{"id":470,"date":"2019-02-19T17:45:45","date_gmt":"2019-02-19T16:45:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/historia-techne\/?p=470"},"modified":"2019-02-19T18:30:42","modified_gmt":"2019-02-19T17:30:42","slug":"digitalisierung-legitimation-durch-verschleierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/historia-techne\/2019\/02\/19\/digitalisierung-legitimation-durch-verschleierung\/","title":{"rendered":"Digitalisierung: Legitimation durch Verschleierung?"},"content":{"rendered":"\n<p>Fortsetzung von: <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/historia-techne\/2019\/02\/19\/was-gegen-die-digitalisierung-spricht\/\">Was gegen die \u201eDigitalisierung\u201c spricht<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber digitale Technologien einfordern: im 21. Jahrhundert wird dies eines der wichtigsten Rechte in Erg\u00e4nzung zu den klassischen Menschenrechten sein, wie wir sie seit der Aufkl\u00e4rung kennen. Schon heute sind Softwarekonzerne dabei, weitgehend ohne unsere bewusste Steuerungsm\u00f6glichkeit mit unseren Daten ihre Interessen zu verfolgen. Dies ist aber nur die Spitze des Eisberges: weit subtiler wird unser Alltag, zumindest die Erwerbsarbeit, immer mehr von neuartigen Konfigurationen durchdrungen, die uns ein Raster vorgeben, in dem wir unsere Handlungen vollziehen: Datenbanken, Algorithmen und Workflows \u2013 von der Hardware gar nicht zu reden \u2013 nehmen uns immer mehr Entscheidungen ab. Kommt das nicht einer Entm\u00fcndigung gleich? Und welche Interessen stehen letztlich dahinter? Sind es denn wirklich Datenbanken, Algorithmen und Workflows, die uns Vorgaben machen \u2013 oder stecken dahinter nicht vielmehr letztlich doch immer wieder Menschen, die sie programmiert und konfiguriert haben? Und haben nicht wir selber durchaus die M\u00f6glichkeit, mit diesen Datenbanken, Algorithmen und Workflows auf eigensinnige Weise umzugehen: sie also etwa auch schlicht zu ignorieren? <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist\nklar: bei der Rede von der \u201eHerausforderung der Digitalisierung\u201c kann es\ndurchaus Kalk\u00fcl sein, die Akteure zu verschleiern. Wer sein Anliegen in der\nSprache der Digitalisierung \u2013 oder eben in der Form der Datenbank, des\nAlgorithmus und des Workflows \u2013 formuliert, kann das Argument der\nunumg\u00e4nglichen Notwendigkeit ins Feld f\u00fchren und damit von seinen eigenen\nInteressen ablenken. Es geht also um die klassische Frage, wie Macht\nlegitimiert und verschleiert wird: Legitimation durch Verschleierung. Daher ist\ndie Entscheidung dar\u00fcber, in welcher Form welche Art digitaler Technologien\neingesetzt werden sollen eine eminent politische Frage. Die Diskussion dar\u00fcber\nsollte stets gef\u00fchrt werden, ohne \u201eDigitalisierung\u201c a priori als\nunhinterfragbare Tatsache vorauszusetzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn\ndigitale Technologien sind mit sozialen Fragen eng verkn\u00fcpft: wer verf\u00fcgt \u00fcber\nden Zugang zu digitalen Technologien und wer die n\u00f6tige Expertise, sie zu\nsteuern und zu manipulieren? Wer ger\u00e4t dabei in Abh\u00e4ngigkeit und wer wird\nausgeschlossen? Wenn die zunehmende \u201eAkademisierung\u201c vieler Berufsfelder\nMenschen mit Lernschwierigkeiten in weniger prestigetr\u00e4chtige Sparten verdr\u00e4ngt,\nso droht die \u201eDigitalisierung\u201c gerade diese Bereiche auszutrocknen. Wer wird im\nZeitalter autonomen Fahrens noch Geld mit Taxifahren verdienen? Plattformen wie\nUber m\u00f6gen als hybrides \u00dcbergangsph\u00e4nomen das Problem illustrieren: das Geld\nverlagert sich von den Menschen hinter dem Steuer zu Software-Unternehmen, die von\nder mit dem Taxi zur\u00fcckgelegten Strecke tausende von Kilometern entfernt sein\nk\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweifellos: nur Pessimisten werden dieses negative Szenario so konsequent zu Ende denken. Es gibt durchaus Bereiche, in denen digitale Technologien auch umgekehrt Subalterne erm\u00e4chtigen. Dennoch erfordern digitale Technologien ein gewisses Expertenwissen sowie den Zugang zu entsprechender Hard- und Software, was Mechanismen sozialer Distinktion und neue Machtgef\u00e4lle erzeugt. Daher ist es wichtig, die Frage digitaler Technologien nicht einer kleinen Gruppe von Fachleuten zu \u00fcberlassen. Vielmehr ist sie als eine der zentralen politischen Fragen unserer Zeit zu betrachten. Genau deswegen sind bez\u00fcglich digitaler Technologien stets kritisch nicht nur die m\u00f6glichen Vorteile, sondern auch auf die allf\u00e4lligen Nachteile zu bedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Fortsetzung: <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/historia-techne\/2019\/02\/19\/naive-technikeuphorie-und-digitale-zaubertricks\/\">Naive Technikeuphorie und digitale Zaubertricks<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: Was gegen die \u201eDigitalisierung\u201c spricht Wir m\u00fcssen Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber digitale Technologien einfordern: im 21. Jahrhundert wird dies eines der wichtigsten Rechte in Erg\u00e4nzung zu den klassischen Menschenrechten sein, wie wir sie seit der Aufkl\u00e4rung kennen. 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