{"id":1324,"date":"2023-12-13T07:00:00","date_gmt":"2023-12-13T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/?p=1324"},"modified":"2023-12-11T15:08:26","modified_gmt":"2023-12-11T14:08:26","slug":"heilige-hoehlen-zur-verortung-von-hoehlen-aus-heiligenlegenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2023\/12\/13\/heilige-hoehlen-zur-verortung-von-hoehlen-aus-heiligenlegenden\/","title":{"rendered":"Heilige H\u00f6hlen: Zur Verortung von H\u00f6hlen aus Heiligenlegenden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Heilige H\u00f6hlen: Zur Verortung von H\u00f6hlen aus Heiligenlegenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In christlich-religi\u00f6sen Texten des Mittelalters finden sich zahlreiche H\u00f6hlen, die meist als R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit und Ort der Einsiedelei fungieren. Ihre Bewohner*innen besiedeln solche H\u00f6hlen freiwillig, um sich fern von der Gesellschaft einem Leben im Gebet zuzuwenden. Dabei kommen diese \u201aH\u00f6hlenbewohner*innen\u2018 mit einer h\u00f6heren, g\u00f6ttlichen Macht in Kontakt, die Wunder zu bewirken vermag.<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[1]<\/a> Als Ort des G\u00f6ttlichen, der Wunder und der Transzendenzerfahrung werden die beschriebenen H\u00f6hlen als heilige Wirkst\u00e4tten greifbar, die sich von ihrer Aussenwelt klar abgrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Beitrag setzen wir uns mit drei heiligen H\u00f6hlen auseinander. Untersucht werden die H\u00f6hlen von Maria Magdalena, den Siebenschl\u00e4fern und dem Erzengel Michael. Die Textgrundlage der nachfolgenden \u00dcberlegungen bilden die Legenden in der <em>Legenda aurea<\/em> und im <em>Passional<\/em> \u2013 es handelt sich also zun\u00e4chst um aufgeschriebene und erz\u00e4hlte H\u00f6hlen. Besonders macht sie aber, dass sie alle einen Referenzpunkt in der Welt ausserhalb des Textes haben und in Bezug zu einer real existierenden H\u00f6hle gesetzt werden k\u00f6nnen. Diese H\u00f6hlen werden auch heute noch als Pilgerst\u00e4tten besucht. Zwischen der textuell konstruierten und real verortbaren H\u00f6hle entsteht ein wechselseitiges Verh\u00e4ltnis, das wir in diesem Blogbeitrag genauer untersuchen m\u00f6chten. Daher gehen wir der Frage nach, inwiefern die Verortbarkeit dieser H\u00f6hlen in der realen Welt von Bedeutung ist und den Begriff des \u201aheiligen Ortes\u2018 in Relation zu Religion und Glauben setzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Legenda Aurea<\/em> stammt aus der Feder des dominikanischen Ordensbruders Jacobus de Voragine. Sie ist h\u00f6chstwahrscheinlich in den 60er Jahren des 13. Jahrhunderts verfasst worden. Damals noch nicht unter diesem Titel verbreitet, war sie die bekannteste Sammlung von Heiligenlegenden des Mittelalters. In ihr sind, neben Kirchenfesten und Festzeiten, die Viten kanonischer und nichtkanonischer Heiligenfiguren entlang des Kirchenkalenders verzeichnet. Die <em>Legenda Aurea<\/em> stellt einen der zitatenreichsten Texte des Mittelalters dar; u.&nbsp;a. liefert sie Bez\u00fcge auf die Kirchenv\u00e4ter Augustinus, Hieronymus, Gregor und auf viele weitere religi\u00f6se Texte, die in ihrer Datierung von der Entstehung des Alten Testaments bis ins 13. Jahrhundert reichen. Die Vielzahl der Handschriften und der sorgf\u00e4ltige Umgang im Erw\u00e4hnen der Quellen und Zitate haben die \u00dcberlieferung in die Neuzeit g\u00fcnstig beeinflusst.<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Beim <em>Passional<\/em> handelt es sich um das bedeutendste Verslegendar des deutschsprachigen Mittelalters. Seine Entstehung wird auf das Ende des 13. Jahrhunderts gesch\u00e4tzt. Der Verfasser bleibt anonym. M\u00f6glicherweise war der Autor ein Geistlicher oder Gelehrter, der in Verbindung zum Deutschen Orden gelebt und gearbeitet hat. Das <em>Passional<\/em> besteht aus drei B\u00fcchern: dem Jesus- und Marienleben, den Apostellegenden und den Viten der postbiblischen Heiligen. Das <em>Passional<\/em> nimmt sehr viel Inspiration aus der <em>Legenda Aurea, <\/em>\u00fcbertr\u00e4gt diese zwar, schafft jedoch seine eigene Version daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst besch\u00e4ftigen wir uns mit der Erz\u00e4hlung von Maria Magdalena aus der <em>Legenda Aurea<\/em>. Nachdem Maria Magdalena durch ihren Glauben schon einige Wunder vollbracht hatte, lebte sie der Legende zufolge dreissig Jahre lang in einer trostlosen H\u00f6hle. In dieser kargen Ein\u00f6de ohne jegliche Nahrungsquelle vermochte sie dennoch zu \u00fcberleben, da sie sieben Mal am Tag von Engeln in die H\u00f6he gehoben wurde, um durch Lobgesang verpflegt zu werden:<em> [\u2026] daraus wird ersichtlich, dass unser Erl\u00f6ser sie nicht mit irdischer Nahrung, sondern nur mit dem himmlischen Mahl s\u00e4ttigen wollte<\/em>.<a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a> Dies macht deutlich, dass im Bereich der H\u00f6hle die Grenzen des f\u00fcr \u201agew\u00f6hnliche Menschen\u2018 M\u00f6glichen \u00fcberschritten werden. Die H\u00f6hle dient als Portal zum G\u00f6ttlichen, das an diesem Ort Wunder vollbringt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1327\" style=\"width:433px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-300x200.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-768x512.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-465x310.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb1_Grotte-Sainte-Marie-Madeleine-695x463.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Grotte Sainte-Marie-Madeleine in Plan-d&#8217;Aups-Sainte-Baume. Bildquelle: <a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Sanctuaire_de_la_Sainte-Baume-bjs180808-05.jpg\">https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Sanctuaire_de_la_Sainte-Baume-bjs180808-05.jpg<\/a>.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Nicht unber\u00fccksichtigt bleiben darf, dass der Ort f\u00fcr andere Menschen unbetretbar bleibt, w\u00e4hrend Maria Magdalena im Raum der H\u00f6hle transzendentale Erfahrungen macht. Dadurch, dass diese Transzendenzerfahrung exklusiv ist, wird ebenso die Heiligkeit der H\u00f6hle wie diejenige seiner Bewohnerin zus\u00e4tzlich betont. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die besagte H\u00f6hle von Maria Magdalena wurde in S\u00fcdfrankreich lokalisiert. Es handelt sich um die Grotte Sainte-Marie-Madeleine, die man bis heute besuchen und \u2013 zumindest w\u00e4hrend den \u00d6ffnungszeiten \u2013 betreten kann. Die lokale Verortung der heiligen H\u00f6hle soll, \u00e4hnlich wie eine Reliquie, zur Glaubw\u00fcrdigkeit der Erz\u00e4hlung beitragen und die Verehrung Maria Magdalenas legitimieren. Wo der Zugang der H\u00f6hle in der Legende eingeschr\u00e4nkt bleibt, erm\u00f6glicht es die Grotte Sainte-Marie-Madeleine, genau diesen heiligen Ort zu betreten, ihn anzufassen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1330\" style=\"width:331px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-643x1024.jpg 643w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-188x300.jpg 188w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-768x1223.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-964x1536.jpg 964w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-1286x2048.jpg 1286w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-345x550.jpg 345w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-314x500.jpg 314w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb2_Maria-Magdalena_Schedelsche-Weltchronik-scaled.jpg 1607w\" sizes=\"auto, (max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 2: Holzschnitt der Maria Magdalena mit Engeln \u00fcber dem Heiligtum zu Saint-Baume. In: Hartmann Schedel: <em>Register Des buchs der Croniken und geschichten \u2013 mit figuren und pildn\u00fcssen von anbeginn der welt bis auf dise unnsere Zeit<\/em> [Weltchronik], N\u00fcrnberg: Anthonien Koberger 1493. Universit\u00e4tsbibliothek Basel, UBH EA I 12. Digitalisat: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3931\/e-rara-74200\">https:\/\/doi.org\/10.3931\/e-rara-74200<\/a>.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Besucher*innen der H\u00f6hle werden dort allerdings nicht durch Lobgesang ern\u00e4hrt, wodurch in gewisser Weise auch das wesentliche Charakteristikum des von Maria erfahrenen Heils wegf\u00e4llt. Die Heiligkeit der H\u00f6hle wird nicht durch Wunder in Form von Transzendenzerfahrungen best\u00e4tigt, vielmehr dient die Grotte Sainte-Marie-Madeleine als aussertextueller Beweis f\u00fcr die \u201aRichtigkeit\u2018 der Legende. Diese wiederum bekr\u00e4ftigt die textuell erzeugte H\u00f6hle aus der Legende. Daran anschliessend l\u00e4sst sich zwischen der literarischen und der in der Welt lokalisierbaren H\u00f6hle insofern ein wechselseitiges Verh\u00e4ltnis beobachten, als sie gegenseitig Heiligkeit legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus lohnt es sich, ein Schlaglicht auf die Legende der Siebenschl\u00e4fer zu werfen, die sich ebenfalls in der <em>Legenda Aurea<\/em> findet. Sie handelt von sieben J\u00fcnglingen, die aufgrund der Christenverfolgung auf den Berg Celion bei Ephesos fl\u00fcchten. Die Siebenschl\u00e4fer werden nicht von der H\u00f6hle ern\u00e4hrt und versorgt, sondern sind weiterhin auf die Aussenwelt angewiesen, weshalb sie sich abwechseln und zur\u00fcck ins Dorf kehren, um Nahrungsmittel zu besorgen. Decius, der damalige Kaiser, befiehlt, die H\u00f6hle mit Steinen versiegeln zu lassen. Am selben Abend schlafen die sieben J\u00fcnglinge nach ihrem Abendmahl ein, da Gott es so verordnet. Laut der Legende vergehen 372 Jahre,<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a> bis die Siebenschl\u00e4fer wieder geweckt werden und sich auf wundersame Weise so f\u00fchlen, als h\u00e4tten sie bloss eine Nacht geschlafen. Unter der Herrschaft des zu diesem Zeitpunkt regierenden Kaisers Theodosius gibt es weitaus weniger Anh\u00e4nger des Christentums, was den Kaiser ungl\u00fccklich stimmt. Gott nimmt diese Verzweiflung Theodosius\u2019 wahr und l\u00e4sst die Siebenschl\u00e4fer erwachen. Infolgedessen l\u00e4sst Theodosius \u00fcber der H\u00f6hle der Siebenschl\u00e4fer aus Dank eine Kirche errichten, deren Ruine bis heute existiert. Eine nah gelegene Felsspalte und ein mit einem Tonnengew\u00f6lbe ausgestatteter Raum gelten als Grabst\u00e4tte der Siebenschl\u00e4fer. Fr\u00fcher war die H\u00f6hle ein Wallfahrtsort, heute ist sie nicht mehr betretbar, kann jedoch weiterhin aus der Ferne betrachtet werden. Die H\u00f6hle symbolisiert damit bis heute die R\u00fcckkehr zum christlichen Glauben durch Wunder, die nur von Gott vollbracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00f6hle nimmt in der Legende der Siebenschl\u00e4fer eine wandelbare Form an. Sie dient den Siebenschl\u00e4fern als R\u00fcckzugsort, der kaum besondere Eigenschaften aufweist. Jedoch wird sie durch die Macht Gottes im entscheidenden Moment zu einem \u00fcbernat\u00fcrlichen Raum, in dem die Zeit scheinbar stillsteht. Die H\u00f6hle ern\u00e4hrt die Siebenschl\u00e4fer nicht, erh\u00e4lt sie aber dennoch am Leben, sodass sie sich 372 Jahre sp\u00e4ter keinen Tag \u00e4lter f\u00fchlen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Siebenschl\u00e4fer-H\u00f6hle als heilige H\u00f6hle gilt und ihr bis heute ein besonderer Stellenwert zugeschrieben wird. Sie besch\u00fctzt den christlichen Glauben und \u201akonserviert\u2018 ihn und Gl\u00e4ubige, um die Ungl\u00e4ubigen im passenden Moment zur\u00fcck auf den richtigen Weg zu bringen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"699\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-1024x699.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1331\" style=\"width:433px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-300x205.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-768x524.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-465x317.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer-695x474.jpg 695w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb3_Gelaende-Siebenschlaefer.jpg 1521w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Siebenschl\u00e4ferh\u00f6hle bei Ephesos, Westt\u00fcrkei. Bildquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Siebenschl%C3%A4fer%C3%9Cberblick.jpg\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Siebenschl%C3%A4fer%C3%9Cberblick.jpg<\/a>.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die Legende des Erzengel Michael im <em>Passional<\/em>. Die Legende handelt von einem reichen Viehz\u00fcchter, der seinen entlaufenen Stier sucht. Als er den Stier auf einem Felsvorsprung vor einer H\u00f6hle sieht, m\u00f6chte er ihn aufgrund seiner unerreichbaren und hoffnungslosen Lage mit einem Pfeil t\u00f6ten. Jedoch dreht sich der Pfeil pl\u00f6tzlich um und verletzt den Viehz\u00fcchter. Nur dank der Gebete des Bischofs, der den Viehz\u00fcchter wieder gesund pflegt, \u00fcberlebt der Verletzte. Daraufhin erscheint dem Bischof der Erzengel Michael mit der Bitte, dass er in dieser H\u00f6hle ein Heiligtum errichten soll.<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a><sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Anders als in den bisher beschriebenen Legenden, wird die H\u00f6hle hier explizit als heilige Wirkungsst\u00e4tte ausgesucht und bestimmt. Erst durch die Pr\u00e4senz des Erzengels erlangt die H\u00f6hle ihren Status als heiligen Ort, der sich von seiner Umgebung abgrenzt und die \u00dcberlegenheit einer g\u00f6ttlichen Macht manifestiert. Auch dieser Ort wurde zu einem bekannten und \u00fcberaus beliebten Wallfahrtsort: Gemeint ist die H\u00f6hle des nach dem Viehz\u00fcchter benannten Monte Gargano, in welcher der Erzengel Michael verehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier pr\u00e4sentierten Beispiele verdeutlichen, dass die H\u00f6hlen in den Legenden oftmals als Portal zwischen der irdischen und der spirituellen Welt fungieren. Durch ihre Abgrenzung von der allt\u00e4glichen Welt, ihren eingeschr\u00e4nkten Zugang sowie die M\u00f6glichkeit von Transzendenzerfahrungen und Wundern erhalten diese H\u00f6hlen einen heiligen Status. Bemerkenswert ist, dass s\u00e4mtliche der hier beschriebenen H\u00f6hlen in der realen Welt verortet und f\u00fcr interessierte Besucher*innen zug\u00e4nglich oder wenigstens aus der Ferne zu betrachten sind, so dass zwischen Text und Wirklichkeit ein wechselseitiges Legitimationsverh\u00e4ltnis besteht: Die noch heute sensuell erfahrbaren H\u00f6hlen spielen der Glaubw\u00fcrdigkeit von Legenden zu, w\u00e4hrend die erz\u00e4hlten H\u00f6hlen den realen Pilgerst\u00e4tten ihre spirituelle Bedeutung verleihen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"659\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-1024x659.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1332\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-1024x659.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-300x193.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-768x494.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-1536x989.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-2048x1318.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-465x299.jpg 465w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/files\/2023\/12\/Abb4_Monte-Gargano-San-Michele-695x447.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Die Grotte des Erzengels Michael im Santuario San Michele Arcangelo im Monte Gargano. Bildquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%22Monte_Sant%60Angelo,_ein_mystischer_Ort_im_Herzen_des_Gargano%22_10.jpg\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%22Monte_Sant%60Angelo,_ein_mystischer_Ort_im_Herzen_des_Gargano%22_10.jpg<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. Andreas Hammer: H\u00f6hle, Grotte. In: Tilo Renz \/ Monika Hanauska \/ Mathias Herweg (Hg.): Literarische Orte in deutschsprachigen Erz\u00e4hlungen des Mittelalters. Ein Handbuch. Berlin\/Boston 2018, S.&nbsp;292.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Jacobus de Voragine: <em>Legenda Aurea<\/em>. Goldene Legende. Einleitung, Edition, \u00dcbersetzung und Kommentar von Bruno W. H\u00e4uptli, Sonderband Teil 1. Freiburg i.&nbsp;Br. 2014 (Fontes Christiani&nbsp;S), S.&nbsp;13\u201367.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. ebd., S.&nbsp;235.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> Historische Daten zeigen jedoch, dass zwischen Kaiser Decius und Kaiser Theodosius \u2018nur\u2019 196 Jahre vergangen sind. Die Legende wurde in verschiedenen Formen \u00fcberliefert und variiert deswegen in einigen Punkten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Vgl. <em>Passional<\/em>. Buch I: Marienleben, hg. von Annegret Haase \/ Martin Schubert \/ J\u00fcrgen Wolf.<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin 2013 (Deutsche Texte des Mittelalters XCI\/1), S.&nbsp;1048\u20131057.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heilige H\u00f6hlen: Zur Verortung von H\u00f6hlen aus Heiligenlegenden In christlich-religi\u00f6sen Texten des Mittelalters finden sich zahlreiche H\u00f6hlen, die meist als R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit und Ort der Einsiedelei fungieren. Ihre Bewohner*innen besiedeln solche H\u00f6hlen freiwillig, um sich fern von der Gesellschaft einem Leben im Gebet zuzuwenden. 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