{"id":1107,"date":"2023-08-23T15:37:14","date_gmt":"2023-08-23T13:37:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/?p=1107"},"modified":"2023-08-25T13:10:35","modified_gmt":"2023-08-25T11:10:35","slug":"anderswelten-die-hoehle-in-der-literatur-des-mittelalters-und-der-fruehen-neuzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2023\/08\/23\/anderswelten-die-hoehle-in-der-literatur-des-mittelalters-und-der-fruehen-neuzeit\/","title":{"rendered":"Anderswelten: Die H\u00f6hle in der Literatur des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Ob als Behausung von Ungeheuern und Fabelwesen, als Zufluchtsort f\u00fcr Liebende, als Zugang zum Jenseits oder als k\u00fcnstlich angelegter Staunensraum: H\u00f6hlen sind in zahlreichen Texten des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit von besonderem Stellenwert, da sie sich in ihrer Andersartigkeit von der allt\u00e4glichen Lebenswelt unterscheiden und g\u00e4ngige Wissens- und Erfahrungsm\u00f6glichkeiten hinterfragen. Der Begriff der H\u00f6hle bezeichnet ganz allgemein gefasst eine oberfl\u00e4chliche Aush\u00f6hlung, einen Hohlraum im Innern der Erde. Die literarischen Darstellungen dieser unterirdischen G\u00e4nge sind verwinkelt und f\u00fchren unmittelbar in die Tiefe von wahrnehmungs- und erkenntnistheoretischen Fragestellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines anregenden Bachelor-Seminars der \u00c4lteren Deutschen Literaturwissenschaft sind wir in die Abgr\u00fcnde der vormodernen Literatur eingetaucht, um der mannigfaltigen Semantisierung der H\u00f6hle nachzusp\u00fcren. Unsere Reise f\u00fchrte uns von Platons H\u00f6hlengleichnis bis zum barocken Schelmenroman: Gemeinsam haben wir Texte aus unterschiedlichen Gattungen und Jahrhunderten durchleuchtet, um die literarisch inszenierten H\u00f6hlen nicht nur als blosse Aufenthaltsr\u00e4ume, sondern als Orte der Erkenntnis, der Imagination sowie der k\u00fcnstlerischen Produktion und Rezeption zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Blogreihe pr\u00e4sentiert eine Sammlung von Beitr\u00e4gen, die von Studierenden verfasst wurden und einen breit gef\u00e4cherten Einblick in die Diskussionen, Reflexionen und Interpretationen des Seminars geben. Die Beitr\u00e4ge erkunden, wie die jeweiligen H\u00f6hlen literarisch modelliert werden und worin ihre narrativen Funktionen gr\u00fcnden. Sie werfen ein aufschlussreiches Schlaglicht auf wiederkehrende Motive und zeigen, dass die jeweiligen H\u00f6hlen das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Fiktion und Realit\u00e4t auf vielf\u00e4ltige Weise reflektieren und verhandeln. Zudem untersuchen sie, welche Einsichten sich ergeben, wenn mediale Aspekte in die Analyse literarischer H\u00f6hlen einfliessen, indem sie den Blick auf die visuelle Kunst \u2013 insbesondere filmische Darstellungen \u2013 ausweiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne allzu viel verraten zu wollen: Die Bandbreite der literarischen H\u00f6hlen, die in den hier versammelten Beitr\u00e4gen behandelt werden, reicht weit. Mal sind sie St\u00e4tten k\u00fcnstlerischer Kreativit\u00e4t und Quellen der Inspiration, mal markieren sie die Schwelle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Ein anderes Mal erweisen sie sich als heterotopischer Raum der Erinnerung und der Offenbarung, w\u00e4hrend sie an anderer Stelle das dunkle Nichts verk\u00f6rpern, das wom\u00f6glich noch furchterregender ist als die von Zwergen und Riesen bewohnte H\u00f6hlenwelt. So unterschiedlich die literarisch inszenierten H\u00f6hlen auch sein m\u00f6gen, so lassen sie sich allesamt als Anderswelten begreifen, welche die Grenzen des Gewohnten sprengen. Zwar m\u00f6gen sie auf den ersten Blick als isolierte Enklaven erscheinen, doch offerieren sie gerade in dieser Abgegrenztheit gestalterische Spielr\u00e4ume, um die \u00e4ussere Welt nicht nur zu umreissen, sondern auch wesentlich mitzugestalten. Ziel dieser Blogreihe ist es, die Vielfalt dieser H\u00f6hlenwelten einem breiteren Lesepublikum n\u00e4herzubringen und zu einer Reflexion \u00fcber g\u00e4ngige Wissensordnungen und Wahrnehmungsprozesse einzuladen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sarah M\u00f6ller ist Assistentin am Lehrstuhl Schnyder f\u00fcr \u00c4DL der UZH. Ihr Promotionsprojekt fokussiert die \u00e4sthetische Dimension von Krisendispositiven in Grimmelshausen <\/em>Simplicissimus<em>-Roman<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/hoehlen\/\">Zur Serie<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob als Behausung von Ungeheuern und Fabelwesen, als Zufluchtsort f\u00fcr Liebende, als Zugang zum Jenseits oder als k\u00fcnstlich angelegter Staunensraum: H\u00f6hlen sind in zahlreichen Texten des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit von besonderem Stellenwert, da sie sich in ihrer Andersartigkeit von der allt\u00e4glichen Lebenswelt unterscheiden und g\u00e4ngige Wissens- und Erfahrungsm\u00f6glichkeiten<span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/2023\/08\/23\/anderswelten-die-hoehle-in-der-literatur-des-mittelalters-und-der-fruehen-neuzeit\/\">Weiterlesen&#8230;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":776,"featured_media":1114,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":"","footnotes":""},"categories":[1,62,61],"tags":[],"class_list":["entry","author-sarah-moeller","post-1107","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-allgemein","category-hoehlen","category-serien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/users\/776"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1107"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1226,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1107\/revisions\/1226"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/medioscope\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}