{"id":1560,"date":"2024-10-21T07:00:00","date_gmt":"2024-10-21T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/?p=1560"},"modified":"2024-10-03T17:30:26","modified_gmt":"2024-10-03T15:30:26","slug":"eya-lieber-herre-sol-der-orden-stan-untz-an-das-ende-der-welte-endzeitprophetie-und-eschatologische-gemeinschaft-bei-joachim-von-fiore-und-mechthild-von-magdeburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2024\/10\/21\/eya-lieber-herre-sol-der-orden-stan-untz-an-das-ende-der-welte-endzeitprophetie-und-eschatologische-gemeinschaft-bei-joachim-von-fiore-und-mechthild-von-magdeburg\/","title":{"rendered":"\u201eEya lieber herre, sol der orden stan untz an das ende der welte?\u201c Endzeitprophetie und eschatologische Gemeinschaft bei Joachim von Fiore und Mechthild von Magdeburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Im 12. Jahrhundert prophezeite der kalabrische Abt Joachim von Fiore, dass der apokalyptische Kampf zwischen Gott und dem Antichristen unmittelbar bevorst\u00fcnde. W\u00e4hrend eines Besuchs im Zisterzienserkloster Casamari im Jahre 1183 wurde Joachim eine g\u00f6ttliche Offenbarung zuteil: Es erschlossen sich ihm die F\u00fclle der Apokalypse und die vollkommene \u00dcbereinstimmung der beiden Testamente.<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[1]<\/a> In seinem Apokalypse-Kommentar sagt Joachim das Kommen zweier neuer Orden voraus, welche sich dem Antichristen im Dienste Gottes entgegenstellen sollten: Ein Orden von Predigern im Geiste des Elias und ein Orden von Eremiten im Geiste des Moses.<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a> Diese wurden schon kurze Zeit nach Joachims Tod mit den neu gegr\u00fcndeten Mendikantenorden identifiziert.<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"857\" height=\"577\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1556\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced.jpg 857w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced-300x202.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced-768x517.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced-465x313.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00020_fol-7v_reduced-695x468.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 857px) 100vw, 857px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Die trinitarischen Kreise verbildlichen die Abfolge der Zeitalter. Oxford, Corpus Christi College, MS 255A fol. 7v. Digitalisat: <a href=\"https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/01605838-a275-4c1b-a98b-608567a7bb06\/\">https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/01605838-a275-4c1b-a98b-608567a7bb06\/<\/a>  <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Nach Joachims Auffassung ist die Geschichte nach trinitarischem Muster in drei Zeitalter gegliedert: Das erste Zeitalter ordnet er dem Vater und dem Stand der Laien zu, das zweite Zeitalter dem Sohn und dem Stand des Klerus, das dritte Zeitalter dem Heiligen Geist und der monastischen Gemeinschaft.<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[4]<\/a><a><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte und letzte Zeitalter soll durch ein monastisches Kollektiv gepr\u00e4gt sein, dessen Struktur in der Zeichnung mit dem Titel <em>dispositio novi ordinis pertinens ad tertium statum ad instar supernae Jerusalem <\/em>(\u201aDie Anordnung des neuen Ordens des dritten Zeitalters nach dem Vorbild des himmlischen Jerusalem\u2018) dargestellt ist.<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a> Lat. <em>ordo<\/em> kann sowohl im Sinne eines monastischen Ordens als auch im weiteren Sinne als \u201aOrdnung\u2018 oder \u201aStruktur\u2018 verstanden werden, womit demnach ebenso die Gesellschaftsordnung insgesamt gemeint sein kann \u2013 und tats\u00e4chlich weist einiges darauf hin, dass Joachims Vision des neuen Ordens eine gesamtgesellschaftliche gewesen ist.<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[6]<\/a> Dieser neue Orden orientiert sich am Vorbild des himmlischen Jerusalem, welches im dritten Zeitalter bereits auf Erden vorweggenommen werden soll.<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[7]<\/a> Joachim verankert im <em>Liber Figurarum<\/em> das himmlische Jerusalem, die <em>civitas Dei<\/em>, nicht nur in einem konkreten Bauplan f\u00fcr ein Klostergeb\u00e4ude; er schildert zudem die Lebensweise der Ordensangeh\u00f6rigen im Detail und gibt dabei sogar Anweisungen f\u00fcr die Handhabung von Agrikultur und Viehzucht.<a href=\"#_edn8\" id=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"601\" height=\"862\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00039_fol-17r_reduced.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1557\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00039_fol-17r_reduced.jpg 601w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00039_fol-17r_reduced-209x300.jpg 209w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00039_fol-17r_reduced-383x550.jpg 383w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/Corpus-Christi-College-MS-255A_00039_fol-17r_reduced-349x500.jpg 349w\" sizes=\"auto, (max-width: 601px) 100vw, 601px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><br>Abb. 3: Darstellung des neuen Ordens des dritten Zeitalters nach dem Vorbild des himmlischen Jerusalem. Oxford, Corpus Christi College, MS 255A fol.17r. Digitalisat: <a href=\"https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/6bca97fe-adf5-4c8b-bf69-8e09f58fde90\/ \">https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/6bca97fe-adf5-4c8b-bf69-8e09f58fde90\/ <\/a><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Zentrales Referenzkonzept und Organisationsprinzip des neuen Ordens ist neben dem himmlischen Jerusalem die Vorstellung des <em>Corpus Christi<\/em>. Wurde darunter traditionell die Kirche verstanden, \u00fcbertr\u00e4gt Joachim die Vorstellung nun auf den neuen Orden: Dieser wird in sieben distinkte Gruppen unterteilt, die in sieben Gebetsh\u00e4usern (<em>oratoria<\/em>), verschiedenen Gliedmassen des K\u00f6rpers entsprechend, organisiert sind.<a href=\"#_edn9\" id=\"_ednref9\">[9]<\/a> In Joachims Konzeption des neuen Ordens als <em>Corpus Christi<\/em> nimmt die endzeitliche Wiederkunft Christi kollektive Gestalt an.<a href=\"#_edn10\" id=\"_ednref10\">[10]<\/a> Die Mitglieder der Oratorien haben jeweils bestimmte Aufgaben, Eigenschaften und Tugenden, und sie leben nach je spezifischen Regeln, was Fasten- und Andachtspraktiken betrifft. Hinzu kommen weitere Spezifikationen, symbolische Dimensionen und biblische Korrespondenzen; so ist etwa das erste Haus (die \u201aNase\u2018) der Jungfrau Maria, der Taube, dem Sitz Gottes und dem Geist des Rates zugeordnet; das zweite Haus (das \u201aAuge\u2018) Johannes dem Evangelisten, allen M\u00f6nchen und Nonnen, dem Adler (nach Offb&nbsp;4,7) und dem Geist der Weisheit.<a href=\"#_edn11\" id=\"_ednref11\">[11]<\/a> Kranke, betagte oder gebrechliche Ordensmitglieder sind im vierten Oratorium (die \u201aHand\u2018) von rigiden Fastenregeln und von k\u00f6rperlicher Arbeit entbunden, wobei sicherzustellen ist, dass sich keine M\u00fcssigg\u00e4nger einschleichen.<a href=\"#_edn12\" id=\"_ednref12\">[12]<\/a><strong><em> <\/em><\/strong>Das sechste Oratorium (der \u201aFuss\u2018) fasst den Stand der Kleriker und ist zu den vorangehenden Oratorien in einem Abstand von etwa drei Meilen platziert; das siebte Oratorium (der \u201aK\u00f6rper\u2018) umfasst den Stand der Laien und ist wiederum in einem definierten Abstand zu den Klerikern platziert.<a href=\"#_edn13\" id=\"_ednref13\">[13]<\/a> Die Laien sollen arbeiten und den Klerikern zur Unterst\u00fctzung der Armen, der Fremden und derjenigen, die mit dem Bibelstudium befasst sind, den Zehnten abgeben:<\/p>\n\n\n\n<p>They do this so that in case they have more than they need and the rest have less, at the command of the Spiritual Father the surplus will be taken from those who have more and given to those who have less so that there may be no one in need among them but all things held in common.<a href=\"#_edn14\" id=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt entsteht der Eindruck einer hierarchisch konzipierten Ordnung, in der es einerseits markante Unterschiede zwischen den verschiedenen Oratorien gibt, anderseits jedoch auch ausgepr\u00e4gte egalit\u00e4re Komponenten, etwa was die Uniformit\u00e4t innerhalb der Oratorien und den gemeinschaftlichen Besitz s\u00e4mtlicher G\u00fcter betrifft.<a href=\"#_edn15\" id=\"_ednref15\">[15]<\/a> Obwohl die von Joachim prophezeite Gemeinschaft die vollkommene himmlische Ordnung bereits im Diesseits konkretisieren soll, bestehen, wie aus den angef\u00fchrten Beispielen ersichtlich wird, sowohl physische Gebrechen als auch das Potential von Devianz fort, dem durch Vigilanz und durch die sorgf\u00e4ltige Kalibrierung der geltenden Regeln beigekommen werden soll \u2013 denn selbst die M\u00f6glichkeit einer Versuchung durch Satan scheint nicht ausgeschlossen zu sein.<a href=\"#_edn16\" id=\"_ednref16\">[16]<\/a> <a>Joachim antizipiert in der <em>dispositio<\/em> die Grenzen des Menschenm\u00f6glichen: Obwohl dem neuen Orden des letzten Zeitalters der Anspruch eingeschrieben ist, das himmlische Jerusalem bereits auf Erden zu verwirklichen, ist er nicht ohne menschlichen Mangel. Die eschatologische Gemeinschaft in Joachims Vision befindet sich gleichsam in einem endzeitlichen Schwellenzustand \u2013<\/a> zwischen \u201aDiesseits\u2018 und \u201aJenseits\u2018 \u2013, der die vollkommene himmlische Ordnung vorwegnehmen soll, dabei jedoch zugleich im Irdischen verankert bleibt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"747\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-747x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1558\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-747x1024.jpg 747w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-219x300.jpg 219w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-768x1053.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-1121x1536.jpg 1121w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-1494x2048.jpg 1494w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-401x550.jpg 401w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-365x500.jpg 365w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/10\/e-codices_sbe-0277_002r_max-scaled.jpg 1868w\" sizes=\"auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Das fliessende Licht der Gottheit. Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 277(1014), fol. 2r. Digitalisat: <a href=\"http:\/\/www.e-codices.ch\/de\/sbe\/0277\/2r\/0 \">http:\/\/www.e-codices.ch\/de\/sbe\/0277\/2r\/0 <\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auch im zwischen 1250 und 1280 entstandenen <em>Fliessenden Licht der Gottheit<\/em> Mechthilds von Magdeburg, das eine Reihe von g\u00f6ttlichen Offenbarungen schildert, findet sich die Vorstellung eines endzeitlichen Ordens, der im Kampf gegen den Antichristen eine tragende Rolle spielen wird. Die Aufnahme des Motivs l\u00e4sst sich durch die zeitgen\u00f6ssische Zirkulation joachitischen Gedankenguts im Umfeld der deutschen Franziskaner und Dominikaner erkl\u00e4ren und ist sehr wahrscheinlich nicht als Indiz f\u00fcr eine direkte Rezeption von Joachims Schriften zu werten.<a href=\"#_edn17\" id=\"_ednref17\">[17]<\/a> Im <em>Fliessenden Licht<\/em> wird das Schicksal des Dominikanerordens zum Gegenstand des folgenden Gespr\u00e4chs mit Gott:<\/p>\n\n\n\n<p>Der predier orden wart sere angevohten von valschen meistern, dar zu\u0366 von manigem girigem s\u00fander. Do bat ich \u00fansern lieben herren, das er an inen wo\u0364lte behu\u0364ten sin selbes ere. Do sprach got: \u201eAlle die wile, das ich si haben wil, so mag si nieman vertilgen.\u201c Do vragete ich: \u201eEya lieber herre, sol der orden stan untz an das ende der welte?\u201c Do sprach \u00fanser herre: \u201eJa, sie so\u0364llent wesen untz an das ende der welte. Aber so so\u0364llent komen einer hande l\u00fate, die so\u0364llent sie vor wisen, also das die l\u00fate, die denne koment, wiser so\u0364llent sin und gewaltiger und armer von irdenscher notdurft und f\u00fariger von dem heligen geiste dur die ellendige not, die der heiligen cristanheit denne zu\u0366 gat.\u201c<a href=\"#_edn18\" id=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Anfechtung des Predigerordens (eine gel\u00e4ufige Bezeichnung f\u00fcr den Dominikanerorden) ist auf den Pariser Bettelordensstreit zu beziehen, der die zu dieser Zeit noch relativ jungen Dominikaner- und Franziskanerorden betraf.<a href=\"#_edn19\" id=\"_ednref19\">[19]<\/a> Die enge Assoziation der endzeitlichen Ordensleute mit dem Predigerorden, der auf diese vorausweisen (<em>sie vor wisen<\/em>) soll, l\u00e4sst sich textgeschichtlich durch Entstehung, Redaktionierung und Rezeption des <em>Fliessenden Lichts<\/em> in dominikanisch gepr\u00e4gten Kontexten erkl\u00e4ren.<a href=\"#_edn20\" id=\"_ednref20\">[20]<\/a> Die proleptische Struktur stellt dabei eine Analogie zu Joachims <em>dispositio<\/em> dar: Dort verweist der neue Orden auf das himmlische Jerusalem; er ist zudem durch den Benediktinerorden pr\u00e4figuriert.<a href=\"#_edn21\" id=\"_ednref21\">[21]<\/a> In der Beschreibung der Lebensweise der letzten Br\u00fcder im <em>Fliessenden Licht<\/em> kann ein gewisser \u201aNachhall\u2018 der <em>dispositio <\/em>ausgemacht werden, insbesondere was die Aussagen \u00fcber die nachsichtige Behandlung betagter Br\u00fcder betrifft.<a href=\"#_edn22\" id=\"_ednref22\">[22]<\/a> Ansonsten weicht die Darstellung jedoch, abgesehen von einigen eher unspezifischen Gemeinsamkeiten (wie dem Leben ohne pers\u00f6nlichen Besitz), deutlich von der <em>dispositio<\/em> ab \u2013 so fehlt etwa die komplexe Ordensstruktur, deren Erl\u00e4uterung die <em>dispositio<\/em> pr\u00e4gt. Die letzten Br\u00fcder sind nicht sesshaft: Sie leben ohne eigene Wohnung und ohne eigenen Besitz, schneiden Haar und Bart nicht, waschen sich im Wald, gehen barfuss, ausser bei Frost, legen weite Distanzen zur\u00fcck, leben vom Betteln, beten, predigen, h\u00f6ren Beichte und feiern Messe.<a href=\"#_edn23\" id=\"_ednref23\">[23]<\/a> Ihre Lebensweise ist, \u00e4hnlich derjenigen der Bettelorden, am Ideal apostolischer Armut orientiert.<a href=\"#_edn24\" id=\"_ednref24\">[24]<\/a> Es finden sich zudem deutliche Hinweise auf eine <em>imitatio Christi<\/em>.<a href=\"#_edn25\" id=\"_ednref25\">[25]<\/a> Die starke Einbettung des Motivs der letzten Br\u00fcder in das Antichrist-Geschehen l\u00e4sst wiederum eher an die Prophezeiung in Joachims Apokalypse-Kommentar denken als an die <em>dispositio<\/em>. Im <em>Fliessenden Licht<\/em> steht neben der apostolischen Lebensweise der Br\u00fcder vor allem deren endzeitliches Martyrium im Zentrum der Darstellung. Die Betrachtung des heiligm\u00e4ssigen Lebens der Br\u00fcder und ihres Martyriums im Kampf gegen den Antichristen soll den Menschen in den letzten Zeiten als Vorbild dienen:<\/p>\n\n\n\n<p>Dur das diese helige bruodere mit den l\u00faten also heleklichen vor habent umbegegangen, so sol manig helig martrer mit inen werden [\u2026] so komen des Endecristes botten dar und durstechent allererste den heligen predier dur sine cristane lere mit einer isenstangen.<a href=\"#_edn26\" id=\"_ednref26\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge seines Martyriums singt besagter Prediger mit der Stimme des Heiligen Geistes und ruft die Gl\u00e4ubigen dazu auf, ihm nachzufolgen: <em>So singet er mit des heligen geistes stimme: \u201e\u201aCredo in deum\u2018\u201c, und tro\u0364stet und ru\u0364ffet: \u201eVolgent mir, heligen gottes kinder!\u201c<\/em><a href=\"#_edn27\" id=\"_ednref27\">[27]<\/a> Die letzten Br\u00fcder sollen durch ihr Beispiel das einfache Volk so st\u00e4rken, dass zuletzt, auf dem H\u00f6hepunkt der Tyrannei des Antichristen, kein guter Mensch mehr \u00fcbrig sein soll, der nicht gewillt w\u00e4re, den letzten Br\u00fcdern \u2013 und, vermittelt durch deren Exempel, letztlich Christus selbst \u2013 nachzufolgen und f\u00fcr Gott das Martyrium auf sich zu nehmen.<a href=\"#_edn28\" id=\"_ednref28\">[28]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Darstellung des Antichrist-Geschehens, das im <em>Fliessenden Licht<\/em> insgesamt \u201eeinen eher bescheidenen Platz\u201c<a href=\"#_edn29\" id=\"_ednref29\">[29]<\/a> einnimmt, ist stark durch das Motiv des letzten Ordens gepr\u00e4gt; eine Ausnahme bildet jedoch Kapitel VII,1; dort findet es in einem anderen Zusammenhang Erw\u00e4hnung: Die eschatologische Vision beschreibt eine Krone im Kontext des himmlischen Jerusalem, die Christus am j\u00fcngsten Tag von Gottvater \u00fcberreicht werden soll. Ihre Gestalt bildet den Verlauf der Heilsgeschichte ab, die gleichzeitig die Krone hervorbringt: Zur Zeit des Antichristen soll die Krone mit Zinnen versehen werden, die mit vielen herrlichen Bildern, wie denen von Elias und Henoch und anderer M\u00e4rtyrer, geziert sein sollen.<a href=\"#_edn30\" id=\"_ednref30\">[30]<\/a> Das apokalyptische Geschehen erscheint somit als Teil eines heilsgeschichtlichen Prozesses, der sich in der Gestalt der Krone materialisiert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die crone ist gez\u00faget in ertrich in t\u00farer koste, nit mit silber noch mit golde noch mit edelm gesteine, mer mit mensclicher arbeit, mit mensclichen trehenen, sweis unde blu\u0366t, mit allen tugenden und ze jungest dem pinlichen tot <\/em>[\u2026] <em>Der helig geist der smidet noch dise crone untz an den jungesten tag<\/em>.<a href=\"#_edn31\" id=\"_ednref31\">[31]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Den \u00dcbergang zur Schlusspassage bildet ein Gebet, selbst noch zu einer kleinen Blume an der Krone zu werden.<a href=\"#_edn32\" id=\"_ednref32\">[32]<\/a> Damit sind auch die Rezipierenden implizit zur Beteiligung an der Herstellung der Krone aufgefordert. Auch wenn dies durchaus im Sinn eines individuellen Nachvollzugs des Dargestellten in der Lekt\u00fcre mittels einer \u201eApplikation der Sinne\u201c<a href=\"#_edn33\" id=\"_ednref33\">[33]<\/a> verstanden werden kann, legt die eschatologische Vision den Fokus auf die noch ausstehende Vollendung einer Heilszukunft, die als kollektives Projekt gedacht wird \u2013 als Kollaboration, die Gemeinschaft konstituiert. Eschatologische Gemeinschaft tr\u00e4gt im <em>Fliessenden Licht<\/em> nicht ausschliesslich monastische Z\u00fcge \u2013 sie bleibt tendenziell unterdeterminiert. Mit Joachims Vision des neuen Ordens teilt sie einen potenziell ubiquit\u00e4ren Charakter.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-content-justification-left is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-c0ca7d81 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. Bernard McGinn (Hrsg.): Apocalyptic Spirituality: Treatises and Letters of Lactantius, Adso of Montier-en-Der, Joachim of Fiore, the Franciscan Spirituals, Savonarola. New York 1979, S.&nbsp;99. Joachim versteht seine Visionen nicht als prophetische Gaben im Sinne der alttestamentlichen Propheten; das ihm zugekommene Charisma ist ein hermeneutisches \u2013 er versteht sich als Exeget der Heiligen Schrift, vergleicht aber die Einsicht, die er erhielt, dennoch mit derjenigen der Propheten (ebd., S.&nbsp;101). Zum Verh\u00e4ltnis von Prophetie und Exegese bei Joachim vgl. Gian Luca Potest\u00e0: \u201aIntelligentia Scripturarum\u2018 und Kritik des Prophetismus bei Joachim von Fiore. In: Robert E. Lerner (Hrsg.): NeueRichtungen in der hoch- und sp\u00e4tmittelalterlichen Bibelexegese. Berlin\/Boston 1996.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;108.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. Bernard McGinn: Visions of the End. Apocalyptic Traditions in the Middle Ages. Mit aktualisiertem Vorwort und erweiterter Bibliographie. New York 1998 (Erstausgabe 1979), hier S.&nbsp;164f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> Vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;102.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a><a> Diese ist Teil des sogenannten <em>Liber Figurarum<\/em>; es handelt sich um eine vermutlich durch fr\u00fche Anh\u00e4nger Joachims zusammengetragene Sammlung symbolischer Zeichnungen, wie sie in Handschriften aus Dresden, Oxford und Reggio Emilia \u00fcberliefert ist; die Zeichnungen und die dazugeh\u00f6rigen Erl\u00e4uterungen gehen gr\u00f6sstenteils auf von Joachim selbst angefertigte Skizzen zur\u00fcck. Vgl. die Edition: Liber Figurarum. Il libro delle Figure dell\u2019abate Gioacchino da Fiore. Hrsg. von Leone Tondelli \/ Marjorie Reeves \/ Beatrice Hirsch-Reich. Torino 1953. Im Folgenden zitiert nach der <\/a>englischen \u00dcbersetzung in McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;142\u2013148. Die Zeichnungen k\u00f6nnen in der digitalisierten Handschrift aus Oxford eingesehen werden, hier die Figur XII: <a href=\"https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/6bca97fe-adf5-4c8b-bf69-8e09f58fde90\/\">https:\/\/digital.bodleian.ox.ac.uk\/objects\/4fb778ab-7a26-43f8-9a61-b1781dd47d3f\/surfaces\/6bca97fe-adf5-4c8b-bf69-8e09f58fde90\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Vgl. Matthias Riedl: A Collective Messiah: Joachim of Fiore\u2019s Constitution of Future Society. In: Mirabilia 14 (2012), S.&nbsp;57\u201380, hier insb. S.&nbsp;59\u201363 und S. 73, mit weiterer Literatur.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[7]<\/a> Die Vorstellung des himmlischen Jerusalem geht auf eine Vision aus der Offenbarung des Johannes zur\u00fcck: Am Ende der Apokalypse soll ein neues Jerusalem vom Himmel herabkommen (Offb&nbsp;21). Joachims Apokalypse-Kommentar zufolge wird Jerusalem im dritten Zeitalter ubiquit\u00e4r sein \u2013 vgl. hierzu Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;62: \u201eIn his later works, Joachim abandoned the logic of the crusades; Christianity ought not to march on Jerusalem physically, but morally and spiritually. In the third age Jerusalem will be ubiquitous. The religious background of this idea is the monastic, especially Cistercian, use of the symbol which describes the monastery as a spiritual prefiguration of the heavenly city.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[8]<\/a> Vgl. zur konkreten Ausgestaltung und zum Bauplan der <em>civitas Dei<\/em> Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;59\u201361; zur Anlehnung an die Benediktinerregel im Kontext zeitgen\u00f6ssischer zisterziensischer Reform vgl. ebd. S.&nbsp;66f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[9]<\/a> Dies stimmt mit Joachims Geschichtsmodell \u00fcberein, demgem\u00e4ss das letzte Zeitalter monastisch gepr\u00e4gt sein und das zweite Zeitalter des Klerus abl\u00f6sen wird. Wie genau dieser Abl\u00f6sungsprozess zu denken ist und wie Joachims Haltung zur Kirche insgesamt zu bewerten ist, ist Gegenstand von Forschungsdiskussionen; vgl. f\u00fcr einen Umriss der Positionen McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;111.Vgl. auch Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;62: \u201eEssentially, Joachim\u2019s is a meaningful combination of the monastic and the Pauline conception of a proleptic society, insofar as the <em>proplepsis<\/em>, the anticipation of the heavenly Jerusalem, occurs in the general and universal but fully monasticized church of the future. [\u2026] Joachim\u2019s constitution implies that the spiritual church of the third age will be largely identical with the heavenly society.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[10]<\/a> Vgl. Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;64. Riedl spricht gar, ausgehend von Joachims Auslegung der Jesaja-Prophezeiung \u00fcber die Wurzel Jesse, die sich auch auf die sieben <em>oratoria<\/em> bezieht, von einem \u201akollektiven Messias\u2018 (ebd.). Die Vorstellung einer kollektiven Dimension der Parusie geht schon auf Augustinus zur\u00fcck, der die Bedeutung der Parusie als Pr\u00e4senz Christi in seinem K\u00f6rper (in der Kirche) auffasste (ebd.). Im <em>Liber Concordia<\/em> schreibt Joachim, dass der Menschensohn der Apokalypse sowohl Christus \u2013 als das Haupt \u2013 wie auch den kommenden endzeitlichen Orden \u2013 als den K\u00f6rper \u2013 umfasse (ebd., S.&nbsp;65).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;144.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[12]<\/a> Ebd., S.&nbsp;145f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[13]<\/a> Ebd., S.&nbsp;146f. Zu den Klerikern als vermittelnde Instanz zwischen dem Stand der M\u00f6nche und dem Stand der verheirateten Laien vgl. Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;67.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\" id=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;148.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\" id=\"_edn15\">[15]<\/a> Vgl. Riedl 2012 (wie Anm.&nbsp;6), S.&nbsp;70\u201378, der Joachims Ordens- und Gesellschaftsentwurf auch historisch kontextualisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\" id=\"_edn16\">[16]<\/a> Vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;147, zum Oratorium der Laien im neuen Orden: \u201eThey will sleep with their wives for the sake of having children rather than for pleasure. At set times or days they will abstain from them by consent to be free to pray, taking into account the physical constitution and age of the young people lest they be tempted by Satan (1 Cor. 7:5).\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[17]<\/a> Vgl. Bernard McGinn: \u201aTo the Scandal of Men, Women are Prophesying\u2018. Female Seers of the High Middle Ages. In: Christopher Kleinhenz \/ Fannie J. LeMoine (Hrsg.): Fearful Hope. Approaching the New Millennium. Wisconsin 1999; Thomas Benjamin De Mayo: Mechthild of Magdeburg\u2019s mystical eschatology. In: Journal of Medieval History 25\/2 (1999), S.&nbsp;87\u201395, sowie Natalija Ganina: in fine mundi tempore antichristi. Zur Eschatologie im \u201aFliessenden Licht der Gottheit\u2018 Mechthilds von Magdeburg. In: Caroline Emmelius \/ Bal\u00e1zs J. Nemes (Hrsg.): Mechthild und das \u201aFliessende Licht der Gottheit\u2018 im Kontext. Eine Spurensuche in religi\u00f6sen Netzwerken und literarischen Diskursen im mitteldeutschen Raum des 13.\u201315. Jahrhunderts. Berlin 2019 (Beihefte zur ZfdPh 17), S.&nbsp;229\u2013248, zu den (pseudo)-joachitischen Elementen insb. S.&nbsp;242\u2013244.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[18]<\/a> Mechthild von Magdeburg: Das fliessende Licht der Gottheit. Hrsg. von Gisela Vollmann-Profe. Frankfurt a.&nbsp;M. 2003 (Bibliothek Deutscher Klassiker 181 \/ Bibliothek des Mittelalters 19), hier IV, 27, S.&nbsp;298,17\u201328 (im Folgenden abgek\u00fcrzt als FL).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[19]<\/a> Vgl. Ganina 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;233\u2013235 und S.&nbsp;240f., mit weiterer Literatur, sowie Elizabeth A. Andersen: The Voices of Mechthild of Magdeburg. Bern u.&nbsp;a. 2000, S.&nbsp;137\u2013140. Im Mendikantenstreit hatte die Verbreitung und Rezeption von Joachims Schriften (u.&nbsp;a. die Prophezeiung der Ankunft der \u00c4ra des Heiligen Geistes im Jahr 1260 durch den Franziskaner Gerhard von Borgo San Donnino) eine Rolle gespielt; vgl. hierzu McGinn 1999 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;71.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\" id=\"_edn20\">[20]<\/a> Vgl. Caroline Emmelius\/Bal\u00e1zs J. Nemes: Mechthild und das \u201aFliessende Licht der Gottheit\u2018 im Kontext. Einleitende Spurensuchen. In: Emmelius\/Nemes 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;9\u201338, hier S.&nbsp;18, sowie Ganina 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;235f., mit weiterer Literatur. Sowohl der Franziskaner- wie auch der Dominikanerorden hatten die joachitische Vorstellung des Endzeitordens auf die eigenen Orden bezogen; zur entsprechenden Deutung der joachitischen Prophezeiung in der gemeinsamen Enzyklika der Franziskaner und Dominikaner vgl. McGinn 1998 (wie Anm.&nbsp;3), S.&nbsp;164f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\" id=\"_edn21\">[21]<\/a> In Joachims <em>Liber Concordia <\/em>wird Benedikt als der Begr\u00fcnder der monastischen Ordnung genannt, welche in den letzten Zeiten Fr\u00fcchte tragen solle; vgl. McGinn 1979 (wie Anm.&nbsp;1), S.&nbsp;125.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\" id=\"_edn22\">[22]<\/a> Vgl. Ganina 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;243f., hier S.&nbsp;244.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\" id=\"_edn23\">[23]<\/a> Vgl. die Beschreibung des Lebens der Br\u00fcder in FL IV,27, S.&nbsp;300,1\u2013302,2.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\" id=\"_edn24\">[24]<\/a> Vgl. Ganina 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;242, sowie Marianne Heimbach-Steins: Prophetische Mystik zwischen Kirchenbindung und Kirchenkritik. Zum Werk Mechthilds von Magdeburg. In: ThPQ 141 (1993), S.&nbsp;121\u2013129, hier S.&nbsp;127f. Heimbach-Steins spricht in Bezug auf die Darstellung der apostolischen Lebensweise des Endzeitordens im <em>Fliessenden Licht<\/em> von einem \u201ekritischen Gegenentwurf zu den bestehenden kirchlichen Verh\u00e4ltnissen\u201c (ebd., S.&nbsp;127). Vgl. zur Frage der Kirchenkritik bzw. Kirchenreform im Zusammenhang mit der Darstellung der letzten Br\u00fcder auch McGinn 1999 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;71f. Besonders deutlich wird dieser Aspekt in einer Gottesrede in FL VI,21, S.&nbsp;478,24\u201329: <em>\u201eSwer den hellenweg nit weis, der sihet an die verbo\u0364sete pfafheit, wie rehte ir leben zu\u0366 der helle gat mit wiben und mit kinden und mit andern offenbaren s\u00fanden. So ist des not, das die jungesten bru\u0366der kommen; wan swenne der mantel ist alt, so ist er o\u036ech kalt. So muos ich miner brut, der heligen cristanheit, einen n\u00fawen mantel geben<\/em>.<em>\u201c<\/em> Zur Positionierung gegen\u00fcber dem Dominikanerorden vgl. Volker Leppin: Begine und Beichtvater. Zu den Dominikanerpartien im \u201aFliessenden Licht der Gottheit\u2018 Mechthilds von Magdeburg. In: Enno B\u00fcnz \/ Stefan Tebruck \/ Helmut G. Walther (Hrsg.): Religi\u00f6se Bewegungen im Mittelalter. Festschrift Matthias Werner zum 65. Geburtstag. K\u00f6ln u.&nbsp;a. 2007 (Ver\u00f6ffentlichungen der Historischen Kommission f\u00fcr Th\u00fcringen, Kleine Reihe 24; Schriftenreihe der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung 19), S.&nbsp;541\u2013554.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref25\" id=\"_edn25\">[25]<\/a> Ihr Unterkleid ist weiss und ihr Oberkleid rot, <em>nach der reinen menscheit \u00fansers herren und nach sinem heligen tode<\/em> (FL IV,27, S.&nbsp;300,3f.); der Stab, den sie zu jeder Zeit bei sich haben, ist ebenfalls weiss und rot; auf der einen Seite des Stabes ist das Martyrium Christi eingeschnitten, auf der anderen Seite seine Himmelfahrt (vgl. ebd. S.&nbsp;300,1\u201319). Wenn sie aufgrund grosser Distanzen reiten m\u00fcssen, dann sollen sie einen Esel reiten: <em>Darumbe mu\u0364ssent si das sno\u0364de tier riten, das si sich got an der demu\u0366t gelichen<\/em> (ebd. S.&nbsp;300,28f.). Vgl. zur <em>imitatio Christi<\/em> auch ebd. S.&nbsp;304,11\u201314: <em>Swa si essent oder trinkent, da sol die wile der eltest in dem orden etwas sprechen von Christi wandelunge und von sinem heligen leben und die andern so\u0364llent swigen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref26\" id=\"_edn26\">[26]<\/a> FL IV,27, S.&nbsp;306,4\u201316.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref27\" id=\"_edn27\">[27]<\/a> FL IV,27, S.&nbsp;306,19\u201321. Auch in Kapitel VI,15 des <em>Fliessenden Lichts<\/em> wird auf dasexemplarischeMartyrium der letzten Predigerbr\u00fcder Bezug genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref28\" id=\"_edn28\">[28]<\/a> Vgl. FL IV,27, S.&nbsp;308,15\u201317: <em>In der jungesten not, als diese seligen bru\u0366der das gemeine volk so lange hant getro\u0364stet, das nieman gu\u0366ter ist beliben, er habe dur got die marter gelitten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref29\" id=\"_edn29\">[29]<\/a> Ganina 2019 (wie Anm.&nbsp;17), S.&nbsp;233.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref30\" id=\"_edn30\">[30]<\/a> FL VII,1, S.&nbsp;526,5\u20138.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref31\" id=\"_edn31\">[31]<\/a> FL VII,1, S.&nbsp;526,28\u201331 und S.&nbsp;530,30f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref32\" id=\"_edn32\">[32]<\/a> FL VII,1, S.&nbsp;530,37\u2013532,3.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref33\" id=\"_edn33\">[33]<\/a> Vgl. Niklaus Largier: Die Applikation der Sinne. Mittelalterliche \u00c4sthetik als Ph\u00e4nomenologie rhetorischer Effekte. In: Manuel Braun (Hrsg.): Das fremde Sch\u00f6ne. Dimensionen des \u00c4sthetischen in der Literatur des Mittelalters. Berlin\/New York 2007, S.&nbsp;43\u201360. Zur \u00c4sthetik des Gotteslobes in FL VII,1 vgl. Lukas Steinacher-Wisiorek: Vom Scheinen der Herrlichkeit Gottes. Offenbarung als Theopoiese im <em>Fliessenden Licht der Gottheit<\/em>. In: Annette Gerok-Reiter u.&nbsp;a. (Hrsg.): Schein und Anschein. Dynamiken \u00e4sthetischer Praxis in der Vormoderne. Berlin\/Boston 2023, S.&nbsp;161\u2013197.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 12. Jahrhundert prophezeite der kalabrische Abt Joachim von Fiore, dass der apokalyptische Kampf zwischen Gott und dem Antichristen unmittelbar bevorst\u00fcnde. W\u00e4hrend eines Besuchs im Zisterzienserkloster Casamari im Jahre 1183 wurde Joachim eine g\u00f6ttliche Offenbarung zuteil: Es erschlossen sich ihm die F\u00fclle der Apokalypse und die vollkommene \u00dcbereinstimmung der beiden<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2024\/10\/21\/eya-lieber-herre-sol-der-orden-stan-untz-an-das-ende-der-welte-endzeitprophetie-und-eschatologische-gemeinschaft-bei-joachim-von-fiore-und-mechthild-von-magdeburg\/\">Weiterlesen&#8230;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":776,"featured_media":1555,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":"","footnotes":""},"categories":[1,64,61],"tags":[],"class_list":["entry","author-tatiana-hirschi","post-1560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-allgemein","category-radikale-religion","category-serien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/users\/776"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1560"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1565,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1560\/revisions\/1565"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}