{"id":802,"date":"2025-10-16T14:28:58","date_gmt":"2025-10-16T14:28:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/?p=802"},"modified":"2025-10-16T19:14:37","modified_gmt":"2025-10-16T19:14:37","slug":"elisabeth-freivogel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/2025\/10\/16\/elisabeth-freivogel\/","title":{"rendered":"Elisabeth Freivogel"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333333;\">Elisabeth Freivogel wurde 1953 im Oberbaselbiet geboren und wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. Als erste Akademikerin ihrer Familie setzte sie sich gegen Erwartungen und Vorbehalte durch, um den Weg an das Gymnasium und sp\u00e4ter an die Universit\u00e4t Basel zu beschreiten. Schon fr\u00fch lernte sie, sich nicht von gesellschaftlichen Strukturen beeindrucken zu lassen, sondern ihren eigenen Weg zu gehen. Ihr Grossvater, der im Dorf als Amtsvormund und Friedensrichter wirkte, pr\u00e4gte ihr Interesse an der Jurisprudenz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">In den 1970er-Jahren studierte sie in Basel Rechtswissenschaften, in einer Zeit ohne Professorinnen oder Assistentinnen und unter dem Eindruck der damals noch laufenden Revision des Eherechts. Parallel engagierte sie sich in der neuen Frauenbewegung, half beim Aufbau der Frauenberatungsstellen und setzte sich f\u00fcr reproduktive Rechte sowie die Schaffung von Frauenb\u00fcros ein. Nach ihrem Studium f\u00fchrte sie der Weg in die Assistenz, bevor sie an der Harvard Law School ein LL.M.-Studium absolvierte. Dort lernte sie erstmals Professorinnen kennen und erfuhr das Zusammenspiel von Theorie und Praxis im US-amerikanischen Recht, das ihre sp\u00e4tere Arbeit stark beeinflusste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Zur\u00fcck in der Schweiz er\u00f6ffnete sie ihre eigene Anwaltskanzlei und f\u00fchrte wegweisende Prozesse, darunter den ersten grossen Lohngleichheitsprozess, der bis vor Bundesgericht ging und nachhaltige Folgen f\u00fcr die kantonale wie nationale Rechtspraxis hatte. Neben ihrer T\u00e4tigkeit als Anw\u00e4ltin war sie Lehrbeauftragte an der Universit\u00e4t Basel und brachte mit ihrem Kurs \u201eFrauen und Recht\u201c das Thema Gender Law erstmals in den universit\u00e4ren Lehrplan. Publikationen, Referate und Studien zur Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes begleiteten ihre Arbeit stets. Zudem geh\u00f6rte zu ihrem Wirken auch die Ausarbeitung eines Alternativentwurfs zum Sexualstrafrecht, mit dem sie eine selbstbestimmte Definition sexueller Integrit\u00e4t und die Ber\u00fccksichtigung fahrl\u00e4ssigen Verhaltens in den Mittelpunkt r\u00fcckte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Ihr Engagement f\u00fcr Gleichstellung und Rechtsdurchsetzung f\u00fchrte sie auch in internationale Kontexte, besonders gepr\u00e4gt haben sie ihre Erfahrungen in den USA und die Auseinandersetzung mit skandinavischen Rechtsentwicklungen. F\u00fcr ihre Leistungen erhielt sie Ehrungen von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie die Ehrendoktorinnenw\u00fcrde der Universit\u00e4t Basel. Elisabeth Freivogel steht damit exemplarisch f\u00fcr eine Juristin, die den Kampf f\u00fcr Gleichstellung nicht nur theoretisch, sondern durch konkrete Prozessf\u00fchrung und institutionelles Wirken vorangetrieben hat.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"kmsembed-0_a8ju57wj\" class=\"kmsembed\" title=\"Interview Elisabeth Freivogel\" src=\"https:\/\/uzh.mediaspace.cast.switch.ch\/embed\/secure\/iframe\/entryId\/0_a8ju57wj\/uiConfId\/23449004\/st\/0\" width=\"826\" height=\"465\" frameborder=\"0\" sandbox=\"allow-downloads allow-forms allow-same-origin allow-scripts allow-top-navigation allow-pointer-lock allow-popups allow-modals allow-orientation-lock allow-popups-to-escape-sandbox allow-presentation allow-top-navigation-by-user-activation\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisabeth Freivogel wurde 1953 im Oberbaselbiet geboren und wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. 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