{"id":1392,"date":"2024-03-22T07:00:00","date_gmt":"2024-03-22T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/?p=1392"},"modified":"2024-03-27T13:14:05","modified_gmt":"2024-03-27T12:14:05","slug":"die-irrfahrten-eines-abts-und-seines-nachlasses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2024\/03\/22\/die-irrfahrten-eines-abts-und-seines-nachlasses\/","title":{"rendered":"Die Irrfahrten eines Abts und seines Nachlasses"},"content":{"rendered":"\n<p>Der letzte F\u00fcrstabt von St.&nbsp;Gallen, Pankraz Vorster, scheint nicht vom Gl\u00fcck verfolgt worden zu sein. Am 1. Juni 1796 wurde er gegen seinen Willen zum Abt gew\u00e4hlt \u2013 zum Abt eines Klosters, dessen Bl\u00fctezeit schon l\u00e4ngst vergangen war und das stattdessen unaufhaltsam der Verschuldung, Aufst\u00e4nden in der Schweizer Bev\u00f6lkerung und dem drohenden Einmarsch der franz\u00f6sischen Truppen entgegenschritt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"997\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-997x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1393\" style=\"width:379px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-997x1024.jpg 997w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-292x300.jpg 292w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-768x789.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-1496x1536.jpg 1496w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-465x477.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1-487x500.jpg 487w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_1.jpg 1528w\" sizes=\"auto, (max-width: 997px) 100vw, 997px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;1: Der Verlust seines Klosters, die vielen Reisen und die immer knappere Reisekasse haben sich in Vorsters Gesicht niedergeschlagen \u2013 zumindest scheint es sich f\u00fcr einen Portr\u00e4t-Maler der 1810er oder 20er Jahre so pr\u00e4sentiert zu haben. Nicht umsonst schrieb sein Sekret\u00e4r, Kolumban Ferch, 1830 in einem Brief an das st.&nbsp;gallische Generalvikariat von <em>dem freylich wenig getroffenen Portrait des Hochseligen<\/em>.<br>StiASG, Nachlass Pankraz Vorster, Nr.&nbsp;3690. Das Portr\u00e4t findet sich als Epitaph im Kloster Muri, digital: StASG, BMA 519, DIG 01.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Angesichts dieser tristen Ausgangslage bemerkte Vorster am Tag der Abtswahl in seinem Tagebuch: <em>Den ersten Brachmonaths traf mich das Ungl\u00fcck, zum Abbten des so sehr zer\u00fctteten Gotteshauses St.&nbsp;Gallen erw\u00f6hlt zu werden: Der Himmel wolle mir beistehen und diese B\u00fcrde ertr\u00e4glich machen<\/em> [\u2026]. Dennoch gelang es ihm \u2013 mal schlechter, mal besser \u2013, sich einige Jahre als F\u00fcrstabt eines umfassenden Herrschaftsgebiets durch den politischen Irrwald hindurchzuschlagen. 1799 wurde es ihm dann aber sp\u00e4testens (und nicht zum ersten Mal) etwas gar zu unbequem in den f\u00fcrst\u00e4btischen vier W\u00e4nden: Am 26. September 1799 schrieb er in sein Tagebuch: [\u2026]<em> Ich nahm also meine Maasregeln, packte alles ein, fl\u00fcchtete, was zu fl\u00fcchten war, fragte jeden Religiosen, ob er zu Hau\u00df bleiben wollte oder nicht, und machte f\u00fcr jene, die herauswollten, Anstalten zur Abrei\u00df, redete mit dem Herrn General von Gruber ab, um morgen in der Fruhe von hier abzugehen. <\/em>Es sollte denn auch bei diesem Entschluss bleiben \u2013 Vorster kehrte nach dem hastigen Aufbruch am 27. September morgens um 3 Uhr zeit seines Lebens nicht mehr nach St.&nbsp;Gallen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Odyssee eines Heimatlosen<\/strong><\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"672\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-672x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1394\" style=\"width:442px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-672x1024.jpg 672w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-197x300.jpg 197w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-768x1171.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-1008x1536.jpg 1008w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-1343x2048.jpg 1343w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-361x550.jpg 361w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-328x500.jpg 328w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_2-scaled.jpg 1679w\" sizes=\"auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;2: Tagebuch von Pankraz Vorster; 15. Dezember 1818.<br>StiASG, Nachlass Pankraz Vorster, Tagebuch III.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Mehr als 20 Jahre reiste Pankraz Vorster durch ganz Europa: in die St.&nbsp;Galler Herrschaft Ebringen, nach Mehrerau, Augsburg und Neuravensburg, an den kaiserlichen Hof in Wien, nach Slawonien, Prag und Rom, bis nach Arth (SZ) und Z\u00fcrich. Schliesslich fand er in der Benediktinerabtei in Muri seine l\u00e4ngste Zuflucht: Von 1819 bis zu seinem Tod 1829 blieb er dort, unterrichtete naturwissenschaftliche F\u00e4cher und leckte wohl seine Wunden als gescheiterter F\u00fcrstabt in einem fremden Kloster.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses fremde Kloster wurde in Vorsters letzten zehn Jahren zu einer zweiten Heimat, doch scheint es schon vorher ein gesch\u00e4tzter R\u00fcckzugsort gewesen zu sein. Auch hier bietet sein Tagebuch zahlreiche Einblicke in die Gedankenwelt des ehemaligen F\u00fcrstabts. Am 9. September 1814 notierte er beispielsweise: [\u2026]<em> Morgen in der Fruhe trat meine Reise naher Wien an, nachdem ich hier in Muri sehr wohlth\u00e4tig und br\u00fcderlich behandelt war und sowohl Herr F\u00fcrstabt als die Seinige auf jeden Fall mich eingeladen, wieder zu ihnen zu kommen. <\/em>\u00c4hnliches schrieb er am 15. Dezember 1818: [B]<em>egab mich mit P. Columban fruhe Morgen auf Schiff naher Zug, speiste da zu Mittag und kam gl\u00fccklich abends in Muri an: Herr Pr\u00e4lat und die \u00fcbrige Herren empfiengen uns mit vieler Bruderliebe und Freundschaft <\/em>(Abb. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele f\u00fcr eine solche Verbundenheit gibt es noch einige; klar wird jedenfalls, dass Pankraz Vorster das Kloster Muri als Aufenthaltsort sch\u00e4tzte und keinerlei Bestrebungen zeigte, die Abtei, die sowohl ihn als auch seinen Sekret\u00e4r Kolumban Ferch aufgenommen hatte, jemals wieder f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit verlassen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Letzte Wille Pankraz Vorsters<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>So bedachte Vorster das Kloster Muri denn auch als Zeichen der Dankbarkeit und Vertrautheit mehrmals in seinem Testament aus dem Jahr 1821. Er hinterliess der Abtei verschiedene Schriften und B\u00fccher und vertraute ihr zudem einige Kostbarkeiten zur sicheren Aufbewahrung an, bis entweder das Kloster St.&nbsp;Gallen restituiert oder zumindest ein Bistum gegr\u00fcndet worden sei. Vorster rechnete damit, bis zu seinem Tod in Muri zu bleiben. So regelte er in seinem Letzten Willen die Begleichung seiner Bestattungskosten und die Vergabe seiner Kleidung und sonstiger kleiner Hausratsgegenst\u00e4nde an das kl\u00f6sterliche Personal \u2013 die Abtei Muri nannte er dabei stets an erster Stelle. Das Vererbte beispielsweise sollte <em>jenem Orte \u00fcberlassen seyn,<\/em> <em>wo wir werden begraben werden, mithin dem Gotteshause Mury, wenn wir da sollten zu Grabe gebracht werden.<\/em> An anderer Stelle heisst es, einige St\u00fccke aus dem Nachlass seien <em>den Dienstboten des<\/em> <em>Stiftes Mury oder des Hauses, wo wir dieses Zeitliche verlassen werden, <\/em>[\u2026] <em>auszutheilen <\/em>(Abb. 3 u. 4).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1396\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-465x310.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_3-695x463.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1397\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-465x310.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_4-695x463.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;3 und 4: Testament von Abt Pankraz Vorster; 1. Juni 1821.<br>StiASG, Nachlass Pankraz Vorster, Nr. 3688.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Muri ging St.\u00a0Gallen praktisch leer aus: Nur die vier Pfarreien Wil, Rorschach, Gossau und Lichtensteig wurden mit den Resten von Vorsters Ersparnissen bedacht; der gr\u00f6sste Anteil der j\u00e4hrlichen Pensionen, die Vorster vom Kanton St.\u00a0Gallen erhalten hatte, hatte er n\u00e4mlich bereits vor seinem Tod in Jahrzeitenstiftungen investiert \u2013 unter anderem in das \u201eSt.\u00a0Galler Examen\u201c, eine Stiftung, die noch heute die besten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus Muri auszeichnet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Suche nach dem Nachlass<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Heute findet sich im Kloster Muri kaum noch etwas aus der versprochenen Hinterlassenschaft Vorsters. Vielmehr wird fast der gesamte Nachlass im Stiftsarchiv St.&nbsp;Gallen aufbewahrt \u2013 und das, obwohl die F\u00fcrstabtei, wie Pankraz Vorster es sich doch gew\u00fcnscht hatte, keineswegs restituiert wurde. Auch sonst scheint das Testament in vielen Punkten unber\u00fccksichtigt geblieben zu sein: Den eigenen Blutsverwandten beispielsweise vermachte Vorster explizit nichts: [Es] <em>ergiebt sich, da\u00df niemand als Erbe auf unsern Nachla\u00df den geringsten Anspruch machen k\u00f6nne. Was nie unser Eigenthum war, kann auch an niemand als Erbschaft \u00fcbergehen<\/em>. Doch nach deren Anfechtung des Letzten Willens wurde auch ihnen ein Teil des Erbes zugesprochen \u2013 wovon inzwischen wiederum einige St\u00fccke ihren Weg ins Stiftsarchiv St.&nbsp;Gallen gefunden haben (Abb.&nbsp;6).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kloster Muri zollte dem Andenken des St.&nbsp;Galler F\u00fcrstabtes gegen\u00fcber grossen Respekt: Die W\u00fcnsche des Testaments wurden \u2013 sofern heute noch nachvollziehbar \u2013 genauestens befolgt, das Begr\u00e4bnis nach Vorsters W\u00fcnschen vollzogen, die Hinterlassenschaft aufgeteilt und bis zum Abholen der jeweiligen Parteien aufbewahrt, und auch die Kostbarkeiten, die in Muri geh\u00fctet werden sollten, dem Bistum St.&nbsp;Gallen gleich nach dessen Gr\u00fcndung \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St.&nbsp;Galler Beh\u00f6rden hingegen zeigten sich nicht von ihrer besten Seite: Lange wurde beispielsweise das den Pfarreien zugedachte Geld nicht in Muri abgeholt; so lange nicht, dass schliesslich Kolumban Ferch einen Brief in leicht genervtem Tonfall an das Generalvikariat in St.&nbsp;Gallen verfasste. Es habe sich n\u00e4mlich noch <em>niemand von den st.&nbsp;gallischen hiervon Betheiligten, um den ihm beschiedenen Antheil in Empfang zu nehmen, gemeldet!<\/em> (Abb.&nbsp;5) Auch indem der Kanton St.&nbsp;Gallen einige Jahre sp\u00e4ter Nachforschungen \u00fcber den Verbleib des f\u00fcrst\u00e4btischen Tagebuchs anstellte, \u00fcbergingen sie Vorsters Testament. Dieser n\u00e4mlich hatte private Schriften sowie einige B\u00fccher und Karten seinem Sekret\u00e4r vermacht; vermutlich befand sich darunter auch sein Tagebuch. Es war jedoch fest geregelt: Sollte Ferch vor einer eigenen Verf\u00fcgung sterben, h\u00e4tte Vorsters schriftlicher Nachlass gesamthaft an das Kloster Muri zu fallen:<em> Die wenigen B\u00fccher und Schriften mag RP. Columban zu Handen nehmen und sie lebensl\u00e4nglich benutzen; nach dessen Hintritt sind sie ein Eigenthum des Stiftes Mury<\/em> (Abb.&nbsp;3 u. 4).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1398\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-683x1024.jpg 683w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-200x300.jpg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-768x1152.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-367x550.jpg 367w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_5-333x500.jpg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;5: Im selben Brief schrieb Ferch auch \u00fcber die Anfechtung des Testaments vonseiten Vorsters Familie, die er als <em>das vermessene, widerrechtliche Attantat <\/em>[\u2026] <em>der Verwandten gegen die Disposition<\/em> bezeichnete; 8. September 1829.<br>BiASG, M8, 1, Dossier c.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1400\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-465x310.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_6-695x463.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;6: Best\u00e4tigung des f\u00fcrst\u00e4btischen Testaments; 17. Dezember 1824.<br>StiASG, Nachlass Pankraz Vorster, Nr. 3689.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Entweder aus echtem Unwissen \u00fcber den Verbleib des Tagebuchs oder aber vors\u00e4tzlich etwas irref\u00fchrend im Hinblick auf Vorsters testamentarische Anordnungen gab denn auch Abt Adalbert von Muri am 4. Januar 1839 auf die st.&nbsp;gallischen Nachfragen zur Antwort, dass sich ein solches <em>Diarium<\/em> weder in Besitz seines Klosters noch im Nachlass von Vorsters mittlerweile verstorbenem Sekret\u00e4r befunden habe (Abb. 7).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1401\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-768x1152.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-367x550.jpg 367w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_7-1-333x500.jpg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;7: Der Abt von Muri f\u00fcgte jedoch an, Vorster habe lange vor seinem Tod tats\u00e4chlich einmal von einem solchen Tagebuch gesprochen, dann aber beigef\u00fcgt, durch seine Aufzeichnungen solle niemand blossgestellt werden. Ob er das <em>Diarium<\/em> deswegen vernichtet, anderswohin in Verwahrung gegeben oder verschenkt habe, wisse Adalbert jedoch nicht; 4. Januar 1839.<br>StASG, KA R.134-2-2-14.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es ist anzunehmen, dass sich Vorsters Tagebuch respektive sein gesamter schriftlicher Nachlass zu dieser Zeit tats\u00e4chlich nicht mehr in Muri befand; der mittlerweile verstorbene Kolumban Ferch hatte zumindest Ersteres (wohl aber auch Letzteres) nach Arth an einen befreundeten Pfarrer gegeben, der den Nachlass wiederum dem Kloster Einsiedeln \u00fcberbrachte. Als grosses Geheimnis wurde Vorsters schriftliche Hinterlassenschaft zuerst in der Einsiedler Propstei St.\u00a0Gerold, danach im Kloster Einsiedeln selbst geh\u00fctet \u2013 erst rund 100 Jahre sp\u00e4ter drang das Ger\u00fccht \u00fcber den Aufenthaltsort bis nach St.\u00a0Gallen durch. 1981 kam Vorsters Nachlass auf Nachfrage des Regierungsrates sowie des Katholischen Konfessionsteils schliesslich ins Stiftsarchiv St.\u00a0Gallen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Zur\u00fcck in St.&nbsp;Gallen \u2013 ein unerwartetes Ende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Etwas \u00c4hnliches geschah auch mit Vorster selbst, genauer gesagt: mit seinen sterblichen \u00dcberresten. Obwohl er in Muri bestattet wurde und ein Epitaph in der dortigen Kirche noch heute davon zeugt (Abb.&nbsp;1), so war es doch ein St.&nbsp;Galler Bestreben, Vorster wieder ganz zu sich zu holen. Federf\u00fchrend war dabei Stiftsbibliothekar Adolf F\u00e4h, dessen Traum es gewesen zu sein scheint, den verbannten F\u00fcrstabt \u201anach Hause\u2018 zu holen. Dazu suchte er nach dem genauen Standort des Grabes in Muri und stellte Gesuche an den Kanton Aargau, der eine \u00dcberf\u00fchrung der Gebeine nach St.&nbsp;Gallen schliesslich im November 1923 erlaubte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsters eigene Vorstellungen seiner Grablege, die \u2013 wie aus den Bemerkungen im Testament hervorgeht \u2013 an erster Stelle Muri vorsahen, ganz sicher aber nicht das Kloster St.&nbsp;Gallen, das er noch 1824 in der Best\u00e4tigung seines Testaments als <em>unterdr\u00fckt <\/em>bezeichnete, k\u00f6nnten einen Hinweis darauf geben, wo er sich seine letzte Ruhest\u00e4tte w\u00fcnschte respektive <em>nicht<\/em> w\u00fcnschte. (Abb.&nbsp;6)<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn F\u00e4h am 26. November 1923 also in sein Tagebuch schreibt: \u201eIch muss mich oft fragen, ob alles Wirklichkeit oder nur ein Traum sei, denn, was ich seit einem Jahrzehnte erhoffte, erstrebte, soll Wirklichkeit werden\u201c, dann bliebe sich wohl schlussendlich nur zu fragen, ob Pankraz Vorster diesem Sentiment ebenfalls zustimmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Beitrag zur Jahresausstellung <\/em><em>\u201eVerschleppte Zettel \u2013Irrfahrten der \u00dcberlieferung\u201c im Ausstellungssaal des Stiftsarchivs St.&nbsp;Gallen, 26. Januar 2024 bis 22. Januar 2025 <\/em>(Abb. 8)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"722\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-722x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1402\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-722x1024.jpg 722w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-211x300.jpg 211w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-768x1090.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-1083x1536.jpg 1083w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-1444x2048.jpg 1444w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-388x550.jpg 388w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8-352x500.jpg 352w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2024\/02\/Abb_8.jpg 1748w\" sizes=\"auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb.&nbsp;8: Zur sicheren Aufbewahrung der Urkunden liess F\u00fcrstabt Joseph von Rudolphi in den 1730er Jahren spezielle Kisten anfertigen, in denen das Archiv bei Gefahr rasch gefl\u00fcchtet werden konnte. Eine solche \u201eFluchtkiste\u201c zeigt auch das Plakat zur Ausstellung \u201eVerschleppte Zettel\u201c.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Weitere Informationen zur Odyssee des Nachlasses von Pankraz Vorster finden sich in: Stiftsarchiv St.&nbsp;Gallen (Hg.): Verschleppte Zettel (vvaldo VI). Begleitpublikation zur Jahresausstellung des Stiftsarchivs 2024 <\/em>\u201e<em>Verschleppte Zettel. Irrfahrten der \u00dcberlieferung<\/em>\u201c<em>, Lindenberg i.&nbsp;A.&nbsp;2024.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Tagebuch von Pankraz Vorster erscheint voraussichtlich noch in diesem Jahr in drei Editionsb\u00e4nden der Reihe Itinera Monastica (IV.1\u20133) im B\u00f6hlau Verlag.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte F\u00fcrstabt von St.&nbsp;Gallen, Pankraz Vorster, scheint nicht vom Gl\u00fcck verfolgt worden zu sein. Am 1. Juni 1796 wurde er gegen seinen Willen zum Abt gew\u00e4hlt \u2013 zum Abt eines Klosters, dessen Bl\u00fctezeit schon l\u00e4ngst vergangen war und das stattdessen unaufhaltsam der Verschuldung, Aufst\u00e4nden in der Schweizer Bev\u00f6lkerung und<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2024\/03\/22\/die-irrfahrten-eines-abts-und-seines-nachlasses\/\">Weiterlesen&#8230;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":776,"featured_media":1412,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":"","footnotes":""},"categories":[1,44,45],"tags":[],"class_list":["entry","author-anina-steinmann","post-1392","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-allgemein","category-beitraege","category-besprechungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/users\/776"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1392"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1409,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1392\/revisions\/1409"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}