{"id":680,"date":"2025-08-04T14:36:51","date_gmt":"2025-08-04T14:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/?p=680"},"modified":"2025-08-05T07:24:17","modified_gmt":"2025-08-05T07:24:17","slug":"claudia-kaufmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/2025\/08\/04\/claudia-kaufmann\/","title":{"rendered":"Claudia Kaufmann"},"content":{"rendered":"\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">Claudia Kaufmann wurde 1956 in Basel geboren und erlebte ihre Jugend in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. In ihrer Familie war es selbstverst\u00e4ndlich, dass Frauen am \u00f6ffentlichen Leben teilhaben. So begleitete sie ihren Vater schon lange vor der Einf\u00fchrung des Frauenstimmrechts 1971 zu Volksabstimmungen und lernte fr\u00fch, politische Partizipation als selbstverst\u00e4ndliches Recht, das allen Menschen zustehen sollte, anzusehen. Sie geh\u00f6rte zum letzten reinen M\u00e4dchenmaturit\u00e4tsjahrgang in Basel. Ihre Erfahrung dazu f\u00e4llt ambivalent aus. Bereits als Sch\u00fclerin engagierte sie sich im Vorstand des Sch\u00fclerinnenparlaments, was zum Grundstein f\u00fcr ihr politisches Bewusstsein beitrug.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">Nach der Maturit\u00e4t nahm sie das Jurastudium an der Universit\u00e4t Basel auf. Die juristische Fakult\u00e4t war seitens des Lehrk\u00f6rpers rein m\u00e4nnlich zusammengesetzt, was sich auch stark auf die Lehrinhalte auswirkte. Die Revision des Ehe- und Familienrechts beispielsweise stand noch aus, die Vergewaltigung in der Ehe war als Straftatbestand inexistent, die damals geltenden Bestimmungen wurden kritiklos gelehrt und gleichstellungsrechtliche Bem\u00fchungen blieben kein Thema. Diese Umst\u00e4nde sch\u00e4rften ihren Blick f\u00fcr strukturelle Ungleichheiten.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">Sie entschied sich f\u00fcr ein Jurastudium, weil sie im Jugendstrafvollzug t\u00e4tig werden wollte. Doch im Verlauf des Studiums wuchs ihr Interesse an Frauen- und Gleichstellungsfragen. Sie schloss sich der neuen Frauenbewegung an, war in der feministischen Organisation OFRA (Organisation f\u00fcr die Sache der Frau) aktiv und half mit, in Basel die Rechtsberatungsstelle f\u00fcr Frauen (INFRA) aufzubauen. Die Jahre dieser Aufbruchsstimmung pr\u00e4gten sie nachhaltig: Sie eignete sich feministisches Wissen an, lernte das \u201elustvolle Streiten\u201c um Positionen und kn\u00fcpfte ein starkes Netzwerk engagierter Frauen.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">In den 1980er-Jahren promovierte sie, ihre Dissertation analysierte den neuen Geschlechtergleichstellungsartikel Art. 4 Abs. 2 aBV im Kontext der Eherechtsrevision. Kurz darauf brachte sie ihr Fachwissen in die nationale Gleichstellungspolitik ein und arbeitete f\u00fcr die Eidgen\u00f6ssische Kommission f\u00fcr Frauenfragen. Dabei wirkte sie u.a. auch bei der Erarbeitung des Gleichstellungsgesetzes und an dessen parlamentarischer Beratung mit wie auch an der Revision des Sexualstrafrechts.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">1988 wurde sie zur ersten Leiterin des neu geschaffenen Eidgen\u00f6ssischen B\u00fcros f\u00fcr die Gleichstellung von Frau und Mann ernannt. 1993 \u00fcbernahm sie die Funktion der Stellvertretenden Generalsekret\u00e4rin und Leiterin des Rechtsdienstes im Eidgen\u00f6ssischen Departement des Innern; 1996 erfolgte ihre Wahl zur Generalsekret\u00e4rin des EDI.<\/span><br \/><span style=\"color: #333333;\">Nach ihren T\u00e4tigkeiten in der Bundesverwaltung (1985 &#8211; 2003) wechselte sie im Herbst 2014 auf die kommunale Ebene und wurde Ombudsfrau der Stadt Z\u00fcrich. In dieser Rolle setzte sie sich bis 2020 f\u00fcr die Anliegen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ein und nutzte individuelle Beschwerden als Grundlage f\u00fcr rechtliche, strukturelle und systemische Verbesserungen.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">2011 erhielt sie den Fischhof-Preis f\u00fcr ihren Einsatz gegen Rassismus und gegen Diskriminie\u00acrung jeglicher Art. 2018 wurde ihr die Ehrendoktorw\u00fcrde von der Juristischen Fakult\u00e4t der Univer\u00acsit\u00e4t Z\u00fcrich verliehen. Sie ist Autorin und Herausgeberin verschiedener Publikationen zu gleichstellungs- und sozialpolitischen Fragen.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #333333;\">Claudia Kaufmanns Lebens- und Berufsweg zeigt eindr\u00fccklich, dass pers\u00f6nliches Engagement und institutioneller Wandel miteinander erfolgreich verbunden sein k\u00f6nnen. Ob als K\u00e4mpferin f\u00fcr feministische Anliegen, als Pionierin in der Bundesverwaltung oder als Ombudsfrau, sie setzte sich stets mit Hartn\u00e4ckigkeit f\u00fcr die Weiterentwicklung und Verwirklichung der Gleichstellung, der Menschenrechte und der Gerechtigkeit ein. Ziele, die auch ihre nachberuflichen Aktivit\u00e4ten kennzeichnen.<\/span><\/p>\r\n\r\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"kmsembed-0_w8nvzzc1\" class=\"kmsembed\" title=\"Interview Claudia Kaufmann\" src=\"https:\/\/uzh.mediaspace.cast.switch.ch\/embed\/secure\/iframe\/entryId\/0_w8nvzzc1\/uiConfId\/23449004\/st\/0\" width=\"826\" height=\"465\" frameborder=\"0\" sandbox=\"allow-downloads allow-forms allow-same-origin allow-scripts allow-top-navigation allow-pointer-lock allow-popups allow-modals allow-orientation-lock allow-popups-to-escape-sandbox allow-presentation allow-top-navigation-by-user-activation\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Kaufmann wurde 1956 in Basel geboren und erlebte ihre Jugend in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. In ihrer Familie war es selbstverst\u00e4ndlich, dass Frauen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":894,"featured_media":678,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_customify_content_layout":"","_customify_sidebar":"","_customify_page_header_display":"default","_customify_disable_header":"","_customify_disable_header_top":"","_customify_disable_header_main":"","_customify_disable_header_bottom":"","_customify_disable_page_title":"","_customify_disable_content_vertical_padding":"","_customify_disable_footer_top":"","_customify_disable_footer_main":"","_customify_disable_footer_bottom":"","_customify_breadcrumb_display":"","_customify_header_transparent_display":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-podcasts-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/894"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=680"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":700,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions\/700"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}