{"id":264,"date":"2021-05-25T08:56:17","date_gmt":"2021-05-25T06:56:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/?p=264"},"modified":"2021-05-29T22:53:32","modified_gmt":"2021-05-29T20:53:32","slug":"bullet-journaling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/bullet-journaling\/","title":{"rendered":"Bullet journaling"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-larger-font-size\"><strong>Planung und Organisation individuell gelebt und beschrieben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen meiner Arbeit habe ich die Praktik des Bullet Journaling untersucht. Neben einem Selbstversuch habe ich Literaturrecherche und Feldforschung betrieben. Da Bullet Journaling ein realtiv neues Ph\u00e4nomen im Feld der Ego-Dokumente ist (ca. seit 2013), war die Literaturrecherche dazu nur m\u00e4ssig ergiebig. Umso mehr Quellen untersuchte ich in der Feldforschung, die ich unter anderem auf Social Media Plattformen wie Instagram und YouTube betrieb. Ich f\u00fchrte ferner einen Selbstversuch durch (autoethnografischer Ansatz), indem ich mir selbst ein Bullet Journal besorgte, mich mitten in die Thematik st\u00fcrzte und selbst an verschiedenen Methoden innerhalb des Feldes versuchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorneweg eine kurze Erkl\u00e4rung, was Bullet Journaling eigentlich ist: Bullet Journaling ist eine Methode des Tagebuch-Schreibens, die in den letzten paar Jahren in einzelnen sozialen Gruppen sehr popul\u00e4r geworden ist. Es handelt sich um eine Art des Dokumentierens und Planens des eigenen Lebens, die in einem mit Punkten vorstrukturierten Buch festgehalten wird. Verschiedene Ziele, Bed\u00fcrfnisse und Projekte lassen sich individuell gestalterisch und organisatorisch festhalten. Bullet Journals zeichnen sich aus durch ihre Individualisierbarkeit und \u00e4sthetische Umsetzung. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/files\/2021\/05\/Bild-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-268\" width=\"250\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/files\/2021\/05\/Bild-1.jpg 733w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/files\/2021\/05\/Bild-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/ichdokumente\/files\/2021\/05\/Bild-1-508x678.jpg 508w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Methode kaum Grenzen gesetzt sind in ihrem organisatorischen Inhalt, sehen viele Seiten, die online geteilt werden, stilistisch sehr \u00e4hnlich aus, was darauf schliessen l\u00e4sst, dass der \u00e4sthetischen Umsetzung strengere Grenzen gesetzt sind, als dem inhaltlichen Daherkommen. Jedoch sind dies \u2013 das hat meine Recherche aud Social-Media-Kn\u00e4len ergeben \u2013 keine nat\u00fcrlichen Grenzen, sondern mehr solche, die sich vor allem durch die Online-Community etabliert haben. Das Bullet Journal als solches verlang per se keine spezifische \u00e4sthetische Umsetzung und l\u00e4sst sehr viel Platz f\u00fcr Kreativit\u00e4t. Bez\u00fcglich des Aufbaus und der Ordnung sind Bullet Journalisten sehr frei, wie auch in der Wahl ihrer Projekte. Typische Projekte k\u00f6nnen zum Beispiel Kalender, Essenspl\u00e4ne, Sport-Tracker oder auch Jahres- und Monats\u00fcbersichten sein. Dabei wird mit unterschiedlichen Zeithorizonten gearbeitet, wobei eine Tagestaktung sehr oft die Grundlage ist, was typisch f\u00fcr diaristisches Schreiben ist (vgl. Christiane Holm 2008: \u00abVersuch einer Ph\u00e4nomenologie des Diaristischen\u00bb). \u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zu meiner eigentlichen Forschung. Diese sollte unter anderem eine Antwort auf die Frage liefern, <strong>wie ein Bullet Journal einem Ich einen neuen Rahmen gibt<\/strong>. Ich frage: An welche Strukturen und Formen sind Produzenten:innen gebunden und anhand welcher Kriterien werden Schwerpunkte und Grenzen gesetzt?<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorz\u00fcge das Bullet Journaling<\/h2>\n\n\n\n<p>Dies ist insofern interessant, als dass das Bullet Journal eine zuvor nicht vorhandene Kombination der Auslebung von Kreativit\u00e4t zusammen mit Organisation und Planung konstituiert. Zudem bietet die Online-Community eine Austauschm\u00f6glichkeit \u2013 wie bereits Jakob Tholander und Maria Normark 2020 in ihrem Paper \u00fcber \u00abResistance, Imperfection, and Self-Creation in Bullet Journaling\u00bb festhielten \u2013, die kaum eine Art von Tagebuch oder Kalender vorher geboten hat. Das Bullet Journal gibt einem Ich einen neuen Rahmen, in dem es in seiner Art und Form extrem viel Flexibilit\u00e4t zul\u00e4sst, individuell auf spezifische Bed\u00fcrfnisse eingehen kann und zudem Austausch- und Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten im Netz bietet. Es hat sich dabei herausgestellt, dass das Bullet Journaling zugleich als Versuch der Gewinnung von Agency \u00fcber eigene Zeitpl\u00e4ne, Daten und Lebensziele zu deuten ist, als auch als weitere das Ich disziplinierende Methode, als ein neuer Weg, am Selbst zu arbeiten \u2013 im diskursiven Kontext von Self-Tracking, Self-Care und Produktivit\u00e4t. Bullet Journaling bietet eine Form von Self-Tracking, die individuell gestalt- und umsetzbar ist und auch langfristig Daten sammeln l\u00e4sst, die unter Umst\u00e4nden zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt wertvoll sein k\u00f6nnen. Dabei wird die Vergangenheit dokumentiert, das Jetzt organisiert und die Zukunft geplant. Zum Beispiel f\u00fcr Personen mit langfristigen oder chronischen Krankheiten kann ein Bullet Journal ein produktiver Weg sein, Symptome und Krankheitsverl\u00e4ufe zu dokumentieren, wobei diese Daten f\u00fcr die Behandlung zentral werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes, verbreitetes Ziel von Bullet Journaling ist die eigene Produktivit\u00e4t und Effizienz zu steigern. Dabei l\u00e4sst sich Bullet Journaling zur breiteren Achtsamkeitsbewegung dazuz\u00e4hlen, deren Fokus auf einem bewusster gelebten Leben liegt. Bullet Journaling kommt hier zum Zug, indem es eine M\u00f6glichkeit bietet, selektiv Lebensinhalte bewusst und gezielt zu dokumentieren, wobei der Prozess des Dokumentierens meditativ sein kann. So kann einerseits Produktivit\u00e4t, wo und wie auch immer diese erzielt werden will, erh\u00f6ht werden und andererseits eine kreative Besch\u00e4ftigung zur Entspannung und Erholung in den Alltag integriert werden. Beim Bullet Journaling trifft Subjektivit\u00e4t auf pers\u00f6nliche Dimensionen, somit wird eine Verbindung zwischen dem Ich, den eigenen Informationen und dem gew\u00e4hlten Ausdruck erschaffen. <\/p>\n\n\n\n<p>In den vielen Anleitungsbeitr\u00e4gen zur Erstellung dieser Ordnungssysteme auf YouTube werden allerdings nur erfolgreiche Bullet Journals dargestellt, sprich, die Journals sind vollst\u00e4ndig, ohne L\u00fccken und \u00e4sthetisch gestaltet. Mein Selbstversuch hat mir aber gezeigt, dass es in der Realit\u00e4t hingegen sehr viel mehr unvollst\u00e4ndige Journals, Abbr\u00fcche, Fehler, L\u00fccken und Chaos geben muss, nur werden diese halt nicht gezeigt. Ein Bullet Journal ist ausserdem darauf ausgelegt, vor allem quantitative Daten zu sammeln, w\u00e4hrend qualitative Daten nur mit M\u00fche in die Formatierungen eines Bullet Journals gezw\u00e4ngt werden k\u00f6nnen. Werden tats\u00e4chlich qualitative Daten dokumentiert, so wird die \u00dcbersichtlichkeit schwierig, die ohnehin schon zu Problemen f\u00fchren kann. Innerhalb eines Journals k\u00f6nnen verschiedene Projekte und Zielsetzungen aufgezeichnet werden, in unterschiedlichen Zeithorizonten und mit unterschiedlichen Methoden. Dabei die \u00dcbersicht zu behalten, wobei Bullet Journals zwischen 200-400 Seiten haben k\u00f6nnen, ist nicht immer einfach. Je komplexer und verschiedener die einzelnen Projekte, umso schwieriger ist es, den ganzen Inhalt in eine Ordnung zu bringen, die nachvollziehbar bleibt, auch nachdem das Bullet Journal gef\u00fcllt und beendet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberblickend l\u00e4sst sich sagen, dass die Popularit\u00e4t und Attraktivit\u00e4t von Bullet Journaling dennoch stark von der vielseitigen Einsetzbarkeit und grossen Flexibilit\u00e4t in der Umsetzung der Praktik abh\u00e4ngt, wobei auch die grosse Pr\u00e4senz in Netz nicht zu untersch\u00e4tzen ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Recherche und Selbstversuch<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieser Forschung habe ich einerseits viele Videos auf YouTube untersucht sowie in einem autoethnografischen Versuch meine eigenen Erfahrungen mit der Praktik gemacht. W\u00e4hrend ich mich nicht als besonders f\u00e4hig bezeichnen w\u00fcrde, was das Bullet Journaling angeht, habe ich dennoch viel \u00fcber die Methode mitnehmen und lernen k\u00f6nnen. Mir kam daher die Idee, es vielen jungen Menschen gleich zu tun und ein Video zu produzieren, das sowohl meine Erkenntnisse im Feld, wie auch \u00fcber das Feld, zusammenfassend beschreibt und schliesslich beschreiben soll, wie der Einstieg in das Feld gelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Video enth\u00e4lt einige Ratschl\u00e4ge, die zumindest mir selbst bei meinem Selbstversuch den Einstieg in die Methode erleichtert h\u00e4tten. Ich hatte damals sehr viele perfekte Bilder im Kopf, hohe Anspr\u00fcche an meinen ersten Versuch und nicht wirklich eine Strategie, wie ich meine Ziele mir treu und effizient umsetzen kann. Das Video ist ein gewisser Reality-Check, mindestens mir selbst gegen\u00fcber. Und wer weiss, nachdem ich f\u00fcr eine Weile mit dem ganzen Ich-will-ein-perfektes-Bullet-Journal-erstellen abgeschlossen hatte, bin ich einem weiteren Versuch gar nicht mehr so abgeneigt. Vielleicht versuche ich es tats\u00e4chlich noch einmal. Mit dem Wissen, dass der Prozess selbst sehr wertvoll ist, mein Bullet Journal nicht denen auf Pinterest entsprechen muss und meine Zeichenk\u00fcnste v\u00f6llig ausreichen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Bullet Journaling\" width=\"600\" height=\"338\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/faoxAEWw-5Y?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Layla Kurz studiert an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich Popul\u00e4re Kulturen und Englisch. In ihrer Freizeit l\u00e4sst sie sich gerne auf neue Schreibformate und -abenteuer ein.<\/p><cite>\u00fcber die Autorin<\/cite><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Planung und Organisation individuell gelebt und beschrieben Im Rahmen meiner Arbeit habe ich die Praktik des Bullet Journaling untersucht. Neben einem Selbstversuch habe ich Literaturrecherche und Feldforschung betrieben. Da Bullet Journaling ein realtiv neues Ph\u00e4nomen im Feld der Ego-Dokumente ist (ca. seit 2013), war die Literaturrecherche dazu nur m\u00e4ssig ergiebig. 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