{"id":927,"date":"2022-12-21T11:22:47","date_gmt":"2022-12-21T10:22:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/?p=927"},"modified":"2022-12-21T11:34:17","modified_gmt":"2022-12-21T10:34:17","slug":"mit-steinen-kommunizieren-materielle-darstellungsformen-des-bergkristalls-im-mittelalter1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2022\/12\/21\/mit-steinen-kommunizieren-materielle-darstellungsformen-des-bergkristalls-im-mittelalter1\/","title":{"rendered":"Mit Steinen kommunizieren? Materielle Darstellungsformen des Bergkristalls im Mittelalter"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Viele Objekte der mittelalterlichen Kunst und Kultur bestehen typischerweise aus den kostbarsten und seltensten Materialien.<a href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Insbesondere Dinge, die in physischer Realpr\u00e4senz mit dem Heiligen (z.&nbsp;B. Reliquiare) oder innerhalb erz\u00e4hlender Texte mit dem Wunderbaren (z.&nbsp;B. Zelte, Automaten, Schwerter) in Verbindung stehen, erhalten zus\u00e4tzlichen Glanz und sind h\u00e4ufig zu gro\u00dfen Teilen mit Edelsteinen besetzt.<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\">[2]<\/a> Die wertvollen Steine dienen dabei aber nicht ausschlie\u00dflich der Aufwertung und Zierde der einzelnen Kunstwerke, sondern k\u00f6nnen in verschiedener Hinsicht funktionalisiert sein. Neben allegorischen Implikationen, die insbesondere in der christlichen Exegese mit den Steinen zusammenh\u00e4ngen, sind es auch spezifische Konfigurationen des Materials, die in bildender Kunst und Literatur in besonderer Weise produktiv gemacht werden.<a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Heinrichs-Kreuz aus dem Basler M\u00fcnsterschatz<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel aus der Schatzkunst, an dem dieser Umgang mit dem Material nachvollziehbar wird, bildet das zu Beginn des 11. Jahrhunderts entstandene Heinrichs-Kreuz aus dem Basler M\u00fcnsterschatz, das sich heute im Kunstgewerbemuseum in Berlin befindet (Abb.&nbsp;1).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-940x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-928\" width=\"705\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-940x1024.jpg 940w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-275x300.jpg 275w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-768x836.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-1410x1536.jpg 1410w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-1880x2048.jpg 1880w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-465x506.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-1-Heinrichskreuz-459x500.jpg 459w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><figcaption>Abb. 1: Heinrichskreuz aus dem Basler M\u00fcnsterschatz, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum, Hans-Joachim Bartsch, Permalink: <a href=\"https:\/\/id.smb.museum\/object\/1819337\/heinrichskreuz-aus-dem-basler-m%C3%BCnsterschatz\">https:\/\/id.smb.museum\/object\/1819337\/heinrichskreuz-aus-dem-basler-m%C3%BCnsterschatz<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieses sogenannte \u203aGemmen-Kreuz\u2039 ist mit verschiedenen Steinen, bunten Edelsteinen und Silberperlen besetzt und verf\u00fcgt in seiner Mitte zudem \u00fcber eine ovale kaiserzeitliche Chalzedon-Phalera.<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[4]<\/a> Aufgrund ihrer symmetrischen Anordnung ziehen jedoch eher die in die Kreuzarme eingefassten Reliquienbeh\u00e4lter den Blick auf sich: Hinter glasklaren Bergkristallen verschlossen sollen sich Partikel des Heiligen Kreuzes sowie seit dem 14. Jahrhundert auch Reliquien des heiliggesprochenen Kaisers Heinrich II. befinden.<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a> Die Heiligblutreliquie, die sich ebenfalls in einem der Beh\u00e4lter befunden haben soll, fehlt indes.<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Da der Bergkristall die Eigenschaft besitzt, besonders klar zu sein, bietet sich gerade dieser dazu an, die Reliquien innerhalb des Reliquiars sichtbar zu machen. Eine derartige Pr\u00e4sentation des Heils, die gleicherma\u00dfen Enth\u00fcllung und Verschluss ist, entwickelt sich erst langsam ab dem 11. Jahrhundert, seitdem Reliquien zunehmend sichtbar ausgestellt wurden.<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[7]<\/a> Mit dem vierten Laterankonzil von 1215 wurde dann auch offiziell festgelegt, dass Reliquien nicht mehr au\u00dferhalb ihrer Reliquienbeh\u00e4lter gezeigt werden d\u00fcrfen.<a href=\"#_edn8\" id=\"_ednref8\">[8]<\/a> Mit der Sichtbarmachung von Reliquien \u2013 das Diaphane eines (Berg-)Kristalls nutzend oder, wie bei Handreliquiaren, die Form der K\u00f6rperteile imitierend \u2013 geht ein medialer Wandel einher, der auch Einfluss auf die Kommunikationsstruktur und den Umgang mit den Objekten nimmt. Auf der visuellen Ebene wird auf diese Weise eine gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zum Heiligtum geschaffen. Im gleichen Zuge r\u00fccken die Reliquien jedoch auch auf Distanz, da sie durch den (transparenten) Verschluss nicht mehr bei jeder Gelegenheit, sondern lediglich zu hohen Festen entnommen werden und ber\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<a href=\"#_edn9\" id=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die in das Heinrichs-Kreuz eingearbeiteten Bergkristalle stehen zun\u00e4chst ganz in der Funktion, die verschlossenen Reliquien sichtbar zu machen. Es lassen sich jedoch noch weitere Effekte feststellen, die vor allem auf die Bearbeitung und Anordnung des Materials zur\u00fcckzuf\u00fchren sind: Der besondere Cabochonschliff etwa erzeugt ein besonderes Strahlen des Kreuzes im Allgemeinen und im Besonderen auch ein Aufleuchten der darin eingefassten Reliquienbeh\u00e4lter.<a href=\"#_edn10\" id=\"_ednref10\">[10]<\/a> Dar\u00fcber hinaus scheint sich durch den Schliff ein lupenartiger Effekt einzustellen, der die Reliquien sowie die teilweise auch mit Bildern und Inschriften versehenen Reliquienbeh\u00e4ltnisse aus dem Kreuz hervortreten und vergr\u00f6\u00dfert aussehen l\u00e4sst (Abb.&nbsp;2).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-1024x917.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-929\" width=\"768\" height=\"688\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-1024x917.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-300x269.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-768x688.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-1536x1376.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-2048x1834.png 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-465x416.png 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-2-Heinrichskreuz-Ausschnitt-558x500.png 558w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Abb. 2:Reliquienbeh\u00e4lter, der Splitter des Heiligen Kreuzes enthalten soll. Ausschnitt, Heinrichskreuz aus dem Basler M\u00fcnsterschatz, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum, Hans-Joachim Bartsch, Permalink: <a href=\"https:\/\/id.smb.museum\/object\/1819337\/heinrichskreuz-aus-dem-basler-m%C3%BCnsterschatz\">https:\/\/id.smb.museum\/object\/1819337\/heinrichskreuz-aus-dem-basler-m%C3%BCnsterschatz<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das konservierte Heil wird folglich nicht nur sichtbar, sondern mittels spezifischer Darstellungsformen in besonderer Weise pr\u00e4sentiert. Dabei h\u00e4ngt die Art und Weise der Darstellung eng mit den Materialeigenschaften des Bergkristalls zusammen, der sich aufgrund seiner Transparenz einerseits und seiner Bearbeitbarkeit andererseits geradezu dazu anbietet, die Beh\u00e4ltnisse sowohl zu verschlie\u00dfen als auch die darunterliegende Reliquie so sichtbar zu machen, dass sie die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf sich zieht. Doch die Funktionen des Bergkristalls f\u00fcr die Reliquienbeh\u00e4lter sind auch an dieser Stelle noch nicht ausgesch\u00f6pft, denn mit den Eigenschaften und Wirkfunktionen des Materials verbinden sich in diesem Zusammenhang auch allegorische Implikationen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Bergkristall zwischen Materialeigenschaften und Allegorese<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Steine, insbesondere Edelsteine stellen in der Kultur des Mittelalters keine tote Materie dar, sondern sind mit verschiedenen Wirk- und Heilkr\u00e4ften verbunden. In den zahlreichen Lapidarien des Mittelalters werden die jeweiligen Steineigenschaften eingehend systematisiert und etwa alphabetisch oder nach Farbe, Funktion, K\u00e4lte, Hitze, Heilkraft etc. sortiert.<a href=\"#_edn11\" id=\"_ednref11\">[11]<\/a> Als Grundlage f\u00fcr die mittelalterlichen Lapidarien gelten \u00fcberwiegend antike enzyklop\u00e4dische und naturkundliche Quellen, wie die mineralogischen Auseinandersetzungen von u.&nbsp;a. Platon, Aristoteles, Theophrast, Plinius d.&nbsp;\u00c4. und Solinus.<a href=\"#_edn12\" id=\"_ednref12\">[12]<\/a> Im Mittelalter werden diese Betrachtungen, etwa jene des Isidor von Sevilla, Hrabanus Maurus oder Marbod de Rennes, um eine zus\u00e4tzliche Bedeutungsebene erweitert, indem den jeweiligen (Edel-)Steinen eine christlich-allegorische Dimension hinzugef\u00fcgt wird.<a href=\"#_edn13\" id=\"_ednref13\">[13]<\/a> In diesem Zusammenhang werden nicht nur Steine als realiter existierendes Material behandelt, sondern auch die in der Bibel vorkommenden \u203aerz\u00e4hlten\u2039 Steine. Eine umfassende Exegese hat die ausschlie\u00dflich aus Edelsteinen bestehende Stadt des \u203aHimmlischen Jerusalems\u2039 aus der Johannes-Offenbarung erfahren. Die zw\u00f6lf Tore der Himmelsstadt beispielsweise werden in Hieronymus\u2019 theologischem Kommentar als Kristalle gedeutet, was er damit begr\u00fcndet, dass sie immer ge\u00f6ffnet seien (Offb 21,15).<a href=\"#_edn14\" id=\"_ednref14\">[14]<\/a> Diese im Kommentar beschriebene Offenheit oder vielleicht auch visuelle Durchl\u00e4ssigkeit bezieht sich auf die hier nun bereits mehrfach genannte Haupteigenschaft des (Berg-)Kristalls, die schon bei Plinius d.&nbsp;\u00c4. darin besteht, besonders klar und rein zu sein.<a href=\"#_edn15\" id=\"_ednref15\">[15]<\/a> Diese Transparenz des Steins ist in den antiken Quellen vor allem damit erkl\u00e4rt worden, dass dieser aus Wasser, Schnee oder Eis besteht und in hohen Gebirgslagen \u00fcber einen langen Zeitraum aush\u00e4rtet.<a href=\"#_edn16\" id=\"_ednref16\">[16]<\/a> Die Klarheit und Lichtdurchl\u00e4ssigkeit wird in der mittelalterlichen Steinallegorese mit Keuschheit und Reinheit verbunden, die durch keinen <em>Schmutz der S\u00fcnde<\/em> getr\u00fcbt werden k\u00f6nne.<a href=\"#_edn17\" id=\"_ednref17\">[17]<\/a> Die Herleitung der Entstehung des Kristalls aus Wasser gibt bei Hrabanus Maurus und Gregor dem Gro\u00dfen den Anlass, den Kristall symbolisch mit Christus generell, in spezifischer Weise aber auch mit dessen Lebensereignissen wie Inkarnation, Taufe und Auferstehung in Verbindung zu bringen.<a href=\"#_edn18\" id=\"_ednref18\">[18]<\/a> Aus dieser Deutung heraus wird die Verwendung von Bergkristall in Reliquiaren um eine weitere Bedeutungsebene erg\u00e4nzt und aufgrund von sowohl realiter materiellen Eigenschaften als auch von allegorischen Implikationen zum Medium der Wahl, wenn es um die Darstellung von Passionsreliquien geht.<a href=\"#_edn19\" id=\"_ednref19\">[19]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die mittelalterliche Steinallegorese greift folglich antike naturkundliche und enzyklop\u00e4dische Quellen auf und erweitert die darin bereits verhandelten Wirkkr\u00e4fte und Eigenschaften um eine christliche Dimension. Die jeweiligen allegorischen Implikationen, wie etwa Reinheit oder Freiheit von S\u00fcnde sind dabei eng an die Materialeigenschaften gekn\u00fcpft. Im gleichen Zuge k\u00f6nnen anhand des Materials wiederum damit in Verbindung stehende menschliche Eigenschaften abgelesen werden. Damit ergibt sich hier ein komplexes Gef\u00fcge, in dem das Material, innerhalb spezifischer Wissenskontexte und -diskurse, in einen Kommunikationsprozess eintreten kann, der sich zwischen Betrachtenden und Betrachtetem entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Tugendstein im <em>Wigalois<\/em><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das umfangreiche Wissen um die spezifischen Eigenschaften von (Edel-)Steinen ist nicht nur in mittelalterliche theologische Texte und Lapidarien eingeflossen, sondern auch in die H\u00f6fische Literatur. Wie beim Heinrichs-Kreuz aus dem Basler M\u00fcnsterschatz dienen die Edelsteine auch hier nicht allein als Schmuck von R\u00fcstungen, Schwertern, Gr\u00e4bern, M\u00e4nteln oder Zelten, sondern spielen im Hinblick auf Struktur und Handlungslogik des Textes eine zentrale Rolle.<a href=\"#_edn20\" id=\"_ednref20\">[20]<\/a> Ein Beispiel f\u00fcr einen dieser besonderen Steine, der auff\u00e4llige \u00c4hnlichkeiten zu einem Bergkristall aufweist, findet sich in Wirnts von Grafenberg sp\u00e4tem Artusroman <em>Wigalois<\/em>, der etwa um 1210\/1220 entstanden ist. In der Passage, um die es mir im Folgenden geht, erreicht der titelgebende Held Gwigalois den Artushof, um dort zum Ritter ausgebildet zu werden.<a href=\"#_edn21\" id=\"_ednref21\">[21]<\/a> Doch noch bevor Gwigalois willentlich auf sich aufmerksam macht, wird er vor den Toren des Artushofs auf einen besonderen Stein aufmerksam, von dem er nachgerade angezogen wird.<a href=\"#_edn22\" id=\"_ednref22\">[22]<\/a> Er nimmt auf dem breiten Stein Platz, der praktischerweise unter einer Linde gelegen den Blick auf den Hof freigibt und beobachtet das Geschehen. Der Stein wird im Text nicht direkt als Edelstein beschrieben, weist aber Eigenschaften auf, die denen des (Berg-)Kristalls sehr nahestehen. Der Stein ist<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><em>gevieret und niht sinwel;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>striemen r\u00f4t unde gel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>giengen dar durch etesw\u00e2:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>daz ander teil daz was bl\u00e2,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>l\u00fbter als ein spiegelglas.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(V.&nbsp;1480\u20131484)<\/p>\n\n\n\n<p>[er war w\u00fcrfelf\u00f6rmig, nicht rund;<\/p>\n\n\n\n<p>rote und gelbe Streifen<\/p>\n\n\n\n<p>gingen hie und da durch ihn hindurch;<\/p>\n\n\n\n<p>das \u00dcbrige war blau,<\/p>\n\n\n\n<p>rein wie Spiegelglas.]<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Schon die Form des Steins verweist darauf, dass es sich hier um keinen gew\u00f6hnlichen Stein, sondern um bearbeitetes, m\u00f6glicherweise geschliffenes Material handelt. Es ist bemerkenswert, dass die Miniatur der Donaueschinger Handschrift einen runden Stein illustriert, der dar\u00fcber hinaus auch das bunte Farbspektakel nicht mit aufnimmt (Abb.&nbsp;3). Die Leidener Handschrift hingegen zeigt den geschliffenen Stein und bildet auch die verschiedenen Farben mit ab (Abb.&nbsp;4).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"773\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-1024x773.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-931\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-1024x773.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-300x227.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-768x580.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-1536x1160.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-2048x1546.png 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-465x351.png 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-3-Cod.-Donaueschingen-662x500.png 662w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 3: Ausschnitt aus: Wigalois, Cod. Donaueschingen 71, 31r, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Permalink: <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:bsz:31-106376\/fragment\/page=4961896\">https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:bsz:31-106376\/fragment\/page=4961896<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"867\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-1024x867.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-932\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-1024x867.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-300x254.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-768x651.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-1536x1301.png 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-465x394.png 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex-590x500.png 590w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2022\/12\/Abb.-4-Leidener-Codex.png 1603w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 4: Ausschnitt aus: Wigalois, Cod. LTK 537, f015r, Universit\u00e4tsbibliothek Leiden, Permalink: <a href=\"http:\/\/hdl.handle.net\/1887.1\/item:1615520\">http:\/\/hdl.handle.net\/1887.1\/item:1615520<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die Farben \u2013 rot, gelb und blau \u2013 sind sich dabei nicht als konstante Farbgeber vorzustellen, sondern bewegen sich als dynamische <em>striemen<\/em> (V.&nbsp;1481) durch den Stein hindurch. Trotz des Farbenspiels weist der Stein auch transparente Stellen auf. Die Vermutung, dass es sich bei dem Stein um einen Kristall handelt, wird durch die Verwendung des Wortes <em>l\u00fbter<\/em>, mittelhochdeutsch f\u00fcr \u203ahell\u2039, \u203arein\u2039 oder \u203aklar\u2039, nahegelegt. Doch die <em>l\u00fbterkeit<\/em> wird nicht nur auf der Ebene des Materials relevant. Denn wie kurz nach der Beschreibung der \u00e4u\u00dferen Merkmale deutlich wird, stellt der Stein eine Tugendprobe dar: Niemand, der sich jemals unredlich verhalten hat, kann eine Hand auf den Stein legen (siehe V.&nbsp;1486\u20131488), maximal kann er sich auf einen Klafter daran ann\u00e4hern (siehe V.&nbsp;1495\u20131497).<a href=\"#_edn23\" id=\"_ednref23\">[23]<\/a> Artus ist der Einzige, der auf dem Stein sitzen kann. Alle weiteren Mitglieder der Hofgesellschaft weichen vor dem Stein zur\u00fcck und k\u00f6nnen sich nur je nach Tugendhaftigkeit auf eine bestimmte Entfernung an ihn ann\u00e4hern (siehe V.&nbsp;1498). Sogar Gawein, der beste aller Artusritter, kann aufgrund eines moralischen Fehlverhaltens lediglich eine Hand auf den Stein legen (siehe V.&nbsp;1506\u20131516). Dass der junge Gwigalois dann ebenso wie Artus auf dem Stein sitzen kann, ist f\u00fcr den Artushof eine gro\u00dfe Sensation und wird als <em>wunderl\u00eech <\/em>(V.&nbsp;1526) bezeichnet. Damit wird der Tugendstein zum zentralen Bezugspunkt der Aufmerksamkeit. Nicht der Neuank\u00f6mmling beobachtet den Hof und verschafft sich einen Eindruck vom Geschehen, sondern ganz im Gegenteil: Gwigalois ist es, der hier beobachtet wird. Die Blicke der \u00d6ffentlichkeit machen hier allerdings nicht vor k\u00f6rperlichen Grenzen halt, denn dadurch, dass Gwigalois \u00fcberhaupt auf dem Stein sitzen kann, werden auch seine inneren Eigenschaften sichtbar. Dem Stein wird damit auch ein medialer Status zuteil, der eng mit der Konstitution des erz\u00e4hlten Materials zusammenh\u00e4ngt: Die <em>l\u00fbterkeit<\/em> des Steins korrespondiert mit der Funktion, die Reinheit und Tugendhaftigkeit nach au\u00dfen hin zu kommunizieren und die mit ihm interagierende Figur in gewisser Weise zu \u203adurchleuchten\u2039. Etwas \u00fcberspitzt k\u00f6nnte man hier formulieren, dass der Held durch den Akt des Sitzens auf dem Tugendstein f\u00fcr die Hofgesellschaft genauso durchsichtig wird wie der Kristall selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Element des Wunderbaren weist der Tugendstein verschiedene Wirkweisen auf, die \u00fcber die tats\u00e4chlichen Materialeigenschaften des Kristalls hinausgehen.<a href=\"#_edn24\" id=\"_ednref24\">[24]<\/a> Dies \u00e4u\u00dfert sich etwa in seiner Anziehungskraft, seiner Funktion, die Tugendhaftigkeit derer, die mit ihm interagieren, zu testen, oder in der dynamischen Farbgebung. Unabh\u00e4ngig von diesen Wirkweisen \u00fcbt der Stein auch Einfluss auf das soziale Gef\u00fcge des Artushofes aus und bildet dessen Hierarchie insofern ab, als er sie in N\u00e4he und Ferne unterteilt.<a href=\"#_edn25\" id=\"_ednref25\">[25]<\/a> Dieser Exklusionsmechanismus wird, ganz der Tugendprobe entsprechend, auch physisch sowohl f\u00fcr die Hofgesellschaft als auch f\u00fcr die Rezipierenden sichtbar und ablesbar. Das Ergebnis ist daher auch in physischer und r\u00e4umlicher Form pr\u00e4sent und fungiert nicht blo\u00df auf symbolischer oder allegorischer Ebene. Die Kategorie des Wunderbaren greift hier auf die Materialeigenschaften des Bergkristalls zur\u00fcck, die in den zeitgen\u00f6ssischen Wissensdiskursen mit ihm verbunden waren.<a href=\"#_edn26\" id=\"_ednref26\">[26]<\/a> Dabei werden die allegorischen und symbolischen Implikationen von Reinheit und Tugend zwar aufgegriffen, f\u00fcr den h\u00f6fischen Roman aber in anderer Form funktionalisiert. Auch wenn der Held w\u00e4hrend der Tugendprobe f\u00fcr die Hofgesellschaft in die gleiche unerreichbare Ferne r\u00fcckt wie die Passionsreliquie hinter dem Kristallglas im Reliquiar, ergeben sich aus diesem Akt handfeste Konsequenzen. Durch das Sitzen auf dem Stein und die \u203aDurchleuchtung\u2039 des Helden vollzieht sich ein f\u00fcr die weitere Handlung des Textes wichtiger Schritt, denn der Akt bestimmt, wenn auch nur f\u00fcr den Moment, den Platz des Ritters in der Hierarchie des Hofes.<a href=\"#_edn27\" id=\"_ednref27\">[27]<\/a> Selbst wenn die tats\u00e4chlichen Auswirkungen der Tugendprobe fraglich sind, weil Gwigalois am Artushof dann erneut einer Ausbildung unterzogen wird und sich durch weitere \u203a\u00e2ventiuren\u2039 beweisen muss, wird anhand der Konstellation des Materials bereits die besondere Eignung, das Charisma oder auch die Auserw\u00e4hltheit des jungen Ritters unterstrichen.<a href=\"#_edn28\" id=\"_ednref28\">[28]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>l\u00fbterkeit<\/em> des Bergkristalls findet damit sowohl in der sakralen Schatzkunst als auch innerhalb des h\u00f6fischen Romans Anwendung. Trotz der verschiedenen Kontexte, in denen sich das Gemmen-Kreuz aus der Schatzkunst einerseits und der erz\u00e4hlte Tugendstein aus einem Text der Artusliteratur andererseits befinden, greifen sie in ihren Darstellungsformen in \u00e4hnlicher Weise auf die in zeitgen\u00f6ssischen Wissensdiskursen virulenten Materialeigenschaftendes Bergkristalls zur\u00fcck, machen sich diese jedoch in unterschiedlicher Weise produktiv.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Die Arbeiten an diesem Thema sind im Rahmen eines in Kooperation mit Dr. Alan Lena van Beek im M\u00e4rz\/April 2022 durchgef\u00fchrten Projekts entstanden, das durch die F\u00f6rderung des <em>Dahlem Junior Host Program<\/em> des Dahlem Humanities Center an der Freien Universit\u00e4t Berlin erm\u00f6glicht wurde. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich mich hiermit ganz herzlich bedanken.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Als Beispiele k\u00f6nnen hier der Zauberg\u00fcrtel in Wirnts von Grafenberg <em>Wigalois<\/em>, das mit Edelsteinen besetzte Zelt in Ulrichs von Zatzikhoven <em>Lanzelet <\/em>oder auch die Automaten im <em>Stra\u00dfburger Alexander<\/em> herausgegriffen werden, um nur einige wenige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Zur mittelalterlichen Edelsteinallegorese siehe die grundlegende Studie von Meier, Christel: Gemma spiritalis. Methode und Gebrauch der Edelsteinallegorese vom fr\u00fchen Christentum bis ins 18. Jahrhundert. Teil 1. M\u00fcnchen 1977 sowie den Beitrag: Meier, Christel: Edelsteinallegorese, in: Anton Legner (Hg.): Die Parler und der sch\u00f6ne Stil 1350-1400. Handbuch zur Ausstellung des Schn\u00fctgen-Museums in der Kunsthalle K\u00f6ln. Bd. 3. K\u00f6ln 1978, S. 185\u2013187.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Beschreibung und Interpretation des Heinrichskreuzes siehe Lambacher, Lothar: Die Heinrichsgaben \u2013 Reliquienkreuz, in: Brigitte Meles (Hg.): Der Basler M\u00fcnsterschatz. Historisches Museum Basel. Basel 2001, S. 19\u201324.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Siehe ebd., S. 19f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[7]<\/a> Lange wurde davon ausgegangen, dass dieser Wandel erst im 13. Jahrhundert einsetzt. Jedoch lassen sich bereits an fr\u00fchmittelalterlichen Reliquienbeh\u00e4ltern Bergkristalle finden, die genau diese Funktion \u00fcbernehmen. Siehe zu dieser ersten Annahme Meyer, Erich: Reliquie und Reliquiar im Mittelalter, in: Ders. (Hg.): Festschrift f\u00fcr Carl Georg Heise. Berlin 1950, S. 55\u201366, und die Aufarbeitung bei Henze, Ulrich: Edelsteinallegorese im Lichte mittelalterlicher Bild- und Reliquienverehrung, in: Zeitschrift f\u00fcr Kunstgeschichte 54 (1991), S. 428\u2013451, sowie auch die ausf\u00fchrliche Diskussion bei Kurtze, Anne: Durchsichtig oder durchl\u00e4ssig? Zur Sichtbarkeit der Reliquien und Reliquiare des Essener Stiftsschatzes im Mittelalter. Petersberg 2017, hier S. 15\u201323.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[8]<\/a> Siehe dazu Meyer, Reliquie und Reliquiar (wie Anm. 7), S. 65. Siehe auch Laube, Stefan: Von der Reliquie zum Ding: Heiliger Ort \u2013 Wunderkammer \u2013 Museum. Berlin 2011, S. 54. Laube spricht mit Blick auf die Reliquiare auch von einem <em>performativen Medium<\/em>, siehe S. 56.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[9]<\/a> Ausf\u00fchrlich auseinandergesetzt hat sich damit Kurtze: Durchsichtig oder durchl\u00e4ssig? (wie Anm. 7), S. 15\u201323.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[10]<\/a> Auch Rudolf Friedrich Burkhardt spricht in seiner Beschreibung des Heinrichs-Kreuzes von einer <em>lebendigen Silhouette<\/em> und einem <em>Farbenzauber<\/em>; Burkhardt, Rudolf Friedrich: Der Basler M\u00fcnsterschatz, in: Das Werk: Architektur und Kunst = L\u2019 oeuvre : architecture et art 21 (1934), S. 41\u201347, hier S. 44f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[11]<\/a> Siehe dazu Wenderholm, Iris: Saxum \u2013 petra \u2013 lapis, in: Dies. (Hg.): Stein. Eine Materialgeschichte in Quellen der Vormoderne. Berlin\/Boston 2021, S. 11\u201330, S. 20f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[12]<\/a> Siehe hierzu ausf\u00fchrlich Meier: Gemma spiritalis (wie Anm. 3), Kap. I.2.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[13]<\/a> Siehe dazu ebenfalls ebd., Kap. I.3., wie auch Henze, Edelsteinallegorese (wie Anm. 7), S. 432f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\" id=\"_edn14\">[14]<\/a> Siehe dazu auch Henze, Edelsteinallegorese (wie Anm. 7), S. 444.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\" id=\"_edn15\">[15]<\/a> Siehe zu dieser Eigenschaft den \u00dcberblick historischer Quellen bei Engelen, Ulrich: Die Edelsteine in der deutschen Dichtung des 12. und 13. Jahrhunderts. M\u00fcnchen 1978, S. 334\u2013343.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\" id=\"_edn16\">[16]<\/a> Siehe ebd., S. 335. Dazu Plinius d.&nbsp;\u00c4. <em>Naturalis historia<\/em> 37, 23; Isidor von Sevilla, <em>Etym<\/em>., 16,13. Diese Annahme ist jedoch schon unter den antiken und mittelalterlichen Gelehrten umstritten, da der Kristall auch in klimatisch w\u00e4rmeren Regionen vorkomme. Siehe dazu die ausf\u00fchrlichen Skizzierungen dieser Auseinandersetzung bei Engelen: Edelsteine (wie Anm. 15), S. 55.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[17]<\/a> Meier: Gemma spiritalis (wie Anm. 3), S. 237.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[18]<\/a> Engelen: Edelsteine (wie Anm. 15), S. 339. Siehe dazu auch Henze, Edelsteinallegorese (wie Anm. 7), S. 446.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[19]<\/a> Siehe dazu ebd., S. 447. Siehe auch Toussaint, Gia: Heiliges Gebein und edler Stein. Der Edelsteinschmuck von Reliquiaren im Spiegel mittelalterlicher Wahrnehmung, in: Das Mittelalter 8 (2008), S. 41\u201366.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\" id=\"_edn20\">[20]<\/a> Siehe hier beispielsweise Walker-Bynum, Caroline: Christian Materiality: An Essay on Religion in Late Medieval Europe. New York 2011, und mit gesondertem Blick auf die mittelhochdeutsche Literatur M\u00fchlherr, Anna: Einleitung, in: Dies. u.. a. (Hg.): Dingkulturen: Objekte in Literatur, Kunst und Gesellschaft der Vormoderne. Berlin\/Boston 2016, S. 1\u201320.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\" id=\"_edn21\">[21]<\/a> Text und \u00dcbersetzung nach: Wirnt von Grafenberg: Wigalois. Text der Ausgabe von J.M.N. Kapteyn, hrsg. u. \u00fcbers. von Sabine Seelbach und Ulrich Seelbach, Berlin\/ New York <sup>2<\/sup>2014.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\" id=\"_edn22\">[22]<\/a> Siehe dazu Eming, Jutta: Funktionswandel des Wunderbaren: Studien zum \u201aBel Inconnu\u2018, zum \u201aWigalois\u2018 und zum \u201aWigoleis vom Rade\u2018. Trier 1999, S. 163.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\" id=\"_edn23\">[23]<\/a> Siehe dazu auch Linden, Sandra: Tugendproben im arthurischen Roman. H\u00f6fische Wertevermittlung mit mythischer Autorit\u00e4t, in: Hans-Jochen Schiewer (Hg.): H\u00f6fische Wissensordnungen. G\u00f6ttingen 2012, S. 15\u201338.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\" id=\"_edn24\">[24]<\/a> Zur Definition des Wunderbaren in der Literatur des Mittelalters siehe Eming: Funktionswandel des Wunderbaren (wie Anm. 22), S. 33\u201337, sowie Eming, Jutta\/Quenstedt, Falk\/Renz, Tilo: Das Wunderbare als Konfiguration des Wissens \u2013 Grundlegungen zu seiner Epistemologie, in: Working Paper des SFB 980 Episteme in Bewegung 12 (2018), S. 1\u201346.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref25\" id=\"_edn25\">[25]<\/a> Dies zeigt ausf\u00fchrlich Selmayr, Pia: Der Lauf der Dinge: Wechselverh\u00e4ltnisse zwischen Raum, Ding und Figur bei der narrativen Konstitution von Anderwelten im \u201aWigalois\u2018 und im \u201aLanzelet\u2018, Frankfurt a. M. 2017, hier insbesondere S. 88\u201394.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref26\" id=\"_edn26\">[26]<\/a> Dazu, wie das Wunderbare Wissensdiskurse aufnimmt und transformiert, siehe ausf\u00fchrlich: Eming\/Quenstedt\/Renz, Das Wunderbare als Konfiguration des Wissens (wie Anm. 24). Siehe auch Eming, Jutta: Magie und Wunderbares. Aspekte ihrer \u00e4sthetischen und epistemischen Konvergenz, in: Dies.\/Volkhard Wels (Hg.): Der Begriff der Magie in Mittelalter und Fr\u00fcher Neuzeit. Wiesbaden 2020, S. 81\u2013111.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref27\" id=\"_edn27\">[27]<\/a> Siehe dazu Selmayr: Der Lauf der Dinge (wie Anm. 25), S. 88\u201394.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref28\" id=\"_edn28\">[28]<\/a> Zur Relevanz der Tugendsteinepisode f\u00fcr den weiteren Verlauf der Handlung siehe Eming: Funktionswandel des Wunderbaren (wie Anm. 22), S. 165.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Objekte der mittelalterlichen Kunst und Kultur bestehen typischerweise aus den kostbarsten und seltensten Materialien.[1] Insbesondere Dinge, die in physischer Realpr\u00e4senz mit dem Heiligen (z.&nbsp;B. Reliquiare) oder innerhalb erz\u00e4hlender Texte mit dem Wunderbaren (z.&nbsp;B. 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