stadt und des Kantons. In der Schweiz war die Vorstellung von einem Zentrum mit einem nicht spital\u00e4hnlichen Charakter noch neu und wenig bekannt. Der Kanton zeigte sich zun\u00e4chst auch nur bereit, das KIZ finanziell zu unterst\u00fctzen, wenn es an ein Krankenhaus angegliedert w\u00fcrde. F\u00fcr den \u00c4rzteverband und die Z\u00fcrcher Gesellschaft f\u00fcr Psychiatrie war jedoch schnell klar, dass das Kriseninterventionszentrum einen privaten Charakter haben sollte. Ein Teil der Finanzierung wurde darum schliesslich aus privaten Geldern, durch Sponsoren und Stiftungen aufgewendet. Der gr\u00f6sste Anteil an der Finanzierung wurde dann von der Stadt und dem Kanton Z\u00fcrich \u00fcbernommen. Es ist schade, dass die Umsetzung so lange auf sich hat warten lassen, obwohl Ideen und Konzepte schon fr\u00fch vorhanden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1986 wurde das erste Kriseninterventionszentrum in Aussersihl er\u00f6ffnet. Die Wahl des Geb\u00e4udes erfolgte vermutlich eher zuf\u00e4llig, jedoch mit der Absicht, eine Distanz zu bestehenden Krankenh\u00e4usern zu schaffen. Das Zentrum bot einen freiwilligen Aufenthalt und wurde in einer einladenden Atmosph\u00e4re gestaltet, die eher an eine Wohnung als an eine klinische Einrichtung erinnerte. Trotz seiner vielversprechenden Anf\u00e4nge musste das Zentrum jedoch nach nur acht Jahren seinen Betrieb einstellen. Die \u00f6ffentliche Subventionspolitik hatte sich ge\u00e4ndert, und die Beh\u00f6rden waren nicht mehr bereit, die steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im August 2000 erfolgte die Neuer\u00f6ffnung des Kriseninterventionszentrums an der Milit\u00e4rstrasse. Diesmal wurde das Zentrum an die Psychiatrische Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich (PUK) angegliedert. Die steigende Nachfrage nach psychiatrischen Leistungen f\u00fchrte zu einer zunehmenden Auslastung der PUK. Um diesem Anstieg gerecht zu werden, wurden wieder vermehrt ambulante Einrichtungen, so wie das Kriseninterventionszentrum als Ma\u00dfnahmen zur Entlastung eingerichtet. Dadurch konnten die Aufenthaltsdauern verk\u00fcrzt werden, was die Kapazit\u00e4t des PUK erh\u00f6hte. Die finanzielle Situation des Kriseninterventionszentrum verbesserte sich, da das PUK die Kosten f\u00fcr das KIZ vollends \u00fcbernahm. Dies vereinfachte die finanzielle Situation sehr.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Beitragsbild: wie Abb. 1 (Ausschnitt).<br>Abb. 1: Foto: Anouk Weibel, April 2024<br>Abb. 2: unbekannt: COOP\/LVZ-Filiale, Milit\u00e4rstrasse 8, Z\u00fcrich; Aussenansicht, Fotografie, Schweizerisches Sozialarchiv, Signatur: Sozarch_F_5033-Gb-120<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lengwiler, Martin; Rothenb\u00fchler, Verena: Macht und Ohnmacht der \u00c4rzteschaft. Geschichte des Z\u00fcrcher \u00c4rzteverband im 20. Jahrhundert, Z\u00fcrich 2004.<br>Kistler, Chr. W.: Das Kriseninterventionszentrum KIZ in Z\u00fcrich, in: Intercura 40, Winter 1992 &#8211; 1993, S. 47-49. Online: &lt;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5169\/seals-790421\">https:\/\/doi.org\/10.5169\/seals-790421<\/a>&gt;, Stand:&nbsp;11.3.2024.<br>AutorIn unbekannt: Immer mehr Patienten im Burgh\u00f6lzli. \u00dcberbelegte Akutstationen &#8211; sinkende Aufenthaltsdauer, in: NZZ, 27.04.2001, S. 49<br>Psychiatrische Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich: Krisenintervention. &lt;<a href=\"https:\/\/www.pukzh.ch\/unsere-angebote\/erwachsenenpsychiatrie\/angebote\/stationaere-angebote\/krisenintervention\/\">https:\/\/www.pukzh.ch\/unsere-angebote\/erwachsenenpsychiatrie\/angebote\/stationaere-angebote\/krisenintervention\/<\/a>&gt;, Stand: 29.4.2024<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1986 wurde das erste Kriseninterventionszentrum er\u00f6ffnet. 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