{"id":956,"date":"2023-05-17T08:43:07","date_gmt":"2023-05-17T08:43:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/?p=956"},"modified":"2023-05-31T15:22:52","modified_gmt":"2023-05-31T15:22:52","slug":"rahels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/rahels\/","title":{"rendered":"Rahels Laptop: Don&#8217;t Settle for Less"},"content":{"rendered":"\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"#Absatz01\">Der Laptopdeckel<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz02\">\u00dcber Rahel<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz03\">Die vorbildliche Rebellion<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz04\">Extrovertierte Repr\u00e4sentation<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz04.5\">Nach der Arbeit ist vor der Arbeit<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz05\">Verdeckte Hegemonie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz06\">Die Firma<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz10\">Meine Beziehung zum Informanten<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz11\">Abschliessend &#8211; wenn der Mensch mit dem Objekt in Zusammenhang gebracht wird<\/a> <\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#Absatz12\">These &amp; Schlussfolgerung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"12704\" height=\"8784\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/enlarge_IMG_7755.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1681\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cAt least I can always recognize mine in a meeting!\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz01\">Der Laptopdeckel:<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"Markenlogo\">Die Betrachter:in hat es hier mit einem Lenovo Laptop zu tun, welcher mit dreizehn Aufklebern geschm\u00fcckt ist, die Aufkleber sind ohne \u00fcbergreifenden Plan platziert, wodurch eine organisch entstandene Ordnung herrscht. Einzig der Einhornsticker macht hier die Ausnahme. Er wurde strategisch \u00fcber das <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Markenlogo\">Logo<\/a> <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Politik\">platziert<\/a>, um aus dem blinkenden Licht ein rotgl\u00fchendes Auge entstehen zu lassen. Die Aufkleber decken ein breites thematisches Spektrum ab. Zu sehen sind vor allem Sticker, welche Teams in der ZKB repr\u00e4sentieren. Aus dem Interview wird klar, dass dieses &#8222;Stickerverhalten&#8220; in Rahels Umfeld weit verbreitet ist und einen Trend darstellt. Dadurch l\u00e4sst sich eventuell einiges aus der <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Lebensbereiche\">Arbeitskultur<\/a> der ZKB ablesen. Interessant sind vor allem auch jene Sticker, die sich von diesem Trend abheben und innerhalb der ZKB nur auf dem beobachteten Laptop existieren. Diese Sticker kommen aus dem Kunstbereich und demonstrieren ein pers\u00f6nliches Motto.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz02\">\u00dcber Rahel<\/h2>\n\n\n\n<p>Rahel (42) ist in der ZKB eine F\u00fchrungskraft, sie leitet und entwickelt Projekte auf hohem Niveau. Rahel hat sich durch ihre innovative Denkweise,  Kreativit\u00e4t, ihr Durchhalteverm\u00f6gen und durch ihre positive Herangehensweise zu Projekten sowie an Menschen in der Karriereleiter der Z\u00fcrcher Kantonalbank hochgearbeitet. Das Genderthema ist in ihrer Karriere nicht zu \u00fcbersehen. Die Generaldirektion der ZKB weist eine Geschlechterverteilung von 7:1 vor. Unter acht Gesch\u00e4ftsleiter:innen ist nur eine Frau auf diesem Level. Auch auf dem Level von Rahel ist sie unter sieben Mitarbeiter:innen die einzige Frau. Auf dem Niveau ihrer direkten Vorgesetzten arbeiten zwei Frauen und vier M\u00e4nner. Deutlich wird also eine ungleiche Geschlechterverteilung, welche sich auf das jeweilige soziale Umfeld des jeweiligen Kolleg:innen- und Mitarbeiter:innenkreises auswirkt. Die Vermutung liegt nahe, dass es eines \u00fcberdurchschnittlich starken Charakters und Durchsetzungsverm\u00f6gens bedarf, um sich in einem sozialen Netzwerk einzubringen, in dem man selbst einer Minderheit angeh\u00f6rt. Blickt man auf das Interview mit Rahel, scheint auch ein optimistischer und zukunftsorientierter Charakter durch. Ob sich diese Themen in den Aufklebern finden, lassen wird unter anderem im folgenden Blog untersucht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sticker<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-white-background-color has-background has-large-font-size\" id=\"Absatz03\" style=\"line-height:1.1\">Die vorbildliche Rebellion<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1015\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1682\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-1024x1015.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-300x297.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-150x150.jpg 150w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-768x762.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-1536x1523.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-2048x2031.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-88x88.jpg 88w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-900x892.jpg 900w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Anund-Pfirsich-1280x1269.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cI don&#8217;t know why I stuck that on it&#8230; Out of \u2018rebelness\u2019\u2026 because it\u2019s not from ZKB\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der &#8222;Anund Pfirsich&#8220; Aufkleber stammt von einem Improvisationstheater in der Stadt Z\u00fcrich. Es handelt sich hier um einen der wenigen Sticker, welche nicht Arbeitsteams der ZKB repr\u00e4sentieren. Rahel sieht im Aufkleben dieses Stickers einen harmlosen <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Politik\">rebellischen<\/a> Akt. Er erlaubt ihr, sich auf spielerische Art gegen die Hegemonie des Arbeitsgebers zu wehren und dient dadurch als Ausdruck ihrer privaten Pers\u00f6nlichkeit. In ihrer F\u00fchrungsrolle wird Rahel durch ihr Umfeld st\u00e4rker wahrgenommen, als dies der Fall w\u00e4re, wenn sie keine F\u00fchrungsposition belegen w\u00fcrde. Bedingt durch diese sozial exponierte Lage ist gerade auch die genaue Ausdrucksform des rebellischen Aktes wichtig, da diese auf geschmacksvolle Weise geschehen muss, ohne die Firmenphilosophie zu hinterfragen bzw. zu widerlegen. Als kunst- und kulturbegeisterte Frau, die auch selber in einem Chor mitsingt, scheint die Wahl des Stickers gut zu ihrem Charakter zu passen. Der rebellische Akt zeichnet sich also dadurch aus, dass eine pers\u00f6nliche Seite gezeigt wird, welche erstens nicht im Konflikt mit der Firmenphilosophie steht und zweitens positive Assoziationen mit sich bringt. Angedeutet wird ein Hang zu Kreativit\u00e4t, Innovation, Improvisationsverm\u00f6gen und &#8222;Performance&#8220;. Die aufgez\u00e4hlten Eigenschaften sind alle auch im professionellen Kontext einer Projektleiterin von starkem Nutzen. Das Argument scheint nicht allzu weit hergeholt, dass es sich in der Verwendung dieses Stickers neben der selbst deklarierten rebellischen Handlung auch um das Signalisieren bestimmter Tugenden handelt. Zu sehen ist eine Repr\u00e4sentation von n\u00fctzlichen inneren Werten nach Aussen, welche auf subtile Weise auch auf ein gew\u00fcnschtes Arbeitsklima hindeuten k\u00f6nnten. Durch die f\u00fchrende Rolle Rahels bekommt eine solche Message m\u00f6glicherweise auch eine gr\u00f6ssere Reichweite.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz04\" style=\"line-height:1.1\">Extrovertierte <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Identitaet\">Repr\u00e4sentation<\/a><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"601\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-1024x601.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1683\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-1024x601.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-300x176.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-768x451.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-1536x902.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-900x528.jpg 900w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle-1280x751.jpg 1280w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Dont-Settle.jpg 2024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;\u2019Don&#8217;t settle for less\u2019 is my favorite\u2026 it\u2019s a personal motto\u2026\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Aufschrift &#8222;Don&#8217;t settle for less&#8220; entstammt dem Lied &#8222;Don&#8217;t Settle&#8220; von Glen Hansard (2019 erschienen). Einzigartig ist der hier ersichtliche Aufkleber, weil es sich um einen der wenigen Aufkleber handelt, die nicht von Teams innerhalb der ZKB stammen oder auf andere Weise mit der ZKB in Verbindung stehen. Dadurch ist dieser Sticker auf pers\u00f6nlicher Ebene f\u00fcr Rahel von besonderer Bedeutung. Er stellt eine schwierigere Phase ihres Lebens dar und weist gleichzeitig durch ein pers\u00f6nliches Motto den Weg in die Zukunft. Das Thema der &#8222;<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Lebensabschnitte\">Lebensphasensticker<\/a>&#8220; auf dem Laptop Deckel ist ein Interessantes, da hier eine biographisch-historische Dimension auf die verg\u00e4ngliche Natur eines technischen Ger\u00e4tes st\u00f6sst, welches innerhalb von verh\u00e4ltnism\u00e4ssig wenigen Jahren technisch obsolet wird. Es trifft also ein Bestandteil eines menschlichen Lebens, welches oft achtzig bis neunzig Jahre \u00fcberschreitet, auf ein Ger\u00e4t, dessen Lebensspanne meist nicht viel l\u00e4nger als f\u00fcnf bis acht Jahre \u00fcberdauert. Diese Art der Verarbeitung einer Lebensphase scheint passenderweise eben durch ihre Verg\u00e4nglichkeit gekennzeichnet. Wie der Laptop nach seiner dienlichen Phase verschwindet und lediglich als Tr\u00e4ger bestimmter Aufgaben w\u00e4hrend seiner aktiven Zeit fungiert, wird auch das Leben weiterschreiten und positive wie auch schmerzhafte Erinnerungen, welche ebenfalls als Tr\u00e4ger von ver\u00e4nderlichen, vor\u00fcbergehenden Ansichten und Perspektiven gelten k\u00f6nnen, werden integriert und treten einem grossstrukturellen Gesamtbild zu. Der Laptop und die darauf geklebten Bilder sind also analog zu den Erinnerungen mit den ihnen anhaftenden Ereignissen, welche zum beobachteten &#8222;Stickerverhalten&#8220; f\u00fchrten. Beide Objekte weisen eine verg\u00e4ngliche, aber h\u00f6chst n\u00fctzliche Natur, welche einem gr\u00f6sseren Ganzen dienen. Der Laptop dient der Geschichte der Firma und der durchgef\u00fchrten Projekte und die Erinnerungen dienen der Geschichte der menschlichen Biographie. Somit argumentiere ich, dass der Laptopdeckel in diesem Fall eine Schnittstelle zwischen kommerziellen und biographischen Entwicklungen darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz04.5\">Nach der Arbeit ist vor der Arbeit<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"992\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-1024x992.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1685\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-1024x992.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-300x291.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-768x744.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-1536x1488.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-2048x1985.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-900x872.jpg 900w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Zum-Stall-1280x1240.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cIt&#8217;s more colorful and it\u2019s a personal touch!\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;Zum Gaul&#8220;, ein beliebtes Lokal, welches auch lokal ist. Angeboten werden vor allem Bio-Produkte aus der Gegend. Das Lokal ist ein Ort, den Rahel in der Mittagspause oder auch mal nach der Arbeit zum Essen oder f\u00fcr einen Drink aufsucht. An dem sich Rahel mit ihren Kollegen w\u00e4hrend der Mittagspause trifft, um Kommendes oder Geschehenes zu besprechen, zu planen, Strategien zu entwickeln und zu verarbeiten. Dieses lokalvernetzte Unternehmen ist also ein Knotenpunkt, an dem sich die Arbeit und die Freizeit verbinden. Ein Erholungsort f\u00fcr zwischendrin und ein Ort zum Abschalten f\u00fcr danach. Der Gaul zeigt, wie verkn\u00fcpft das berufliche mit dem privaten Leben ist, wie zeitgleich und <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/glossar\/#Mehrdeutigkeit\">verwoben<\/a> diese beiden Lebensbereiche sind, oder gar dass diese Kontexte nicht voneinander zu trennen sind. Die Arbeit ist Bestandteil des Lebens und ist im besten Fall anregend, inspirierend und bereichernd. Dass der Sticker dieses Lokals es auf ihren Arbeitslaptop geschafft hat, kann als symbolisch stellvertretend f\u00fcr diese Verbindung gelesen werden. So, wie die pers\u00f6nlichen Sticker von den Firmenstickern eingebettet und kontextualisiert sind, ist auch Rahels Privatleben und ihre pers\u00f6nliche Entwicklung im Kontext ihrer Karriere zu verstehen und nicht als isolierte Themenbereiche denkbar. Dabei ist eine Wechselwirkung zu erkennen, in der die Karriere die private Entwicklung vorantreibt und die entstehenden Charakterz\u00fcge wiederum f\u00fcr den Arbeitskontext bereichernd sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-left has-large-font-size\" id=\"Absatz05\" style=\"line-height:1.1\">Verdeckte Hegemonie<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>A feature, not a bug<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1006\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-1006x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1686\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-1006x1024.jpg 1006w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-295x300.jpg 295w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-768x782.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-1509x1536.jpg 1509w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-2012x2048.jpg 2012w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-900x916.jpg 900w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn-1280x1303.jpg 1280w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Unicorn.jpg 2045w\" sizes=\"auto, (max-width: 1006px) 100vw, 1006px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cWhich is why I stuck the unicorn there, so that the eye would blink red because that\u2019s awesome!\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Einhornsticker repr\u00e4sentiert zwei Bedeutingsdimensionen. Er stammt von der &#8222;Einhorntruppe&#8220; oder dem &#8222;Einhornteam&#8220; innerhalb der ZKB, die laut Rahel vermutlich den Stickertrend und die Stickerverbreitung der unterschiedlichen Teams innerhalb der ZKB begonnen hatten. Somit markiert er den Beginn dieser sozial kulturellen Praktik innerhalb der Firma. Dass er gleich oben links, an erster &#8222;Lesestelle&#8220; platziert ist, hat aber mit der Zeitdimension nichts zu tun. Oben links wurde er angeklebt, da dort auch das Lenovo Logo platziert ist. Die Motivation, das Logo zu \u00fcberkleben, entstammt nicht etwa einem Protestakt gegen den Grosskonzern oder gegen den Kommerz an sich, sondern hat vielmehr mit Kreativit\u00e4t zu tun. Durch die genaue Platzierung des Aufklebers leuchtet das Auge des Einhorns mit dem Blinken des &#8222;I-T\u00fcpfchens&#8220; \u00fcber &#8222;Think Pad&#8220; rot auf. Sich in bestehenden Strukturen zurecht zu finden und die gegebene Materie auf kreative Weise aufzuwerten scheint ganz dem Charakter Rahels zu entsprechen. Als Projektleiterin ist diese F\u00e4higkeit auf \u00fcbergeordnetem Level von wesentlicher Bedeutung. Eine Verkn\u00fcpfung zwischen den exekutiven F\u00e4higkeiten und dem &#8222;Stickerverhalten&#8220; herzustellen mag etwas gewagt sein, und doch scheint hier die Aneignung und kreative \u00dcberw\u00e4ltigung des gegebenen Terrains durch, wie sie in leitender Funktion innerhalb der Bank auch dienlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz06\">Die Firma<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"540\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-1024x540.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1687\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-1024x540.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-300x158.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-768x405.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-1536x810.jpg 1536w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-2048x1080.jpg 2048w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-900x475.jpg 900w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Work-shrunk-1280x675.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cIt&#8217;s kind of a fad in ZKB, every team makes their own stickers\u201d<\/p>\n<cite>Interview mit Rahel, 17. M\u00e4rz, 2023<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die hier abgebildeten Sticker fallen alle unter dieselbe Kategorie, wie auch der Einhornsticker repr\u00e4sentieren sie jeweils Teams der ZKB. Das Aufkleben von firmeninternen Stickern zeugt einerseits von einer stark koh\u00e4renten Arbeitskultur und andererseits von der kreativen Individualit\u00e4t der jeweiligen Teams. Aufgeklebt werden nicht nur die eigenen Kleber, sondern auch die von relevanten Partnerabteilungen. Die Bedeutung des Laptopdeckels \u00fcbersteigt also den engeren sozialen Umkreis des eigenen Teams und wird zu einer grossstrukturellen Repr\u00e4sentationsfl\u00e4che. Die Identit\u00e4t des einzelnen ist also zumindest visuell, mit der Identit\u00e4t des breiteren Umfeldes verkn\u00fcpft. Das Gesamtbild des Laptops ist organisch entstanden, wurde nicht geplant und weist laut Rahel eine Parallele zur vorherrschenden Arbeitskultur auf. Ein gemeinsames und vernetztes Bew\u00e4ltigen der anliegenden Aufgaben ist hier auf visuelle Weise verdeutlicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz10\">Meine Beziehung zur Informantin<\/h2>\n\n\n\n<p>Da wir dieselbe Grundschule besucht hatten, kenne ich Rahel nun seit meiner Schulzeit. Wir haben auch einige Zeit in der selben Wohngemeinschaft gelebt. So habe ich eine relativ gute Einsicht in ihre Freizeitinteressen, kann ihren Charakter aus mehrj\u00e4hriger Erfahrung relativ gut einsch\u00e4tzen und habe aus der Peripherie ihre Erfahrungen aus dem Berufsleben mitbekommen. Meine Analyse ihres Laptops und der darauf klebenden Sticker basiert einerseits auf einem konkreten Interview und andererseits auf einer Beziehung, die ich in diesem Rahmen als teilnehmende Beobachtung ansehe. Ich habe Rahel aus unterschiedlicher Distanz w\u00e4hrend ca. 20 Jahren beobachten k\u00f6nnen und habe so ein reiches Hintergrundwissen \u00fcber ihren Charakter und kenne ihren professionellen Werdegang verh\u00e4ltnism\u00e4ssig gut. Der Vorteil der Wahl dieses Analyseobjektes liegt im Zugang zur Person und zu eben dieser personalhistorischen Dimension. Aus diesem Grund schliesse ich einen Bias nicht aus. Ich argumentiere aber, dass die pers\u00f6nliche Beziehung zur befragten Person in einer solch qualitativen Analyse als St\u00e4rke gelten kann, da Schl\u00fcsse gefasst und Verbindungen zwischen Charakter und Objekt hergestellt werden k\u00f6nnen, welche bei einer oberfl\u00e4chlicheren Bekanntschaft nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/files\/2023\/05\/Rahel-mp3.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"Absatz11\">Abschliessend: Wenn der Mensch mit dem Objekt in Zusammenhang gebracht wird<\/h2>\n\n\n\n<p>Wird der Laptop im Zusammenhang mit dem Charakter und dem Interview von Rahel in Verbindung gebracht, tritt der Beobachter:in ein Bild entgegen, welches in den Charakter der Besitzerin Einblick gew\u00e4hrt. Die Anzahl der privaten Aufkleber, im Verh\u00e4ltnis zu den firmenrelevanten, weisen einerseits auf einen berufsorientierten Charakter hin, k\u00f6nnten aber andererseits auch auf eine soziale Stellung hinweisen, welche in unmittelbarer Sichtbarkeit existiert. Die dahintersteckende Annahme ist, dass eine Minderheit meist durch ihren Kontrast zum Mainstream sichtbarer gemacht wird. Dies soll nicht bedeuten, dass die ZKB als Firma frauenfeindlich ist, sondern soll viel eher auf latente soziokulturelle Str\u00f6me aufmerksam machen. Passend zu dieser Lesart sind auch die Themen, welche in den pers\u00f6nlichen Stickern angesprochen werden. Durchhalteverm\u00f6gen, Durchsetzungskraft, Kreativit\u00e4t und Improvisationsk\u00fcnste sind Eigenschaften, welche gerade einem Menschen n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen, der sich in einem gr\u00f6sseren Ganzen zurechtfinden muss. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"Absatz12\">These &amp; Schlussfolgerung<\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet man Nutzer:in und benutztes Objekt bietet sich die These an, dass sich Charaktereigenschaften und Verwendungseigenheiten wie der Verwendungszweck des Objekts oder der Kontext, in dem das Objekt verwendet wird, der Erscheinung des Objektes ablesen lassen. Auch \u00fcber den sozialen Kontext, in dem sich die Informantin befindet, lassen sich durch eine genaue Objektbetrachtung Aussagen machen. Das materielle Objekt wird also durch seine Verwendung und durch die aneignende Praktik des &#8222;Stickerns&#8220; zu einem Bedeutungstr\u00e4ger und \u00fcbersteigt somit in seiner Synergie mit der Nutzer:in die rein materielle Ebene.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Laptopdeckel ist mit dreizehn Aufklebern geschm\u00fcckt, die ohne \u00fcbergreifenden Plan platziert sind, wodurch eine organisch entstandene Ordnung herrscht. Einzig der Einhornsticker macht hier die Ausnahme. <\/p>\n","protected":false},"author":850,"featured_media":1681,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-956","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/users\/850"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=956"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2605,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/956\/revisions\/2605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/laptopstickers\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}