{"id":2733,"date":"2024-04-29T19:59:14","date_gmt":"2024-04-29T17:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/?p=2733"},"modified":"2024-12-01T16:52:08","modified_gmt":"2024-12-01T15:52:08","slug":"sondersiechenhaus-st-jakob","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/sondersiechenhaus-st-jakob\/","title":{"rendered":"Sondersiechenhaus St. Jakob"},"content":{"rendered":"\n<p>Badenerstrasse 15-21 (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/d\/edit?mid=1mdJpaZOFrjwkidVhprBC_38phlQB7J0&amp;usp=sharing\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karte<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Eugen Birchler<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large wp-duotone-unset-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"814\" height=\"900\" data-id=\"2802\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2802\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-1.png 814w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-1-271x300.png 271w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-1-768x849.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: \u00dcbersicht der Badenerstrasse, 1793<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"814\" height=\"900\" data-id=\"2803\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2803\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-2.png 814w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-2-271x300.png 271w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Overlay-2-768x849.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: \u00dcbersicht der Badenerstrasse, 2023<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\">An der heutigen Badenerstrasse im Werd-Quartier der Stadt Z\u00fcrich stand vom 12. bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert ein Geb\u00e4ude, welches mit einer Kapelle ausgestattet war. In seinen letzten Jahren diente es als Metzgerei, genauer als \u00abMetzg &amp; Bratwursterei\u00bb. Das Werd-Quartier im Kreis 4 ist heute das bev\u00f6lkerungsdichteste Quartier der Stadt Z\u00fcrich, nachdem es vor gut 200 Jahren noch vollst\u00e4ndig ausserhalb der Stadtmauer lag. Nicht ohne Grund lag auch dieses mysteri\u00f6se Geb\u00e4ude lange ausserhalb der Stadtmauer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"769\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/2.1920x1080-1024x769.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2794\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/2.1920x1080-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/2.1920x1080-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/2.1920x1080-768x577.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/2.1920x1080.jpg 1438w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Das Pfrundhaus St. Jakob als Metzg- und Bratwursterei, 1903<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wieso wurde das Geb\u00e4ude gebaut?<\/h4>\n\n\n\n<p>Die erste Urkunde des Geb\u00e4udes stammt von 1221. Fachleute gehen davon aus, dass es schon im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Es wurde als Absonderungsanstalt f\u00fcr Auss\u00e4tzige gebaut und war in dieser Hinsicht eines von zwei seiner Art am Rande der Stadt Z\u00fcrich. Der \u00abAussatz\u00bb ist ein \u00dcberbegriff f\u00fcr Infektionskrankheiten, die von Mycobakterien ausgel\u00f6st werden und \u00fcblicherweise die Haut, Schleimh\u00e4ute und periphere Nerven angreifen. Ein sehr bekanntes Beispiel einer solchen Krankheit ist Lepra. Solche Anstalten wurden damals Siechenh\u00e4user genannt. Noch heute heisst \u00abSpital\u00bb auf Holl\u00e4ndisch <em>ziekenhuis<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Feldsiechenhaus (auch Samaritan genannt) war das \u00e4ltere der beiden Siechenh\u00e4user und befand sich &#8211; wie alle anderen dieser Krankenanstalten &#8211; ausserhalb der Stadtmauern, in der N\u00e4he des damaligen Rennwegtores.&nbsp; Das Rennwegtor war der wichtigste und der einzig fahrbare Stadtausgang auf der linken Limmatseite, was zu dieser Zeit eine wichtige Eigenschaft f\u00fcr die Funktion dieser Absonderungsanstalt war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"719\" data-id=\"2825\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-1024x719.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2825\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-1024x719.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-300x211.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-768x539.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-1536x1078.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130345-2048x1437.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Siechenhaus St. Jakob, Radierung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"337\" height=\"220\" data-id=\"2826\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/1.0x220.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2826\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/1.0x220.jpg 337w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/1.0x220-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 337px) 100vw, 337px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 5: Aussersihl mit Kirche St. Jakob, Tuschzeichnung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"766\" data-id=\"2827\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-1024x766.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2827\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-1024x766.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-300x224.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-768x575.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-1536x1149.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144443-2048x1532.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 6: Metzg &amp; Bratwursterei in der Kapelle St. Jakob<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wer waren die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Anstalt?<\/h4>\n\n\n\n<p>In der Zeit, als \u00abAuss\u00e4tzige\u00bb die Anstalt bewohnten, gab es zwei Arten von Insassen (heute w\u00fcrden wir von Patienten sprechen). Einerseits waren es solche, die dauernd in der Anstalt verblieben. &nbsp;Sie wurden nur unter der Bedingung aufgenommen, dass sie sich aus eigenen Mitteln durchbringen konnten, also f\u00fcr Bett, Essen, Ben\u00fctzung des Geschirrs und weitere Kosten zahlen konnten. Zum Beispiel in dem sie durch eine Erbschaft oder Betteln eine eine sogenannte Pfr\u00fcnde, also ein sicheres Einkommen aus einem Kirchenamt, erwerben konnten. Die Insassen wurden deswegen auch als Pfr\u00fcnder genannt. Nur Leute der Vogtei Wiedikon, auf deren Boden das Siechenhaus war, bildeten eine Ausnahme und konnten ab 1424 gratis aufgenommen werden. F\u00fcr die weniger wohlhabenden Auss\u00e4tzigen gab es das Sondersiechenhaus an der Spanweid.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits gab es diejenigen, die sich nur einige Tage &nbsp;im Siechenhaus aufhielten und dann mit ihren erworbenen Almosen wieder weiterzogen. &nbsp;Auch als sp\u00e4ter nur noch gesunde Pfr\u00fcnder die Anstalt bewohnten, stand die Anstalt nur den Stadtb\u00fcrgern zur Verf\u00fcgung. Personen vom Lande und die Mittellosen wurden abgewiesen und dem Siechenhaus an der Spanweid \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Organisation des Siechenhauses<\/h4>\n\n\n\n<p>In beiden dieser zwei Anstalten gab es eine eigene Aufnahmekommission. M\u00f6glicherweise \u00fcbernahm diese auch die \u00e4rztliche Behandlung. Vielleicht wurde die medizinische Arbeit von einem Arzt der Stadt \u00fcbernommen. &nbsp;Genaueres ist nicht bekannt, nur einmal wurde berichtet, dass ein Pfr\u00fcnder der Anstalt einem Arzt am \u00d6tenbach zur Kur \u00fcbergeben wurde. Im Jahre 1781 bestand das Dienstpersonal aus einem Meisterknecht, einer K\u00f6chin, einem \u00abKrankenabwart\u00bb und einem Sigrist.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Sonntagen konnten die Pfr\u00fcnder beim Gottesdienst teilnehmen, falls sie k\u00f6rperlich fit dazu waren. Zu Beginn musste die Anstalt zwei bis viermal pro Woche Messe zu lesen. Auch am Fest des heiligen Lazarus, dem Schutzheiligen der Metzger, der Totengr\u00e4ber, Bettler, Auss\u00e4tzigen und der Leprah\u00e4user, oder bei der Beerdigung eines Auss\u00e4tzigen gab es eine Messe. Der Begriff \u00abLazarett\u00bb stammt ebenfalls vom heiligen Lazarus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"434\" height=\"363\" data-id=\"2815\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Lazarus_Athens.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2815\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Lazarus_Athens.jpg 434w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Lazarus_Athens-300x251.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 7: Auferweckung des Lazarus, 1471-79<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"686\" height=\"1024\" data-id=\"2818\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130443-2-686x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2818\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130443-2-686x1024.png 686w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130443-2-201x300.png 201w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130443-2-768x1146.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-130443-2.png 875w\" sizes=\"auto, (max-width: 686px) 100vw, 686px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 8: Abdruck vom Apostel Jacobus mit Pilgerstab und zwei Muscheln, 1312<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vorschriften und Probleme<\/h4>\n\n\n\n<p>1518 wurde den Pfr\u00fcndern die Wallfahrt erlaubt, am Sonntag durften sie zudem auch in der Stadt um Almosen bitten. In 1538 \u00e4nderte sich das. Die Anstaltsinsassen durften nicht mehr selbst in die Stadt hinein ziehen, 1640 befahl der Stadtrat, dass die Sondersiechen so lange wie m\u00f6glich zu Hause bleiben mussten. So konnten sie nicht mehr unbeaufsichtigt ausserhalb der Anstalt arbeiten. Bei den seltenen Stadtbesuchen mussten sie spezielle R\u00f6cke tragen, die klar machten, dass sie an einer besonderen Krankheit litten. Der Kontakt zwischen Gesunden und den Lepr\u00f6sen wurde so gut wie m\u00f6glich eingeschr\u00e4nkt, um Ansteckungen zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Klasse der Auss\u00e4tzigen, also das \u00abwandernde Volk\u00bb, war ein anderes grosses Problem. Im 16. Jahrhundert gab es die sogenannten Feldsiechen, welche die Anstalt als eine Art Herberge benutzten. Dadurch steckten sie viele Landbewohner an. Andererseits gab es viele Simulanten, die sich wie die Lepr\u00f6sen anzogen um betteln zu k\u00f6nnen. So wurde befohlen, die fremden Siechen an der Grenze abzuweisen. Jeder Ort auf dem Land wurde verpflichtet, f\u00fcr seine Auss\u00e4tzigen ein Siechenhaus zu organisieren. Diese Weisungen wurden aber nie konsequent durchgezogen, was zu grossen Kosten f\u00fcr den Staat f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ehemaliger Friedhof Aussersihl an der Badenerstrasse<\/h4>\n\n\n\n<p>Noch vor den Bauten der neuen Kirche St. Jakob im Jahre 1900, stand am selben Ort an der Badenerstrasse ein Friedhof. Auch dieser Friedhof ehrt denselben Heiligen wie das Pfrundhaus. Schon im 16. Jahrhundert wurden hier Hingerichtete begraben. S\u00fcdwestlich des Pfrundhaus und Kapelle St. Jakob wurden auf einem weiteren Friedhof die Sondersiechen beerdigt. Es folgten daraufhin mehrere Friedhofserweiterungen: 1788 entstand ein neuer Friedhof in n\u00f6rdlicher Richtung, 1820 der ehemalige Friedhof zwischen der Badenerstrasse und der Kaserne und 1870 schliesslich eine weitere Erg\u00e4nzung an der Elisabethenstrasse.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die sp\u00e4teren Jahre der Kapelle und was man heute noch sieht<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Nachfolger der Auss\u00e4tzigen waren gesunde Pfr\u00fcnder, wie zum Beispiel \u00c4ltere und gebrechliche Leute \u00fcber 50 Jahren. Schon seit 1518 waren neben den Auss\u00e4tzigen auch Gesunde aufgenommen worden, von 1667 an waren sie die einzigen Insassen. Alle nachweislich Kranken wurden ab dann dem Siechenhaus an der Spanweid \u00fcbergeben. Die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner der Anstalt schwankte st\u00e4ndig; 1625 waren es acht bis zehn, f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter waren es bereits wieder 50 und 1725 und 1772 wurde die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner durch eine st\u00e4dtische Verordnung wieder auf 40 bzw. 30 begrenzt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bis ins Jahr 1842 wurde das Geb\u00e4ude quasi als Altersheim verwendet. Dann konnten die Bewohnerinnen und Bewohner in ein neues Pfrundhaus umziehen. Dieses Pfrundhaus steht heute neben dem ETH-Hauptgeb\u00e4ude und heisst Gesundheitszentrum f\u00fcr das Alter B\u00fcrgerasyl-Pfrundhaus.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen sp\u00e4teren Jahren wurde das Geb\u00e4ude als Metzgerei verwendet, bis es schliesslich 1903 abgerissen wurde. Von dem Geb\u00e4ude ist heute nichts mehr zu sehen, auf seinem Grund steht jetzt ein Coop-Einkaufszentrum. Neben Photographien sind nur noch wenige \u00dcberbleibsel vorhanden. 1986 wurde bei Ausgrabungen im ehemaligen Friedhof St. Jakob ein Skelett freigelegt. Die Kirche bei der Tramhaltestelle Stauffacher ehrt denselben Heiligen wie das Sondersiechenhaus: Kirche St. Jakob.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2799\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-768x576.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/20240426_164007-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 9: Die Badenerstrasse beim Stauffacher heute.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table><tbody><tr><td><strong>Die zeitliche Entwicklung<\/strong><\/td><td><\/td><\/tr><tr><td>12. Jahrhundert<\/td><td>Bau der Kapelle und Beginn der Aufnahme von Auss\u00e4tzigen.<\/td><\/tr><tr><td>1221<\/td><td>Erste Urkunden des Geb\u00e4udes.<\/td><\/tr><tr><td>1518<\/td><td>Erstmalige Aufnahme von gesunden Pfr\u00fcndern &#8211; z.B. alte gebrechliche Leute \u00fcber 50 Jahren &#8211; neben den Auss\u00e4tzigen.<\/td><\/tr><tr><td>1667<\/td><td>Aufnahme nur noch von gesunden Pfr\u00fcndern, nachweislich Kranke wurden in das Siechenhaus an der Spanweid \u00fcbergeben.<\/td><\/tr><tr><td>1842<\/td><td>Die letzten Bewohner der Anstalt werden in ein neues Pfrundhaus, welches heute neben dem ETH-Hauptgeb\u00e4ude steht.<\/td><\/tr><tr><td>bis 1903<\/td><td>Benutzung des Geb\u00e4udes als Metzgerei.<\/td><\/tr><tr><td>1903<\/td><td>Abriss des Geb\u00e4udes.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"721\" data-id=\"2829\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710-1024x721.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2829\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710-1024x721.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710-300x211.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710-768x541.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710-1536x1082.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144710.png 1746w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 10: Visualisierung des Pfrundhaus St. Jakob<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"766\" data-id=\"2828\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636-1024x766.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2828\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636-1024x766.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636-300x224.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636-768x574.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636-1536x1149.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medizingeschichte\/files\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-28-144636.png 1646w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 11: Visualisierung in der heutigen Umgebung<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen:<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Abb. 1: <a href=\"https:\/\/www.maps.stadt-zuerich.ch\/zueriplan3\/stadtplan.aspx#route_visible=true&amp;basemap=Z%C3%BCrich+1793&amp;map=&amp;scale=2000&amp;xkoord=2682519.7100634407&amp;ykoord=1247581.393896254&amp;lang=&amp;layer=Historische+Bilder%3A%3A59&amp;window=&amp;selectedObject=&amp;selectedLayer=&amp;toggleScreen=&amp;legacyUrlState=&amp;drawings=\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.maps.stadt-zuerich.ch\/zueriplan3\/stadtplan.aspx#route_visible=true&amp;basemap=Z%C3%BCrich+1793&amp;map=&amp;scale=2000&amp;xkoord=2682519.7100634407&amp;ykoord=1247581.393896254&amp;lang=&amp;layer=Historische+Bilder%3A%3A59&amp;window=&amp;selectedObject=&amp;selectedLayer=&amp;toggleScreen=&amp;legacyUrlState=&amp;drawings=<\/a><br>Abb. 2: (<a href=\"https:\/\/earth.google.com\/web\/@47.37389111,8.53076805,410.65690142a,852.92675624d,35y,356.38196247h,0t,0r\/data=OgMKATA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/earth.google.com\/web\/@47.37389111,8.53076805,410.65690142a,852.92675624d,35y,356.38196247h,0t,0r\/data=OgMKATA<\/a>)<br>Abb. 3: <a href=\"https:\/\/www.stadtmodell-zuerich.ch\/de\/detail\/1710\/stauffacher\">https:\/\/www.stadtmodell-zuerich.ch\/de\/detail\/1710\/stauffacher<\/a><br>Abb. 4: Wehrli, Gustaf Adolf: Die Krankenanstalten und die \u00f6ffentlich angestellten \u00c4rzte und Wund\u00e4rzte im alten Z\u00fcrich, Z\u00fcrich 1934, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613\">https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613#236<\/a>)<br>Abb. 5: <a href=\"https:\/\/www.stadtmodell-zuerich.ch\/de\/detail\/1710\/stauffacher\">https:\/\/www.stadtmodell-zuerich.ch\/de\/detail\/1710\/stauffacher<\/a><br>Abb. 6: <a href=\"https:\/\/kreis4unterwegs.ch\/stationen\/siechenhaus-tor-zum-aussersihl\/\">https:\/\/kreis4unterwegs.ch\/stationen\/siechenhaus-tor-zum-aussersihl\/<\/a><br>Abb. 7: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lazarus_of_Bethany\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lazarus_of_Bethany<\/a><br>Abb. 8: Wehrli, Gustaf Adolf: Die Krankenanstalten und die \u00f6ffentlich angestellten \u00c4rzte und Wund\u00e4rzte im alten Z\u00fcrich, Z\u00fcrich 1934, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613\">https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613#236<\/a>)<br>Abb. 9: Eigenaufnahme, E. Birchler<br>Abb. 10: <a href=\"https:\/\/www.bildebene.ch\/portfolio_page\/verschwundene-orte\/\">https:\/\/www.bildebene.ch\/portfolio_page\/verschwundene-orte\/<\/a><br>Abb. 11: <a href=\"https:\/\/www.bildebene.ch\/portfolio_page\/verschwundene-orte\/\">https:\/\/www.bildebene.ch\/portfolio_page\/verschwundene-orte\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literatur:<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1: Wehrli, Gustaf Adolf: Die Krankenanstalten und die \u00f6ffentlich angestellten \u00c4rzte und Wund\u00e4rzte im alten Z\u00fcrich, Z\u00fcrich 1934, Mitteilungen der   Antiquarischen Gesellschaft in Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613\">https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=mag-001:1932:31::613#236<\/a>)<br><br>2: <a href=\"https:\/\/www.alt-zueri.ch\/turicum\/friedhoefe\/ehemalige\/fh_aussersihl_st_jakob.html\">https:\/\/www.alt-zueri.ch\/turicum\/friedhoefe\/ehemalige\/fh_aussersihl_st_jakob.html<\/a><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Urkunde des Geb\u00e4udes stammt von 1221. Fachleute gehen davon aus, dass es schon im 12. Jahrhundert errichtet wurde. 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