{"id":54,"date":"2023-12-04T13:53:32","date_gmt":"2023-12-04T13:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/?p=54"},"modified":"2025-03-07T13:23:52","modified_gmt":"2025-03-07T13:23:52","slug":"lili-nabholz-haidegger-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/2023\/12\/04\/lili-nabholz-haidegger-2\/","title":{"rendered":"Lili Nabholz-Haidegger"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00abEs geht nicht darum, das pers\u00f6nliche Schicksal zu ver\u00e4ndern, sondern die Gesellschaft.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Lili Nabholz wurde am 31. Dezember1944 in Solothurn geboren und wuchs in einem Drei-Generationen-Haus mit Gewerbebetrieb auf. Die Frauen waren ganz selbstverst\u00e4ndlich und unentgeltlich im Betrieb t\u00e4tig. Wegen ihres ausgepr\u00e4gten Gerechtigkeitssinns studierte sie ab 1965 Jura in Z\u00fcrich und geh\u00f6rte damals als Frau einer Minderheit an. Sie machte ihr Lizenziat, heiratete und arbeitete f\u00fcr das Anwaltspraktikum in einer Anwaltskanzlei mit einem Lohn von CHF 500, w\u00e4hrend ihr Mann studierte. Neben dieser Arbeit verfasste sie ihre Dissertation \u00fcber die Konventionalscheidung. Nach dem Anwaltspatent leitete sie die unentgeltliche Rechtsberatungsstelle f\u00fcr Frauen beim Evangelischen Frauenbund Z\u00fcrich und wurde durch die dort gemachten Erfahrungen mit den Lebensgeschichten zahlloser Frauen politisiert. Sie begann Vortr\u00e4ge zu frauenpolitischen Rechtsfragen zu halten und wurde aufgrund dieser von der damaligen Stadtr\u00e4tin Regula Pestalozzi anfragt, ob sie das Pr\u00e4sidium des 4. Schweizerischen Frauenkongresses zum Internationale Uno-Jahr der Frau 1975 \u00fcbernehmen wolle. Lili Nabholz stellte sich dieser Aufgabe und wurde danach in die vom Bundesrat neu geschaffene Eidgen\u00f6ssische Kommission f\u00fcr Frauenfragen berufen, die sie sp\u00e4ter pr\u00e4sidierte.<\/p>\n<p>Als Vizepr\u00e4sidentin der ersten von Frauen lancierten Verfassungsinitiative \u00abGleiche Rechte f\u00fcr Mann und Frau\u00bb setzte sie sich f\u00fcr die die Verankerung der Geschlechtergleichheit in der Verfassung ein. Der am 14. Juni 1981 angenommene Art. 4 Abs. 2 BV sah u. a. die direkte Klagem\u00f6glichkeit f\u00fcr Lohngleichheit vor. Als Anw\u00e4ltin nutzte sie die neuen verfassungsrechtlichen M\u00f6glichkeiten und f\u00fchrte erfolgreich den ersten Lohngleichheitsprozess f\u00fcr Krankenpflegerinnen, deren Arbeit schlechter entl\u00f6hnt wurde als diejenige der Sanit\u00e4ter. Sie klagte gegen diskriminierende Lehrpl\u00e4ne an Primarschulen, Benachteiligungen von B\u00e4uerinnen in der IV und sie vertrat die Interessen von Frauen im typischen Frauenberuf der Dentalhygienikerinnen, denen die Aus\u00fcbung ihres Berufs in einer selbstst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit nicht gestattet war. Als Nationalr\u00e4tin war sie auch Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarats und engagierte sich dort als Vizepr\u00e4sidentin der Menschenrechtskommission. Sie erhielt u. a. Auszeichnungen der Ida Somazzi Stiftung f\u00fcr herausragende Leistungen in der Frauenf\u00f6rderung und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.<\/p>\n<p>Lili Nabholz bezeichnet sich selbst mehr als Sachpolitikerin, denn als Parteipolitikerin. Sie betont die Bedeutung von Gerechtigkeit und k\u00e4mpfte in verschiedenen Bereichen gegen Diskriminierungen, so auch im Sozialversicherungssystem, welches Frauen benachteiligt. Sie war eine der M\u00fctter der 10. AHV-Revision mit einem zivilstandunabh\u00e4ngigen Rentensystem mit Erziehungs- und Betreuungsgutschriften.<\/p>\n<p>\u00ab<em>Papier ist geduldig und alles sieht auf dem Papier besser aus, als es in Wirklichkeit ist. Die Realit\u00e4t muss ver\u00e4ndert werden. Die L\u00fccke zwischen Theorie und Praxis muss geschlossen werden. Man muss f\u00fcr Gleichberechtigung k\u00e4mpfen und darf das Erreichte nicht verlieren<\/em>.\u00bb<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"kmsembed-0_ios0sp99\" class=\"kmsembed\" title=\"Interview Lili Nabholz\" src=\"https:\/\/uzh.mediaspace.cast.switch.ch\/embed\/secure\/iframe\/entryId\/0_ios0sp99\/uiConfId\/23449004\/st\/0\" width=\"826\" height=\"465\" frameborder=\"0\" sandbox=\"allow-downloads allow-forms allow-same-origin allow-scripts allow-top-navigation allow-pointer-lock allow-popups allow-modals allow-orientation-lock allow-popups-to-escape-sandbox allow-presentation allow-top-navigation-by-user-activation\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\nF\u00fcr zus\u00e4tzliche Dokumente, senden Sie bitte eine E-Mail an: lst.fiocchi@ius.uzh.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEs geht nicht darum, das pers\u00f6nliche Schicksal zu ver\u00e4ndern, sondern die Gesellschaft.\u00bb Lili Nabholz wurde am 31. 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