{"id":455,"date":"2015-08-14T11:16:50","date_gmt":"2015-08-14T10:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/kunstsnm\/?p=455"},"modified":"2021-04-19T22:09:23","modified_gmt":"2021-04-19T21:09:23","slug":"die-wandmalereien-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-ueber-den-umgang-mit-weltkulturerbe-im-fruehen-20-jahrhundert-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/die-wandmalereien-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-ueber-den-umgang-mit-weltkulturerbe-im-fruehen-20-jahrhundert-2\/","title":{"rendered":"Die Wandmalereien aus dem Kloster St. Johann in M\u00fcstair. \u00dcber den Umgang mit Weltkulturerbe im fr\u00fchen 20. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><strong><a href=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/kunstsnm\/christi-himmelfahrt-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-2\/\">Zum Katalogbeitrag<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Ausmalung der Klosterkirche in M&#xFC;stair z&#xE4;hlt zu den bedeutendsten noch erhaltenen Wandmalereien der Karolingerzeit. Seit 1983 geh&#xF6;rt das Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe. W&#xE4;hrend sich grosse Teile der Wandbilder noch in situ befinden, wurde der obere Bildstreifen im fr&#xFC;hen 20. Jahrhundert von der Wand abgenommen und ins Z&#xFC;richer Landesmuseum gebracht. Durch die Abnahme und sp&#xE4;tere Transporte befinden sich diese Fresken heute in einem viel schlechteren Zustand als die in M&#xFC;stair verbliebenen Bilder. Der folgende Essay diskutiert den Entscheidungsprozess und den Ablauf der &#xDC;berf&#xFC;hrung der wertvollen Wandmalereien ins Landesmuseum Z&#xFC;rich und zeigt auf, wie sich die denkmalpflegerischen und restauratorischen Standards seit der Abnahme ver&#xE4;ndert haben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Abnahme der Fresken &#x2013; Rettung oder Beginn der Zerst&#xF6;rung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1894 erhielten zwei junge Universit&#xE4;tsabsolventen, der Historiker Robert Durrer (1867-1934) und der Kunsthistoriker Josef Zemp (1869-1942), den Auftrag zur kunsttopographischen Erfassung des Klosters St. Johann in M&#xFC;stair f&#xFC;r die Schweizerische Gesellschaft f&#xFC;r Erhaltung historischer Kunstdenkm&#xE4;ler.<sup><a href=\"#footnote_1_455\" id=\"identifier_1_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Zu Durrer und Zemp vgl. die Angaben im Historischen Lexikon der Schweiz: http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D22280.php und http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D22710.php.\">1<\/a><\/sup> Bei ihrem zweimonatigen Aufenthalt im s&#xFC;d&#xF6;stlichen Graub&#xFC;nden entdeckten sie im Dachraum &#xFC;ber dem Gew&#xF6;lbe Wandmalereien, die sie anf&#xE4;nglich in das 11. Jahrhundert datierten und erst sp&#xE4;ter als Sch&#xF6;pfungen aus karolingischer Zeit erkannten.<sup><a href=\"#footnote_2_455\" id=\"identifier_2_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Durrer 1894, 386.\">2<\/a><\/sup> F&#xFC;r die beiden engagierten Forscher stellte sich in der Folgezeit die Frage, was mit den Fresken gemacht werden sollte. Die treibende Kraft war Josef Zemp, der ab 1898 die ordentliche Professur f&#xFC;r Kunstgeschichte an der Universit&#xE4;t Freiburg innehatte und 1904 auf die Stelle des Vizedirektors des Landesmuseums wechselte. Noch im gleichen Jahr verf&#xFC;gte er die Abnahme der ein Jahrzehnt zuvor entdeckten Wandmalereien, um sie im noch jungen Landemuseum auszustellen. Aus heutiger Sicht ist klar, dass durch die Abnahme und den Transport irreparable Sch&#xE4;den an den Fresken entstanden. Im Folgenden gehe ich der Frage nach, worauf diese Sch&#xE4;den zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Erlaubnis zur Abnahme der Fresken vorlag, wurden die karolingischen Fresken des obersten Registers in insgesamt 22 Teilen durch das damals neuartige <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Strappo-Verfahren&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Das Strappo-Verfahren erm&ouml;glicht die &Uuml;bertragung von Wandmalereien auf neue Bildtr&auml;ger, wobei nur die oberste Pigmentschicht abgetragen wird. Eine Stoffschicht, meist Leinen, wird mit einem Leim auf die Malerei geklebt und mit der obersten Farbschicht abgerissen (ital. &amp;lt;em&amp;gt;strappare&amp;lt;\/em&amp;gt;). Die so abgezogene Schicht wird auf einem neuen Tr&auml;ger befestigt und die Stoffschicht wird wieder m&ouml;glichst sorgf&auml;ltig von der Wandmalerei gel&ouml;st. Im Gegensatz dazu wird beim Distacco-Verfahren die gesamte obere Putzschicht abgetrennt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/strappo-verfahren\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Strappo-Verfahren<\/a> von der Wand abgel&ouml;st. Diese Technik wird vor allem dann angewendet, wenn der Verputz, auf den die Wandmalereien aufgetragen wurden, schlecht erhalten ist. Zuerst wird ein starker Leim direkt auf die Pigmentschicht aufgetragen, auf den dann zwei Lagen Stoff oder Leinwand gelegt werden. Nach der vollst&auml;ndigen Trocknung des Leims wird diese textile Schicht von der Wand abgel&ouml;st, wobei die Pigmentschicht daran haften bleibt &ndash; es kann aber auch vorkommen, dass dabei Teile der Verputzschicht abgel&ouml;st werden und dass Reste der Pigmentschicht auf dem urspr&uuml;nglichen Verputz zur&uuml;ckbleiben. Im Anschluss an die Abnahme werden die Verputzspuren entfernt und eine zweite textile Lage wird auf die gereinigte R&uuml;ckseite aufgetragen. In einem letzten Schritt wird die erste Textillage auf der Vorderseite wieder entfernt und das Fresko kann auf ein neues Tr&auml;germedium aufgezogen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Klosterkirche von M&#xFC;stair gingen die Konservatoren nach diesem Prinzip vor, wobei die Arbeiten durch schlechtes Licht und ung&#xFC;nstige Platzverh&#xE4;ltnisse im Dachstuhl der Klosterkirche erschwert wurden. Der&#xA0; Auftrag des Landesmuseums wurde zwischen 1908 und 1909 durch den aus Kiel stammenden Maler und Restaurator Karl Schmidt ausgef&#xFC;hrt, dessen &#xE4;lterer Bruder Christian Jakob Schmidt sp&#xE4;ter die Firma <em>Chr. Schmidt und S&#xF6;hne<\/em> gr&#xFC;ndete und unter anderem f&#xFC;r die Abnahme der Fresken aus dem &#x201E;Haus zum Langen Keller&#x201C; verantwortlich war.<sup><a href=\"#footnote_3_455\" id=\"identifier_3_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Von Karl Schmidt ist jedoch wenig bekannt, weshalb auch keine genauere Aussage zur Qualit&#xE4;t seiner Technik und zu seiner Erfahrung in der Abnahme von Fresken getroffen werden kann. Vgl. Jullien 2005, 12.\">3<\/a><\/sup> Die abgenommenen Fresken wurden danach direkt nach Z&#xFC;rich ins Landesmuseum transportiert, wo sie mit einem st&#xE4;rkeren Stoff unterlegt, doubliert und retuschiert wurden, um die Lesbarkeit der Szenen zu steigern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1910 konnten die karolingischen Wandmalereien schon als Neuinstallation auf einem vorgeblendeten Eisengestell in den Arkaden der r&#xF6;mischen Abteilung des Landesmuseums pr&#xE4;sentiert werden. Die konservatorischen Massnahmen dienten also prim&#xE4;r einer schnellen Verf&#xFC;gbarkeit in der Dauerausstellung. Dies &#xE4;nderte sich auch in der Folgezeit nicht: Schon 1936 wurden die Wandbilder von der Firma <em>Chr. Schmidt und S&#xF6;hne<\/em> neu fixiert und gereinigt, was im direkten Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Ausstellung geschah. Eine weitere &#xDC;berarbeitung zur Entfernung der Retuschen mussten die Fresken zwischen 1965 und 1968 &#xFC;ber sich ergehen lassen, als man ihre Pr&#xE4;sentation in der Europarat-Ausstellung &#x201E;Karl der Grosse&#x201C; in Aachen vorbereitete. Damals stellte man fest, dass die abgenommenen Wandmalereien in einem deutlich schlechteren Zustand waren als erwartet. Die letzten Restaurierungen geschahen zwischen 1972 bis 1976 im Rahmen der Vorbereitungen zur Aufnahme in den Bestandskatalog der Wandmalereien.<sup><a href=\"#footnote_4_455\" id=\"identifier_4_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"W&#xFC;thrich 1980, 17.\">4<\/a><\/sup> Aktuell werden die Fresken nicht mehr in der Dauerausstellung gezeigt, sondern im Depot des Nationalmuseums in Affoltern aufbewahrt.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p><strong>Von M&#xFC;stair in die weite Welt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der Abnahme und Ausstellung der wertvollen Fresken ist eng mit der Denkmal- und Kulturpolitik des Bundes um die Jahrhundertwende verbunden. Der Rahn-Sch&#xFC;ler Josef Zemp war eine gewichtige Stimme in diesem Diskurs: Vor seiner Ernennung zum Vizedirektor des Landesmuseums war er Pr&#xE4;sident des Vereins zur Erhaltung vaterl&#xE4;ndischer Denkm&#xE4;ler, ab 1917 Vizepr&#xE4;sident der Eidgen&#xF6;ssischen Kommission f&#xFC;r Denkmalpflege. Im Hinblick auf die &#x201E;Rettung&#x201C; der Wandmalereien von M&#xFC;stair beruhte Zemps Argumentation auf der Zug&#xE4;nglichkeit und Sichtbarmachung des kulturellen Erbes und dem Schutz vor Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit. Bei der Entscheidung, die Wandmalereien nach Z&#xFC;rich transportieren zu lassen, d&#xFC;rfte ihm aber auch bewusst gewesen sein, dass die mittelalterlichen Kunstwerke damit erheblichen Gefahren ausgesetzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Risiken waren teilweise mit dem <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Strappo-Verfahren&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Das Strappo-Verfahren erm&ouml;glicht die &Uuml;bertragung von Wandmalereien auf neue Bildtr&auml;ger, wobei nur die oberste Pigmentschicht abgetragen wird. Eine Stoffschicht, meist Leinen, wird mit einem Leim auf die Malerei geklebt und mit der obersten Farbschicht abgerissen (ital. &amp;lt;em&amp;gt;strappare&amp;lt;\/em&amp;gt;). Die so abgezogene Schicht wird auf einem neuen Tr&auml;ger befestigt und die Stoffschicht wird wieder m&ouml;glichst sorgf&auml;ltig von der Wandmalerei gel&ouml;st. Im Gegensatz dazu wird beim Distacco-Verfahren die gesamte obere Putzschicht abgetrennt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/strappo-verfahren\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Strappo-Verfahren<\/a> selbst verbunden, dessen Nachteile nach jahrzehntelanger Anwendung heute gut bekannt sind: So werden bei diesem Verfahren Tr&auml;gersysteme aus Dispersion und Gewebe verwendet, die sich bei Feuchtigkeitsaufnahme zusammenziehen und bei Feuchtigkeitsabgabe ausdehnen. Dieser so entstehenden Bewegung folgt die Pigmentschicht jedoch nicht, da sie f&uuml;r ein starres, unbewegliches Medium geschaffen wurde und so mit der Zeit abgestossen wird. Eine weitere Schadensquelle entsteht dadurch, dass die abgenommenen Wandmalereien auf einen Holzrahmen aufgespannt werden &ndash; die aufgespannten textilen Tr&auml;germaterialien werden unter Spannung gesetzt und dehnen sich mit der Zeit aus, wodurch die Tr&auml;gerschicht durchh&auml;ngt und die darauf fixierte Pigmentschicht gezwungen wird, dieser Bewegung zu folgen. Einen weiteren Faktor wird durch die Verwendung von Fixiermitteln gegeben; diese k&ouml;nnen aus Leim, Kasein, Cellulose, Dispersion oder in L&ouml;semittel gel&ouml;ste Acrylharze bestehen. Diese Verwendung f&uuml;hrt zu zwei weiteren Problemen: Die Fixiermittel ver&auml;ndern den mineralischen Verputz und verdichten die Oberfl&auml;che, wodurch eine neue Oberfl&auml;chenspannung entsteht. Dazu kommt ausserdem, dass die Wandmalereien dem Alterungsprozess der organischen Bindemittel unterworfen sind, die je nach Klimabedingungen quellen oder schrumpfen und sich somit vom Tr&auml;gergewebe abl&ouml;sen k&ouml;nnen.<sup><a href=\"#footnote_5_455\" id=\"identifier_5_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Emmenegger 1997.\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Strappo-Verfahren&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Das Strappo-Verfahren erm&ouml;glicht die &Uuml;bertragung von Wandmalereien auf neue Bildtr&auml;ger, wobei nur die oberste Pigmentschicht abgetragen wird. Eine Stoffschicht, meist Leinen, wird mit einem Leim auf die Malerei geklebt und mit der obersten Farbschicht abgerissen (ital. &amp;lt;em&amp;gt;strappare&amp;lt;\/em&amp;gt;). Die so abgezogene Schicht wird auf einem neuen Tr&auml;ger befestigt und die Stoffschicht wird wieder m&ouml;glichst sorgf&auml;ltig von der Wandmalerei gel&ouml;st. Im Gegensatz dazu wird beim Distacco-Verfahren die gesamte obere Putzschicht abgetrennt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/strappo-verfahren\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Strappo-Verfahren<\/a> birgt also auch bei einer sorgf&auml;ltigen Ausf&uuml;hrung ein erhebliches Risiko f&uuml;r den Erhalt von Wandmalereien. Heute erscheint eine Abnahme mit dieser Technik als problematische Option, da mittlerweile bessere Verfahren entwickelt wurden, auf die ich im letzten Abschnitt dieses Essays eingehen werde. Im fr&uuml;hen 20. Jahrhundert war das Verfahren hingegen noch ganz neu, Erfahrungswerte lagen noch nicht vor. Die oben beschriebenen Risiken konnten Zemp und den anderen Beteiligten nicht bekannt sein.<\/p>\n<div id=\"gallery-1\" class=\"gallery galleryid-455 gallery-columns-3 gallery-size-full\"><figure class=\"gallery-item\">\n\t\t\t<div class=\"gallery-icon landscape\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/die-wandmalereien-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-ueber-den-umgang-mit-weltkulturerbe-im-fruehen-20-jahrhundert-2\/essay_neu_maissen_abb_01\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1420\" height=\"346\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_01.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-777\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_01.jpg 1420w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_01-300x73.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_01-800x195.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1420px) 100vw, 1420px\"\/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class=\"wp-caption-text gallery-caption\" id=\"gallery-1-777\">\n\t\t\t\tAbb.1: (&#xA9; Schweizerisches Nationalmuseum).\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Abnahme der karolingischen Wandmalereien wurden aber auch einige Fehler begangen, die vermeidbar gewesen w&auml;ren. Am besten l&auml;sst sich dies an der Ausmalung der Ostwand beobachten. Die Ostwand zeigt die Himmelfahrt Christi mit insgesamt 20 Figuren, die mehr oder weniger achsensymmetrisch aufgestellt sind. Von der Seite her wenden sich die Figuren der Mitte hin zu, wo Christus in einer hochovalen <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Mandorla&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Die Mandorla (ital. f&uuml;r &amp;quot;Mandel&amp;quot;) bezeichnet eine Glorie oder Aura, die sich um eine ganze Figur ausbreitet. Wie der Name andeutet, ist eine Mandorla oval geformt und unterscheidet sich durch die Gr&ouml;sse von einem Heiligenschein oder Nimbus, der nur das Haupt umgibt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/mandorla\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Mandorla<\/a> von vier Engeln nach oben getragen wird. Diese Bildmitte (Abb. 1) wurde durch das in der Sp&auml;tgotik eingezogene Gew&ouml;lbe stark besch&auml;digt, wodurch eine kreisrunde Fehlstelle entstand. Die Aufzeichnungen und Skizzen von Durrer und Zemp belegen jedoch, dass vor der Abnahme &uuml;ber dieser Fehlstelle noch der obere Teil von Christis Gesicht sowie die Haare und der Kreuznimbus zu erkennen waren. Die Abnahme selbst verlieg alles andere als ideal und so blieb, nachdem die Pigmentschicht der Fresken als Strappo abgezogen wurde, ein Teil der Pigmentschicht auf dem Verputz zur&uuml;ck. Diese Aufspaltung der Pigmentschicht in zwei Lagen ver&uuml;bte wohl den gr&ouml;ssten Schaden an der Lesbarkeit der karolingischen Fresken und ist f&uuml;r den fragmentarischen Erhalt der Wandbilder mitverantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Abnahme wurde die 12,5 Meter lange Himmelfahrt scheinbar willk&#xFC;rlich in vier Teile von 2,8 bis 3,4 Metern L&#xE4;nge aufgeteilt.<sup><a href=\"#footnote_6_455\" id=\"identifier_6_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Goll 2009, 70.\">6<\/a><\/sup> Diese &uuml;beraus pragmatische Vorgehensweise f&uuml;hrte jedoch auch dazu, dass die Bildmitte mit Christus in der <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Mandorla&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Die Mandorla (ital. f&uuml;r &amp;quot;Mandel&amp;quot;) bezeichnet eine Glorie oder Aura, die sich um eine ganze Figur ausbreitet. Wie der Name andeutet, ist eine Mandorla oval geformt und unterscheidet sich durch die Gr&ouml;sse von einem Heiligenschein oder Nimbus, der nur das Haupt umgibt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/mandorla\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Mandorla<\/a> genau auseinandergeschnitten wurde. Somit wurden auch die letzten erkennbaren Reste der wichtigsten Figur beinahe vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt. Im Jahr 1968 wurde dann noch die vierte Tafel aus ausstellungstechnischen Gr&uuml;nden in zwei Teile geschnitten.<\/p>\n<div id=\"gallery-2\" class=\"gallery galleryid-455 gallery-columns-3 gallery-size-large\"><figure class=\"gallery-item\">\n\t\t\t<div class=\"gallery-icon landscape\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/die-wandmalereien-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-ueber-den-umgang-mit-weltkulturerbe-im-fruehen-20-jahrhundert-2\/essay_neu_maissen_abb_02\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"526\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_02-800x657.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-778\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_02.jpg 800w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_02-300x246.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\"\/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class=\"wp-caption-text gallery-caption\" id=\"gallery-2-778\">\n\t\t\t\tAbb.2: (&#xA9; Schweizerisches Nationalmuseum).\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n\t\t\t<div class=\"gallery-icon landscape\">\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/die-wandmalereien-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-ueber-den-umgang-mit-weltkulturerbe-im-fruehen-20-jahrhundert-2\/essay_neu_maissen_abb_03\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"452\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_03-800x565.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-779\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_03.jpg 800w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/files\/2015\/08\/Essay_neu_Maissen_Abb_03-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\"\/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class=\"wp-caption-text gallery-caption\" id=\"gallery-2-779\">\n\t\t\t\tAbb.3: (&#xA9; Schweizerisches Nationalmuseum).\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht erst 1968 wurden Gesichtspunkte der musealen Pr&#xE4;sentation &#xFC;ber den m&#xF6;glichst originalen Erhalt der karolingischen Wandmalereien gestellt. Schon bei ihrer ersten Ausstellung sorgten die bedeutenden Fresken aus M&#xFC;stair f&#xFC;r grosses Erstaunen. So ist es einerseits nachvollziehbar, dass sie immer wieder in den Leihlisten der Ausstellungsmacher und Kuratoren auftauchten. Andererseits war die grossz&#xFC;gige Verleihpraxis mit weiteren Besch&#xE4;digung verbunden. Mit der Wiederentdeckung Karls des Grossen als bedeutenden Europ&#xE4;er h&#xE4;uften sich die Leihgesuche f&#xFC;r die Fresken, da die Ausmalung der Klosterkirche von M&#xFC;stair als Stiftung des Karolingers galt. F&#xFC;r die schon erw&#xE4;hnte Europarats-Ausstellung &#x201E;Karl der Grosse&#x201C; 1965 wurden die beiden Bilder &#x201E;Berittener Heereszug&#x201C; (Abb. 2) und &#x201E;David empf&#xE4;ngt die Nachricht vom Tod Absaloms&#x201C; (Abb. 3) der Nordwand als Leihgabe nach Aachen geschickt. Beide Fresken sind heute in einem besonders schlechten Zustand, der auf den h&#xE4;ufigen Transport der Fresken zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren ist.<sup><a href=\"#footnote_7_455\" id=\"identifier_7_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Wyss 2002, 72.\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Transport dieser wertvollen und &#xE4;usserst fragilen Kunstwerke war bestimmt schon 1909 ein grosses Problem. Zwar ist &#xFC;ber die &#xDC;berf&#xFC;hrung nach Z&#xFC;rich ins Landesmuseum ist kein Dokument erhalten. Jedoch erw&#xE4;hnt Hans Michael Hangleiter in seinem Aufsatz &#xFC;ber die Abnahme der Fresken aus dem 12. Jahrhundert aus der Kirche Santa Coloma d&#x2019;Andorra im Jahr 1969, dass die Wandmalereien gleich nach ihrer Fixierung auf der Leinwand wie ein Wandteppich auf grossen Holzrollen transportiert wurden.<sup><a href=\"#footnote_8_455\" id=\"identifier_8_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Hangleiter 2003, 69\">8<\/a><\/sup> Nat&#xFC;rlich kann daraus nicht auf die Art des Transportes der abgenommenen Fresken aus M&#xFC;stair geschlossen werden. Das Beispiel zeigt jedoch, dass mit diesen fragilen Werken auch viel sp&#xE4;ter nicht unbedingt zimperlich umgegangen wurde. Auch ein vorsichtiger Transport bedeutet immer Bewegung und diese birgt bekanntlich grosse Risiken f&#xFC;r die Erhaltung der St&#xFC;cke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Moderne Risikominimierung <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie nun eingehend aufgezeigt wurde, erlitten die M&uuml;stairer Fresken durch die Abnahme und die daran anschliessende museale Pr&auml;sentation betr&auml;chtliche Sch&auml;den. Die Ausf&uuml;hrungen haben aber auch gezeigt, dass das <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Strappo-Verfahren&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Das Strappo-Verfahren erm&ouml;glicht die &Uuml;bertragung von Wandmalereien auf neue Bildtr&auml;ger, wobei nur die oberste Pigmentschicht abgetragen wird. Eine Stoffschicht, meist Leinen, wird mit einem Leim auf die Malerei geklebt und mit der obersten Farbschicht abgerissen (ital. &amp;lt;em&amp;gt;strappare&amp;lt;\/em&amp;gt;). Die so abgezogene Schicht wird auf einem neuen Tr&auml;ger befestigt und die Stoffschicht wird wieder m&ouml;glichst sorgf&auml;ltig von der Wandmalerei gel&ouml;st. Im Gegensatz dazu wird beim Distacco-Verfahren die gesamte obere Putzschicht abgetrennt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/strappo-verfahren\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Strappo-Verfahren<\/a> selbst im fr&uuml;hen 20. Jahrhundert dem neuesten Stand der Restaurierungstechnik entsprach und keine schonenderen M&ouml;glichkeiten der Abl&ouml;sung zu Verf&uuml;gung standen. Die Erfahrung mit Werken wie jenen aus M&uuml;stair hat jedoch daf&uuml;r gesorgt, dass weniger riskante Verfahren entwickelt wurden, auf die ich abschliessend eingehen m&ouml;chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der bekannte Schweizer Restaurator Prof. Dr. Oskar Emmenegger gibt in seiner Auswertung zur Abnahme der romanischen Wandmalereien in der Kapelle St. Jakob in S&#xF6;les einen interessanten Einblick in das heutige Vorgehen beim Abl&#xF6;sen von Fresken. &#xC4;hnlich wie in S&#xF6;les, waren die M&#xFC;stairer Fresken schon vor der Abnahme in einem eher schlechten Zustand und nur noch fragmentarisch erhalten, was in diesem Fall vor allem mit dem Einziehen des sp&#xE4;tgotischen Gew&#xF6;lbes zusammenh&#xE4;ngt. In einem solchen Fall werden wird der geschw&#xE4;chte Verputz durch einen neuen Kalkm&#xF6;rtel aus Calciumhydroxid und Sand aufgearbeitet und gebunden. Um die Abbindung des Kalkm&#xF6;rtels zu beschleunigen, wird dieser mit Kohlendioxid begast, was den Abbindungsprozess von mehreren Monaten auf ungef&#xE4;hr zw&#xF6;lf Stunden verk&#xFC;rzt. Aus dem Calciumhydroxid entsteht durch die Kohlendioxid-Aufnahme Calciumcarbonat, das den Sand umh&#xFC;llt und verbindet &#x2013; dabei wird auch die Pigmentschicht des Freskos neu gebunden und geh&#xE4;rtet. Mit dieser vorbereitenden Technik k&#xF6;nnen auch W&#xF6;lbungen und Wellen ausgeglichen werden, da diese Hohlstellen aufmodeliert werden k&#xF6;nnen. Der Vorteil dieser Technik ist, dass mit Stoffen gearbeitet wird, die auch im Verputz selbst vorkommen, wie dem Calciumcarbonat. Auf die Verwendung von Leim oder organischen Cellulose-Verbindungen kann damit Verzichtet werden. Die Verst&#xE4;rkung hat auch eine positive Auswirkung auf die anschliessende Konservierung, da das Tr&#xE4;germedium durch die dickere Verputzschicht keinen Bewegungen und Schwankungen mehr ausgesetzt ist. Nach diesen Vorbereitungen werden die gest&#xE4;rkten Fresken auf Aluwabenelemente aufgezogen, wobei diese noch mit Glasfaserlaminat beschichtet sind. Das Aufziehen erfolgt unter Vakuum und bei einer erh&#xF6;hten Temperatur von 40 bis 50&#xB0;C. Der Kalkm&#xF6;rtel auf der R&#xFC;ckseite der Fresken kann ausserdem noch mit eingeklebten Stahlstiften gesichert werden. Durch diesen Aufbau k&#xF6;nnen die Fresken anschliessend sorgf&#xE4;ltig abgenommen und sicher transportiert werden.<sup><a href=\"#footnote_5_455\" id=\"identifier_9_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Vgl. Emmenegger 1997.\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wandbilder aus der Klosterkirche von M&uuml;stair sind so gesehen nicht nur ein wertvolles Zeugnis fr&uuml;hmittelalterlicher Kunst, sondern auch ein aufschlussreiches Dokument der Denkmalpolitik und der Restaurierungspraxis der Jahrhundertwendezeit. Die Ausstellung der bedeutenden Wandmalereien im Schweizerischen Landesmuseum hatte einen hohen kulturpolitischen Prestigewert. Zudem versprach das neuartige <a class=\"glossaryLink\"  aria-describedby=\"tt\"  data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Strappo-Verfahren&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Das Strappo-Verfahren erm&ouml;glicht die &Uuml;bertragung von Wandmalereien auf neue Bildtr&auml;ger, wobei nur die oberste Pigmentschicht abgetragen wird. Eine Stoffschicht, meist Leinen, wird mit einem Leim auf die Malerei geklebt und mit der obersten Farbschicht abgerissen (ital. &amp;lt;em&amp;gt;strappare&amp;lt;\/em&amp;gt;). Die so abgezogene Schicht wird auf einem neuen Tr&auml;ger befestigt und die Stoffschicht wird wieder m&ouml;glichst sorgf&auml;ltig von der Wandmalerei gel&ouml;st. Im Gegensatz dazu wird beim Distacco-Verfahren die gesamte obere Putzschicht abgetrennt.&lt;\/div&gt;\"  href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/glossary\/strappo-verfahren\/\"  data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]'  tabindex='0' role='link'>Strappo-Verfahren<\/a> eine sorgf&auml;ltigere Konservierung der Fresken. Aus heutiger Sicht ist das Gegenteil von dem eingetreten, was die Bef&uuml;rworter der Abnahme erhofften. Doch die euphorische Stimmung und das Engagement zur Errettung der Wandmalereien &uuml;berwogen im fr&uuml;hen 20. Jahrhundert die Bedenken. Skeptischer als Josef Zemp dachte sein Mitstreiter Robert Durrer, der 1894 in einer ersten Bestandsaufnahme im <em>Anzeiger f&#xFC;r Schweizer Alterthumskunde<\/em> schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#x201E;Die modernen &#x201A;stilgem&#xE4;ssen&#x2019; Restaurationen haben bisher in M&#xFC;nster so wenig als anderswo Gutes gestiftet, lasse man doch dem ehrw&#xFC;rdigen Kirchlein seinen alterth&#xFC;mlichen Reiz, sein Gem&#xE4;uer wird auch so noch den Jahrhunderten trotzen.&#x201C;<sup><a href=\"#footnote_9_455\" id=\"identifier_10_455\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Durrer 1984, 388.\">9<\/a><\/sup><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/kunstsnm\/impressum\/\">(Manuel Maissen)<\/a><\/em><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong><a href=\"http:\/\/www.phil.uzh.ch\/elearning\/blog\/kunstsnm\/christi-himmelfahrt-aus-dem-kloster-st-johann-in-muestair-2\/\">Zum Katalogbeitrag<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p><strong>Birchler 1954:&#xA0;<\/strong>Birchler, Linus: Die karolingische Klosterkirche von M&#xFC;nster\/M&#xFC;stair, in: (Das) Werk, Band 41, Heft 9: Lebendiger Heimatschutz: Denkmalpflege in der Schweiz, Z&#xFC;rich 1954, Seite 374 &#x2013; 376.<\/p>\n<p><strong>Durrer 1894:&#xA0;<\/strong>Durrer, Robert: Das Kloster St. Johannes Baptista in M&#xFC;nster, in: Anzeiger f&#xFC;r Schweizer Alterthumskunde = Indicateur d&#x2019;antiquit&#xE9;s suisses, Band 7, Heft 4, Z&#xFC;rich 1894, Seite 385 &#x2013; 388.<\/p>\n<p><strong>Emmenegger 1997:&#xA0;<\/strong>Emmenegger, Oskar: Die &#xDC;bertragung der romanischen Wandmalereien der Kapelle St. Jakob in S&#xF6;les, Zizers 1997.<\/p>\n<p><strong>Goll 2009:&#xA0;<\/strong>Goll, J&#xFC;rg et al (Hrsg): M&#xFC;stair. Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkirche, Z&#xFC;rich 2009.<\/p>\n<p><strong>Hangleiter 2003:&#xA0;<\/strong>Hangleiter, Hans Michael und Buczynski, Bodo: Die Restaurierung der Wandmalereien aus Santa Coloma d&#x2019;Andorra und von Einzelst&#xFC;cken franz&#xF6;sischer und italienischer Herkunft, in Krohm, Hartmut und P&#xE9;not, Sabine (Hrsg.): Andorra Rom&#xE0;nica: Katalanische und westeurop&#xE4;ische Wandmalereien des 12. Jahrhunderts, Berlin 2003, Seite 65 -82.<\/p>\n<p><strong>Jullien 2005:&#xA0;<\/strong>Jullien, Mirjam: Christian Schmidt &#x2013; Dekorationsmaler und Restaurator. Ein Beitrag zur schweizerischen Restaurierungsgeschichte, Bern 2005.<\/p>\n<p><strong>W&#xFC;thrich 1980:&#xA0;<\/strong>W&#xFC;thrich, Lucas Heinrich: Wandgem&#xE4;lde. Von M&#xFC;stair bis Hodler. Katalog Sammlung des Schweizerischen Landesmuseum Z&#xFC;rich, Z&#xFC;rich 1980, Seite 17 &#x2013; 41.<\/p>\n<p><strong>Wyss 2002:&#xA0;<\/strong>Wyss, Alfred et al [Hrsg.]: Die mittelalterlichen Wandmalereien im Kloster M&#xFC;stair. Grundlagen zur Konservierung und Pflege, Z&#xFC;rich 2002.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_455\" class=\"footnote\">Zu Durrer und Zemp vgl. die Angaben im Historischen Lexikon der Schweiz: <a href=\"http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D22280.php\">http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D22280.php<\/a> und http:\/\/www.hls-dhs-dss.ch\/textes\/d\/D22710.php.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_455\" class=\"footnote\">Durrer 1894, 386.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_455\" class=\"footnote\">Von Karl Schmidt ist jedoch wenig bekannt, weshalb auch keine genauere Aussage zur Qualit&#xE4;t seiner Technik und zu seiner Erfahrung in der Abnahme von Fresken getroffen werden kann. Vgl. Jullien 2005, 12.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_455\" class=\"footnote\">W&#xFC;thrich 1980, 17.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_5_455\" class=\"footnote\">Vgl. Emmenegger 1997.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_5_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_9_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_6_455\" class=\"footnote\">Goll 2009, 70.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_6_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_7_455\" class=\"footnote\">Wyss 2002, 72.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_7_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_8_455\" class=\"footnote\">Hangleiter 2003, 69<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_8_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_9_455\" class=\"footnote\">Durrer 1984, 388.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_10_455\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#x21A9;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Katalogbeitrag &#xA0; Die Ausmalung der Klosterkirche in M&#xFC;stair z&#xE4;hlt zu den bedeutendsten noch erhaltenen Wandmalereien der Karolingerzeit. Seit 1983 geh&#xF6;rt das Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe. W&#xE4;hrend sich grosse Teile der Wandbilder noch in situ befinden, wurde der obere Bildstreifen im fr&#xFC;hen 20. Jahrhundert von der Wand abgenommen und ins Z&#xFC;richer Landesmuseum gebracht. Durch die Abnahme&#x2026;<\/p>\n","protected":false},"author":274,"featured_media":720,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20,1],"tags":[],"class_list":["post-455","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wandmalerei-in-muestair-2","category-essays"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/users\/274"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=455"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":894,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455\/revisions\/894"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/media\/720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/kunstsnm\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}